Apple vs. Amazon: Frenemy-Verhältnis zahlt sich aus

Ansgar Warner 4

Am liebsten hätten Apple und Amazon alle Kunden hinter der eigenen Gartenmauer: hier iTunes, iPad, Apple TV, dort Kindle, Amazon Prime, Fire TV. Doch in der Praxis lebt sich’s auch als „Frenemies“ nicht schlecht.

Apple vs. Amazon: Frenemy-Verhältnis zahlt sich aus

Die Unternehmensphilosophien mögen so unterschiedlich sein wie Zen und Spanplatte, doch Apple und Amazon eint dasselbe praktische Ziel: So viele Kunden wie möglich ins Content- und Geräte-Ökosystem zu locken, und dort dann so lange wie möglich festzuhalten.

Auf dem Touch-Screen von iPad und iPhone geht es aber erstaunlich offen zu, Amazon hat kein Problem damit, eine Kindle App für iOS bereitzustellen, Apple hat kein Problem damit, sie in den App Store aufzunehmen. Doch warum ist das so, hat sich Feng Zhu gefragt, Assistant Professor an der Harvard Business School: „Verringert sich damit nicht das Interesse an Kindle-Geräten?“. Umgekehrt könne man fragen: „Apple verkauft ja auch E-Books mit der eigenen iBooks App – warum hat Apple also mitgemacht?“

Die spannende Antwort: Apple und Amazon sind eine merkwürdige Mischung aus Freund und Feind, genauer gesagt: „Frenemies“. In einer Fallstudie (Titel „Frenemies in Platform Markets: The Case of Apple’s iPad vs. Amazon’s Kindle“) hat Zhu versucht, das Phänomen mit einem komplexen mathematischen Modell zu beschreiben. Kurzversion: solche Kooperationen auf dem nützen am Ende beiden Seiten deutlich mehr, als die Rollläden runter zu lassen.

„Obwohl beide Unternehmen Umsatz sowohl mit Hardware wie mit Content erzielen, setzen sie doch jeweils einen anderen Profit-Fokus“, so Zhu. „Amazon verdient kaum an Hardware, die Geräte werden niedrig bepreist, um möglichst viele E-Books zu verkaufen“. Apple dagegen verdiene mit jedem iPad mehr als zweihundert Dollar, was aber nur funktioniere, weil via App Store ein breites App-Angebot bereitstehe.

Nach einer ähnlichen Logik, so Zhu, handle z.B. auch Microsoft: MS Office für das iPad anzubieten, bringe für den Apple-Konkurrenten ebenfalls mehr Vor- als Nachteile, vor allem auch in punkto App-Umsatz. Zhu erwartet in Zukunft eine deutliche Ausweitung solcher Modelle, u.a. auch zwischen IT-Unternehmen und Autobauern.

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