Titanfall 2 im Test: Puristischer Shooter und Roboter-Bromance – jetzt mit Test-Video!

Alexander Gehlsdorf

Mit Titanfall 2 fällt buchstäblich ein Brocken von Himmel, der die Konkurrenz erzittern lässt. Das neue Spiel von Electronic Arts und Entwickler Respawn Entertainment hat das Zeug, zum besten Shooter des Jahres zu werden. Woran das liegt, erfährst Du in meinem Test.

Titanfall 2 im Test.

Was hat sich Electronic Arts dabei nur gedacht? Ausgerecht jetzt, wo sich Battlefield und Call of Duty mal wieder um die Krone im Shooter-Genre streiten, erscheint mit Titanfall 2 ein weiterer Herausforderer. Teil 1 war seinerzeit schon ein Kritikerliebling, leider blieben die Verkaufszahlen aber hinter den Erwartungen zurück. Wenn Titanfall 2 neben der Konkurrenz bestehen will, muss hinter dem Titel also auch ein ausgezeichnetes Spiel stecken. Und zum Glück tut es das auch.

Die Kampagne

Anders als im Vorgänger steckt in Titanfall 2 eine echte Einzelspieler-Kampagne. Darin schlüpfst Du in die Rolle des Schützen Jack Cooper und träumst davon, Pilot für die Frontier Militia zu werden, die sich im Krieg mit der IMC befindet. Was die beiden Kriegsparteien unterscheidet und warum überhaupt Krieg geführt wird, scheint keine Rolle zu spielen. Als generischer Weltraumsoldat schießt man eben auf andere generische Weltraumsoldaten. Dabei kommt es, wie es kommen muss: Die ausgebildeten Piloten der Frontier Militia werden von der IMC besiegt. Jetzt liegt es an Grünschnabel Cooper, den Titan seines ehemaligen Mentors zu besteigen und die IMC im Alleingang in die Schranken zu weisen.

Warum die Kampagne trotz der dünnen Story  überzeugen kann, liegt in erster Linie an dem Verhältnis zwischen Cooper und seinem Titan BT. Mit seiner liebenswert mechanischen Art ist er mir schnell ans Herz gewachsen und sorgt immer wieder für herrlich trockenen Humor. Mit seiner Unfähigkeit, menschliche Emotionen und Redewendungen nachzuvollziehen, erinnert er dabei sogar hin und wieder an Leonard „Mr. Spock“ Nemoy, nicht zuletzt dank der ihm sehr ähnlich klingenden Stimme in der englischen Version. In der deutschen Übersetzung hört sich BT leider so an, als sollte man ihm dringend einen Hustenbonbon sowie eine Tasse heißen Tee reichen. Dadurch geht der deutschen Version eine ganze Menge Atmosphäre verloren. Wer des Englischen mächtig ist, greift also unbedingt zur Originalversion.

Spielerisch kann Titanfall 2 auf ganzer Linie überzeugen. Wie schon der Vorgänger setzt das Spiel auf blitzschnelle Gefechte, akrobatische Wallruns, und ultrapräzise Steuerung. Die Schießereien fühlen sch großartig an, und sobald sich Cooper an Bord seines Titans befindet, werden diese umso taktischer. Im Gegensatz zu den flinken Piloten müssen die schwerfälligenTitans nicht nur auf die richtige Ausrüstung achten, sondern auch die Levelarchitektur zu ihrem Vorteil nutzen. Zudem heilen sich Titans nicht von selbst, sondern sind auf grün-leuchtende Batterien angewiesen, die ab und an im Level verteilt sind und vor allem im Duell Titan gegen Titan über Sieg und Niederlage entscheiden können – etwa, wenn man einem der insgesamt fünf Bossgegner gegenübersteht.

Die Levelarchitektur ist eine weitere Stärke der Kampagne. Zwar sind die Gebiete größtenteils linear, die zahlreichen Möglichkeiten sich per Wallrun oder Doppelsprung durch die häufig sehr vertikalen Level zu bewegen sorgen aber dennoch für das richtige Gefühl an Freiheit. Darüber hinaus sind die Level sehr logisch aufgebaut und lockern die Schießerein mit gut platzierten Rätseln und Jump-and-Run-Passagen auf. Mein Highlight ist der Besuch in einer IMC-Forschungsstation, in der ich per Knopfdruck zwischen zwei verschiedenne Zeitebenen wechseln kann. Das offenbart nicht nur Wege, die nur in einer der beiden Zeitebenen passierbar sind, sondern lässt mich auch taktisch abwägen, ob ich mich lieber in der Vergangenheit mit Soldaten der IMC messen will, oder mit den fiesen Alienbiestern, die sich in der Zukunft über deren Kadaver hermachen.

