ASUS Transformer Prime: Test des Netbook-Tablet-Hybriden

Amir Tamannai 59

Das ASUS Transformer Prime scheint auf den ersten Blick alles zu haben, was sich ein Tablet-Käufer wünscht – sexy Optik, als erstes Tablet Nvidias brandneuen und schnellen Tegra 3-Chipsatz an Bord und inzwischen auch mit Android 4.0.3 Ice Cream Sandwich ausgestattet, ein passendes Tastaturdock sowie zig Anschlussmöglichkeiten machen das Gerät zum vermeintlichen Alleskönner. Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten, so sorgten zuletzt GPS- und WLAN-Probleme für negative Schlagzeilen. Was das Transformer Prime unterm Strich wirklich kann und wo es doch hakt, verrät unser Testbericht.

ASUS Transformer Prime: Test des Netbook-Tablet-Hybriden

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Als ASUS Ende 2010 das TF101 Transformer ankündigte, war ich ob der Idee eines Tablets mit andockbarer Tastatur schwer begeistert. Als ASUS das TF101 Transformer dann im Sommer 2011 auf den Markt brachte, machte sich jedoch ein wenig Ernüchterung bei mir breit: Irgendwie ging das tolle Konzept in der Realität nicht ganz auf, denn wirklich produktiv konnte man auf dem Hybriden trotz Dock nicht arbeiten; beispielsweise störten Lags und Inkompatibilitäten das schnelle Schreiben auf Webseiten mit einem hohen Einsatz von JavaScript. Ich habe das Transformer in der Folge deshalb nicht gekauft.

Als ASUS Ende 2011 das TF201 Transformer Prime anteaserte, blieb mir die Spucke weg: Schneller als der Vorgänger, schlanker als der Vorgänger, dank Tegra 3 leistungsfähiger als der Vorgänger und vor allem atemberaubend schön(er als der Vorgänger). War das der Netbook-Tablet-Mix auf den ich gewartet hatte? Als das TF201 Transformer Prime hierzulande nach ewigen Verschiebungen im Januar endlich halbwegs flächendeckend erhältlich war, habe ich zugeschlagen und mir das Tablet samt Dock für die empfohlenen 599 Euro gekauft – und bis heute bereue ich diesen beinahe-Impulskauf nicht im Geringsten. Warum? Das versuche ich in den folgenden Absätzen trotz meiner (offensichtlichen) Begeisterung so neutral wie möglich zu erklären.

Vorweg: So schön das metallische Äußere des Prime auch glänzt, so sehr das Gerät mit seiner schnellen Hardware überzeugt und so gut das Konzept nun auch endlich aufgeht - ganz frei von Problemen ist das Prime nicht – das eine oder andere Zipperlein nervt dann doch oder sorgt zumindest für verständnisloses Kopfschütteln in Richtung der Designabeteilung respektive der Ingenieure von ASUS.

Stimmt das Gesamtpaket am Ende aber dennoch? Hat sich das lange Warten gelohnt? Ist das ASUS Transformer Prime gar das beste aktuell erhältlich Android-Tablet? Schauen wir uns das Gerät unter dieser Prämisse ganz genau an:

Verarbeitung und Haptik

Alu, überall Alu! Das ASUS Transformer Prime kommt in einer wunderhübschen Rüstung: Rundherum metallisches Glänzen, das dem Tablet einen hochwertigen Eindruck, nein, keinen Eindruck, sondern einfach Hochwertigkeit verleiht. Im äußeren Erscheinungsbild manifestiert sich der Perspektivenwandel, den das Prime für künftige Android-Tablets bedeuten könnte – es gibt am Prime kein Plastik, das wie Alu aussehen soll, keine verzweifelten Versuche, ein günstig verarbeitetes Stück Technik durch Augenwischerei schicker erscheinen zu lassen.

Das Transformer Prime ist hochwertig und genau so sieht es aus. Wie eines dieser neuen, teuren Ultrabooks – oder wie einer meiner iDevice-liebenden Kollegen aus dem Marketing zugab: Fast ein bisschen wie ein Macbook. Das ist für mich nicht unbedingt ein Gütesiegel per se, aber ein Android-Gerät muss schon verdammt sexy sein, um eine solche Aussage aus einem Apple-Jünger zu kitzeln. Das ASUS Transformer Prime tut das offensichtlich problemlos.

