Total War: Three Kingdoms im Test – Mit harter Arbeit auf den Kaiserthron

Olaf Bleich

„Was glaubst du eigentlich, wer du bist: Vielleicht der Kaiser von China?“ Wenn du Total War: Three Kingdoms beendest, kannst du diese Frage endlich bejahen! Ob das Strategiespiel diese Mühe wert ist, erfährst du in unserem Test.

Endlich! Das Königreich Wei thront über allem. Ich bin Kaiser und dennoch längst nicht unumstritten. Mein Verrat gegenüber dem Herzogtum Song und – freundlich ausgedrückt – rigorose Machtbestrebungen rufen neue Konkurrenten auf den Plan. Sie alle wollen nur eins: Auf den Thron.

In seinen besten Phasen fühlt sich Total War: Three Kingdoms an wie eine gute Folge Game of Thrones. Anfangs jedoch wirft mir das Spiel reichlich „Fachchinesisch“ um die Ohren und überfordert mich mit einer Flut an Diplomatie-Optionen sowie vielen mir fremden Helden und Begriffen.

Wenn du nach schneller Taktikkost suchst, dann ist Total War: Three Kingdoms sicher nichts für dich. Wenn du dir aber von einem Strategiespiel neben wuchtigen Schlachten vor allem auch Diplomatie und Management erhoffst, wirst du hier auf jeden Fall fündig.

Im folgenden Video gewinnst du einen Einblick in die weitläufige Landschaft von Total War: Three Kingdoms:

Total War: THREE KINGDOMS - A Hero's Journey Trailer.

Herrscher und Strategen

Die Geschichte hinter Total War: Three Kingdoms ist schnell erzählt: Im alten China herrscht Chaos. Die Han-Dynastie liegt am Boden. Das Kaiserreich ist zerstört. Du willst auf den Thron. Wie du das anstellst, liegt letztlich an dir. Mit der anfänglichen Wahl des Generals legst du den Schwierigkeitsgrad und die Startbedingungen fest. Dazu entscheidest du dich mit der „Geschichte“ oder den „Aufzeichnungen“ der drei Reiche für den Spielmodus: In der Geschichte fungieren die Hauptmänner als Superhelden, besitzen übermenschliche Fähigkeiten und duellieren sich sogar. Creative Assembly nimmt hier Anleihen bei Total War: Warhammer 2. In den Aufzeichnungen geht es historisch korrekter zu: Hier gewinnt der besserer Taktiker.

Total War besitzt eine beinahe 20-jährige Serientradition und vermischt seit jeher Echtzeitschlachten mit ruhigem Aufbau des eigenen Reiches. Three Kingdoms bildet da keine Ausnahme. So ziehst du auf der frei dreh- und zoombaren Karte deine Armeen umher und kümmerst dich zugleich um das Wohl deiner Untertanen. In den Komtureien – also Verwaltungsbezirken – stampfst du Bauernhöfe und Schmieden aus dem Boden. Im Vergleich zu dezidierten Aufbautiteln wie Anno 1800 bleibt Three Kingdoms natürlich zurück. Trotzdem motiviert die Entwicklung des eigenen Hoheitsgebiets und bildet die wirtschaftliche Grundlage für deine Kampagne.

Dazu führst du dein Reich, ernennst Verwalter und organisierst den Hofstaat. Alle fünf Runden schaltest du Reformen auf dem an einen Kirschbaum angelehnten Fähigkeiten-Bildschirm frei. So aktivierst du Boni für Industrie, Militär oder Landwirtschaft, außerdem schaltest du neue Gebäude und Einheiten frei. Je länger du in der Kampagne unterwegs bist, desto mehr arbeitest du dich in Total War: Three Kingdoms hinein. Und desto besser wird das Strategiespiel auch.

Diplomatische Plaudertaschen

Doch die eigentliche Dynamik entsteht in Total War: Three Kingdoms durch die vielen Fraktionen und ihre Interaktionen. Zwischen den Runden erhältst du Anfragen wegen Handelsbündnissen, Fraktionsabkommen und sogar strategischen Hochzeiten. Einziges Problem: Die Masse an Figuren mit teils ähnlichen Namen und Charakter-Portraits überfordern. So fällt es trotz Übersichtsbildschirmen schwer, Freund von Feind zu unterscheiden. Total War: Three Kingdoms wirkt überladen und das sorgt für Frustmomente.

Immerhin: Die Parteien agieren nachvollziehbar. Unterlegene Mächte reichen bei dir ein Gesuch um Vasallendienst ein, um der Zerstörung zu entgehen. Dominante Herrscher bauen Koalitionen auf oder erklären kurzentschlossen den Krieg. Allzu aggressive Expansion sorgt übrigens nicht nur für schlechte Stimmung in der Bevölkerung, sondern auch für Misstrauen bei den anderen Parteien. Eroberst du eine Stadt nach der anderen, gerät zudem deine Wirtschaft aus den Fugen: Schließlich musst du die neuen Untertanen auch irgendwie ernähren. Total War: Three Kingdoms erfordert also Fingerspitzengefühl.

Die Echtzeit-Schlachten erinnern stark an frühere Werke von Creative Assembly. Du stellst also vor dem Gefecht deine Truppenverbände auf und pausierst bei Bedarf das Spiel, um Befehle zu geben. Umwelteinflüsse wie beispielsweise Schnee wirken sich auf die Leistung deiner Soldaten aus. Dank Hochglanz-Optik erschafft das Spiel tolle Momente, in denen hunderte Männer über das Schlachtfeld stürmen, brennende Pfeile durch die Luft sausen und Pferde galoppieren.

Taktisch bleibt Total War: Three Kingdoms seiner Serientradition treu. Elemente wie das Flankieren mit der Kavallerie funktionieren weiterhin. Zugleich sind die Belagerungen oder auch Gefechte an mehreren Fronten fordernd und derart bildgewaltig, dass es einfach Spaß macht, ein Hobby-General zu sein.

Mein Test-Fazit zu Total War: Three Kingdoms

Ich habe lange gebraucht, ehe ich mit Total War: Three Kingdoms wirklich warm wurde. Die ersten fünf bis zehn Stunden plagte ich mich vor allem mit dem für mich fremden Szenario und dessen Eigenheiten herum. Die Menüführung, so hübsch sie auch sein mag, ist überladen und die Navigation umständlich. Deshalb musst du Zeit einplanen, ehe du bei Total War: Three Kingdoms in den Flow kommst.

Allerdings belohnt das Spiel diesen Eifer auch und erschafft mit der Zeit eine wirklich gelungene Dynamik. Gerade die Diplomatie und verschiedenen Charakter greifen gekonnt ineinander und sind somit immer wieder für Überraschungen gut. Ich mag, wie ich selbst über meinen Regierungsstil entscheide: Mal als weiser Anführer, mal als Despot, der über Leichen geht. Total War: Three Kingdoms bringt somit alle Tugenden eines ausgezeichneten Strategiespiels mit, erfordert aber Zeit und Muße.

Wird dir gefallen, wenn du schon immer einmal Kaiser werden wolltest und ausreichend Zeit mitbringst, um dieses Ziel zu verfolgen.

Wird dir nicht gefallen, wenn du ein absolut zugängliches und leicht erlernbares Strategie-Leichtgewicht erwartest.

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