Uncharted: Bekenntnisse einer Spiele-Jungfrau

Michael Sonntag 3

Spiel mal Uncharted!“ „Du musst unbedingt mal Uncharted zocken.“ „Es gibt da ein Spiel, das Tomb Raider sehr ähnlich ist. Es heißt Uncharted.“ „Ein Titel, den du mal unbedingt mal nachholen solltest, ist das erste Unch…“ – „JA, IST OKAY. ICH MACH’S JA!

Letztens ist eine gewisse Spielereihe 10 Jahre alt geworden. Da geht es um einen Grabräuber. Nein, nicht Lara Croft. Tatsächlich eine, die sich keine Sorge um einen Urheberrechtsstreit mit Indiana Jones macht. Obwohl ich mich mit Crash Bandicoot, Jake & Dexter und The Last of Us eigentlich als großen Naughty Dog-Fan bezeichne, bin ich überrascht, wie das Studio die Uncharted-Reihe solange hinter meinem Rücken entwickeln konnte. Oder warum ich sie nie nachgeholt habe. Und falls dir auch noch nicht klar ist, worüber ich rede, schau dir kurz das Video an:

Vermutlich war nur ein Platz in meinem Kopf für einen ikonischen Grabräuber zu vergeben. Als Zeichen meines guten Willens und mit dem Wissen, dass die meisten guten Spiele erst beim Nachholen entdeckt werden, räume ich Uncharted einen weiteren Platz frei. Geb mir ein Abenteuer, lass mich irgendwas Seltenes jagen und dabei Jahrhunderte alte Tempel zerstören!

20.02:

Eine Goldmünze dreht sich für eine extrem lange Zeit im Ladebildschirm.

20.04: 

Ein bedeutungsschwangerer Text erscheint. Ich sehe einen alten Sarg. Es wird in die Gegenwart übergeblendet, in der zwei Personen den Sarg mit einem Schiff geborgen haben. Die Reporterin filmt den Abenteurer, der im Begriff ist, den Sarg aufzubrechen. Der Sarg ist leer. Bis auf ein Tagebuch. Okay, das wäre auch sonst zu einfach gewesen.

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20.06:

Pünktlich auf die Minute stürmen Piraten herbei, um das Tagebuch zu stehlen. Herrje! Keine Zeit zu Quatschen, jetzt wird geballert. Anstatt dass alle auf einmal angreifen, kommen immer nur drei Piraten an Bord. Etwas unlogisch, aber mein Charakter hat im Tutorial ja einen gewissen Welpen-Schutz. Piff-Paff. Die Pistole tötet einen Gegner erst beim vierten Schuss und kracht wie ein Kinderrevolver zu Karneval. Gehört das immer noch zum Tutorial?

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Ähm – Ich rekapituliere das mal kurz. Das Schiff ist in die Luft geflogen, weil ein Flugzeug ein Boot gerammt hat…Wie dem auch sei, ein alter Freund hat uns jetzt mit dem Flugzeug gerettet. Mich beeindruckt die Coolness, mit der die Leute das Geschehen kommentieren. Das scheint jeden Tag zu passieren. Dieser Freund will sofort die Reporterin loswerden, was ihn gleich sehr unsympathisch macht. Hoffentlich verbringe ich nicht allzu viel Zeit mit ihm.

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Leider habe ich Pech. Wir haben die Reporterin in einer Zwischensequenz zurückgelassen und sind jetzt…in einem Dschungel. Während dieser Freund immer wieder von seinen Spielschulden und seinen One Night Stands redet, klettere ich wie ein Affe à la Assassin’s Creed an alten Statuen herum. Irgendwann finden wir einen Tempel und betreten ihn total gelassen, als ob wir gerade eben mal in die Stadtbibliothek marschieren würden.

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Ich habe herausgefunden, dass ich die Keramik-Gefäße mit meiner Pistole zerschießen kann. Das macht Spaß.

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Wieder einmal haben wir keine Goldstatue gefunden, sondern nur die Spuren, die ihre Diebe hinterlassen haben. Weiter geht’s mit der Schnitzeljagd! Und als wir den Tempel verlassen, treffen wir auf ein altes, deutsches U-Boot. Handelt es sich hierbei um ein Wolfenstein-Crossover, von dem ich nichts wusste?

