Yoshi's New Island Test: Viel Yoshi, aber wenig "new"

Thomas Goik 7

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich vor knapp zwanzig Jahren als kleiner Knirps mit dem grauen SNES-Controller in den Händen und unumstößlicher Faszination „Yoshi’s Island“ gespielt habe. Mario kannte ich bereits mehr als genug, allein schon durch seine Gameboy-Auftritte, aber Yoshi war bisher nur der kleine Dino, der mir mein Abenteuer in „Super Mario World“ erleichterte. Jetzt stand er im Rampenlicht und zeigte, dass ein großartiges Jump&Run auch abseits der etablierten Mario-Formel möglich ist. Eben diese Abkehr von bereits betretenen Pfaden habe ich mir auch von „Yoshi’s New Island“ gewünscht, stattdessen verlässt sich dieser gute Platformer auf Altbewährtes.

Yoshi's New Island Test: Viel Yoshi, aber wenig "new"

Eine Insel, sechs Welten mit je acht Levels, Eier als Geschosse, Wolken, die zu Treppen werden, Verwandlungen in Fahrzeuge – all das bringt „Yoshi’s New Island“ auf den 3DS, all das kennen wir aber auch schon aus dem ersten Teil von 1995 und aus dem DS-Ableger. Meine größte Kritik ist wieder die, die ich schon bei Donkey Kong Country Tropical Freeze anbringen musste: Viel haben sich Nintendo und Entwickler Arzest einfach nicht einfallen lassen, um „Yoshi’s New Island“ auch wirklich „New“ wirken zu lassen. Ein schlechtes Spiel ist das aktuelle Abenteuer des besattelten Dinosauriers natürlich trotzdem nicht.

Im Gegenteil: Gerade in Sachen Level-Design hält „Yoshi’s New Island“ das gewohnt sehr gute Nintendo-Niveau. Sechs mal acht Levels mag auf den ersten Blick nicht nach viel aussehen, spätestens nachdem man in den ersten zwei Welten Stunden damit verbracht hat, alle Sterne, Münzen und Blumen zu finden, legt sich diese Sorge wieder. Die Vielzahl teils gut versteckter Sammel-Items weckt den prähistorischen Entdeckerdrang - und der wird hier ähnlich gut befriedigt wie schon in den Vorgängern.

Yoshi's New Island Launch-Trailer Deutschland.

Spielerisch glänzt „Yoshi’s New Island“ zudem mit abwechslungsreichen Levels, die normale Hüpf-Passagen mit Verwandlungen in Schlittschuhe oder U-Boote auflockern. Bei den Verwandlungs-Phasen kommt der Gyro-Sensor im 3DS zum Einsatz, man bewegt Yoshi also, in dem man das Gerät neigt, was deutlich besser funktioniert, als man zunächst vermuten würde. Im nächsten Level kann Yoshi dann blaue oder rote Melonen essen, die ihn Eis oder Feuer speien lassen, zwei Stages später fallen riesige Chomp-Chomps vom Himmel und in der nächsten Welt wollen Rätsel-Räume gelöst werden, um weiter zu kommen.

Wer damals genauso viel „Yoshi’s Island“ auf dem Super Nintendo gespielt hat wie ich, der wird bei dieser Aufzählung sicher bemerkt haben, dass sich das alles sehr bekannt anhört. Inwieweit ihr „Yoshi’s New Island“ genießen könnt, hängt mit Sicherheit davon ab, ob und wie viel ihr die Vorgänger gespielt habt. Als einzige, im wahrsten Sinne des Wortes groß angelegte Neuerung fährt das neue Yoshi-Spiel die Riesen-Eier auf. Ab und zu werdet ihr großen Shy-Guys begegnen, die ihr durch mehrmaliges Drücken der Angriffstaste einsaugt und in ein gigantisches Ei verwandelt, das ihr dann als zerstörerisches Projektil durch die Level feuert. Das Ganze ist ähnlich cool wie der Riesen-Mario aus der „New Super Mario Bros.“-Reihe und sieht auch entsprechend brachial aus, nur wird es mir zu selten eingesetzt.

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RETRO Sonntag: Yoshi's Island (1 von 3).
 

Einen Großteil seines Charmes zog das Original „Yoshi’s Island“ aus seiner quirligen Präsentation und dem unfassbar eingängigen Soundtrack, der mir noch heute jeden zweiten Tag durchs Ohr schwebt. Beim neuen Ausflug der grünen Echse setzt Nintendo auf 3D-Modelle, die trotzdem den Kreide- und Wasserfarben-Stil des Originals beibehalten wollen. Das gelingt nur bedingt, tatsächlich sieht das fast zwanzig Jahre alte Ursprungsspiel mit seinen liebevollen 2D-Sprites deutlich schöner aus, was an kräftigeren Farben und einer stärkeren Stilsicherheit liegt. Der Soundtrack wiederum beflügelt auch das Abenteuer auf der neuen Insel mit sehr einprägsamen Melodien, die zwar nicht ganz an den SNES-Klassiker herankommen, aber verdammt nah dran sind – eine Leistung, die weder „Yoshi’s Story“ noch „Yoshi’s Island DS“ verbuchen konnten.

Eine kleine Mehrspieler-Komponente bietet „Yoshi’s New Island“ ebenfalls, die qualifiziert sich aber lediglich als nette Dreingabe, da sie sich auf simple Minispiele beschränkt, die man mit der Zeit freischaltet. Wenn man dann etwa mit einem Freund zusammen via Eier-Projektile Ballons vom Himmel holt, ist das eben nur eine mäßig spannende Highscore-Jagd.

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Die 10 besten Nintendo 3DS-Spiele 2014.

Fazit:

Ach Yoshi, was bist du klein geblieben? Niedlich, drollig und charmant ist er ja, Marios grüner Retter, aber auf meiner Reise durch das angeblich so „neue“ Eiland hatte ich doch ein paar Déjà-Vu-Erlebnisse zu viel. „Yoshi’s New Island“ ist ein schöner Nostalgie-Trip für Liebhaber des Originals, der vor allem den Wunsch weckt, den Klassiker noch mal auszupacken – der hat nämlich genauso viel, wenn nicht sogar mehr zu bieten als diese Fortsetzung. Wer zuvor noch gar nicht mit den quirligen Yoshis in Berührung gekommen ist, der bekommt mit „Yoshi’s New Island“ aber einen sehr guten Platformer und darf ruhig noch einen Punkt auf die Wertung raufgeben.

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