Yakuza 0 im Test: Mehr als ein Prequel?

Sandro Kreitlow 5

In Japan ist Yakuza Zero bereits seit dem 12. März 2015 auf dem Markt, jetzt dürfen endlich auch die westlichen Fans der Yakuza-Reihe das Prequel spielen. In meinem Test erfährst Du, ob mit dem Spiel nur Fans erster Stunde angesprochen werden oder ob darüber hinaus auch Nicht-Kenner der Reihe Spaß haben können.

Yakuza 0 - Trailer.

Willkommen im Tokio der 80er-Jahre

Du befindest Dich in Tokio zu Zeiten des Wirtschaftsbooms 1988. Im fiktiven Rotlichtbezirk Kamurocho, den Du vielleicht schon aus den anderen Yakuza-Teilen kennst und der dem echten Kabukicho nachempfunden ist, schlüpfst Du erneut in die Rolle von Kiryu Kazuma. Diesmal allerdings in jungen Jahren - lange vor dem Knast und lange bevor er vom Tojo-Klan ausgestoßen wird. Mit Kiryu kannst Du Kamurocho von Anfang an frei erkunden und neben der Hauptquest-Reihe auch zahlreiche Intrigen in Nebenmissionen aufdecken, Dich um Straßenschläger kümmern oder sonstige Side-Quests erledigen. Die Mafia-Geschichte beginnt mit einem fiesen Komplott gegen Kiryu. Einer der Schuldner wird tot aufgefunden, woraufhin Kiryu alle Schuld angelastet wird. Und als wäre das nicht schon genug, sind auch noch mehrere mächtige Klans an den Grundstücken rund um den Tatort interessiert. Probleme sind vorprogrammiert. Im Laufe des Spiels kannst Du allerdings nicht nur Kiryus Geschichte erleben, sondern auch immer wieder zum zweiten Protagonisten Goro Majima wechseln, der sein Leben als Hostessenclub-Manager im fernen Osaka bestreitet. Und egal ob nun mit Kiryu oder mit Goro - Um in der Handlung voran zu kommen, suchst Du zunächst immer nach einem Gesprächspartner.

Erzählt wird die Handlung in sehr langen Dialogsequenzen. Diese sind in der Hauptstory in aufwendigen Szenen inszeniert, die sich mit In-Game-Sequenzen abwechseln, in denen sich außer der Lippen nur wenig in der Mimik verändert. Als besonderes Stilmittel dienen Standbilder, in denen zwar gesprochen wird, aber nur minimale Veränderungen der Mimik zu sehen sind. Das mag für manche zunächst sehr minimalistisch klingen, harmoniert aber erstaunlich gut mit den anderen Stilen. Gespräche in Sidequests hingegen sind selten vertont. Stattdessen werden hier nur Textboxen gezeigt. Trotz der verschiedenen Stile wirkt die Erzählung stimmig und die Spielwelt authentisch. Das liegt vor allem daran, dass das lebendige Kamurocho voll von Bewohnern ist. Wenn mal keine Gegner in den Straßen auf Dich warten, konfrontieren Dich Einwohner mit vielseitigen Aufgaben, die in sogenannten Substories erzählt werden. Hin und Wieder triffst Du außerdem auf Einwohner, die von verschiedenen Gangs bedroht werden. Hier hast Du dann die Wahl, ob Du eingreifst oder lieber wegguckst.

Viel zu erledigen… Wo anfangen?

Während die Hauptstory eine düstere Mafia-Geschichte erzählt, wartet in abwechslungsreichen Nebenmissionen eine ganze Menge Humor auf Dich. Mal musst Du Obdachlosen ihr Lieblingsgetränk aus den Supermärkten holen, mal einen Michael Jackson-Imitator vor Zombies beschützen. Neben den Klassikern Karaoke, Billard, Angeln, Tanzen und Mahjongg kommen in Yakuza 0 noch weitere Minispiele hinzu. Diesmal kannst Du an Rennen mit ferngesteuerten Autos auf Rundkursen teilnehmen, Bowlen und im „Catfight Club“ Wetten auf die Kämpfe knapp bekleideter Damen abschließen. Einige der Minispiele sind offline zu zweit oder online zu viert spielbar. Wenn Du genug Minispiele erledigst, heimst Du CP-Punkte ein, die an Schreinen für neue Fertigkeiten eingetauscht werden. Das komplexe Bonusspiel „Money ­Island“ lässt Kiryu als Investor in ­Kamurocho agieren. Von Restaurants bis Clubs - hier können diverse Immobilien erworben werden, um daraus wiederum Profit zu schlagen und mehr Einfluss zu bekommen. Als Goro Majima kannst Du mit dem „Nightlife Island“ sogar Deinen eigenen Nachtclub führen.

