2D-Sehschwäche? Mein persönliches Dark Souls heißt Yoshi's Crafted World

Lisa Fleischer

Da liegt es also vor mir: Yoshi’s Crafted World. Ein Jump-and-Run, auf das ich mich schon sehr lange gefreut habe. Ich stecke es in meine Switch, tauche in die kunderbunte Welt des grünen Dinos ein – und fühle mich sofort wieder in meine Kindheit zurückversetzt. Nicht auf die beste Art.

2D-Sehschwäche? Mein persönliches Dark Souls heißt Yoshi's Crafted World

Ich gebe zu: Ich bin tatsächlich ausschließlich mit Spielen in 3D aufgewachsen. Die ersten Konsolen, auf denen ich viel gespielt habe, waren der GameCube und die erste PlayStation. Der 2D-Jump-and-Run-Hype der 80er-Jahre? Ist komplett an mir vorbeigegangen! Als ich zum ersten Mal Mario gespielt habe, da lief er schon durch kunterbunte 3D-Welten. Ich konnte mich nach links, nach rechts, nach oben und unten, aber natürlich auch nach vorne und hinten bewegen – wie eben im echten Leben auch. Das war nicht allzu schwer, innerhalb kürzester Zeit lernte ich, Abstände in den 3D-Welten einschätzen und damit auch, Gegner, die selbst in einem schrägen Winkel zu mir standen, zu erwischen.

Wenn ich dann doch mal in eine 2D-Draufsicht wechselte, dann war das höchstens für ein JRPG à la Pokémon. Dort konnte ich höchstens nach oben oder zur Seite laufen – Hindernisse, die es zu überspringen galt oder gar Gegner, die frontal auf mich zu liefen, gab es schlicht nicht. Mit circa zwölf Jahren bekam ich dann, nach einigen Jahren mit 3D-Spielen, das Game Boy Color-Spiel „Disney’s Das Dschungelbuch – Moglis wildes Abenteuer“ – mein erstes 2D-Jump-and-Run.

Wie spielt sich Yoshi's Crafted World? Unsere Vorschau

Seitdem beschäftigt mich diese eine Frage, die sich mir jetzt mit Yoshi’s Crafted World wieder schön ins Blickfeld drängt: Gibt es eine Art 2D-Sehschwäche? Und wenn ja: Kann es sein, dass ich sie habe?

Abstände einschätzen in der Horizontalen – Ein Ding der Unmöglichkeit

Hinweis: Dieser Artikel ist ein Meinungsartikel, der den Standpunkt unserer Redakteurin widerspiegelt und nicht zwingend der Meinung der gesamten Redaktion entsprechen muss. Er erhebt keinen Anspruch auf eine universell gültige Wahrheit und deckt sich vielleicht nicht mit deinen eigenen Vorstellungen.

In Spider-Man schwinge ich mich galant durch Manhattan, in Ni No Kuni 2 laufe ich geschickt durch die Welt und stelle mich auch in den Echtzeitkämpfen immer geschickt an – ich bin geübt in Videospielen. Ist ja auch klar – das ist allein schon meinem Beruf geschuldet. Und trotzdem: Sobald ich mich in einer zweidimensionalen Spiele-Umgebung zurechtfinden muss, fliege ich immer wieder auf die Nase.

Während sich meine Kollegen fast schon darüber beschweren, wie leicht Yoshi’s Crafted World doch sei, versuche ich gerade noch zu verkraften, dass ich jetzt schon zum fünften Mal in Folge an einem 2D-Shy-Guy hängengeblieben und gestorben bin. Oder dass mein treuer Begleiter Schnuffel einfach nicht das macht, was ich gerne möchte, und mich immer wieder ins tödliche Wasser fallen lässt.

Was mir bei Yoshi auffällt: Wieder ist es nicht so, dass ich zu spät reagiere oder schlicht Tastenbelegungen vergesse. Nein, eigentlich bin ich wirklich nicht schlecht! Ich kann nur diese verdammten Abstände so schwer einschätzen! Sofort fühle ich mich an mein zwölfjähriges Ich zurückerinnert, dass damals mit besagtem Dschungelbuch-Spiel dieselben Schwierigkeiten hatte. Mal bremste ich ein bisschen zu spät und fiel den nächsten Abhang herunter, mal wollte ich auf einen Gegner springen, um ihn auszuschalten, verfehlte ihn aber nur um Millimeter, wurde im nächsten Moment von ihm erwischt und war tot.

Einzusammelnde Objekte und ich

Hinzu kommt, dass ich einfach ein unverbesserlicher Perfektionist bin, geht es um einzusammelnde Objekte. Während andere sicherlich froh sind, wenn sie das nächste Level geschafft haben, halte ich mich unnötig lange an Sammelaufgaben auf, nur um das Zeitlimit zu verpassen, beim Sammeln einer ziemlich knifflig liegenden Münze zu sterben oder schlicht besagte Münze doch zu verfehlen und unumkehrbar das neue Gebiet zu betreten. Verdammt!

Bei Yoshi’s Crafted World hat es wirklich einen Haufen einzusammelnder Objekte – manchmal weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll:

Yoshi's Crafted World Gameplay Video.

Natürlich muss nicht gesagt werden, dass ich bei letzterem das Level neu starte – unerreichbare Münze, du bist mein! Und so erklärt sich auch, warum ich Yoshi’s Crafted World entgegen der Meinung meiner Kollegen als besonders knifflig einschätze, sondern für das Spiel auch noch unverhältnismäßig lange brauche. Nun könnte man sich die Frage stellen, warum ich mich mit 2D-Jump-and-Runs so unfassbar quäle, wenn es doch definitiv kein Genre ist, in dem ich glänze.

Yoshi ist mein Dark Souls

Doch Yoshi, Das Dschungelbuch und Co. sind mein Dark Souls. Ich weiß, ich bin nicht sonderlich gut in ihnen, immer und immer wieder scheitere ich an den einzelnen Leveln. Und doch: Es gibt in meiner persönlichen Videospiel-Geschichte keinen emotionaleren Erfolgsmoment als damals, als ich zum allerersten Mal nach hunderten Stunden tatsächlich Das Dschungelbuch für den Game Boy Color durchgespielt hatte. Nie mehr hat sich ein Erfolg so süß angefühlt – weil ich in anderen Spielen einfach nicht so zu kämpfen hatte, so oft gescheitert bin an ihnen wie an Das Dschungelbuch – und allen anderen 2D-Jump-and-Runs, die ich bis jetzt gespielt habe.

Eigentlich ist es mir vollkommen egal, ob ich jetzt die erste Person auf Erden bin, die eine 2D-Sehschwäche hat oder ob ich wirklich so unfassbar schlecht in 2D-Jump-and-Runs bin, wie es den Anschein macht. Es ist so oder so eine enorme Befriedigung, ein Spiel zu bezwingen, in dem man eigentlich nur scheitern kann – sei es jetzt aufgrund des enorm hohen Schwierigkeitsgrades wie in Dark Souls oder aufgrund eigener Unfähigkeit wie bei mir und Yoshi.

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Niemand sollte von guten Spielen Abstand nehmen, nur weil die nötigen Skills fehlen. Wenn du dich also das nächste Mal in Fortnite, Overwatch oder einem anderen Multiplayer-Spiel von jugendlichen Besserwissern als Noob beleidigen lässt, steh einfach drüber und spiele weiter. Wenn du sie später einmal killen kannst, ist das eine umso größere Befriedigung – glaube mir.

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