Huawei MediaPad M3 im Test: Metallener Multimedia-Meister

Kaan Gürayer 8

Im Rahmen der IFA 2016 hat Huawei das MediaPad M3 vorgestellt. Mit seinem 8,4-Zoll-Display positioniert sich das Tablet als direkter Konkurrent zum iPad Mini 4. In unserem ausführlichen Testbericht zum MediaPad M3 haben wir viel Licht gefunden – und den einen oder anderen Schatten. 

Huawei MediaPad M3 im Test: Metallener Multimedia-Meister

Kurz-Fazit: Das Huawei MediaPad M3 überzeugt mit seiner tadellosen Verarbeitung im Metallkleid, dem knack-scharfen Display und den exzellenten Lautsprechern mit Harman/Kardon-Zertifizierung. Weitere Pluspunkte sammelt das 8,4-Zoll-Tablet mit seiner Performance und den hervorragenden Laufzeiten im Standby-Modus. Abzüge gibt es hingegen für die etwas zu stark an iOS erinnernde EMUI 4.1 und geringe Auswahl an Tablet-Apps, wobei letzteres fairerweise auf alle Android-Tablets zutrifft und nicht die schuld des MediaPad M3 ist.

Pro

  • Scharfes Display
  • Lautsprecher mit Harman/Kardon-Zertifizierung
  • Verarbeitung und Materialwahl
  • Performance
  • Lange Laufzeit im Standby
Kontra

  • EMUI 4.1 etwas iOS-lastig
  • Fehlende Auswahl an Tablet-optimierten Apps
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Nach einer kurzen Hochphase, die mit der Vorstellung des originalen iPads im Jahr 2010 begann, befinden sich Tablets mittlerweile auf einem eher absteigenden Ast. Von Quartal zu Quartal fallen die Verkaufszahlen der Streichelrechner, denen einst eine goldene Zukunft vorhergesagt wurde.

Ein Großteil der Branche sucht das Heil in der Produktivitätsschiene und antwortet auf sinkende Absatzzahlen mit dem Versuch, aus Tablets echte Arbeitsmaschinen zu machen – Stichwort: iPad Pro. Huawei geht hingegen in die andere Richtung und bewirbt das MediaPad M3 nicht mit Keyboard-Cases, Eingabestiften oder anderem „nützlichen“ Zubehör. Stattdessen soll das neueste Tablet des chinesischen Vorzeige-Konzerns ganz und gar dem Medienkonsum dienen.

Ob das Vorhaben auch tatsächlich gelungen ist, zeigt unser Test zum Huawei MediaPad M3.

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Design des MediaPad M3

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Zweifellos: Mit dem MediaPad M3 ist Huawei eine echte Schönheit gelungen. Die Rückseite besteht aus einem geschmeidigen Metall und vermittelt ein absolut hochwertiges Gefühl. Zur Längsseite ist der Metallrücken etwas abgerundet, wodurch sich das MediaPad M3 im Vergleich zur Tablet-Konkurrenz noch ein Stück weit bequemer in der Hand halten lässt. Dank der abgerundeten Kanten wird dem Tablet ein zusätzlicher Schuss Oberklassefeeling verliehen.

Ganz oben auf der Rückseite wird das Metall von einem weißen Kunststoffstreifen abgeschlossen, der das Kameramodul behaust und ein wenig an das Huawei P9 erinnert. Das optische Gegenstück befindet sich am unteren Ende in Form eines schmalen Antennenstreifens in der gleichen Farbe. Genau dazwischen ziert die Rückseite ein graues Huawei-Logo und der „harman/kardon“-Schriftzug, der die Klangqualitäten des MediaPad M3 bereits subtil ankündigt.

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An der Oberseite des MediaPad M3 hat Huawei den 3,5-mm-Klinkenanschluss und eine Lautsprecheröffnung untergebracht, während an der Unterseite das Mikro, ein microUSB-Port, eine weitere Lautsprecheröffnung und der kombinierte SIM- und SD-Kartenslot zu finden sind. Dass Huawei im Gegensatz zu seinen aktuellen High-End-Smartphones auf microUSB statt USB Typ C setzt, irritiert etwas – wir hätten uns die zukunftssichere Schnittstelle gewünscht.

Rechts sind der Powerbutton und die Lautstärkewippe positioniert. Beide besitzen nicht nur über hervorragende Druckpunkte, die An/Aus-Taste ist darüber hinaus an der Oberseite schraffiert, womit sie auch „blind“ ohne Probleme ertastet werden kann und Verwechselungen mit den Volume-Buttons quasi ausgeschlossen sind. Die linke Seite ist hingegen gänzlich jungfräulich und kann mit keinerlei Bedienelementen aufwarten.

