StoreDot: Smartphone-Akkus in Sekundenschnelle aufladen – ab 2016 Realität

Rafael Thiel 8

Ein leerer Akku gehört in der Regel zu den größten Ängsten eines Smartphone-Benutzers. Doch was wäre, wenn sich der Energiespeicher innerhalb weniger Augenblicke wieder voll aufladen ließe? Genau das rückt durch das Unternehmen StoreDot in greifbare Nähe.

StoreDot: Smartphone-Akkus in Sekundenschnelle aufladen – ab 2016 Realität

Die Wichtigkeit von Alzheimer-Forschung ist unbestreitbar – und wer hätte gedacht, dass dadurch, sozusagen als Nebeneffekt, auch ein Durchbruch in der Akku-Technologie rauspringen könnte. Als solchen bezeichnet es zumindest Doron Myersdorf, Gründer von StoreDot. Sein Unternehmen arbeitet mit bestimmten Peptid-Molekülen, einer Kette von verschiedenen Aminosäuren, die Neuronen im menschlichen Gehirn beeinflussen und zu Alzheimer führen, an Akkus, die sich innerhalb weniger Augenblicke aufladen lassen.

„Die ganze Angst, dem eigenen Smartphone beim ‚Sterben‘ zuzuschauen, verschwindet, sobald die Wiederaufladung innerhalb einer Minute möglich ist.“, tönt Myersdorf gegenüber dem britischen Guardian. Das entdeckte Aminosäuren-Molekül weist eine vergleichsweise hohe Kapazität auf, wodurch eine hohe Anzahl an Elektronen eingelagert werden kann – der ausschlaggebende Faktor für eine lange Laufzeit. Nur zwei Nanometer messen zwei solcher Moleküle und sorgen für einen enormen Fortschritt in der Akkutechnik. Denn diese „Nanodots“ sind in der Lage, Ladungen sehr schnell und effizient aufzunehmen und zu speichern. Vor rund einem Jahr stellte man bereits einen ersten Prototypen vor, der allerdings noch nicht sonderlich kompakt war.

Storedot: Flash Battery Demo.

Das führt zu drei wesentlichen Arbeitsbereichen, mit denen sich StoreDot beschäftigt. Neben dem Akku wird auch ein kompatibles Ladegerät erfordert, das eine entsprechende Elektronenzahl kontrollieren kann, sowie ein System im Gerät, das den eingehenden Amperefluss effizient verteilt. „Wir müssen bis zu 80 Ampere in den Akku liefern, um ihn innerhalb von einer Minute aufzuladen. Wir mussten ein starkes Ladegerät entwickeln, das vor allem kosteneffizient aber auch klein genug ist, um bequem in der Hosentasche mitgeführt zu werden.“, lässt Myersdorf wissen.

Die Prototypen von StoreDot sind zwar genauso leicht wie gewöhnliche Akkumulatoren, jedoch etwa 30 Prozent weniger ausdauernd. Da laut Myersdorf „60 Prozent der Power-User sowieso stets ein Ladegerät dabei haben“, sei das kein großes Problem. Denn seiner Meinung nach, seien durch den raschen Ladevorgang praktisch bereits „unlimitierte Energiespeicher“ gegeben. Bis 2018 will StoreDot zudem aktuelle Ausdauerwerte erreicht haben, wodurch eine Akkuladung bei normaler Nutzung für einen Tag reichen soll.

StoreDot-1

Dabei soll die Technologie von StoreDot am Ende das Smartphone lediglich um rund 45 Euro teurer machen. Derzeit befindet sich das Unternehmen in Gesprächen mit 15 Herstellern, die an der Technologie interessiert sind. Bis zum Ende des Jahres will man mit „ein oder zwei“ Herstellern Verträge unterzeichnet haben. Der Endverbraucher – also unsereins – darf ab dem Weihnachtsgeschäft 2016 mit entsprechenden Smartphones rechnen. Denn Myersdorf lässt auch wissen, dass die Hersteller ebenfalls Zeit benötigen, um die neue Technologie in ein Smartphone zu integrieren, die passenden Ladegeräte basierend auf den Konzepten seines Unternehmens zu entwerfen sowie den Akku auf Sicherheit und Widerstandsfähigkeit zu testen und zertifizieren zu lassen.

Es gibt noch Hürden, die StoreDot nehmen muss, doch gibt sich Myersdorf zuversichtlich, gibt aber auch offen zu, dass man auf die Zuarbeit von großen Smartphone-Herstellern angewiesen sei. Sein Unternehmen konnte bislang 48 Millionen US-Dollar an Investitionskapital sammeln – unter anderem von Samsung und Roman Abramovich, dem Oligarchen des FC Chelsea. Mit mehr Geld, könnte StoreDot einen Prototypen für ein Elektroauto bauen, das nach einem fünfminütigen Boxenstopp 80 Kilometer zu fahren in der Lage ist, so Myersdorf. Doch erstmal liegt das Hauptaugenmerk auf dem Smartphone-Markt: für das erste Jahr hat StoreDot einen Marktanteil von zwei Prozent anvisiert – ob das klappt, abwarten.

Quelle: The Guardian via Talk Android

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