Vanquish Test - Wie gut ist Vanquish wirklich?

Tobias Heidemann

Man nehme die Intensität von „Gears of War“, das Gunplay von „Halo“, verfeinere die Shootersuppe noch mit einer Prise „Sonic-The Hedgehog“ und ziehe dann noch jeglichen Ansatz einer nachvollziehbaren Handlung ab. Heraus kommt „Vanquish“ – Schnell, cool, dumm.

Ja, dumm. Aber egal – der dümmste Supersoldat hat bekanntlich die dicksten Waffen.

Worum geht es?

Wenn es den Begriff „Einmannarmee“ noch nicht gäbe – für Sam Gideon müsste man ihn erfinden. Der Typ weiß wirklich wo dein Haus wohnt - noch bevor irgendjemand „böse Russen“ sagen kann, hat er es dann auch schon abgerissen. Die Russen müssen in „Vanquish“ als neues, altes Feindbild herhalten. Mit Hilfe einer zweckentfremdeten Weltraum-Mikrowelle bringt die rote Gefahr gleich zu Beginn ganz San Francisco zum Kochen - das ist wörtlich zu nehmen und tut schon beim Zusehen weh. Nach diesem vernichtenden Erstschlag gibt Oberbösewicht „Voctor Zaitsev“, Anführer der Separatistischen Bewegung „Russische Stern“, den USA 10 Stunden Zeit, um sich zu ergeben. Da die USA aber nicht mit Terroristen verhandeln, blasen sie zum Großangriff auf die Weltraum-Kolonie „SC 01 Providence“. Dort steht nämlich das Schnellkochgerät mit welchem der böse Russe nun auch noch New York plätten möchte. Onkel Sam ist auf eigene Laserfaust vor Ort. Irgendwas mit einem entführten Professor, aber hey, wer kann sich bei dem Lärm schon an Zwischensequenzen erinnern. Professor „Schieß-mich-tot“ wurde jedenfalls entführt und Sam Gideon hat was dagegen. Aber egal. Kommen wir zum Wesentlichen.

Vanquish Test

Wie sieht es aus?

Der Kampfanzug von Sam kommt direkt aus der Weltraumforschung und macht aus dem rauchenden Dünnbrettbohrer mit schlechter Frisur, einen echten „Super-Sam“. Schnell wie ein Schlag aus der Steckdose rast er auf den Knien auf zahllose Roboterrussen zu und sorgt für ungemein effektreiche Kurzschlüsse. Derartig coole Manöver lassen sich jederzeit mit der linken Schultertaste aktivieren. Das macht „Vanquish“ zu einem extrem schnellen Shooter. Der Anzug überhitzt allerdings bei zu häufigen Gebrauch mehr als die Gemüter. Dann geht gar nix mehr - Sam ist für eine kurze Zeit sehr menschlich. Ist er wieder auf Draht, kann er weiter von Deckung zu Deckung hechten bzw. turbosliden, diese ebenso agil überspringen und dann in den AR-Modus wechseln. Das ein neuraler Boost, der Sam sehr schnell – bzw. die Gegner sehr langsam - macht. Zwischendurch wollen noch Waffen aufgehoben werden. Drei kann Sam jederzeit tragen. Ihre Zahl ist so groß, wie der Spaß, den man beim Abzug drücken hat. Das Arsenal ist ausgewogen und jede Waffe hat – wie es ich für einen guten Shooter gehört – bestimmte Vor- und Nachteile. Neben den üblichen Gattungen (MG, MP, Shotgun, Scharfschützengewehr, Granaten und Raketenwerfer), verfügt „Vanquish“ auch über einige Exoten, wie zum Beispiel ein indirektes Raketensuchsystem, einen fiesen Scheibenwerfer oder eine sehr langsame Energiekugelkanone.

Was uns gefällt:

„Vanquish“ macht so ziemlich alles richtig. Hat man nach anfänglicher Überforderung erst einmal verstanden, was Shinji Mikami und sein Entwicklerteam Tango Gameworks von einem wollen – rockt das Game wie ein Wohnzimmer-Konzert von AC & DC. Der Shooter lässt sich unglaublich flüssig spielen, ohne zu jemals zu unterfordern. Im Gegenteil: wer die Funktionen des Anzugs nicht permanent und sinnvoll einsetzt, der hat gegen die solide KI keine Chance. Sams Zerstörungs-Repertoire ist dabei sehr zugänglich gehalten und bietet zahlreiche Anwendungsgebiete. Am Ende steht „Vanquish“ für ein schnelles und forderndes Vernichtungs-Vergnügen.

Was uns nicht gefällt:

Da liefern die Tango Gameworks eine lupenreine Actionperle ab und verpassen es dann dem Ganzen einen vernünftigen Handlungsrahmen zu geben. Der farblose Supersoldate Sam Gideon ist ein ultralangweiliger Typ, dem nicht ein erinnerungswürdiges Wort über die Lippen fährt. Das ständige Funk-Gequatsche mit dem Quotenbabe „Elena“ (kaum ein Kameraeinstellung vernachlässigt ihren Minirock) ist ziemlich nervig, und auch der vermeintliche Kompetenz-Konflikt zwischen Sam und Muskelmeister Lt.Col. Burns ist nur noch zum Fremdschämen. Und überhaupt – dieser Sam eignet sich so sehr zu einer Ikone der Videospielkultur, wie Lothar Matthäus zum Bundestrainer. Echt schade. Vielleicht hätte dem Spiel ein Quentchen mehr Abwechslung bei den Gegnertypen gut getan, aber das ist wirklich jammern auf höchsten Niveau. Die fetten Bossgegner entschädigen dafür alle mal.

Fazit:

Vanquish“ ist eine wunderschöne Symphonie der Zerstörung. Malerische Explosionspanoramen, haushohe Endgegner, der Wohlklang eines hämmernden Maschinengewehrs im AR-Modus und die stilvollsten Rutschpartien der Videospielgeschichte machen seinen blassen Helden und die bescheuerte Handlung vergessen. Dieser fordernde Tempo-Overkill gehört gekauft. Unter den Besten 2010.

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