Kein Knarzen, kein Hakeln, alles läuft wie geschmiert und das gilt auch und besonders für das An- und Abdocken des Tablets vom Keyboard und das Zusammenklappen des zusammengesteckten Netbooks – das Scharnier ist vielleicht ein kleines bisschen zu schwergängig (einhändig lässt sich das Prime nicht öffnen); da ich aber stark davon ausgehe, dass der Mechanismus im Laufe der Zeit unweigerlich etwas „ausleiern“ wird, nehme ich das gerne in Kauf.

Nichts auszusetzen gibt es auch an der Chiclet-Tastatur und dem Trackpad: Alles auf dem Niveau eines guten Net- oder gar Notebooks – und entsprechend gut lässt sich damit auch arbeiten. Mehr dazu im Kapitel „Alltagstauglichkeit und Produktivität“.

Es gibt winzige Wermutströpfchen an der Verarbeitung des Prime, die hier aber wirklich nur der Vollständigkeit halber Erwähnung finden; und nicht, weil sie wirkliche Mängel darstellen: Das Alu ist kalt und beinahe scharfkantig – bei erstem Anfassen erschreckt man fast ein wenig (zumal jetzt in der kalten Jahreszeit) aufgrund der unterkühlten Gehäuserückseite. Und die relativ spitzwinkligen Kanten des Tablets machen es nicht gerade zu einem Handschmeichler bei längeren Halten mit nur einer Hand: Es schneidet nicht direkt ein, aber man muss ab und an schon den Griff verändern, um einem leichten Schmerz vorzubeugen.

Alle Ports und Anschlüsse kommen mit Abdeckungen oder Kunststoffplatzhaltern: SD-Karten- und MicroSD-Slot haben Dummies, USB-Port und die Aussparungen für die Dock-Klammern verwenden Gummipfropfen. Beim alten Transformer waren vor dem USB-Port Abdeckungen, die am Gerät befestigt waren; am Prime fummelt man die Gummis komplett heraus – und hat dann keine Lust, sie jedes Mal wieder umständlich einzusetzen. Deswegen bleibt mein USB-Anschluss fortan ungeschützt … leider.

Dennoch: Alles in allem habe ich wirklich selten ein derart gut verarbeitetes Stück Hardware in Händen gehalten – und so ein schönes dazu: Das ASUS Transfomer Prime macht Spaß, auch wenn es einfach nur zusammengeklappt auf dem Nachttisch liegt. Und da liegt es bei mir jede Nacht; als Schmuck, so wie ein schönes Foto in einem schicken Bilderrahmen, das sich normale Menschen auf den Nachttisch stellen.

Display

ASUS verbaut im Transformer Prime ein Super IPS+-Display, das mit 1280 x 800 Pixeln auflöst und somit also HD Ready-Auflösung bietet. Das Ganze in einem 10,1 Zoll-Screen, der von Corning Gorilla Glass geschützt wird.

Und ja, auch das Display des Prime überzeugt: Die automatische Helligkeitsregelung stellt das Bild zwar vermutlich aus Stromspargründen etwas zu dunkel ein, regelt man aber manuell auf einen Wert im unteren Drittel, reicht das vollkommen für ein tolles optisches Empfinden aus; auf höchster Stufe blendet die gewaltige Leuchtkraft des Screens beinahe.

Schwarz ist auf dem Display des Prime ziemlich schwarz, alle anderen Farben kommen kräftig und naturgetreu rüber. Die HD Ready-Auflösung sorgt für Übersicht beim Browsen, das Bild könnte aber sowohl im 2D- als auch im 3D-Betrieb für mein Empfinden zuweilen etwas schärfer sein; andererseits verschwimmt die Wahrnehmung hier ein wenig, wenn man sich an die inzwischen ebenso hochauflösenden aber deutlich kleineren Screens von Smartphones gewöhnt hat. Also auch wieder Meckern auf hohem Niveau.