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Die Front des MediaPad M3 wird beinahe komplett vom Bildschirm eingenommen, insbesondere die seitlichen Ränder sind erfreulich schmal gehalten. Am unteren Rand, wenn das Tablet hochkant gehalten wird, hat Huawei einen Fingerabdruckscanner platziert, der gleichzeitig auch als Homebutton dienen kann und über weitere praktische Zusatzfeatures verfügt (mehr dazu später). Oben erblickt der Nutzer ein Huawei-Schriftzug, die Benachrichtigungs-LED und die Frontkamera.

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Multimedia-Eigenschaften des MediaPad M3

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Das Display des MediaPad M3 besitzt eine Diagonale von 8,4 Zoll und löst mit 2.560 x 1.600 Pixeln auf. In Summe tummeln sich auf dem Screen also knapp 4,1 Millionen Bildpunkte, womit alle Inhalte gestochen scharf dargestellt werden. Die zugrunde liegende IPS-Technik sorgt für stabile Blickwinkel und ein natürliches Farbbild. Zudem hat Huawei in der EMUI-Software diverse Einstellungsmöglichkeiten für das Display integriert: Neben der Helligkeit kann der Nutzer auch Farbtemperatur und Farbmodus ganz dem eigenen Gusto nach feinjustieren.

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Nomen est omen: Beim Medienkonsum spielt das MediaPad M3 seine Stärken voll und ganz aus. Das 16:10-Bildschirmformat vermittelt in Kombination mit den beiden Stereolautsprechern echtes Kino-Feeling. Für die Lautsprecher hat Huawei mit den Klangprofis von Harman/Kardon zusammengearbeitet, was sich auch sehen – pardon: hören – lässt. Mit jeweils 1 Watt bringen die Speaker ordentlich Leistung mit und können jeden Film mit der passenden Soundkulisse untermalen.

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Zwar hätten wir uns ein wenig mehr Volumen gewünscht und insbesondere bei voller Lautstärke lässt sich ein leichtes Klirren wahrnehmen – das allerdings ist Jammern auf (sehr) hohem Niveau. Zumal die Lautsprecher im MediaPad M3 bereits bei einem Drittel der maximalen Lautstärke so ziemlich alles in den Schatten stellen, was die Konkurrenz in diesem Preissegment zu bieten hat.

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Software des MediaPad M3

Ausgeliefert wird das Huawei MediaPad M3 mit Android 6.0 Marshmallow und der EMUI in Version 4.1. Huaweis Benutzeroberfläche passt Android stark an und nimmt sich optisch und auch funktional einige Anleihen bei iOS. Auf einen App-Drawer müssen Nutzer ebenso wie beim Apple-Vorbild verzichten. Zweigeteilt ist die Benachrichtigungszentrale: rechtes gibt’s die eingehenden Benachrichtigungen, links hingegen die Schnelleinstellungen. Die „Rauchglas“-Optik versprüht hier erneut iOS-Charme, gleiches gilt fürs Ordner-Design und die Multitasking-Ansicht.

Wer nicht Huaweis Liebe für Apples mobiles Betriebssystem teilt, muss wohl oder übel zu einem alternativen Launcher greifen – oder auf ein zukünftiges Update mit EMUI 5.0 warten, das sich spürbar von iOS entfernt und näher an Stock-Android orientiert.

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Funktional hat das EMUI auf dem MediaPad M3 jedoch einiges zu bieten und gibt dem Nutzer tiefgreifende Einstellungsmöglichkeiten und Komfortfunktionen. So lassen sich etwa die Navigationsbuttons konfigurieren und neben Home, Zurück und Multitasking eine vierte Taste hinzufügen, die die Benachrichtigungsleiste herunterzieht. Ein ausgetüftelter Akkumanager erkennt stromintensive Apps, beherbergt verschiedene Energiespar-Pläne und erlaubt sogar das Herabsetzen der Auflösung auf 1.920 x 1.200 Pixel, um Akkuleistung zu sparen.

Und trotz der Tatsache, dass auf dem MediaPad M3 noch Android 6.0 Marshmallow läuft, besitzt das Tablet bereits einen Split-Screen-Modus, der zwei Apps wahlweise neben- oder übereinander darstellt. Im Test machte dieser eine gute Figur und funktionierte überraschend flüssig.

