iPad 3: Konsumverzicht oder Kaufrausch? – Kommentar

Sven Kaulfuss 16

Weihnachten steht kurz vor der Tür. Im Gegensatz zur übrigen Bevölkerung benötigt der „Homo Apfelbaumensis“ keine alljährliche Geburtstagsparty zu Ehren eines wiederauferstandenen Messias um dem Kaufrausch zu frönen und vor sich selbst zu rechtfertigen. Das Produkt genügt sich allein, ist Anlass und Alibi zugleich.

iPad 3: Konsumverzicht oder Kaufrausch? – Kommentar

Was wird dies wieder für ein Heidenfest: Pünktlich um 19 Uhr (10 Uhr Ortszeit) am 7. März 2012 erwartet eine hoffnungsvolle Gemeinde die Niederkunft eines neuen Sprösslings. Ein Geheimnis ist es schon lange nicht mehr, denn das iPad 3 wird seit geraumer Zeit auf Erden herbeigesehnt. Eine Erwartung die Apple am nächsten Mittwoch erfüllen wird. Freilich wird im Vorfeld und später auch im Nachgang darüber diskutiert werden: Was kann die neue Touchflunder und brauche ich es denn überhaupt?

Ja, was braucht der Mensch? Nicht allzu viel, wie Sokrates im alten Griechenland bemerkte: „Wie zahlreich sind doch die Dinge, derer ich nicht bedarf.“ Dem gegenüber steht heutzutage eine Gesellschaft, getrieben von der Mär des ständigen Wachstums und Konsums. Letzterer ist unzweifelhaft der notwendige Motor für die wirtschaftliche Progression. Die eigentliche Frage ist nicht, was der Mensch benötigt, sondern was will der denkende Affe. Wohl vor allem eins: Konsumieren!

Wir Apple-Liebhaber gelten dabei besonders als kauffreudig, verfolgen live die Ankündigung der neuen, verheißungsvollen Frucht und zücken in Scharen als gleich die Kreditkarten um dem inneren Druck nachzugeben. Der Spontanerwerb wird nicht in Frage gestellt und steht für viele Interessenten schon vor der eigentlichen Ankündigung fest.

Ist ein solcher Apple-Fanboy also in erster Linie ein Anhänger des rücksichtslosen Hedonismus? Wird man ihm mit dieser Pauschalisierung gerecht?

Nein, denn auch er ist nur ein Rädchen im Getriebe und Opfer des bestehenden Gruppenkaufzwanges der nicht nur allein auf Apple zu beziehen ist. Doch im Gegensatz zum Klischee der Schuhkäuferin kann sein Verhalten nachhaltige Züge annehmen. Wer Apple-Fanboy und schlau zugleich ist, veräußert just in diesem Moment sein iPad bei eBay. Ein älteres aber immer noch gut brauchbares Gerät findet einen neuen Nutzer, der iPad-3-Interessent minimiert seinen Kapitaleinsatz für den Neuerwerb und ein Dritter (eBay) partizipiert ebenso daran – so funktioniert der wirtschaftliche Kreislauf im Idealfall.

Kommt dieses Urteil einer Absolution zum Kaufrausch gleich? Dies möchte ich verneinen. Der erwähnte „iPad-Kreislauf“ ist nur dann nachhaltig, wenn genügend Liquidität jeweils auf Käuferseite besteht. Auch wenn es die Banken anders sehen: Ein iPad auf Pump ist eine denkbar schlechte Idee. Kredite sind das Schmieröl der Wirtschaft, jedoch nur dann sinnvoll, wenn das geborgte Kapital einer tatsächlichen Investition dient und sich durch den Einsatz vermehrt. Ein iPad ist aber für die meisten Privatnutzer noch immer Genussmittel, Hedonismus kein nachhaltiges Geschäftskonzept.

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