Suramar und die drogensüchtigen Nachtelfen

Auf dem Maximallevel 110 angekommen, steht mir auch der Weg in das fünfte Questgebiet Suramar offen. Dort treffe ich auf Nachtgeborene, sogenannte Shal'dorei, einst Nachtelfen, die nach zehntausend Jahren unter einer magischen Kuppel die Magie des Nachtbrunnens benötigen, um zu überleben. Die manasüchtigen Elfen sind mir zwar feindlich gesinnt und mehr oder weniger mit der Brennenden Legion verbündet, mit der Hilfe einiger ausgestoßener Shal'dorei bin ich jedoch in der Lage mich zu maskieren und kann mich so in der gigantischen Metropole frei bewegen. Auf diese Weise ist es mir möglich, die Kultur und Geschichte der Nachtgeborenen hautnah zu erfahren. Wie schon in den anderen Gebiete geizt das Spiel auch in Suramar nicht mit Zwischensequenzen und Story-Highlights.

Ab Level 110 erkunde ich die Metropole Suramar.
 

World of Warcraft - Legion

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World of Warcraft - Legion
Ab Level 110 erkunde ich die Metropole Suramar.

Ich erlebe jedoch nicht nur die Geschichte Suramars sondern auch die ihres bekanntesten Bewohners. Illidan Sturmgrimm, Dämonenjäger und Erzbösewicht der zweiten Erweiterung The Burning Crusade, wuchs einst als Nachtelf in der Stadt auf. Legion erzählt nun seinen Werdegang. Das Beste daran: Illidans Geschichte wird nicht ausschließlich in Zwischensequenzen erzählt, stattdessen darf ich selbst in seine Haut schlüpfen. Tatsächlich zählt diese Quest zu meinen persönlichen Highlights der Erweiterung. Selbst zu erleben, wie Illidan sich mit Hilfe dämonischer Magie durch ganze Gegnermassen kämpft, die zuvor selbst einzeln unbesiegbar schienen, macht seine Motivation um ein vielfaches greifbarer, als es eine Textbox oder Zwischensequenz geschafft hätte.

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Der Dämonenjäger

Spätestens jetzt habe ich Blut geleckt und werfe einen Blick auf die neue Heldenklasse, den Dämonenjäger. Um die Story nicht ad-absurdum zu führen, setzten Dämonjäger zwingend die Rassen Nachtelf oder Blutelf voraus. So starte ich auf Level 98 als einer der Illidari, Gefolgsleute Illidans, spiele mich durch eine abermals dicht und spannend erzählte Vorgeschichte und kann mich fortan direkt in die neuen Questgebiete stürzen. Als Dämonenjäger habe ich die Auswahl zwischen den Spezialisierungen Rachsucht und Verwüstung. Erstere ist für Tanks gedacht, letztere für Damage-Dealer. Als solcher kann ich mich in eine mächtige Dämonengestalt verwandeln, als Tank muss ich mich vor allem auf Parieren, Selbstheilung und geschicktes Ausweichen verlassen, da Dämonenjäger maximal Lederrüstungen tragen können.

Ausweichen ist das richtige Stichwort, denn keine Klasse spielte sich bisher so dynamisch wie der Dämonenjäger. Dieser bringt sich nicht nur per Ausweichrolle in Sicherheit, sondern beherrscht auch als einzige Klasse einen Doppelsprung. Die coolste Neuerung: Dank seiner Flügel kann sich der Dämonejäger gefahrlos aus beliebigen Höhen fallen lassen und gezielt hinunter gleiten. Besonders in den bergigen Gebieten von Sturmheim und Hochberg ist das ein Segen. Offenbar hat sich Blizzard so manche Idee beim Konkurrenten Guild Wars 2 abgeschaut. Dort sind seit der aktuellen Erweiterung Heart of Thorns ebenfalls Gleitflüge möglich, genauso gehören dynamische Kämpfe inklusive Ausweichrollen zum Alltag.

