Total War Warhammer im Test: Hardcore-Strategie mit Fantasie

Stefan Briesenick 4

Die Total-War-Reihe verlässt mit Total War: Warhammer erstmals das gewohnte Territorium und setzt auf ein interessantes Fantasy-Setting. Ob die eingeschlagene Richtung für das Strategiespiel funktioniert, klären wir im Test.

Was ist Total War: Warhammer.

Total War: Warhammer bei Amazon bestellen *

Total War: Warhammer im Test

Total War: Warhammer ist zehnte Teil der traditionsreichen Wirtschafts- und Militärsimulation und zugleich das erste Spiel, das auf die bislang genutzten harten historischen Szenarien verzichtet und sondern stattdessen einen Ausflug in ein Fantasy-Setting wagt. Dafür greift Total War nicht etwa auf irgendeine beliebiges Setting zurück, sondern bedient sich des ruhmreichen Warhammer-Universums. Das war für mich Grund genug, mir die Serie einmal genauer anzuschauen. Da ich mit Total War bisher noch überhaupt nicht in Berührung gekommen bin, lest ihr hier den Eindruck eines Einsteigers in das Echtzeit-Schlachtentreiben.

Es ist ein prall gefülltes Strategiespiel, das dem Spieler enormes strategisches, taktisches, diplomatisches und wirtschaftliches Geschick in Kombination mit der Fähigkeit, jederzeit über eine Vielzahl von komplexen Abläufen den Überblick zu behalten, abverlangt. Das eigentliche Spiel gliedert sich dabei in mehrere zentrale Gameplay-Features und kombiniert den brutalen Charme von Warhammer mit strategischen Überlegungen, diversen Rollenspielelementen und der Simulation von verzweigten Wirtschaftssystemen. Die vier spielbaren Fraktionen sind das Imperium der Menschen, die Zwerge, die Gemeinschaft der Grünhäute, also Orks und Goblins, sowie die verdorbenen Vampirfürsten. Die Armeen des Chaos gibt es als Zusatzinhalt, der in der ersten Woche kostenlos erhältlich ist.

Der Freund meines Feindes…

Dreh- und Angelpunkt von Total War: Warhammer ist die Strategiekarte: Hier verschieben wir, wie Fans von Civilization oder der Might-and-Magic-Reihe das kennen, Einheiten über die topografische Welt und agieren dadurch mit anderen Fraktionen und deren Armeen. Wie aus ähnlichen Strategie-Titeln bekannt, läuft dieser Teil von Total War rundenbasiert ab. Sobald sich zwei Militäreinheiten auf der Weltkarte treffen, kommt es jedoch zum Echtzeitkampf – dem Alleinstellunsgmerkmal der TW-Reihe. Dazu weiter unten mehr.

Da es auf der Weltkarte vor potenziellen Konkurrenten nur so wimmelt, spielt in Total War: Warhammer zunächst aber auch Diplomatie eine große Rolle. Zusätzlich zu den sich verändernden Wünschen und Bedürfnissen der fremden Spieler stehen mit der Zeit zufällige Begebenheiten oder neue Bedrohungen auf der Tagesordnung. In der Kampagne ist das zum Beispiel das Erstarken der Armeen des Chaos ein wichtiger Faktor, die nach einer bestimmten Rundenanzahl ihren mächtigen Herrscher, Archaon den Ewig Auserwählten, auf Zerstörungskurs schicken.

Durch gewonnene Schlachten oder die Erfüllung anderer Tätigkeiten steigen eure Kommandanten im Level. Dadurch lassen sie sich individuell spezialisieren und beispielsweise zum charismatischen Feldherren oder beispielsweis auch begnadeten Meisterspionen entwickeln. Diese Heldenklasse eignet sich gut zum Auskundschaften feindlicher Stellungen, zum Sabotieren fremder Provinzen und zum Unruhe stiften. Militärisch gut aufgestellte Gegner besiegt ihr nämlich am Leichtesten, indem ihr die öffentliche Ordnung stört und ihre Dörfer und Städte korrumpiert. Das Management dieser beiden Faktoren ist eine kritische Angelegenheit und verschlingt immense Summen an Geld und auch ein gehobeltes Maß an Aufmerksamkeit durch den Spieler.