Für die Outdoor-Nutzung bietet das Prime zusätzlich noch den softwareseitig einschaltbaren IPS+-Modus an: Damit lässt sich das Display in Kombination mit der höchsten Helligkeitsstufe zu einer Strahlkraft von blendenden 600 Nit(!) und mehr bewegen. So kann tatsächlich auch bei direkter Sonneneinstrahlung und trotz massig Fettflecken und Fingerabdrücken auf dem Screen unter freiem Himmel mit dem Tablet gearbeitet werden – beeindruckend! Ohne das über einen längeren Zeitraum ausprobiert zu haben, postuliere ich hier aber mal, dass der Akku dieses mobile Solarium nicht allzu lange mit Strom wird versorgen können. Dennoch ein sinnvolles Feature, falls man unterwegs bei Sonnenschein nur mal kurz etwas nachschauen möchte.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit soll es hier dennoch nicht unerwähnt bleiben: Der Touchscreen des Prime funktioniert hervorragend; präzise und verzögerungsfreie 10-Finger-Multitoucheingaben sind jederzeit die Regel gewesen. Dafür schmiert der Touchscreen, wie bei den meisten anderen Tablets natürlich auch extrem schnell voll und sieht dann ziemlich unschön aus. Als Gegenmittel legt ASUS eines der effektivsten Display-Reinigungstücher bei, das ich je erlebt habe: Statt Mikrofaser-Schnickschnack gibt es einen guten alten Frotteelappen (sieht besser aus, als das klingt), der den Bildschirm ruckzuck von Abdrücken und Schlieren befreit – ASUS überzeugt beim Prime eben bis ins kleinste Detail.

Hardware, Performance und Akkulaufzeit

Das Transformer Prime kommt mit Tegra 3 Quad Core-CPU und 1 GB RAM. Wie der vormals als Kal-El bekannte Chipsatz von Nvidia funktioniert, hatten wir schon einmal auseinandergesetzt. Wie er sich im Alltag schlägt, klären wir jetzt:

Das Tablet ist schnell, sehr schnell. Das zeigt sich zum einen in der stets flüssigen Bedienung und dem schnellen Öffnen und Starten von Apps, zum anderen in den Apps selber: Die allermeisten Spiele laufen sehr, sehr flüssig und machen so auf dem Prime nochmal mehr Spaß als auf schnellen Dual Core-Tablets. GTA III mit allen Details, die die neuste Version des Spiels erlaubt, läuft rund, Shadowgun THD, die spezielle Tegra 3-Variante mit höher aufgelösten Texturen, dynamischer Beleuchtung und schickeren Partikeleffekten läuft beinahe immer flüssig, das ganz neue Anomaly Warzone Earth HD läuft butterweich.

Moment mal, stand da bei Shadowgun gerade „beinahe“? Ja, leider, denn Shadowgun ruckelt ab und an ein bisschen – was besonders deswegen merkwürdig ist, da es ja quasi der Referenztitel für NVIDIAs Tegra 3-SoC ist. Das leichte Stottern an bestimmten Stellen ist zwar völlig im Rahmen des Spielbaren, für eine verwundert hochgezogene Augenbraue hat es dennoch bei mir gesorgt.

Auch im normalen „Desktop-Betrieb“ lagt Android 4.0 auf dem Transformer Prime selten, aber ab und an doch wahrnehmbar. Ohne diesem Phänomen der kurzen Aussetzer weiter auf den Grund gegangen zu sein – dafür kommt es zu selten vor – vermute ich aber, dass der Grund dafür leider nach wie vor bei Android liegt, dessen Framwork trotz der Verbesserungen in Android 4.0 „Ice Cream Sandwich“ eben immer noch von der Performanz eines iOS entfernt ist.

ASUS lässt Nutzern des Prime die Wahl zwischen drei Leistungsmodi: Energiesparmodus, Ausgewogen und Normal, wobei der normale Modus der performanteste ist. Im normalen Modus laufen alle vier CPU-Kerne mit ihre Maximal-Taktung von 1,3 GHz, ausgewogen drosseln sie auf 1,2 GHz und im Sparmodus dürfen alle vier Kerne gleichzeitig mit maximal 600 MHz, drei mit 700 Mhz und zwei oder ein einzelner mit 1 GHz laufen. Außerdem wird beim Sparen auch die Framerate auf 35 Frames pro Sekunde beschnitten und die Leuchtkraft des Screen heruntergeregelt. In Benchmarks äußert sich das so (Durchschnittswerte aus jeweils drei Durchläufen):

In erster Linie dienen diese Modi natürlich dazu, den Akku zu schonen. ASUS gibt an, dass das Prime in Kombination mit dem zusätzlichen Akku, der im Tastaturdock verbaut ist, rund 18 Stunden durchhält – im Energieparmodus, bei der Wiedergabe von 720p-Videomaterial, 60 Nit Helligkeit und auf Standardlautstärke mit Kopfhörern.