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Im U-Boot entdecke ich eine Karte. Das Spiel bleibt seinem Gesetz treu, dass Böse auftauchen, sobald ich etwas Konkretes gefunden habe. Anscheinend hat mich mein Freund verraten. Ein Gutes hat die Sache dann doch: Er stirbt und das explodierende U-Boot sorgt für Ablenkung. Auf der Flucht vor den Söldnern treffe ich auf die Reporterin. Na, du auch hier?

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Eine Gedenksekunde für meinen Freund später, kämpfen die Reporterin und ich uns durch einen Tempelraum nach dem anderen, um zurück zum Auto zu gelangen. Dabei nehmen wir bei jedem Duell unsere Plätze hinter den Deckungen ein und piff-paffen, was das Zeug hält. Als meine schwache Munition aufgebraucht ist, entscheide ich mich dafür, die Gegner stattzudessen karate-mäßig zu verprügeln. Endlich finde ich ein Maschinengewehr.

21.30

Wo fange ich an? Ich hänge mit dem Fallschirm in einem Baum und starre auf eine Statue. Das tue ich, weil wir beide aus einem Flugzeug gesprungen sind, das von Luftabwehrgeschützen beschossen wurde, als wir auf eine neue Insel zugeflogen sind. Jetzt muss ich nach dem Wrack und der Reporterin suchen. Also muss ich abwechselnd klettern, springen und schießen, dann aber auch wieder schießen, klettern und springen. Keine Zeit für Urlaubsfotos.

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21.45

Ich zittere hinter einer Deckung, die aufgrund des Kugelhagels auseinander zusplittern droht. Ich habe keine Munition mehr, weder für mein Maschinengewehr noch für meine Piff-Paff. Im Hintergrund stehen vermutlich sieben bis zehn böse Buben, die ihren unendlichen Munitionsvorrat an der antiken Architektur vergeuden. Granaten habe ich auch keine mehr, weil die nie so weit fliegen, wie sie eigentlich sollen. Prinzipiell wäre es vorbei für mich, aber da sucht mich einer der Bösewichte als personifiziertes Munitionspaket hinter meiner Deckung auf. Danke, Mann. Genau das, was ich jetzt brauche.

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Ruhe. Die Gegend ist demoliert. Ich sammle die Waffen der Verstorbenen ein. Ich bin kein Massenmörder, weil die damit angefangen haben. Für einen Moment kann ich die Schönheit der Natur auf mich wirken lassen. Wenn du dir vorstellst, dass dieser Teil noch vollkommen unberührt von Zivilisation ist – da übertrete ich eine unsichtbare Linie, woraufhin wieder dutzende aggressive Feinde anstürmen. Was habe ich denen nur getan?

Ich bin mir nicht sicher, ob der erste Uncharted-Teil repräsentativ für die gesamte Reihe gesehen werden kann. Ich denke, es ist der Anfang von etwas Großem, dass sich über die Teile immer weiter entwickelt und verbessert hat. Aber der erste Teil ist nicht gut gealtert. Die Grafik ist ölig, als ob die Entwickler alles mit einer glänzenden Sonnencreme überdeckt hätten. Die Waffen sind viel zu schwach und oft gibt es einfach zu wenig Munition. Und das Gameplay besteht aus drei Mechaniken, die immer wieder abgewechselt werden.

Ich bin jetzt nicht auf das krasseste Spiel gestoßen, bin trotzdem aber froh, dass ich es nachgeholt habe. Die Grabräuber-Idee mit einem etwas comic-artigeren Humor finde ich an sich interessant und ich werde bestimmt noch mal einen der späteren Teile ansehen.

Wie gut kennst du Uncharted? (Quiz)

Du glaubst, dass du alles über die Uncharted-Reihe weißt und perfekt auf <a href="//www.giga.de/spiele/uncharted-4-a-thief-s-end/">Uncharted 4: A Thief's End</a> vorbereitet bist? Dann beweise dich in unserem Quiz!

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