Mit Watch Dogs hat Ubisoft vor zwei Jahren einen bombastischen Start mit der neuen Marke gefeiert. Es gab allerdings auch viel Kritik, der sich die Entwickler angenommen haben. Watch Dogs 2 wird ein angenehmer Kontrast. Die Gründe dafür nenne ich Dir in dieser Vorschau.

Watch Dogs 2 in der Vorschau.

 

Ist es nicht toll, dass Dein Smartphone inzwischen schon so schlau ist? Es kann Dich nicht nur an einen Termin erinnern, sondern Dir auch gleich sagen, wie du dort hinkommst, Dich vor Stau warnen und Dich auf das schlechte Wetter hinweisen. Die Ergebnisse der Suchmaschine passen sich an Deine Bedürfnisse an und treffen so besser Deinen Geschmack. Und auch soziale Netzwerke versuchen, alles über Dich zu erfahren, um Dir wirklich nur die Inhalte anzuzeigen, die Du sehen willst. Du stehst im Mittelpunkt. Oder vielleicht doch nur Deine Daten?

Es gibt viele Unternehmen, die mit Ihren Produkten viele persönliche Informationen sammeln. Du erzählst Ihnen, wo Du Dich befindest, was Du denkst, was Du machst und wovon Du träumst. Auf Basis dieser Daten können sie Dir passende Werbung für Produkte anbieten – es ist das vordergründige Geschäftsmodell von Unternehmen wie Google oder Facebook. Doch natürlich besteht bei einer solchen viel Sammelwut immer auch die Gefahr, dass diese Daten missbraucht werden. Wissen ist Macht, und in den falschen Händen ist sie gefährlich.

Aller Anfang ist schwer

In Watch Dogs stand dieses Thema noch nicht so sehr im Fokus. Damals wollte der Hacker Aiden Pearce vor allem Selbstjustiz verüben. Das Central Operation System (ctOS) der Blume Corporation, das Chicago komplett vernetzte, war zwar zentrales Feature, aber mit Kritik an dem System hielt sich das Spiel zurück. Der Hauptcharakter war etwas blass und auch die Spielmechaniken blieben hinter den Erwartungen zurück. Mit dem Nachfolger will sich Ubisoft nun diesen Problemen annehmen und das Profil des Spiels schärfen. Zentrales Thema in Watch Dogs 2 ist diesmal der Kampf der Hackergruppe DedSec gegen das Überwachungssystem ctOS 2.0 im fiktionalisierten San Francisco.

Drei Stunden konnte ich mit Watch Dogs 2 verbringen und den kompletten Einstieg spielen. Dabei lerne ich den neuen Hauptcharakter Marcus Holloway kennen und erfahre, wie er zu DedSec kam: Da ihm Verbrechen zur Last gelegt werden, die er nicht begannen hat, verschafft sich der clevere Hacker einfach Zugriff auf das Herz von ctOS und löscht die entsprechenden Einträge aus der Datenbank. Durch diesen Coup wurde die Hackergruppe auf Holloway aufmerksam. Und um zukünftig andere unschuldige Bürger zu schützen, schließt er sich ihnen an.

Hipster oder Hacker?

Ubisoft war es wichtig, das Hacken möglichst authentisch zu thematisieren und eine glaubwürdige Welt zu schaffen, aber dabei trotzdem den Spaß nicht zu kurz kommen zu lassen. Das Team ist dafür mit tatsächlichen Hackern in Kontakt getreten, um Dialoge und Spielmechaniken zu überprüfen. Das Ergebnis ist ziemlich hip und jung, beinahe etwas zu cool für meinen Geschmack. Doch auch wenn ich an einigen Stellen etwas mit den Augen rollen musste, weil ich an der Authentizität zweifelte, war ich zumindest nie wirklich genervt davon. Und in die bunte, simpel animierte DedSec-Propaganda, inspiriert von GIF-Animationen und alten Comics, habe ich mich sogar ein bisschen verliebt.

Was Ubisoft mit Spaß meint, erfahre ich in einer der frühen Missionen. Zu den wichtigsten Zielen im Spiel gehört, eine möglichst große Fanbase aufzubauen. Je mehr Menschen der Gruppe folgen und daraufhin die DeadSec-App herunterladen, desto mehr Rechenleistung steht Dir zur Verfügung – woraus sich wiederum die Fähigkeiten von Holloway ableiten. Mit Hilfe eines sprechenden Autos aus einem aktuellen Kinofilm soll deswegen ein neues Propaganda-Video entstehen. Bei dem Film handelt es sich aber um ziemlichen Trash, und die Karre mit künstlicher Intelligenz ähnelt recht deutlich K.I.T.T. aus der Kultserie Knight Rider. Wirklich ernst nimmt sich Watch Dogs 2 also offensichtlich nicht.