 

Unwegsames Terrain verlangsamt die Bewegung der Armeen und führt zum Verschleiß der Truppen. Die Soldaten des Imperiums verlieren beispielsweise Lebenskraft und Truppenstärke, solange sie verschneite Gebiete oder sumpfige Wälder durchschreiten. Spezielle Marschstile ermöglichen es Kommandanten, den Verschleiß ihrer Einheiten zu minimieren und Kämpfe in leichter Befestigungsformation zu beginnen. Doch wer sich vorsichtig durch fremdes Territorium bewegt, kommt nur sehr langsam an sein Ziel – und Zeit spielt in Total War: Warhammer eine wichtige Rolle.

Eine weitere wichtige Spielkomponente ist das Wirtschaften: Neue Rekruten für die Armee, Gebäudeverbesserungen und Ausbaustufen der Städte sowie diplomatische Abkommen wollen finanziert werden. Das dafür notwendige Kapital wird über Steuergelder (bei den Vampirfürsten heißt die Währung „Schattenmagie“) erlangt. Umfangreiche Truppendivisionen aufrecht zu erhalten verschlingt jedoch Unterhaltskosten, die wiederum auf die Einnahmen des Königreichs drücken. Durch die Einberufung zusätzlicher Statthalter kann eure Macht auf diversen Angelpunkten der Weltkarte gehalten werden, aber ab einem gewissen Punkt führt aber auch das zu einer Kostenexplosion und mündet womöglich in einen Staatsbankrott. Handelspakte können diese finanziellen Belastungen ausgleichen, eine diplomatische Übermacht verleitet andere Staaten vielleicht sogar dazu, fortan als Vasall eures Imperiums weiterzubestehen. Hier greift alles eben ineinander.

Imposante Echtzeitkämpfe

Den zweiten und für viele sicherlich beeindruckendsten spielerischen Pfeiler von Total War: Warhammer bilden die Echtzeitschlachten. Kommt es auf der Weltkarte zu einer Begegnung zweier befeindeter Streitkräfte, verlasst ihr die strategische Ansicht und wechselt direkt aufs Schlachtfeld. In der Planungsphase müssen die verschiedenen Divisionen auf dem Schlachtfeld positioniert werden. Wälder, abfälliges Terrain und Engpässe bringen euch Vorteile, wenn ihr rechtzeitig die Kontrolle darüber erlangt. Neben diversen Infanterie-Einheiten erwarten euch eine Vielzahl an Kavallerie-, Artillerie- und andersartigen Monstergattungen. Da das Fantasy-Setting des Warhammer-Universums auch fliegende Geschöpfe umfasst, dürfen sich Spieler zudem über Drachen, Greifen und anderes Flügelvieh freuen.

Getreu des Schere-Stein-Papier-Prinzips hauen sich die Streitkräfte dann gegenseitig unter eurem Kommando auf die Nase. Das sieht vor allem aus der Distanz großartig aus und lässt echtes Feldherren-Feeling aufkommen. Die Einheiten haben zudem individuelle Eigenheiten, Ausdauer und – sofern lebend – auch einen Kampfeswillen, den es im hektischen Gefechtsgeschehen zu beachten gilt. Im Mehrspielermodus dürfen solche Auseinandersetzungen übrigens auch zu viert ausgefochten werden, in der Kampagne dürfen Anfänger die meisten Kämpfe auf Wunsch hin automatisch ablaufen lassen und sich auf andere Dinge konzentrieren.

Mit der Warhammer-Lizenz werden nun erstmals auch Magieschulen und übermenschlich starke Feldherren ins Schlachtfeld geschickt, die den Ausgang eines Kampfes mitbestimmen. Mithilfe der Zauberei dürft ihr Einheiten mit zusätzlichen Fähigkeiten versehen oder feindliche Linie in Flammen aufgehen lassen. Die Winde der Magie entscheiden darüber, wie viele Zauber im Schlachtfeld gewirkt werden dürfen und wie schnell sich diese regenerieren. Dadurch wird außerdem verhindert, dass die Magieschulen einen zu mächtigen Einfluss auf die Schlacht haben – Zauberei ist tatsächlich nur Beiwerk, mit ihr allein lässt sich keine Schlacht entscheiden.

