iPad Pro & Pencil: Warum Apple den Stylus einführt, den Steve Jobs hasste

Ansgar Warner 35

Apple geht stiften: mit dem „Pencil“ für das iPad Pro gibt’s zum ersten Mal einen Eingabestift made in Cupertino. „Yuck!“, hätte Steve Jobs gesagt. Doch Apple hat längst gute Gründe, das anders zu sehen…

iPad Pro & Pencil:  Warum Apple den Stylus einführt, den Steve Jobs hasste

Steve Jobs hasste den Stylus, mindestens so stark wie Steve Wozniak den Laserpointer liebt. Legendär ist das Stifte-Bashing des Apple-Gründers beim iPhone-Launch 2007: „Wer will einen Eingabestift? Man muss ihn erstmal hervorkramen, ihn wieder verstauen. Dann verliert man die Dinger. Yuck.“ Fast forward ins Jahr 2015: ohne mit der Wimper zu zucken präsentiert Apple-CEO Tim Cook auf der großen Herbst-Keynote das iPad Pro – zusammen mit einem Pencil genannten Eingabestift (siehe das GIGA APPLE Hands-On-Video).

Merke: Apple ist doch keine Religion, und Steve Jobs nicht ihr Prophet, dessen Worte in Stein gemeißelt sind. Ganz im Gegenteil zeigt sich Apple sogar mächtig stolz auf das Zusammenspiel von hochauflösendem Multitouch-Display des iPad Pro und neuem Bluetooth-Stylus. Offiziell spricht das Unternehmen von einem „innovativen“ und „präzisen“ Eingabegerät, mit dem sich das Zeichnen und Skizzieren „spürbar flüssig und natürlich anfühlt“, da „fortschrittliche Sensoren Druck und Neigung“ messen würden, das ermögliche „professionelle Produktivität“.

Dass niemand bei Apple Gewissensbisse verspürt, gegen die Design-Philosophie von Steve Jobs zu verstoßen, hat aber auch sachliche Gründe: was 2007 beim iPhone-Launch noch gelten mochte, stimmt im Jahr 2015 nicht mehr. Das iPad Pro hat eine Display-Größe von 13 Zoll, das erste iPhone hatte ein vergleichsweise winziges 3,5 Zoll-Display. Zum Zeichnen reichte das natürlich bei weitem nicht aus. Doch zugleich leitete das iPhone den Siegeszug der kapazitiven Multitouch-Displays ein, die dann den Stylus auf geräumigeren Mobilgeräten als Kreativitäts-Werkzeug hoffähig machten.

Hier trifft sich der Pencil von 2015 am Ende auch wieder mit Steve Jobs ursprünglichem iPad-Konzept. Denn dem Apple-Gründer war es enorm wichtig, mit dem Tablet Konsum und Kreativität zugleich möglich zu machen. Wie gut das funktionierte, zeigten ironischerweise schon bisher viele von Drittanbietern bereitgestellte Stylus-Varianten. In Cupertino dagegen wird gerne erstmal abgewartet, bevor man auf einen Trend reagiert. Mit dem iPad Pro ist der Stylus-Moment nun offenbar gekommen.

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