Ich war nie Transformers-Fan, doch Transformers: Devastation lässt mich wünschen, ich wäre einer. Denn hätte ich einen persönlichen Bezug zum Franchise, wäre es mir wohl leichter gefallen, die Schwächen des Spiels zu ignorieren und mich am im Kern mehr als soliden Gameplay zu erfreuen. 

 

Transformers: Devastation

Facts 
Transformers: Devastation

Mein Interesse für das Spiel, um das ich ansonsten wahrscheinlich einen großen Bogen gemacht hätte, erwachte erst, als ich erfuhr, welches Studio dahintersteckt: Die Entwickler von Platinum Games sind Fachmänner für Brawler und entwickelten unter anderem die hervorragenden Bayonetta-Spiele – wenn diese Entwickler dafür verantwortlich sind, dürften die Roboterprügeleien von Transformers: Devastation sicher auch Actionfans, die keine Transformers-Kenner sind, Spaß machen, oder?

Transformers Devastation

Stop, Witch-Time!

Tatsächlich fühlt man sich, wenn man Bayonetta gespielt hat, schnell in diesem Spiel zu Hause: Kämpfe funktionieren nahezu identisch wie bei der Hexen-Kollegin. Der Schlüssel zum Erfolg ist auch hier gut getimtes Ausweichen, denn drückt man den Ausweich-Knopf im richtigen Moment, triggert das ein paar Sekunden, in denen das Spiel in Zeitlupe abläuft und die Gegner verwundbar werden, genau wie Bayonettas „Witch-Time“. Dann schnell eine möglichst schlagkräftige Kombo landen, was dank der sehr präzisen Steuerung auch hier leicht von der Hand geht, und schon fühlt man sich wieder wie der härteste Typ seit es Videospiele gibt - und diesmal wirklich nur der härteste Typ: Schön, dass es endlich ein Spiel mit Charakteren gibt, die offen „Trans“ sind (Brüller!), aber anscheinend sind wirklich alle Transformers männlich.

Neu am Kampfsystem sind lediglich die Transformationen. Nicht nur kann man jederzeit nahtlos in die Fahrzeug-Form der jeweiligen Spielfigur wechseln, um sich schneller fortbewegen zu können, die Verwandlung ist auch ein wichtiges Element der Kämpfe: Hat man den Gegnern ein paar Schläge verpasst, signalisiert uns ein blaues Aufblitzen unseres Kämpfers, dass ein Fahrzeug-Angriff möglich ist. Drücken wir dann im richtigen Moment die entsprechende Taste, rammen wir Feinde in Fahrzeugform als krönenden Abschluss einer Kombo. Die Entwickler haben so eine gute Lösung gefunden, die namensgebenden Transformationen in die Kämpfe (die den Großteil der Spielzeit ausmachen) zu integrieren, anstatt sie ausschließlich in die sehr sporadischen und kurzen Racing-Einlagen zu verbannen.

Everything but the kitchen sink

Transformers Devastation
Was ebenfalls an Bayonetta erinnert, ist eine Philosophie, die man am besten mit dem englischen Idiom „everything but the kitchen sink“ beschreibt. Das heißt: Transformers: Devastation braucht nicht lange, um uns in die Action zu stürzen, und gönnt uns von da an kaum eine Pause, denn die Story ist eher funktional als wirklich interessant, die Cutscenes eher in Sekunden als Minuten zu messen - nahezu ununterbrochen also schleudert uns Transformers: Devastation neue Gegner aus der Riege der bösen Decepticons entgegen, immer länger dauern die Kämpfe und immer stärker werden die Gegner. Was Bayonetta allerdings von Transformers: Devastation unterscheidet, ist dass die Hexe im weiteren Verlauf des Spiels halten konnte, was sie zu Beginn verspricht: Das Design der Gegner wurde tatsächlich immer abgefahrener, die Kämpfe immer spektakulärer, die Umgebungen fantastischer. In Transformers: Devastation dagegen kämpfen wir innerhalb von 10 Minuten gegen den hochhausgroßen Devastator und haben dann, was Gegner angeht, alles gesehen. Nach dem spektakulären Kampf gegen Devastator stellt man sich einem Decepticon nach dem anderen und zumindest für mich, der keine Kenntnis der Serie mitbringt, sahen die wirklich alle gleich aus. Und auch die Kämpfe verlaufen ähnlich: Keine Spur von Bayonettas zugegeben manchmal mühseligem, aber forderndem und abwechslungsreichem Auswendiglernen komplizierter Angriffmuster, kein Abwarten auf den richtigen Moment, um zuzuschlagen – einfach ohne zu Zögern feste drauf und die Ausweichtaste nicht vergessen, so kann man als Transformer jeden Kampf bestreiten.

