Test: Wolfenstein: The Old Blood

Dominic Stetschnig 1

B.J. Blazkowicz macht sich erneut auf zum Kampf gegen das Regime! The Old Blood nennt sich der Standalone-DLC zu Wolfenstein: The New Order und reizt die Fans des Überraschungshits aus dem letzten Jahr mit B-Movie-Charme und Retro-Feeling. Doch kann die Erweiterung dieses hohe Level beibehalten? Erfahrt es in unserem Test!

Test: Wolfenstein: The Old Blood

The Old Blood Test: Altes Blut in neuer Ordnung

Im Vorfeld des Wolfeinstein: The New Order Release hat die Videospielgemeinde viel erwartet – immerhin handelte sich um den ersten ernstzunehmenden Ego-Shooter für die damals noch neue Konsolengeneration. Womit allerdings niemand rechnete war die Begeisterung, die das Spiel bei der Fachpresse und bei den Fans auslöste: Mit einem Metascore von 81 kann man durchaus von einem DER Überraschungshits 2014 sprechen – und das mutigerweise ganz ohne Multiplayer-Modus. Mit „The Old Blood“ erschien nun die erste Standalone-Erweiterung, in der ihr erneut in die Rolle von Hauptcharakter B.J. Blazkowicz schlüpfen dürft. Kann das alte Blut das Niveau der neuen Ordnung halten?

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Wolfenstein The Old Blood Announce Trailer.

Gestatten: von Schabbs!

Blazkowicz macht sich auf den Weg nach Paderborn (kein Scheiß!), um genau zu sein zurück nach Burg Wolfenstein, um in einem verzweifelten Versuch das Blatt des Krieges noch zu wenden: Die Nazis (im Falle der deutschen Version das „Regime“ genannt) stehen kurz davor, den Krieg zu gewinnen. Das Spiel unterteilt sich in zwei verwobene Abschnitte: In „Rudi Jäger und die Höhle der Wölfe“ trifft Blazkowicz beim Versuch, den Aufenthaltsort des bereits bekannten General Totenkopf ausfindig zu machen, auf einen verrückten Gefängnisleiter. In „Die dunklen Geheimnisse der Helga von Schabbs“ stößt ihr auf eben Selbige. Ihr versucht die vom Okkulten besessene Dame mit aller Kraft daran zu hindern, eine uralte, dunkle Macht zu entfesseln. Soviel zur Story, die im Vergleich zum Vorgänger noch simpler daherkommt. Dies soll kein Schwachpunkt sein, doch um es gleich vorweg zu sagen: Old Blood nimmt sich weniger Zeit dafür, seinen Charakteren die Tiefe zu verleihen, wie es seiner Zeit The New Order machte. Das man als deutschsprachiger, mit der Weltgeschichte vertrauter Spieler teilweise wirklich über die Auslegung gewisser Stereotypen schmunzeln muss, kann man entweder der Absicht oder dem Unwissen der Entwickler zu Grunde legen: Spaß macht es aber allemal.

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You Have to Return to Castle Wolfenstein to Escape from Castle Wolfenstein!

Nun muss sich der DLC mit den Mechaniken des Hauptspiels messen, die weiter auseinandergehen als man zunächst vermutet. Dies mag zum Teil auch daran liegen, dass sich Old Blood viel mehr nach einem Wolfenstein-Spiel anfühlt als The New Order. Spieler des Originals oder der 2009 erschienenen Fortsetzung werden sich im Standalone-DLC sofort heimisch fühlen. Weg bewegt sich der Stil vom neu erarbeiteten, charmanten Retro-Future Look, zurück geht es zu Techno-Gothischen Gemäuern. Und während The New Order tatsächlich noch als polierter Ego-Shooter erster Sahne durchging, stellt sich Old Blood beabsichtigt und Stolz in die B-Movie Schmuddelecke der Videothek. Soweit, so gut. Doch worin liegt denn nun der Mehrwert?  Im Grunde genommen macht das Spiel nämlich wenig falsch: Die Stärken von The New Order werden beibehalten und spiegeln sich vor Allem im Gunplay wieder: Präzision in Kombination mit verspielter Vielfalt, so wie es den FPS-Fans gefällt und Gelegenheitsspieler einen leichten Einstieg finden können. Trotzdem Old Blood anders aussieht und sich auch anders anfühlt als der Vorgänger, findet man sich inmitten der Tugenden von New Order gut zurecht: Fähigkeiten beispielsweise können immer noch verbessert werden, allerdings in wesentlich geringerem Ausmaße als noch im Hauptspiel. Zahlreiche frische Ideen, die man aus dem letzten Jahr kannte, finden sich ebenfalls wieder. Mit dem einzigen Unterschied, dass sie nun nicht mehr so frisch anmuten wie noch vor ein paar Monaten. Und an dieser Stelle fängt Old Blood an ein wenig zu kränkeln: Während im Vorgänger (bis auf wenige Ausnahmen) die Missionen eine gute Balance zwischen Story, Stealth und Action boten, bekommt der DLC diese Feinfühligkeit in der Partitur einfach nicht hin. Dies zeigt sich vor allem im Rudi Jäger Abschnitt, der einem zwischen den Actioneinlagen kaum Verschnaufpausen gönnt. Angenehmer wird es in Part 2: Helga von Schabbs ist der wesentlich faszinierendere Antagonist. Da kann man es den Entwicklern auch durchaus mal verzeihen, dass man auf das uralte, faules Fleisch gewordene Klischee der Nazi-Zombies zurückgreift.

So gut wie das Original, aber nicht so großartig wie das Original

Was bleibt also beim Spieler nach rund acht Stunden Spielzeit für ein Gefühl zurück? Es ist hocherfreulich, dass uns die Gelegenheit gegeben wird, eine der wohl besten Spielerfahrungen des letzten Jahres auf diese Art und Weise zu erweitern. Niemand wird sich am Ende des Spiels über vergeudete Lebenszeit beschweren, das ist gewiss. Was jedoch bleibt ist die Tatsache, das Gefühl der frischen Spielerlebnisse und Ideen aus dem letzten Jahr nicht wieder erreicht zu bekommen. Und das schmälert die Freude am Titel. Für den einen mehr, für den anderen weniger. Immerhin aber so sehr, dass ein klarer „Konnte das Niveau des Vorgängers nicht halten“-Geschmack zurück bleibt. Blickt man in einigen Tagen nochmal auf das Spiel zurück, sind einem vermutlich wesentlich weniger Inhalte im Gedächtnis geblieben, als zu The New Order im letzten Jahr.

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