Das Kampfsystem geht in kurzweiligen Duellen flott von der Hand. Kiryu und Goro kämpfen mit jeweils 3 verschiedenen Techniken, die im Kampf per Steuerkreuz gewechselt werden können. Als Brawler (blau) kannst Du Objekte greifen und mit ihnen Special-Moves ausführen. Mit Rush (lila) kämpft Kiryu sehr schnell und weicht ebenso schnell aus. Der Beast-Mode (gelb) hingegen verlangsamt Kiryu, lässt ihn dafür aber kraftvolle und starke Schläge austeilen. Das geht sogar so weit, dass er Wrestling-artige Moves ausführt, sobald die Spezialangriff-Leiste aufgefüllt ist. Hinzu kommen Waffen, wie beispielsweise das Katana, mit dem Kiryu seine Gegner aufschlitzen kann. Egal in welchem Stil – die Kämpfe (und vor allem die Finishing-Moves) in Yakuza 0 scheuen sich nicht vor Brutalität. Jede Kampftechnik hat ihren eigenen Skill-Tree, indem die Fähigkeiten für den Kampf verbessert werden. Das passiert, indem Kiryu Geld verwendet, das er seinen Gegnern aus dem Leib prügelt. Der Schwierigkeitsgrad kann dabei jederzeit zwischen Leicht, Normal und Hart gewechselt werden.

Veraltet und trotzdem schick

Auf der PlayStation 4 läuft Yakuza 0 in 1080p stabil mit 60 Bildern pro Sekunde. In belebten Straßen macht sich allerdings Tearing bemerkbar. Hier und da kommt es zu Pop-Ups, so werden beispielsweise Bäume und Hausfassaden erst spät geladen. Dafür fallen aber wenig bis gar keine Bugs auf. Selten kommt es vor, dass sich einer der vielen Bewohner verirrt oder hängen bleibt. Grafisch ist Yakuza 0 insgesamt ein wenig überholt, was aber in der quietschbunten Spielwelt nicht stört. Vielmehr weiß das Spiel in der Präsentation zu überzeugen. Für die Einführung des zweiten spielbaren Charakters Goro wird sich ganze 20 Minuten, in einer filmisch toll inszenierten Sequenz, Zeit genommen. Die Menüführung ist klassisch und wirkt wie auf einer alten SEGA-Konsole. Nicht weniger altbacken ist das Speichersystem. Nein, hier gibt es kein ständiges Autosave und nein, Du wirst auch nicht ans Speichern erinnert. Das Sichern Deines Spielstandes findet in Telefonzellen statt. Das mag den ein oder anderen stören, doch auf der anderen Seite bringt es einen gewissen Charme aus alten Konsolentagen mit sich.

Mein Test-Fazit zu Yakuza 0:

Die Hauptstory ist gewohnt gut erzählt. Selbst nach inzwischen 6 Hauptteilen der Yakuza-Reihe scheinen jegliche potenziellen Mafia-Intrigen nicht ausgeschöpft zu sein. Außerhalb der aufwendigen Zwischensequenzen schleichen sich hier und da leblose Mimiken und steife Gesichtsanimationen ein. Der Spielspaß leidet jedoch selten darunter, da Du in Karumocho ohnehin so viel zu tun hast, dass Du einige Dialoge skippen wirst, um Dich der nächsten Aufgabe oder dem nächsten Minispiel zu widmen. Anders als im vierten Teil kannst Du in Yakuza 0 jedoch weder über Dächer gehen, noch im Untergrund aktiv werden. Durch ständig neu eingeführte Moves wird die Langzeitmotivation aber trotzdem gewahrt. Keine Frage - Das Spiel ist ein Muss für jeden Fan der Yakuza-Reihe. Das Prequel eignet sich allerdings auch für Neueinsteiger, denn es ist - zumindest im westlichen Markt - so unkonventionell, dass Du nicht nur eine frische Handlung, sondern auch einige neue Gameplay-Elemente entdecken wirst. In dem Sinne funktioniert Yakuza 0 also bestens auch allein oder - besser noch - als Einstieg in die Reihe.

Yakuza 0 erscheint am 24. Januar 2017 für PlayStation 4 und PlayStation 3.

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