Unter realistischeren Nutzungsbedingungen, das heißt im ausgewogenen Modus, unter Nutzung aller möglichen Apps mit durchschnittlicher Bildschirmhelligkeit und ohne konstant einen Film laufen zu lassen, dafür aber durchaus mit häufigem An- und Ausschalten, App-Starten, Internet-Surfen, Video schauen, Musik hören etc., hielt das Prime mit Dock im Schnitt zwei Tage durch. Und das ist ein guter Wert, wie ich finde. Zumal sich dadurch, dass das Tablets sich aus dem Dock wieder auflädt, ja immer auch die Möglichkeit ergibt, letzteres ans Netz zu hängen und derweil mit dem Slate allein Spaß zu haben.

Konnektivität

In Sachen Anschlüsse und Verbindungen bietet das Prime, alles, was man aktuell so braucht: USB-Port, MicroSD-Slot und SD-Slot. Daten lassen sich also neben der mittlerweile immer gängiger werdenden Cloud-Lösung auch via USB-Stick, SD- und MicroSD-Karten sowie natürlich über den direkten Anschluss an den PC per mitgeliefertem USB-Kabel, das in einen von zwei (einer am Dock, einer am Tablet) proprietären Ports gesteckt wird, übertragen – Dateimanager, was willst Du mehr.

Vor allem der USB-Port hat es mir angetan: Nicht nur USB-Sticks und externe-Festplatten frisst der ohne Murren, sogar meine Logitech-Funktastatur, auf der ich normalerweise tippe, funktioniert nach Einstöpseln des kleinen USB-Empfängers sofort; ohne Verzögerung oder Konfiguration. Und die dazugehörige Maus auch. Das gleiche gilt für Gamepads oder sonstige Eingabegeräte – sofern sie von der jeweiligen App unterstützt werden, natürlich (Shadowgun mit Tatstatur und Maus ist nicht, aber dafür kann ASUS nichts). Nicht so dolle: Es gibt nur einen USB-Port, direkt am Dock. Ein zweiter, direkt am Tablet wäre grandios gewesen, war aber vermutlich ob der geringen Dicke des Slates nicht zu realisieren.

Ein Kopfhörer-Ausgang ist selbstverständlich vorhanden (und auch bitter nötig, da der eine(!) Lautsprecher des Prime das einzig wirklich große Manko des Tablets ist; dazu später mehr), der Micro-HDMI-Port ist weniger selbstverständlich – aber beim Prime eben auch vorhanden und im Gegensatz zum USB-Anschluss dankbarerweise auch direkt am Tablet verbaut.

So ergeben sich Anwendungsszenarien, die ich noch gar nicht alle ausprobieren konnte: Gamepad ans Prime, das Ganze per HDMI an den heimischen 42-Zoller angestöpselt und Shadowgun gezockt – ersetzt die PS3 oder Xbox bestimmt nicht ganz, aber ist doch mal was anderes. Und macht jede Menge Spaß! Auf der CES demonstrierte man während der NVIDIA Pressekonferenz sogar noch etwas Cooleres: Über die Fernverwaltungs-App Splashtop wurde das optisch beeindruckende PC-Spiel Skyrim auf ein Transformer Prime „gestreamt“ und von dort aus mittels Gamepad auf einem großen LED-TV gespielt; ohne erkennbare Lags oder Eingabeverzögerungen. Auch wenn ich letzteres wie gesagt selbst noch nicht ausprobiert habe, die Möglichkeiten, die das Prime ob seiner Vielseitigkeit hinsichtlich der Anschlüsse eröffnet, scheinen grenzenlos.

Neben den physischen Anschlüssen, gibt es natürlich die gerade bei einem mobilen Gerät nicht minder wichtigen drahtlosen Verbindungsmöglichkeiten wie WLAN, GPS, UMTS, Bluetooth. Hier hat das Prime Probleme und zwar leider gleich mehrere: UMTS ist nicht vorhanden und wird nach aktuellem Wissensstand für dieses Modell auch nicht mehr kommen. ASUS hat auf der CES in Las Vegas quasi das Transformer Prime 1,5 präsentiert – das TF700T hat 3G-Konnektivität an Bord, ein noch höher auflösendes Display und funktionierendes GPS, muss dafür aber mit einer profanen Rückabdeckung aus Kunststoff auskommen. Außerdem wird das Tablet erst Mitte des Jahres erhältlich sein – bis dahin wird sich die Android-Welt vor allem in Sachen Hardware deutlich weiter gedreht haben.

