Uncharted 4 im Test: Nathan Drakes würdiger Abgang – jetzt auch mit Test-Video!

Martin Eiser 5

Es ist nie leicht, Abschied zu nehmen. Wird er uns aber versüßt mit einem würdigen Finale, dann fällt es deutlich leichter. Der Test zu Uncharted 4: A Thief’s End erklärt, warum das Ende der Spieleserie so gut ist und wo die Schwächen sind.

Uncharted 4 im Test.

Es ist immer noch schwer zu fassen, was ich in den letzten 18 Stunden mit Nathan Drake alles erlebt habe. Es war das angekündigte letzte Kapitel von Entwickler Naughty Dog mit dem wagemutigen Abenteurer und Nachfahren von Sir Francis Drake. Und am Ende, das schreibe ich gern auch gleich an den Anfang, ist Uncharted 4: A Thief’s End so ziemlich genau das geworden, was sich Freunde der Reihe nur wünschen können. Mehr noch: Wir können spüren, wie viel Herzblut und Energie in dem Projekt steckt. So viel Perfektion in einem solch großen Projekt ist eine wahre Meisterleistung.

Fünfzehn Jahre lang dachte Nathan, dass sein Bruder Samuel tot ist. Für ihn war das damals ein schwerer Schock und ein Verlust, den er nicht richtig verarbeiten konnte. Daher erwähnte er Sam auch einfach nicht mehr, um ihn endlich vergessen zu können. Nun aber taucht der plötzlich wieder auf und hat eine Bitte an seinen jüngeren Bruder, die nicht leicht zu erfüllen ist. Gerade erst war Ruhe in das Leben von Nathan Drake eingekehrt. Er hat Elena geheiratet und geht einer geregelten Arbeit nach. Den Schatz des Piraten Henry Avery zu heben, stand nicht auf dem Plan.

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Ein Leben ohne Nathan Drake

Aber mal ehrlich, können wir uns Nathan Drake überhaupt ohne Abenteuer vorstellen? Wie soll der rastlose Entdecker jemals zur Ruhe kommen können? Und vor allem, warum sollte er es eigentlich? Kann es nicht einfach immer so weitergehen? Ein Mysterium ist rätselhafter als das andere. Ein Schatz größer als der nächste. Die neue Mission noch gefährlicher als die vorangegangene. Alles dreht sich immer schneller. Wir jagen von Höhepunkt zu Höhepunkt. Genau das ist es doch, worum es in Uncharted geht. Wieso also Schluss machen?

Uncharted 4: A Thief’s End ist nicht einfach nur eine Geschichte über das letzte Kapitel von Nathan Drake. Das Spiel strotzt vor Referenzen und Vergleichen auf die Vorgänger. Es behandelt grundsätzliche Fragen über das Leben und seinen Sinn. Und es ist vor allem auch die Antwort darauf, warum das alles nicht mehr so weitergehen konnte. Ja, dem Entwicklerteam ist es tatsächlich gelungen, diese Frage mit dem Spiel selbst zu beantworten. Jeder Moment strahlt das unabwendbare Ende aus. Es ist einfach alles gesagt und man soll gehen, wenn es am Schönsten ist.

Je näher ich dem Ende gekommen bin, desto mehr habe ich verstanden, warum es nur diese eine Möglichkeit geben konnte. Ich habe mich nicht mehr dagegen gewehrt, sondern darauf gehofft, dass Nathan Drake endlich seine Ruhe findet. Erwachsenwerden bedeutet auch, Verantwortung zu übernehmen. Erwachsensein ist nicht immer schön. Und doch ist es richtig. So tiefschürfend kennt man weder die Serie, noch ihren Helden. Aber auf der anderen Seite gibt Uncharted 4: A Thief’s End der Saga eine Bedeutung, die zuvor kaum sichtbar war.

Uncharted 4 A Thief's End Story Trailer.

Die Kunst des Erzählens

In seinen Abenteuern entflieht Nathan Drake dem Alltag, und wir folgen ihm dabei nur allzu gern. Er lebt das Leben, von dem wir nur träumen können. Um seine Geschichte zum Ende zu bringen, kommen wir nicht umhin, noch einmal in die Vergangenheit einzutauchen. Wir erfahren mehr darüber, warum Nathan so geworden ist, wie er heute ist. Aber wir bekommen auch einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt der anderen Figuren. Tatsächlich hatte ich bereits sehr früh im Spiel das Gefühl, dass dies mit Sicherheit das beste Skript für ein Videospiel dieser Art ist und Charaktere nur selten so stark umgesetzt sind. Im Verlauf musste ich etwas zurückrudern, aber das Ergebnis ist weiterhin herausragend und fühlt sich sehr erwachsen an. Und auf die Gegenspieler lasse ich nichts kommen. Die sind bis zum Ende fantastisch.

Natürlich ist der Verlauf der Geschichte noch immer völlig überzogen und zum Teil sogar unlogisch. Wir schlittern von einer faszinierenden Entdeckung zur nächsten, und das mit einem Tempo, das locker mit dem Film „The Da Vinci Code: Sakrileg“ mithalten kann, der deutlich davon getrieben ist, ständig neue Schlussfolgerungen zu präsentieren. Uns erwarten überraschende Wendungen und jede Menge Action. Und doch hat mich der fehlende Realismus diesmal nicht gestört. Wenn Nathan und Sam von einem mächtigen gepanzerten Fahrzeug schießend durch enge Straßen getrieben werden, ist mein Adrenalin-Pegel dank der traumhaften Inszenierung hoch genug, um jegliche Aktivitäten im Gehirn auf das Wesentliche zu beschränken.

