Fundstück der Woche: Das ePaper in den Kinderschuhen, 1981

Flavio Trillo

Es ist uns nicht mehr allgegenwärtig, doch es gab eine Zeit vor dem iPad. Eine Zeit, in der die digitale Ausgabe einer Zeitung für landesweites Aufsehen sorgte. Wie in diesem Video aus dem Jahre 1981, das eindrucksvoll technischen Fortschritt demonstriert.

1981 primitive Internet report on KRON.
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Voller Ehrfurcht vor der Technologie beschreibt die Moderatorin ein damals schier undenkbares Szenario. „Stellen Sie sich vor, sie sitzen morgens beim Frühstück und schalten ihren Computer ein, um die Zeitung zu lesen.“

Dass so etwas vor nicht einmal 35 Jahren tatsächlich vollkommen unvorstellbar war, ist schon erstaunlich. Besonders, wenn man bedenkt, dass ihr diesen Text auf einem tragbaren Computer oder sogar einem Tablet-Rechner lest. Der jungen Dame aus dem Video wäre vermutlich der Kopf geplatzt beim Anblick von Angry Birds.

Die Technologie damals war denkbar simpel: Einfach ein bestimmtes Ortsgespräch auf dem Wählscheibentelefon beginnen, den Hörer auf einen Akustikkoppler legen und schon kann es los gehen. Eine Ausgabe des San Francisco Examiner erscheint nur vier Stunden später (!) auf dem TV-Bildschirm eines technikbegeisterten Lesers.

Potentielle Kunden gab es nur etwa zwei bis drei tausend — mehr Computer-Besitzer zählte die „Bay Area“ damals nicht. Heute dürfte man so viele problemlos innerhalb von ein paar Häuserblocks in San Francisco zusammentrommeln können.

Alles außer Bildern, Werbung und den Comics ist auf der groben Pixel-Matrix zu sehen. Wer heute auf Tablet-Displays ungern Bücher liest, weil das nicht gut für die Augen ist, hätte damals keine Freude gehabt. In der frühen Kindheit des ePaper war Lesekomfort noch kein wichtiger Belang.

Angetan schmökert der ältere Herr in Artikeln und lobt die Möglichkeit, alles bei Bedarf zu kopieren und auf Papier zu bannen. „Das wird die Zukunft sein“, orakelt Richard Halloran, untertitelt mit: „Besitzt einen Heimcomputer“.

Heute gibt es kaum eine größere Zeitung, die ohne ePaper oder iPad-App auskommt. Die goldenen Jahre der Print-Publikationen sind allerdings vorbei. 1981 wähnte man sich noch in Sicherheit, sah Jobs und Umsätze durch Computer nicht gefährdet. Wie wir wissen, ist diese Sicherheit inzwischen einem hektischen Ringen um Finanzierungsmodelle gewichen.

Denn eines hat sich seit 1981 kaum geändert — die schwierige Monetarisierung der Online-Inhalte. „Wir werden wohl nicht sehr viel Geld dadurch verlieren, aber verdienen tun wir an den Online-Inhalten auch nicht viel“, gibt einer der Verantwortlichen des San Francisco Examiners zu. Der Examiner ist übrigens seit dem Jahr 2003 eine kostenlose Tageszeitung.

(via BGR.com)

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