Die Gefechts-KI war in der Serie bislang immer eines der gröbsten Kritikpunkte, da sie sich leicht hat austricksen lassen und für geübte Feldherren keine wirkliche Herausforderung darstellte. Tatsächlich lassen sich Computergegner noch immer in die Irre führen: Ich habe zumeist sehr schnelle Einheiten dazu benutzt, um die Hauptarmee zu entzweien und eine größere Division von Feinden über längere Zeit zu beschäftigen. Und während diese Truppen unterwegs sind, setzt meine Hauptstreitkaft der gegnerischen Armee zu und fängt die restlichen Truppen verstreut nacheinander ab. Mit einer einzigen Kavallerieabteilung des Imperiums oder den Fledermausschwärmen der Vampirfürsten gelingt diese Strategie recht gut – nicht immer, aber doch ein bisschen zu oft.

Total War: Warhammer - Grünhäute Kampagne - Trailer.

Das Problem der Perspektive

Aus technischer Sicht präsentiert sich Total War: Warhammer durchwachsen. Die Synchronisierung ist insgesamt recht gut gelungen, allerdings ist die deutsche Tonspur unvollständig und einige Gesprächsfetzen sind nur in englischer Sprachausgabe enthalten. Ich spielte auf einem nicht gerade aktuellen Laptop mit einer GeForce GT 650M und schrammte damit gerade so die Mindestvoraussetzungen. Da neben dem sichtbaren Treiben eine große Menge an Hintergrundprozessen berechnet werden, stockt das Spielgeschehen von Total War: Warhammer auf Nicht-High-End-Rechnern ab und zu, vor allem bei der Berechnung der computergesteuerten Gegner. Für eine entsprechend gute Performance empfehle ich daher einen aktuelleren Rechner und die Installation auf einer SSD – sonst werdet ihr eine harte Zeit mit den Ladezeiten haben.

Trotz vieler Details und unterschiedlichen Individualisierungseffekten der Truppen wird euch Total War: Warhammer optisch wahrscheinlich eher nicht vom Hocker hauen. Das liegt zum einen an der recht langweiligen Präsentation der Weltkarte, die zwar sich verändernde Ortschaften umfasst, aber neben nordischem Terrain nur wenig Detailtiefe zu bieten hat. Zum anderen mangelt es vor allem die Schlachtfelder an Abwechslungsreichtum: Viele Kriegsschauplätze sind weite Steppen, weil Truppen dort in voller Größe kämpfen können. Ein zentrales Objekt oder etwas, das die Positionierung und die Kampfformation der Armeen beeinflussen würde, fehlte mir persönlich zu oft auf den Schlachtfeldern von Total War: Warhammer.

Mein Test-Fazit zu Total War: Warhammer

Total War: Warhammer umfasst eine schier unglaubliche Anzahl strategischer Belange und verbindet diese mit intensiven Echtzeitkämpfen und dem beliebten Warhammer-Universum. Fliegende Kreaturen, unberechenbare Monstrositäten und die Macht der Magie sind dabei sehr „natürlich“ implementiert und ihr Einsatz wirkt sich nie zu stark auf das Ergebnis einer Schlacht aus. Deshalb begrüße ich es sehr, dass Creative Assembly den bisherigen Fokus auf historische Epochen auf dieses, etwas bunteres Szenario verschoben hat. Trotzdem bleibt das Spiel eine fordernde Angelegenheit. Dass es Total War: Warhammer aber trotz dieser enormen Komplexität überhaupt gelingt, ein solch flüssiges Spielgeschehen zu simulieren, ist eine respektable Leistung und ein starker Verweis auf die eigenen Wurzeln. Leider geht diese strategische Intensität klar zulasten von Einsteigerfreundlichkeit und einer zugänglichen Kontrollmechanik in den Schlachten. Überdies zickt die Kamera zickt hier und da rum und technisch ist Total War: Warhammer eher unterwältigend.

Total War: Warhammer wird am 24. Mai 2016 für PC erscheinen. Ihr könnt das Spiel unter .

GIGA-GAMES-Wertungsphilosophie

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA GAMES

* Werbung