Teenage Mutant Ninja Turtles - Mutanten in Manhattan im Test: Kürze ohne Würze

Martin Eiser 1

Platinum Games gelten als die ausgewiesen Experten für Actionkracher mit einer fantastischen Steuerung und epischen Gefechten. In unserem Test zu Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhattan erklären wir, warum das Studio diesmal nicht die gewohnte Qualität abliefert und der Ausflug mit den Ninja-Schildkröten nur mit Vorsicht zu genießen ist.

Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhattan - Launchtrailer.

Wenn ich an die Teenage Mutant Ninja Turtles denke, dann fällt mir natürlich die erste Fernsehserie aus den Neunzigern ein. Sie stammt schließlich aus der Zeit, in der ich groß geworden bin. Ich kann mich auch noch immer an den Titelsong erinnern, der von Frank Zander gesungen wurde, und habe ihn sogar jetzt beim Schreiben im Ohr. Ich mochte die Turtles, denn die Serie hatte viel Humor und die vier Schildkröten mit Pizzaproblem und Meister Splinter waren sympathische Charaktere. Selbst die damaligen Spiele zur Serie waren unterhaltsame Sidescrolling-Prügler, wenn auch ein bisschen stumpf.

Mit dieser Grundlage bin ich nun an „Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhattan“ gegangen. Da sich das neue Turtles-Spiel vor allem optisch mehr an den Comics orientiert, konnte ich außerdem eine weitere Facette der Kröten kennenlernen. Der Titel stammt übrigens vom japanischen Entwickler Platinum Games, der – unter anderem dank Bayonetta – ein Garant für hervorragende Unterhaltung ist. Ich glaube sogar, dass sie die Idealbesetzung sind, um dem vermeintlich stumpfen Stoff etwas Tiefe zu geben und in ein cooles Spiel zu verpacken.

Die Prämisse für „Mutanten in Manhattan“ klingt auch wirklich vielversprechend: Game Director Eiro Shirahama sagte im Gespräch mit The Verge, dass man ein eigenständiges Spiel erschaffen will. Um aber den Geist der Turtles wirklich gut zu treffen, schaute sich das Team zum einen die Fernsehserien, zum anderen die alten Spiele – jene Klassiker, die ich selbst auf dem Super NES und dem Mega Drive gezockt habe – an. Platinum Games strebte eine echte Arcade-Erfahrung an, sie sollte einfach nur besser sein. Was konnte also schiefgehen?

Kürze ohne Würze

Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhattan ist ziemlich kurz. Das Spiel bietet neun Missionen mit einer Spielzeit von vielleicht sechs bis acht Stunden. Gleichzeitig aber ist das Leveldesign sehr dröge und zum Teil sogar unübersichtlich. Dafür ist nicht die Grafik verantwortlich, der Stil ist hingegen sogar ziemlich hübsch geworden. Der Grund ist ein anderer: Abgesehen von ein paar netten Stellen wirken die meisten Orte ziemlich lieblos zusammengeschustert und chaotisch. Und so zieht sich das Spiel trotz seiner Kürze erstaunlicherweise trotzdem in die Länge.

Zu den gelungenen Elementen gehört beispielsweise, dass die vier Turtles auf einem Geländer entlang grinden, oder dass sie an Fassaden hochklettern und mit einem kleinen Fallschirm durch die Luft gleiten können. Das kann eine schöne Dynamik erzeugen, die zunächst an Infamous erinnert, die wir aber auch aus den Spielen von Platinum Games kennen und lieben. Leider aber sind solche Momente nur eine Ausnahme. Meist langweilen wir uns in geschlossenen Räumen mit sich wiederholenden Gängen und lahmen Kämpfen.