Schlimmer wiegen die GPS-Probleme, auf die wir zum Beispiel hier bereits ausführlich eingegangen sind. In aller Kürze: Die schöne Alu-Verkleidung ist in Sachen Konnektivität ein kleiner Fluch, denn sie behindert das Durchdringen der Funksignale zum Aufschalten auf die GPS-Satelliten.

Beim Test mit der App GPS Test fanden sich zwar relativ zügig ein paar Satelliten, einzig ein richtiges Aufschalten kam nicht zustande. Mit meinem Gerät war dann auch tatsächlich unter freiem Himmel nach langer Wartezeit in Google Maps keine Ortung möglich. Und da das Prime eben ohne UMTS-Modul geliefert wird, funktioniert natürlich auch die Positionierung mithilfe der Sendemasten nicht. Unterwegs mit Google Maps navigieren geht mit dem ASUS Transformer Prime ohne die Zuhilfenahme externer Lösungen, also eines tethernden Android-Smartphones beispielsweise, schlichtweg nicht.

Positives gibt es dafür in Sachen WLAN zu berichten: Ich hatte keine Verbindungsabbrüche oder schwächelnden Empfangsleistung zu bemängeln – auch in Räumen, in denen der drahtlose Empfang bei mir mit anderen Geräten erfahrungsgemäß schwach ist, bekam ich stets ein Signal, natürlich im Rahmen der Gegebenheiten. Die WLAN-Performanz des Prime reißt keine Bäume aus, liegt bei meinem Gerät aber im Normalbereich. Es kursieren Meldungen darüber, dass die kolportierten Wireless-Probleme des Tablets dann auch nur in einer der ersten Chargen vorhanden waren und die aktuellen Geräte inzwischen fehlerfrei laufen – das kann ich so weder bestätigen, noch negieren; auf meinem Exemplar funktioniert WLAN jedenfalls problemlos.

Sonst noch was? Ach ja, Bluetooth – funktioniert mit den von mir getesteten Geräten (Dateitransfer vom Smartphone, Headset) ebenfalls problemlos.

Software

Das ASUS Transformer Prime, das ich am 21. Januar erhalten habe, kam noch mit Android 3.2 Honeycomb an Bord; aktualisierte sich aber innerhalb von wenigen Minuten nach dem ersten Hochfahren selbsttätig auf Android 4.0.3 Ice Cream Sandwich – faktisch wird das Prime also mit Eiskremstulle ausgeliefert.

Und natürlich überzeugt die neuste Iteration von Googles mobilem OS auch und besonders auf dem Tegra 3-Tablet: Alles scrollt und läuft und wischt und öffnet sich butterweich, alles sieht toll aus und ist sehr durchdacht. So macht die Benutzung dieses feinen Gerätes noch einmal so viel Spaß – wie in unserem Video-Rundgang deutlich wird:

Was bei mir nicht so gut funktioniert, ist die Synchronisierung des Google Kalenders: Ständig erhalte ich Fehlermeldungen, nach denen diese abgebrochen respektive die ganze Kalender-App geschlossen wurde. Ich habe bislang noch nicht versucht, das Problem durch einen Wipe des gesamten Gerätes zu beheben, sondern hoffe (noch) auf einen Fix mit einem der künftigen Updates – denn für zahlreiche und vor allem zeitnahe Software-Aktualisierungen und Bugfixes ist ASUS ja bekannt.

Was hat ASUS sonst so auf das Prime gepackt? Neben dem inzwischen schon weltweit berühmten Wallpaper mit dem Baum auf der Wiese vor Casper-David-Friedrich-eskem Himmel (das übrigens auch als Live Wallpaper mit wechselnden, zur Tageszeit passenden Lichtverhältnissen vorliegt) sowie dem Wetter- und dem Datums-Widget finden sich diverse ASUS-Anwendungen und Widgets, die wie bei Hersteller-Software üblich mehr oder weniger brauchbar sind.

Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Eine DLNA-Anwendung namens MyNet gibt es, der ASUS Cloud-Services MyCloud und WebStorage (die irgendwie zusammengehören) sind da, die eBook- und eMagazin-Anwendung My Library, ein Backup-Programm zur Sicherung von Apps sowie der sogenannte App Locker, mit dem sich einzelne installierte Applikation mittels Kennwort vor Fremdzugriffen schützen lassen. Diese sind soweit ein kurzes Ausprobieren das erkennen ließ, allesamt nett gemacht und je nach Nutzungsszenario durchaus auch nützlich: Gerade das Sperren von bestimmten Apps via App Locker kann bei Mehrfachnutzung des Prime durchaus ein Mehrwert sein, gleiches gilt für die Anwendungssicherung. My Library hingegen werde ich sicher nie nutzen, da gibt es bessere eReader.

Besondere Beachtung verdienen der Dateimanager, der gut aussieht und sehr schnelles und intuitives Verschieben, Kopieren und Verwalten der auf dem Gerät und angeschlossenen Speichermedien vorhandenen Daten erlaubt, sowie die Notiz-Anwendung Supernote, die ASUS besser selbst erklärt:

Außerdem, wie sich das für ein Tablet mit Tastaturdock und dem Anspruch, auch ein Arbeitspferd zu sein, gehört, befindet sich Polaris Office 3.0 auf dem Transformer Prime. Und ein paar weitere Widgets: Eins für den Ladestand der Akkus, ASUS MyZine, ein Task Manager und ein E-Mail-Widget für den anderen (nicht den Google Mail-) Klienten.

Auch in Sachen Software macht ASUS summa summarum das meiste richtig, zumindest aber nichts grob falsch.

Kamera und Audioausgabe

Auch wenn ich in der Vergangenheit nicht müde wurde, zu betonen, dass das Fotografieren mit einem Tablet irgendwie dämlich und dass das gesamte Feature Kamera somit bei diesen Geräten überflüssig sei, muss ich zugeben, dass mich das ASUS Transformer Prime mit seiner sehr guten 8 MP-Kamera eines Besseren belehren könnte: Die geschossenen Fotos sehen top aus, dank des CMOS-Sensors und der großen Blendenöffnung auch bei schlechten Lichtverhältnissen. Allerdings weisen die Fotos gerade unter solchen Bedingungen zuweilen auch einen deutlichen Rotstich auf.

 
 
 
 
 
 

Gleiches gilt für Videos: Diese können in 1080p-Full HD-Auflösung aufgenommen werden und sind für ein Tablet recht vorzeigbar. Aber auch hier gibt es Einschränkungen bei der Qualität, zum Beispiel in Form von Artefakten, die sich unschön an dunklen Stellen des Bildes zeigen.

Ich habe in diesem Artikel bisher viel, viel Lob für ASUS ausgesprochen und bei manchen negativen Kleinigkeiten beide Augen zugedrückt. Was mich aber mächtig ärgert, ist der eine(!) verbaute Lautsprecher: Wie kann man denn bitte ein High End-Gerät wie das Transformer Prime, das laut Produktbeschreibung mit einer SonicMaster-Audiotechnologie zur Klangverbeserung ausgestattet ist und als Tablet ja genuin für den Genuss von Multimedia-Inhalten gedacht ist, mit nur einem einzigen Monolautsprecher versehen? Der auch noch (im Landscape-Modus) am rechten unteren Rand positioniert ist – also da, wo normalerweise die Hand drauf liegt (und nein, die Idee mit der Handfläche als Resonanzkörper funktioniert zumindest bei meiner Haltung des Tablets leider nicht, er wird einfach nur verdeckt).

Wie viel toller wäre das Prime geworden, wenn zwei, vielleicht sogar drei hochwertige Lautsprecher Filme, Spiele und Musik zum ganzheitlichen multimedialen Erlebnis gemacht hätten? Vielleicht zu perfekt. Vielleicht muss so ein großer Schnitzer ja einfach sein (ihr merkt schon, ich versuche, mir diesen eigentlich unverzeihlichen Missstand schön zu schreiben …). Wenigstens ist der Sound, der aus dem einen Sprecher dringt, eingermaßen in Ordnung, wenn auch je nach Quelle zuweilen etwas zu leise.