Das gleichförmige Design der Gegner kann in Kombination mit der Tatsache, dass es keine Lock-On-Taste gibt, in späteren Kämpfen dafür sorgen, dass man die Übersicht verliert. In einer Sequenz gegen Ende des Spiels, in der man Autobot-Bastler Wheeljack beschützen muss, während der an irgendeinem MacGuffin schraubt, kämpft man an der Seite aller anderen im Spiel auftretenden Autobots gegen eine Vielzahl von Gegnern, was bei mir zur völligen Orientierungslosigkeit führte und ich konnte nur noch die Augen schließen, an England denken und ziellos draufloskoppen. Das war so frustrierend, dass ich wohl nicht weitergespielt hätte, wäre ich nicht dafür bezahlt worden.

Transformers Devastation

Ebenfalls arm an Varianz sind die Umgebungen – es gibt exakt zwei(2): San Francisco und ein Raumschiff vom Herkunftsplaneten der Transformers. Letzteres sieht mit seinem an Tron erinnernden Neonlicht-Design fantastisch aus, aber man verbringt zu viel Zeit hier, genau wie übrigens in San Francisco, das offenbar aus ungefähr vier Häuserblocks besteht, die man am Ende des Spiels wirklich in- und auswendig kennt. Besonders schade ist das, weil man sich so viel zu schnell an der stilisierten, an die Originalserie aus den 80ern angelehnten Grafik sattgesehen hat, die eigentlich auch ohne Nostalgie-Bonus sehr schön anzusehen ist.

Zu kurz oder zu lang?

Ich habe vereinzelt Beschwerden gelesen, Transformers: Devastation sei zu kurz – 7 Stunden habe ich für die Kampagne gebraucht. Diese Beschwerden sind etwas befremdlich, denn wenn überhaupt, dann sollte Transformers: Devastation schneller vorbei sein. Das Kern-Gameplay macht großen Spaß, doch zu früh hat das Spiel all seine Ideen verbraucht und bietet von da an nur noch Wiederholung der immergleichen Gameplay-Loops. Sich nach dem Abschluss der gegen Ende sehr zähen Kampagne noch an den Challenge-Modus zu wagen, ist zumindest für mich schwer vorstellbar. Auch die unterschiedlichen Spielfiguren – insgesamt 5 – bieten da keine Abhilfe, denn sie unterscheiden sich zwar spürbar, aber nicht so, dass man sich spielerisch neu auf sie einstellen und anders verhalten müsste. Außerdem gibt es ein deplatziertes Auflevel-System, das in der Theorie sicher nett ist, in der Praxis aber dazu führt, dass man in der späten Phase des Spiels besser dran ist, wenn man möglichst lange mit derselben Figur gespielt hat.

Für Transformers-Fans dürften viele dieser Kritikpunkte nichtig sein. Wer die Figuren kennt, freut sich wahrscheinlich über die Auftritte jedes neuen Decepticons und empfindet die Kämpfe schon deshalb wohl als abwechslungsreicher, und er sollte auch weniger Schwierigkeiten haben, Freund und Feind auseinanderzuhalten. Für alle anderen Action-Fans ist das Spiel nur mit Abstrichen zu empfehlen: Als eine Art Reprise zu Bayonetta 2 hatte ich durchaus meinen Spaß mit Transformers: Devastation, doch dem Spiel gehen zu schnell die Ideen aus, die die Entwickler ohnehin schon von sich selbst geklaut haben. 

Transformers Devastation

 

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