Der Charakter passt durch die angenehme Portion Humor deutlich besser in die Welt als es Aiden damals tat. Der junge Hacker liebt das Chaos und braucht für seinen persönlichen Feldzug gegen ctOS kein reines Gewissen. Wenn Holloway also etwas zerstört, dann feiert er es noch. Und wer beim ersten Watch Dogs noch einige Parallelen zu Assassin’s Creed entdecken konnte, dem wird das diesmal deutlich schwerer fallen. Obwohl die neuen, flüssigeren Parkour-Fähigkeiten etwas anderes vermuten lassen, grenzt sich Watch Dogs 2 vor allem durch seinen oftmals lockereren Ansatz ziemlich ab.

Voll die Vielfalt

Hacken kannst Du weiterhin ganz einfach im Vorbeigehen – einer markierten Person entziehst Du beispielsweise Geld und Informationen, oder Du lässt den Handy-Akku heißlaufen und die Person durch einen Stromschlag bewusstlos werden. Auch Ampeln lassen sich während einer Verfolgungsjagd ausknipsen oder Gasleitungen zur Explosion bringen. Diese permanente Verfügbarkeit solcher Möglichkeiten – für Watch Dogs 2 hat Ubisoft ihre Zahl noch erhöht – bringt viel Abwechslung in das Spiel.

In einer Mission musst Du auf diese Weise einen Kran steuern, um weiterzukommen. Außerdem kannst du fremde Personen beschuldigen, woraufhin dann ein Einsatzkommando anrückt. Das macht besonders viel Spaß, wenn Du diese Fähigkeit auf gegnerische Wachen anwendest und dann dabei zuschaust, wie der vermeintliche Übeltäter überwältigt wird. Zur Ausrüstung gehört jetzt neben einem ferngesteuerten Roboter auf Rädern auch eine Drohne, die noch mehr Möglichkeiten bietet, mit der schönen neuen Welt zu interagieren.

In den Gefechten geht es deswegen auch etwas lässiger zu. Holloway ist kein Held im klassischen Sinne und er scheint sich auch nicht dahin zu entwickeln, auch wenn er für mehr Freiheit kämpft. Ich habe im Spiel primär in einer ruhigen Ecke gesessen und mich in Systeme gehackt. Und ich musste nur dann zur Waffe greifen, wenn ich ungeduldig oder unaufmerksam war. Es gibt im späteren Verlauf auch schwierigere Missionen, aber Du kannst mit Deinen mächtigen Fähigkeiten den meisten Konfrontationen aus dem Weg gehen. Die verschiedenen Fähigkeiten und Deine Ausrüstung unterstützen auf jeden Fall ganz unterschiedliche Spielstile.

Teamwork als Stärke

Dadurch, dass Holloway sich DedSec anschließt, bist Du in Watch Dogs 2 permanent in einem Team und immer im Austausch mit den anderen. Vielleicht magst Du nicht jeden Charakter des Kollektivs – mich erinnert beispielsweise Sitara leider an die unsägliche Sängerin Katy Perry – aber es gibt zumindest eine größere Auswahl und es ist leichter, die verschiedenen Charaktere durch ihre unterschiedlichen Standpunkte auszuarbeiten.

Noch stärker fällt aber der verbesserte Online-Mehrspieler-Modus ins Gewicht. Die Welt wird immer von mehreren Spielern gleichzeitig bevölkert, die alle ihren eigenen Aufgaben nachgehen – so wie Du es vielleicht aus einem MMO gewohnt bist. Du kannst daher auch jederzeit aus dem Spiel heraus mit einem anderen Spieler eine Koop-Mission beginnen, wenn Du Lust darauf hast. Außerdem ist die berüchtigte Infiltration aus dem Vorgänger zurück. Gegner in der Nähe können Dich hacken und Du musst sie rechtzeitig aufspüren, um ihre Tat zu vereiteln. Wer mehr Lust auf die Solo-Erfahrung hat, kann im Menü einstellen, welche Online-Elemente deaktiviert werden sollen.

Echt knorke

Assassin’s Creed war seinerzeit auch kein perfektes Spiel und Ubisoft hatte erst mit dem Nachfolger Assassin’s Creed 2 den Bogen raus. Ganz ähnlich könnte es sich auch mit Watch Dogs verhalten. Ein bisschen amüsant ist vor dem Hintergrund des Themas des Spiels die Vorstellung, dass Watch Dogs 2 wahrscheinlich auch deswegen besser werden konnte, weil Ubisoft seine Nutzer ausgehorcht hat. Unter anderem durch Uplay hat der Hersteller selbst Zugriff auf verschiedene Informationen.

Tatsächlich ist es Ubisoft aber offenbar gelungen, viele Kanten zu glätten. Watch Dogs 2 ist kein komplett anderes Spiel und trotzdem fühlt es sich ein bisschen so an. Sicherlich sorgen dafür ein paar der neuen Spielmechaniken und die bessere Steuerung – übrigens auch beim Fahren der Autos. Der neue sonnige Schauplatz trägt ebenfalls einen erheblichen Beitrag zu diesem Kontrast bei. Vor allem aber dürfte der thematische Fokus auf DedSec und der damit verbundene jüngere, hippe Stil für ein angenehmeres Spielgefühl sorgen. Die drei Stunden mit Watch Dogs 2 lassen sich nämlich am besten wie folgt zusammenfassen: Das wird richtig cool.

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