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Schönere, größere und offenere Welten

Technisch setzt Uncharted 4: A Thief’s End nämlich neue Maßstäbe. Bei der Grafik gelingt es Naughty Dog, die beeindruckende, aber dabei auch sehr sterile Präsentation von The Order: 1886 in ein lebendiges Spiel mit riesigen Welten zu gießen. Am Ende wirkt es fast so, als wollte man auch anderen Entwicklern demonstrieren, was mit einer Playstation 4 alles möglich ist, selbst wenn der Fokus nicht allein auf der visuellen Ebene liegt. Lästig sind lediglich gelegentliche Artefakte und Streifen. Womöglich ist man mit Uncharted 4 schon ziemlich dicht an den technischen Grenzen der Konsole angekommen.

Dafür haben wir diesmal aber deutlich mehr Freiheit, und können immer zwischen mehreren alternativen Wegen wählen, um ein Problem zu lösen – wozu wir auch regelmäßig motiviert werden. Aus The Last of Us wurde das verbesserte Schleichen übernommen, mit dem wir uns nun auch aus dem hohen Gras heraus Feinde schnappen und unbemerkt ausschalten können. Uncharted 4: A Thief’s End ist dadurch zum Teil etwas einfacher, aber vor allem auch zugänglicher geworden. Nicht jeder Abenteurer mag Schießereien. Eine Zielhilfe und ein besonders leichter Schwierigkeitsgrad machen den Titel nun auch für jene interessant, die nur das Popcorn-Kino erleben wollen.

Making-Of Uncharted 4 A Thief's End The End.

Licht und Schatten bei den Spielmechaniken

Das Gefühl, mehr entdecken zu können, wird aber auch durch das Klettern und Erkunden erzeugt. Durch den Greifhaken gibt es ein neues Werkzeug, das mehr Möglichkeiten bietet. Gleichzeitig sorgt er dank einiger hübschen Szenen für eine wunderbare Dynamik. Dazu gehört auch eine Passage, auf dem ansonsten spröden Schottland-Ausflug. Nathan stürzt sich in den grauen Bergen ins Ungewisse, rutscht danach einen Abhang hinunter, springt in letzter Sekunden ab, schwingt sich im Anschluss mit dem Haken über eine Schlucht und hält sich schließlich nur knapp an einem Vorsprung fest. Toll!

Nicht so gelungen ist, dass es ein paar Wiederholungen und ein einige nervige Aufgaben gibt. Es macht nur zwei oder dreimal Spaß, eine Kiste zu suchen, um einen höheren Punkt zu erreichen oder ein Hindernis zu überwinden. Als ich umständlich eine solche Kiste eine längere Strecke ziehen musste, fing es an, etwas ungemütlich zu werden. Dann kam eine Gegnerwelle dazu, sodass ich nur noch schwer seufzen konnte. Bei der Betrachtung des eigentlichen Problems schien mir das Hindernis außerdem lächerlich klein. Die Passage fühlte sich dadurch viel zu deutlich wie ein Lückenfüller an. Zum Glück sind solche Momente in Uncharted 4 selten.

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Mein Test-Fazit zu Uncharted 4: A Thief’s End

18 Stunden mit Nathan Drake. Jetzt sind sie vorbei. Für manche von euch werden es deutlich weniger Stunden werden. Für andere vielleicht ein bisschen mehr. Wie von Naughty Dog angekündigt, fällt danach der Vorhang für den bekannten Abenteurer. Eine lange Reise geht zu Ende und findet mit Uncharted 4: A Thief’s End einen würdigen Abschluss. Das Spiel ist technisch beeindruckend und spielerisch unterhaltsam. Vor allem aber ist es Naughty Dog gelungen, die Erfahrung von The Last of Us zu nutzen und diesmal eine bessere Geschichte mit interessanteren Charakteren zu erzählen. Vielleicht wirkt es deswegen manchmal etwas aufgesetzt, weil wir so etwas in Uncharted eigentlich nicht erwarten. Unterm Strich ist diese Richtung aber eine sehr gute Entscheidung gewesen.

Wobei, ganz vorbei ist das Spiel damit natürlich nicht. Für einen weiteren Durchgang gibt es interessante Grafikfilter und Cheats, sowie jede Menge Schätze, die wahrscheinlich niemand beim ersten Mal finden wird. Und dann ist da natürlich noch der verbesserte Multiplayer-Modus, in dem wir diesmal alle Inhalte ohne Kosten freispielen können. Für diesen Test spielte der aber keine Rolle, weil die Server vor Release noch nicht online sind. Der Fokus eines Uncharted liegt ohnehin auf der Solo-Kampagne. Und für die lässt sich zweifelsfrei festhalten: Uncharted 4: A Thief’s End ist ein Meisterwerk.

Die GIGA-GAMES-Wertungsphilosophie

Bei uns findet ihr aktuell auch schon alle Editionen von Uncharted 4 im Überblick.

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