Von Tobias Heidemann „In vino veritas - Im Wein ist Wahrheit“. Sinnhaft eingestimmt von diesem bekannten Zitat des griechischen Lyrikers Alkäus, haben wir uns mit einem schönen Glas trockenen Merlot daran gemacht, die Wertungs-Wahrheit des Weinanbau-Simulators herauszufinden.

 

Weinanbau-Simulator

Facts 
Weinanbau-Simulator

Die neue Wirtschaftssimulation von Serientäter Rondomedia richtet sich an „Weinfreunde und Simulationsstrategen“ gleichermaßen und verspricht Gaming-Verkostung der besonderen Art. Ob es sich beim Weinanbau-Simulator 2011 um einen guten Jahrgang handelt und warum aus einem Glas Rotwein am Ende eine ganze Flasche wurde, erfahrt ihr in unserem Test.

Es muss ja nicht immer Mord und Totschlag sein. Nach einem langen Arbeitstag möchte so mancher Gamer auch einfach mal die Füße hochlegen und sich in einem Spiel verlieren, das Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt. Sollen sich doch die Anderen mit der Zombie-Apokalypse oder der nächsten Alien-Invasion herumschlagen; unsereins folgt dem verführerisch-sanften Bouquet des „Weinanbau-Simulators“.

Worum geht´s?

Der „Weinanbau-Simulator“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, den gesamten betrieblichen Produktionskreislauf eines Weinguts möglichst realistisch zu simulieren. Von der Weinbergkultivierung, über die Wahl der Reben, die Auslese und Abfüllung des Traubensafts, bis zum schlussendlichen Verkauf auf dem Wein-Weltmarkt wird hier alles simuliert, was nicht bei drei „Prosit“ sagen kann. Hobby-Önologen und Berufs-Simulanten bekommen den Weinanbau in genau zwei würzig-kraftvollen Spielmodi serviert: freies Spiel & Karriere-Modus.

Weinanbau-Simulator-Test: Der Winzer bei der Arbeit
Keine Aliens, sondern die Buchhaltung: der Weinanbau-Simulator

Wie sieht es aus?

Grafisch haben wir es mit einem eher faden Programm zu tun, das im Abgang eine minimalistisch-flüchtige Note entfaltet. Mit einer latent bockigen Kamera steuern wir über den unzeitgemäßen Texturen-Matsch, der unser Weinanbaugebiet darstellen soll und bestaunen dabei die bizarr animierten Saisonarbeiter beim bezahlten Herumlungern. Plötzlich entfahren den von uns errichteten Produktionsgebäuden riesige rote Zahlen, die zuckend gen aschfahler Himmelstextur steigen. Müssen wir am Ende doch noch den Kampf mit feindlichen Außerirdischen aufnehmen? Nein – es sind nur unsere monatlichen Ausgaben, die da so unschön aus dem Winzerhäuschen fliegen. Immerhin ändert sich die beschränkte Farbpalette jahreszeitlich – als exakt viermal - und spendiert uns sogar hin und wieder ein paar Schneeflöckchen oder Graupelschauer.Aber machen wir uns nichts vor: unter den Berufssimulationen gehört der „Weinanbau-Simulator“ schon zu den vielschichtigeren Grafik-Aromen. Es geht deutlich schlimmer. Trotzdem brauchen wir jetzt noch ein Glas Merlot, denn ohne Vorwarnung beginnt auch schon das verstörende Tutorial, und um das zu überstehen, braucht es eine gewisse Rebustheit.

Was uns nicht gefällt

Der „Weinanbau-Simulator“ ist weder eine gute Wirtschaftssimulation, noch gelingt es dem Spiel, das Winzer-Dasein adäquat, geschweige denn faszinierend, zu präsentieren. Zwar hat sich Rondomedia bemüht, die zu verwaltende Produktionskette des Weinanbaus zu einem nachvollziehbaren Ganzen zusammenzufügen, unterm Strich handelt es sich aber um ein langweiliges und unkomfortables Spiel.

Anfänger sind ob des krämpfigen Tutorials und der undurchsichtigen Menu-Führung zu Beginn oftmals orientierungslos. Profis gelangen aufgrund der wenigen Management-Funktionen und Ausbaumöglichkeiten viel zu schnell ans erwünschte Ziel und ärgern sich dann über Willkür und Bedingungsmängel des Programms. Auch der Umfang lässt sehr zu winzern, eh wünschen übrig, da die verschiedenen Weinregionen sich im Kariere-Modus nur hinsichtlich der Traubensorten und der dargestellten „Landschaft“ unterscheiden. Vielleicht helfen ja der „freie Modus“ und noch ein weiteres Glas Merlot dem Spielspaß auf die Sprünge.

Der Weinanbau-Simulator-Test-Spielende
...finden wir, dass der Weinanbau-Simulator kein besseres Spiel ist

Was uns gefällt:

Hick. Auch der „freie Modus“ bietet nur mehr Langeweile. Leicht angeschäkert stöbern wir deshalb im integrierten Weinlexikon und lesen etwas über Rebsorten, Anbaugebiete und Weinsorten. Wer von Wein absolut keinen blassen Schimmer hat und sich für knapp 14 € etwas Basiswissen anlesen will, der kann sich dafür ein gutes Buch über den Weinanbau kaufen. Wer aber unbedingt spielen will, der wird auch im „Weinanbau-Simulator“ rudimentäres Rebwissen aufschnappen können. Ansonsten sind die lichten Momente des „Weinanbau-Simulators“ spärlich gesät. Simulations-Fans bekommen hier solide Hausmanns-Kost geboten, deren simple Spielmechanik zwar funktioniert, auf Dauer aber mit Einfallslosigkeit und Eintönigkeit den Magen verdirbt.

Fazit:

Katerstimmung macht sich nach dem zweifelhaften Genuss des „Weinanbau-Simulators“ breit. Was uns als „realistische Mischung aus Strategie und Simulation“ feilgeboten wurde, entpuppt sich als lieblos zusammen gepanschter Tafelwein im Tetra-Pack. Wenn im Wein die Wahrheit, dann liegt der Schwindel im Etikett des „Weinanbau-Simulators“. Fans von Berufs-Simulationen werden sich hier verhältnismäßig gut berauschen können, der Rest sollte tunlichst die Finger davon lassen.

Wertung: 42 %

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