Wie Titanfall das Shooter-Genre verändert hat

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Der Multiplayer-Modus

„Intensiv, rasant, perfekt balanciert und einfach nur extrem spaßig“, so steht es im GIGA-Test für das erste Titanfall. Titanfall 2 ließe sich mit genau den gleichen Worten zusammenfassen, trotzdem hat es Entwickler Respawn Entertainment geschafft, der Multiplayer-Torte noch das Sahnehäubchen obendrauf zu setzen. Mit von der Partie sind weiterhin die bekannten Spielmodi Attrition, Last Titan Standing, Capture The Flag, Pilots vs. Pilots und Hardpoint Domination. Letzterer funktioniert wie das bekannte Flaggen erobern aus Battlefield, in Titanfall 2 lassen sich die eroberten Sektoren allerdings zusätzlich verstärken und spendieren fortan doppelt so viele Punkte. Dadurch gewinnt der Modus taktisch an zusätzlichem Anspruch, da ich nun entscheiden muss, ob es sinnvoller ist, den eigenen Sektor weiter zu verteidigen oder aber direkt zum nächsten Sektor vorzustoßen.

Neu sind die beiden Modi Bounty Hunt und Coliseum. In Ersterem sammelst Du durch das Abschießen von gegnerischen Piloten, Titans und zahlreichen KI-Gegnern Geld, das jedoch nicht sofort gesichert wird, sondern erst in den sich regelmäßig öffnenden Banken eingezahlt werden muss. Das Team, das zuerst 5000 Dollar erspielt hat, gewinnt. Dementsprechend viel Vorsicht solltest Du walten lassen, denn wer mit prall gefülltem Geldbeutel auf dem Weg zur Bank abgeschossen wird, geht natürlich leer aus. Coliseum hingegen schickt dich Spieler gegen Spieler ins Duell auf einer leeren Plattform ohne jede Deckungsmöglichkeit. Wer zuerst drei Treffer landet, gewinnt das Duell. Coliseum ist vor allem ein Fest für Spieler alter Schule, die bereits in den 90ern mit Railgun und Raketenwerfer auf den Quake-Servern dieser Welt für Angst und Schrecken gesorgt haben. Allerdings kostet der Zugang zum Coliseum 10 Credits pro Match.

Credits verdienst Du automatisch in jedem Match. Ein abgeschlossenes Match spendiert einen Credit, ein gewonnenes Match gleich zwei und eine gute Performance im Match wird zusätzlich mit einem dritten Credit belohnt. Hin und wieder erhältst Du Credits auch in speziellen Geschenkboxen, in denen außerdem Banner oder Abzeichen stecken können. Mit den Credits lassen sich auch Waffen und Fähigkeiten kaufen, geduldige Spieler verzichten darauf jedoch, da diese mit dem entsprechendem Level auch automatisch freigeschaltet werden. Die Waffen und Fähigkeiten der Piloten lassen sich frei zusammenstellen, die Titans stehen jedoch nur in sechs vorgefertigten Versionen zur Verfügung. Das ist allerdings kein Nachteil, da auf diese Weise jeder Titan über klar definierte Stärken und Schwächen verfügt und die Partien somit in jeder Konstellation fair ausbalanciert sind.

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Mein Test-Fazit zu Titanfall 2

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Als Titanfall 2 im Voraus für seine besondere Beziehung zwischen Pilot und Titan beworben wurde, schaltete mein Kopf auf den für PR-Floskeln reservierten Durchzug. Umso überraschter war ich, dass das Spiel tatsächlich in genau diesem Punkt überzeugen kann. BT ist die liebenswerteste künstliche Intelligenz in einem Spiel seit GLaDOS sich in Portal in mein Herz gesungen hat. Und auch darüber hinaus steckt von den pointierten Dialogen über die Levelarchitektur bis hin zu Texteinblendungen auf den Ladebildschirmen so viel Liebe in der Kampagne, dass man dem Spiel auch nicht wegen seiner platten Story böse sein kann. Beim Spielen fühlte ich mich an diverse Shooter-Klassiker wie Half-Life, Quake und System Shock erinnert, und die Erfahrung der Entwickler, die bereits am ersten Modern Warfare gearbeitet haben, spürt man während der gesamten Spielzeit, die mit fünf Stunden allerdings knapp bemessen ist.

Der Multiplayer baut die Stärken des Vorgängers gezielt aus und gehört technisch und spielerisch zu den besten Online-Shootern, die momentan erhätlich sind. Die präzise Steuerung, die vertikale Bewegungsfreiheit, die hohe Spielgeschwindigkeit und die gelungene Mischung aus Piloten- und Titan-Gameplay funkionieren noch immer großartig und vereinen gekonnt klassische und moderne Shooter-Tugenden. Wer jetzt immer noch nicht von Titanfall 2 überzeugt ist, dem sei gesagt, dass das Spiel weder über einen Echtgeld-Shop für zusätzliche Credits, noch über einen Season-Pass verfügt und somit alle Inhalte über kurz oder lang kostenlos zugänglich gemacht werden. Damit entscheidet Titanfall 2 den Kampf gegen Battlefield und Call of Duty nicht nur spielerisch für sich, sondern auch finanziell.

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