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Wo man Licht findet, ist Schatten bekanntermaßen aber nicht fern. Im Kern ist Android nämlich noch immer ein Smartphone-Betriebssystem. Die wenigsten Apps im Google Play Store machen auch sinnvoll Gebrauch von der größeren Displayfläche, die ihnen ein Tablet bietet. Ergebnis: Im Alltag fühlt sich das MediaPad M3 mit seinem 8,4-Zoll-Display vielmehr wie ein riesiges Smartphone denn mittelgroßes Tablet an.

Die Schuld an diesem Schlamassel liegt aber nicht bei Huawei, sondern einzig und allein bei Google. Auch nach fünf Jahren – immerhin wurde mit „Honeycomb“ die erste auf Tablets optimierte Android-Version bereits im Jahre 2011 vorgestellt – hat es der US-Konzern nicht geschafft, Android-Entwickler von der Notwendigkeit dezidierter Tablet-Apps zu überzeugen.

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Eingabemöglichkeiten des MediaPad M3

Die Standard-Tastatur im EMUI 4.1 hat uns wenig überzeugt. Wird das Tablet hochkant gehalten, sind die Tasten für unseren Geschmack etwas zu schmal geraten. Horizontal lässt sich hingegen einfacher tippen und die Option, die Tastatur zur besseren Bedienung mit den Daumen in der Mitte zu teilen – ebenfalls eine „iOS-Inspiration“ – ist ein praktisches Feature. Dennoch würden wir zu Drittanbieter-Alternativen wie Swype (glücklicherweise bereits vorinstalliert) tendieren, zumal wir auch optisch ein etwas minimalistischeres Interface mit klaren Linien à la Google Keyboard bevorzugen.

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Gefallen hat uns hingegen der Fingerabdruckscanner, der nicht nur rasend schnell arbeitet und das MediaPad M3 in Windeseile entsperrt, sondern über Gesten auch die Bedienung des Tablets ermöglicht. Die frontseitige Taste lässt sich entgegen jeder spontanen Annahme nicht eindrücken – es handelt sich lediglich um einen kapazitiven Scanner in Button-Optik. Ein kurzer Tap ist aber gleichbedeutend mit dem Back-Button und führt eine Ebene zurück, ein längerer Tab bringt den Nutzer auf den Homescreen und ein Wisch über den Sensor öffnet die Multitasking-Ansicht.

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De facto muss man zum Bedienen des MediaPad M3 also nicht mehr auf die virtuellen Navigationsbuttons zurückgreifen, sondern kann gänzlich auf den Fingerabdruckscanner ausweichen – ziemlich clever.

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Leistung des MediaPad M3

Technische Basis des MediaPad M3 bildet ein Kirin 950, der acht Kerne und eine maximale Taktrate von 2,3 GHz besitzt. Flankiert wird Prozessor von einem 4 GB umfassenden Arbeitsspeicher. Intern stehen 32 GB zur Verfügung, die bei Bedarf über den microSD-Slot erweitert werden können.

Display 8,4 Zoll IPS mit 2.560 x 1.600 Pixeln, 359 ppi
Prozessor Kirin 950 Octa Core mit max. 2,3 GHz
Arbeitsspeicher 4 GB
Interner Speicher 32 GB, microSD-Slot
Kamera 8 MP
Frontkamera 8 MP
Akkukapazität 5.100 mAh
Konnektivität WLAN 802.11 a/b/g/n/ac, Bluetooth 4.1, GPS, LTE Cat4
Betriebssystem Android 6.x inkl. EMUI 4.1
Abmessung 215,5 x 124,2 x 7,3 mm
Gewicht 310 Gramm
Farben Silber
Besonderheiten Fingerabdruckscanner, Stereolautsprecher mit Harman-Kardon-Technik

In synthetischen Benchmarks kann das SoC, das aus Huaweis eigener Chipschmiede Hisilicon stammt, zwar nicht mit der Qualcomm-Konkurrenz mithalten – im täglichen Gebrauch des Tablets ist von dieser „nominellen Schwäche“ aber nichts zu spüren. Im Browser ruckelt nichts, der App-Wechsel läuft flott und ohne Verzögerungen und selbst grafisch aufwändige Spiele wie Soul Calibur meistert der Kirin 950 ohne Probleme. Unter Last wird die metallene Rückseite zwar etwas warm, aber niemals so heiß, dass es wirklich unangenehm wäre.

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