Alltagstauglichkeit und Produktivität

Das waren die harten Fakten, jetzt kommt die Kür: Wie produktiv kann man mit dem Transformer Prime arbeiten, wie viel Spaß macht es und wie groß ist die Alltagstauglichkeit des Netbook-Tablet-Hybriden? Kurze Antworten: Sehr, viel und groß.

Etwas ausformulierter klingt das so: Im Gegensatz zum Vorgänger kann man mit dem Prime und angedockter Tastatur arbeiten – und zwar genauso effektiv wie mit einem Netbook. Manch einer mag jetzt bemängeln, dass Android nicht Windows ist; um diesem Glaubenskrieg aus dem Weg zu gehen, statuiere ich nur, dass zumindest hardwareseitig effektivem Arbeiten (sprich Schreiben) auf dem Prime nichts im Wege steht. Hätte ich keinen Desktoprechner mit komfortablen zwei großen Bildschirmen zur Verfügung gehabt, hätte ich diesen Testbericht relativ problemlos auch auf dem Transformer Prime, vielleicht mit angeschlossener Funktastatur, zur Not aber auch nur mit dem Dock verfassen können. Auf den MWC nehme ich jedenfalls das Prime mit und werde dort konsequent versuchen, nur damit zu arbeiten (ein Windows-Laptop kommt aber auch uns Gepäck, nur um sicher zu gehen – schließlich sollen die androidnext-Leser etwaige Überschätzungen des Geräts meinerseits nicht durch Funkstille aus Barcelona ausbaden müssen).

Spaß macht das Prime schon beim Anschauen; beim Spielen und Surfen ob der schnellen Hardware und des guten Displays sowieso. Und dank ausdauerndem Akku, kompakter Bauform, guter Lesbarkeit unter freiem Himmel und trotz Dock immer noch erträglichem Gewicht von 1123 Gramm ist das ASUS Transformer Prime auch durchweg alltagstauglich.

Fazit

Ich bin verliebt, schwer verliebt: Das ASUS Transformer Prime hat mich auf ganzer Linie überzeugt, es ist das beste Android-Tablet, das man aktuell für Geld kaufen kann. Es ist wunderschön, es ist intelligent schnell, praktisch und vor allem geht dieses fantastische Konzept, das ASUS sich da vor über einem Jahr ausgedacht hatte, mit der zweiten Iteration des Transformer endlich auf.

Für den Gegenwert von läppischen (im Vergleich zu den Preisen für so manches andere Tablet) 599 Euro habe ich ein für mich beinahe perfektes Gerät erhalten: Eines, mit dem ich arbeiten aber auch Filme schauen und Spiele spielen kann – und zwar die grafisch beeindruckendsten Spiele, die es aktuell für das Android-OS gibt, butterweich und ruckelfrei. Ein Tablet, welches ob seines Äußeren und der cleveren Dock-Mechanik neidische Blicke auf sich zieht (inzwischen bestimmt mehr davon als so ein schnödes iPad) und das auch mich selber jeden Tag aufs Neue bezirzt und geradezu verlangt, angefasst und gestreichelt, vielleicht aber auch benutzt zu werden.

Wer in den vergangenen Wochen auch nur ansatzweise mit dem Gedanken gespielt hat, sich ein Android-Tablet zuzulegen, gerade 600 Euro übrig hat und nur noch auf eine Gelegenheit wartet, dem sei mit Moloko zugerufen: „The time is now!“ Ein besseres Tablet (wohlgemerkt als Gesamtpaket mit Dock) wird es in den nächsten Monaten nicht geben. Und eines, das nebenbei den Nachttisch so hervorragend schmückt, schon gleich gar nicht.

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Wertung

Verarbeitung und Haptik: 5/5
Display: 5/5
Hardware und Performance: 5/5
Akkulaufzeit: 4/5
Konnektivität: 5/5
Software: 5/5
Kamera und Audioausgabe: 4/5
Alltagstauglichkeit und Produktivität: 5/5

Gesamt: 4,8/5

Pro

  • Wunderschönes, edles Äußeres
  • Grenzenlos vielseitig
  • Sehr potente Hardware

Kontra

  • Ein(!) ungünstig positionierter Lautsprecher
  • Ab und an ruckelt es dann doch
  • Trotz zweitem Akku im Dock keine wirklich überragende Laufzeit

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