Das erhoffte lockere Arcade-Gefühl geht schnell flöten, denn zum Teil habe ich keinen Plan, wo ich eigentlich hin muss, weil alles gleich aussieht. Selbst im Online-Modus passiert es, dass einer der vier Spieler keinen Plan hat, was überhaupt zu tun ist. Wie konnte Platinum Games nur ein solcher Fehler unterlaufen? Und warum hat es das Studio verpasst, zusätzlich zum Online-Modus einen lokalen Mehrspielermodus anzubieten? Besonders solche Spiele machen doch auf der Couch mit Freunden am meisten Spaß. Aber wahrscheinlich sollten wir froh sein, dass wir überhaupt mit anderen Schildkröten gemeinsam spielen können. Neben dem kurzen Story-Modus mit Online-Koop gibt es nämlich sonst keinen weiteren Modus, der das Gesamtpaket aufwertet.

Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhattan - Gameplay-Trailer.

Selbst beim Kampfsystem gibt es Probleme

Beim Kampfsystem von TMNT gibt es zwei Arten von Angriffen mit denen wir permanent auf Gegner einprügeln können. Zu einer erweiterbaren Auswahl von Spezialfähigkeiten kommen vier pro Charakter dazu, die wir vor Spielbeginn festlegen müssen. Die meisten Fähigkeiten sind für alle Turtles gleich, nur wenige unterschieden sich. An Bord sind unter anderem mächtige Angriffe, aber auch Talente, die uns schneller machen oder heilen. Jede Fähigkeit kann unbegrenzt oft eingesetzt werden, muss sich aber zunächst eine Weile regenerieren. Spielen wir allein, lohnt es sich vor allem bei einem Bosskampf, den Ninja-Turtle permanent zu wechseln, um die jeweiligen Fähigkeiten abzugrasen. Im Online-Multiplayer sollten wir wiederum versuchen, durch Absprache im Chat unsere Fähigkeiten zu kombinieren.

Dies ist eine sehr solide Grundlage für das Kampfsystem, und dennoch ist es nicht rund geworden. Das Ausweichen und Kontern von Angriffen war selbst bei Bayonetta leichter. Die normalen Attacken sind ein bisschen zu schwach gegen starke Gegner und im Chaos mit drei anderen Turtles ist es schwer, vernünftige Kämpfe zu ermöglichen. Also folgt meistens sinnloses Tastengekloppe und bei schweren Gegnern oder einem langwierigen Bosskampf heißt die Strategie, möglichst oft auf Distanz zu gehen und auf die Spezialfähigkeiten setzen. Denn solang ein Turtle am Leben bleibt, kann er die seine Kameraden wiederbeleben. Im Notfall bleibt noch die Pizza-Stärkung, mit der sich ein besiegter Turtle ebenfalls wieder am Kampf beteiligt. Nur wenn all vier gleichzeitig außer Gefecht sind, ist das Spiel vorbei.

Mein Test-Fazit zu Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhattan

Ja, natürlich ist so ein sinnloses Gekloppe der eigentliche Kern eines spaßigen Arcade-Spielchens. Aber dafür ist das Leveldesign wiederum nicht gut genug und das Kampfsystem fast ein wenig überladen. Vor allem aber ist der Preis für eine solche Erfahrung völlig überzogen. In den Spielen von Platinum Games waren es stets die Kämpfe, die Spaß machten. Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhattan kann aber im Grunde nur beim Stil und den gut getroffenen Charakteren richtig glänzen.

Das Ergebnis ist ein bisschen wie eine Fahrt mit der Wilden Maus auf dem Rummelplatz. Es geht auf und ab, aber der Nervenkitzel bleibt auf der Strecke. Wenn wir uns darauf einlassen und Bock haben, kann es ganz cool sein, auch wegen ein paar schöner Momente. Aber am Ende bleibt der fahle Beigeschmack, warum wir dafür jetzt so viel Geld bezahlen mussten. Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhattan hätte sicherlich ein tolles Spiel werden können. Aber für Publisher Activision war die rechtzeitige Veröffentlichung zum Kinostart in den USA offensichtlich wichtiger als die spielerische Qualität.

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