Wir haben uns drei Stunden lang durch den interaktiven Teenie-Slasher gegruselt. Unser Redakteur Dominic ist Fan der ersten Stunde und deshalb zwar voller Vorfreude, aber doch umso kritischer. Bei unserer Until Dawn Preview erfahrt ihr, ob das Spiel mörderische Hüttengaudi bietet oder der Spielspaß doch im ewigen Eis verendet!

 

Until Dawn

Facts 
Until Dawn

Until Dawn Preview: Drei Jahre Dunkelheit

Ich bin ein Außenseiter, wenn es um Games geht. War ich irgendwie schon immer. Ich liebe Videospiele, ja wage es sogar zu behaupten, dass ich mich in der Thematik sehr gut auskenne. Nur war mein Geschmack in ein paar Fällen immer ein wenig – nun ja – „anders“. Ja, ich freue mich auch auf die eine oder andere große Ankündigung und habe auch früher die Must-Play-Klassiker gespielt. Dennoch: Ich hatte immer was für die Underdogs übrig. Daher war ich Feuer und Flamme, als Sony auf der gamescom 2012 den Trailer für ein unscheinbares, aber in meinen Augen vielversprechendes Spiel zeigte. „Until Dawn“ fühlte sich für mich im Science-Fiction-Action-Horror-Einerlei wie eine Brise frischer Nordwind an, den sich der Teenie-Slasher-Fan in mir immer wünschte. Damals noch für die Playstation 3 angekündigt, war es mir fast egal, dass dieses Spiel ausschließlich für PS Move ausgelegt war – ein Zubehör, welches bis dato in meiner Wahrnehmung unter „ferner liefen“ abgelegt war.

Als es in den darauffolgenden zwei Jahren verdächtig ruhig um den Titel wurde, überkam mich eine gewisse Traurigkeit. Doch 2014 folgte der Relaunch: Auf der gamescom wurde verkündet, dass das Spiel für die PlayStation 4 erscheinen und die Bewegungssteuerung (dem Himmel sei Dank) über Bord geworfen wird. Stattdessen sollte uns eine spannende Geschichte erwarten, in denen jede Entscheidung Einfluss auf den Verlauf der verhängnisvollen Nacht und deren Protagonisten haben soll. Ganz getreu dem Motto: „Alles kann, nichts muss“ wurde ich beim Anspielen auf die Sterblichkeit eines jeden Einzelnen hingewiesen. Mit einem wichtigen Aspekt: No Take Backsies!

 

Angespielt: Until Dawn Preview

Permadeth statt Hüttengaudi

Da wären wir also, angekommen in der klassischen Slasher-Story: Ein Jahr nach einem tragischen, tödlichen Unfall, trifft sich eine Gruppe an Freunden „um der alten Zeiten Willen“ in einem abgelegenen Luxus-Chalet, um mit Gemeinschaft, Alkohol und Zwischenmenschlichkeit ein Freundschafts-Revival auf die Beine zu stellen. Doch wie junge Leute nun mal so sind, bringt jeder seine eigenen, kleinen Päckchen an Eigenheiten und Haltungen dem anderen Gegenüber mit. Und wie Teenie-Slasher nun mal so sind, wäre das ganze Kollektiv nichts ohne einen maskierten Killer, der es kaum abwarten kann, die Teilnehmerzahl der Gruppe sorgfältig zu dezimieren.

Zehn Stunden soll eine Partie des Spiels ca. dauern. Vom Beginn der Partynacht bis hin zum grauenvollen Morgengrauen übernehmt ihr unterschiedliche Charaktere der Gruppe und beeinflusst mit euren Aktionen und vor allem Reaktionen den Verlauf der Geschichte. Dies geht von kleineren Entscheidungen unter Zeitdruck wie „antworte witzig“ oder „antworte sauer“ bis hin zu „versteck dich unter dem Bett“ oder „lauf um dein Leben“. All diese Entscheidungen führen letzten Endes zu unterschiedlichen Verläufen der Geschichte. Der „Butterfly Effect“ lässt grüßen! Die grundlegenden Attribute und Beziehungen der Protagonisten untereinander sind zwar vorgegeben, werden aber durch jede von euch ausgeführte Handlung verändert. Euch ist eines der Mädchen besonders ans Herz gewachsen? Wunderbar, dann werdet ihr das ganze Spiel wahrscheinlich so spielen, dass ihm möglichst wenig zustößt. Das ist auch schlau, denn: Segnet einer der Teenager das Zeitliche, war es dann für ihn. Nichts mit Spielstand laden – der Tod ist endgültig. Sollte diese Prämisse im fertigen Spiel ihr Versprechen halten, steht einem mehrmaligen Durchspielen nichts im Wege.

