Wiedergeburt des iPads: Mit iOS 9 aus der Krise! [Meinung]

Sven Kaulfuss 37

iOS 9 ist nur ein „Wartungsupdate“, keine Revolution? Nutzt man allein ein iPhone, mag dies stimmen, das iPad hingegen erlebt eine regelrechte Wiedergeburt. Das System entpuppt sich als vielversprechender Rettungsversuch für die große Touchflunder.

Wiedergeburt des iPads: Mit iOS 9 aus der Krise! [Meinung]
Bildquelle: Apple und shutterstock (Ring of fire in black background).

Das befindet sich seit geraumer Zeit in der Krise. Quartal auf Quartal schrumpft der Absatz, ein Minus von über 20 Prozent – trotz neuer Hardware. Zwar verkauft Apple noch immer im zweistelligen Millionenbereich, doch der Rückgang ist spürbar und kann auch vom Hersteller nicht länger ignoriert werden. Die Gründe sind vielfältig – wir berichteten. In der Hauptsache sind es aber wohl vor allem die Langlebigkeit der bisherigen iPad-Modelle und die sich daraus ergebenden längeren Lebenszyklen. Nicht zuletzt bieten neue iPad-Modelle kein wirklich andersartiges Benutzererlebnis. Unter Strich: Echte und vor allem spürbare Innovation, die als Kaufanreiz dient, schaut anders aus.

Ein möglicher Ausweg? Neue Hardware! Hier zu nennen wäre das ominöse iPad Pro mit drucksensitiver Stiftbedienung, was sich in immer mehr Berichten und Gerüchten für den Herbst andeutet. Doch allein damit wird der nachhaltige Wiederaufstieg des iPad wohl nicht gelingen.

Neues Benutzererlebnis mit dem iPad: iOS 9 sei es gedankt

Das eigentliche Rettungsprogramm hat Apple dabei bereits letzte Woche der Weltöffentlichkeit vorab präsentiert – iOS 9. Das neue Betriebssystem verspricht nicht weniger die größte Änderung in der Benutzerführung seit dem ersten iPad im Jahre 2010. Neue Funktionen erweitern den Nutzen immens, im Detail:

  • Multitasking mit Slide Over, Split View und Bild in Bild (mehr hierzu in unserem separatem Artikel – Multitasking in iOS 9)
  • Shortcut-Leiste (Kurzbefehle) individuell an jeweilige App angepasst
  • neue Multi-Touch-Gesten (auch über der virtuellen Tastatur) für Textauswahl- und Bearbeitung
  • echte Kurzbefehle wie auf dem Mac

Summa Summarum: Das iPad wird tatsächlich erwachsen und lässt die anfängliche Skepsis („…nur ein großer iPod touch.“) weit hinter sich. Gegenüber dem iPhone gewinnt es an Format, wird eigenständiger, individueller. Gewinnt schlichtweg an Funktion und Alltagstauglichkeit.

Schön, wenn Apple den Funktionsumfang kostenlos erhöht. Doch wie rettet all dies nun konkret den Umsatz des iPads? Immerhin läuft iOS 9 doch schon auf dem iPad 2 aufwärts, eigentlich noch weniger ein Grund, ein Hardware-Upgrade für Bestandskunden vorzunehmen, oder?

Neue iPad-Hardware notwendig: Ein Problem?

Apple wäre nicht Apple, hätte man nicht einen Teil der neuen Funktionen an entsprechend leistungsfähige Hardware gebunden. So stehen die neuen und wichtigen Multitasking-Features erst ab dem iPad mini 2, 3 und iPad Air zur Verfügung. Split View (in zwei Apps gleichzeitig nebeneinander arbeiten) ist sogar allein dem iPad Air 2 vorbehalten. Ergo: Einen Großteil der Altkäufer setzt Apple somit geschickt „unter Druck“ – etwas zugespitzt formuliert. Möchten sie von den neuen Früchten probieren, gilt es, zuvor die Kreditkarte zu zücken und sich ein .

Ist diese Art der „Bevormundung“ seitens Apple zu begrüßen oder zu kritisieren? Sicherlich zeigten schon zuvor diverse Jailbreak-Tweaks die grundsätzliche Machbarkeit genannter Multitasking-Features auch auf älterer Hardware. Allerdings möchte der Hersteller nicht zu unrecht ein „flüssiges“ Benutzungserlebnis versprechen – mit zu wenig Arbeitsspeicher auf den „alten Gurken“ nicht umsetzbar. Insofern verständlich und nebenbei die perfekte Gelegenheit, dem iPad einen notwendigen Umsatzschubs mit auf den Weg zu geben.

Wir wünschen viel Erfolg!

PS: Mal so als kleiner Tipp. Da wohl spätestens im Herbst zum Release von iOS 9 aus naheliegenden Gründen die Gebrauchtpreise alter iPads (iPad 2, 3 und 4) sinken werden, sollte man lieber einen nicht allzu lange mehr aufschieben.

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iOS 9 vs. iOS 8: Gegenüberstellung der Systeme für iPhone und iPad in Bildern.

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