Die Weltquests

Auch die wichtigste Neuerung ist in ähnlicher Form bereits aus Guild Wars 2 bekannt. Nachdem ich auf Level 110 bei allen fünf Hauptfraktionen den Ruf „Freundlich“ erreicht habe, werden die Weltquests freigeschaltet. Diese erinnern im ersten Moment an die Dailies der vorherigen Erweiterungen, sind aber deutlich abwechslungsreicher und lukrativer. Öffne ich die Karte, so werden mir in jedem Gebiet eine handvoll Quests markiert, die ich beliebig abarbeiten kann. Zur Belohnung winken Ressourcen für meine Ordenshalle, Artefaktmacht, Ruf-Boni, Haustiere und sogar Ausrüstungsgegenstände. Dadurch ist nicht jeder Spieler zum Abgrasen der immer gleichen Instanzen verdammt, denn per Weltquests ist es möglich, Ausrüstung mit Itemlevel 835 und höher zu finden, was dem heroischen Schwierigkeitsgrad der Instanzen sowie dem Schlachtzug „Der Smaragdgrüne Alptraum“ entspricht.

Weltquests sind je nach Typ zwischen drei Stunden und einer Woche verfügbar. Weiterhin tauchen immer wieder neue Weltquests in den einzelnen Gebieten auf, sodass selbst den Fleißigen so schnell die Aufträge nicht ausgehen. Was mir besonders gefällt: Dank Level-Scaling entsprechen alle fünf Gebiete der Erweiterung der Maximalstufe 110, somit werden die gesamten Verheerten Inseln zum Endgame-Gebiet. Legion schickt mich konsequent hinaus in die Spielwelt, statt mich wie noch in Warlords of Draenor primär zwischen Garnision und Instanzen pendeln zu lassen.

Zugegeben, die Qualität der Weltquests hebt sich nur selten vom Standard ab. Die meiste Zeit sammle ich weiterhin X oder töte Y und je länger man spielt, desto eher wiederholen sich auch manche Aufgaben. Im Vergleich zu den statischen Dailies haben sie trotzdem deutlich die Nase vorn. Zumal ich jederzeit frei entscheiden kann, ob ich mich einer Instanz widme oder lieber in meinem Lieblingsgebiet ein paar Weltquests erledige, die vergleichbare Belohnungen bieten. Nur für die allerbesten Ausrüstungsgegenstände der Stufe 865 und höher muss ich mich zwingend einem Schlachzug anschließen oder die Instanzen im Schwierigkeitsgraf Mythisch und Mythisch+ angehen und ja, die Suchtspirale aus Instanzen, Schlachtzügen und Ausrüstungsbelohnungen funktioniert noch genauso tadellos wie schon vor 14 Jahren.

Mein Fazit zu World of Warcraft: Legion

In bisherigen Erweiterungen hatte sich nach einem Monat bereits der Instanz-Alltag eingestellt, in Legion hingegen habe ich noch immer das Gefühl, nicht alles gesehen zu haben. Ganz davon abgesehen, dass Legion durch die unterschiedlichen Ordenshallen und dazugehörigen Kampagnen einen Anlass bietet, einen Anlauf mit jeder einzelnen Klasse zu starten, bietet Legion das bisher umfangreichste Endgame aller World-of-Warcraft-Erweiterungen. Die Weltquests erfinden das Rad zwar nicht neu, bieten aber erheblich mehr Abwechslung als es die bisherigen Dailies vermochten und nutzen dank Level-Scaling alle Gebiete der Erweiterung sinnvoll aus. Vor allem aber bieten sie Solo-Spielern eine valide Alternative zu den Instanzen. Diese profitieren auch vom überarbeiteten Lootsystem, das alle beteiligten Helden an fallengelassener Beute beteiligt, auch wenn diese kein Teil einer Gruppe sind. Somit ist World of Warcraft: Legion eine hervorragende Erweiterung, die sowohl Veteranen als auch Gelegenheitsspieler anspricht und darüber hinaus eine packende und intensiv inszenierte Geschichte erzählt. Legion hat etwas geschafft, woran seit The Burning Crusade alle bisherigen Erweiterungen gescheitert sind: Ich habe wieder ein aktives World-of-Warcraft-Abo.

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Wertung

9/10
“Auch Legion ist im Kern noch das klassische World of Warcraft, dennoch machen die gelungene Inszenierung, der gigantische Umfang, die Weltquests und die zahlreichen kleinen Optimierungen es zur bisher besten WoW-Erweiterung.”
Alexander Gehlsdorf
Alexander Gehlsdorf, GIGA-Experte für Magic the Gathering, Tests, Star Wars und Wortspiele.

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