Bilderstrecke starten(13 Bilder)
Until Dawn: Charaktere in der Übersicht - acht Teenies und ein Killer

A Nightmare In An Evil Dead Cabin In The Woods Knowing What You Screamed Last Summer

Da saß ich nun. Drei Stunden allein mit dem Spiel, auf das ich mich seit drei Jahren freue. Die Erwartungshaltung war hoch – doch die Euphorie war höher! Manch einer mag mich jetzt parteiisch nennen: Natürlich muss mir das Spiel gefallen, wo ich so ziemlich jeden Teenie-Slasher der 80er und 90er im Schlaf zitieren kann. Aber: Losgelöst vom Setting handelt es sich bei Until Dawn auch um ein wirklich cooles Spiel! Entscheidungsfreiheiten, die den Verlauf der Story bestimmen, sind bei Weitem nichts Neues. Ebenso wenig die Interactive-Movie-Spielmechanik, die David Cage in seinen Quantic Dream Spielen auf den Gipfel (und in die Schluchten) getrieben hat. Und dennoch: Durch das geschickte Spiel mit etablierten Klischees, liebgewonnen und verhasst, gelingt es Until Dawn einen Spannungsbogen aufzubauen, den man als Spieler gerne bis zum Ende verfolgt. Zwischen den Kapiteln durchbricht das Spiel geschickt die vierte Wand, indem es den Spieler in eine virtuelle Sitzung beim Psychotherapeuten katapultiert. Dieser wird mindestens so faszinierend wie unheimlich verkörpert von Peter Stormare (genau, der Typ der in The Lost World von den kleinen Dinos gefressen wird oder in Armageddon mit russischem Akzent alles besser weiß) und stellt euch Fragen, die ihr möglichst selbstbezogen und wahrheitsgemäß beantworten solltet. Hier dürft ihr euch entscheiden, ob ihr euch mehr vor Spinnen oder vor Schlangen ekelt oder ob ihr eher von Geistern oder Gedärmen erschreckt werdet. Diese Antworten wirken sich dann auf das Aussehen des Spiels, das Verhalten eurer Charaktere und natürlich auf das des Killers aus. Doch auch hier vollzieht das Spieldesign von Until Dawn mehr als nur erwartungsgemäßen Standard: Je nach Art und Weise eure Spiels spricht euch der Psychologe auf Auffälligkeiten an, die von euren Antworten ihm gegenüber abweichen. Außerdem rückversichert er sich in geschickten Gegenfragen, ob ihr ihn auch wirklich nicht anlügt. Was bei so wenigen Kapiteln schon so viel Spaß gemacht hat, könnte zum absoluten Sahnehäubchen in der fertigen Version werden!

Aufgehende Sonne am Horror-Himmel?

Am Ende der Anspielsession hat sich die Vorfreude erneut gesteigert. Und das möchte etwas heißen. Bis das Spiel am 26. August 2015 erscheint, zehre ich von schrägen Charakteren, gut gesetzten Schreckmomenten (die für Besitzer einer PlayStation Cam natürlich direkt aufgezeichnet und mit Freunden geteilt werden können) und einer Spielerfahrung, die alle Stereotypen-Fallen bewusst wahrnimmt und dennoch reflektiert umschifft.

Ein Herz für Teenager? Until Dawn jetzt vorbestellen!

Ein Herz vom Teenager? Until Dawn vorbestellen!

Stimm ab: Welches ist dein Spiel des Jahres 2015? (Umfrage)

Dominic Stetschnig
Dominic Stetschnig, GIGA-Experte.

Ist der Artikel hilfreich?