Das iPad: Werk- oder Spielzeug? (Kommentar)

Sven Kaulfuss 1

Bei der Vorstellung des ersten iPads wurde Apples neueste Kreation als größerer iPod touch gescholten – reine Spielerei. Heute bewirbt Apple auf einer Sonderseite die wahren Talente der Touchflunder. Vorurteile gibt es dennoch.

Das iPad: Werk- oder Spielzeug? (Kommentar)

Apple zeigt sich überrascht. Nicht in den kühnsten Träumen hätte man sich vorstellen können, wo das iPad seinen angestammten Platz mal finden würde. Bereits im Oktober, zum Special Event des iPad Air und iPad mini mit Retina Display, präsentierte der Hersteller ein nettes Filmlein. Darin in Szene gesetzt: die Touchflunder aus Cupertino. Life on iPad zeigt anhand anschaulicher Beispiele die unterschiedlichsten Szenarien – nicht gestellt, vielmehr aus der Mitte des Lebens. Einen sterilen weißen Raum – sonst typisch für Apple – sucht man dagegen vergebens. Doch es gibt noch mehr zu erzählen. Auf einer Apple-Sonderseite (noch nicht auf der deutschen Webseite zu sehen) zum Thema erhalten wir mehr Einblick zu den Aspiranten im Video.

Da sind die Siemens-Techniker, die das iPad als Universalwerkzeug in luftige Höhen nehmen um Windräder zu warten. Eischnellläuferin Bridie Farrell trainiert mit der Touchflunder, Christian Gastón hilft das iPad bei der Kelterei guten Weines. Im Rallye-Fahrzeug findet Mark Post dank des iPads immer den rechten Weg, gleichfalls ergeht es Jeff Whiting bei der Choreografie des neuesten Bühnenstücks am Broadway und auch im OP ist das iPad heute schon zu finden – wir berichteten.

Vorurteile gegen das iPad im Bildungssystem: Ein Beispiel

Kurzum: Das iPad hat seinen Weg gefunden, ist kein reines Spielzeug mehr. Ist wahrhaftig ein produktives Werkzeug in den unterschiedlichsten Bereichen und Märkten. Apple tut dennoch gut daran über die vielfältigen Möglichkeiten des Einsatzes zu berichten, denn Vorurteile gibt es leider noch immer. Hierzu ein Beispiel aus meinem persönlichen Umfeld.

Der elfjährige Sohn meiner Freundin hegt einen großen Wunsch. Spart fleißig all die Geldgeschenke der Verwandtschaft, um sich am Ende ein iPad zu kaufen – kein mini sondern ein „großes“ iPad soll es werden, meint aktuell ein iPad Air. Ziel ist – so versichert er mir – die Handhabe von Hausaufgaben, mit verschmitztem Lächeln entlocke ich ihm einen weiteren Grund – Spiele. Natürlich, auch unsereiner war mal in dem Alter und Computerspiele waren und sind ein netter Zeitvertreib. Es sei ihm gegönnt. Nichtsdestoweniger entwickelt sich das iPad vor allem im Bildungsbereich zum wertvollen Werkzeug – leichte Administration, große App-Auswahl und eine kinderleichte Bedienung, die keine offenen Fragen hinterlässt sprechen für das Tablet. Positive Beispiele gibt es genug – auch von Lehrkräften.

Als er neulich seine Lehrerin mit dem Wunsch konfrontierte, entgegnete sie ihm vollen Ernstes: Er solle sich doch lieber einen richtiges Notebook mit einer echten Tastatur zulegen. Es wäre besser für ihn.

Punkt, Schluss, aus. Das Ende der Argumentationskette war erreicht. Die fehlende Tastatur gibt also den vorgeschobenen Ausschlag für die „kompetente“ Empfehlung der Pädagogin. Über Sinn oder Unsinn einer „echten“ Tastatur ließe sich noch streiten, über funktionierende Alternativen wie beispielsweise die praktikablen Tastatur-Taschen-Kombinationen von Logitech und Co jedoch nicht. Fraglich, ob die Lehrerin darüber Bescheid weiß – vermutlich nicht. Ich möchte dem Lehrkörper auch keinen persönlichen Vorwurf machen, dennoch zeigt dieses Beispiel sehr deutlich ein noch immer im Umlauf befindliches Fehlbild vom iPad. Mit der Touchflunder könne man nur Spielen oder Surfen – für produktive Dinge ungeeignet.

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iPad: Bildung / Werbung tut Not

Alles in allem: Für Apple gibt es noch immer viel zu tun. Das Image des iPads gehört aufpoliert. Kampagnen wie „Life on iPad“ können helfen. Viel wichtiger sind jedoch persönliche Erfahrungen. Diese können weitergegeben werden und sind nachhaltiger als jede Werbekampagne. Notfalls muss unsereiner mal in der Schule vorstellig werden. Schließlich ist doch jeder Apple-Nutzer insgeheim ein kleiner Missionar. Um die obige Frage zu beantworten: Das iPad ist letztlich Werk- und Spielzeug zu gleichen Teilen – für viele eine echte Bereicherung.

Schönes Wochenende.

Bildquellen: Apple

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