Der Touchscreen-Mac: Brauchen wir eine Symbiose von iOS und macOS?

Sven Kaulfuss 10

Eine Verschmelzung von macOS und iOS wird’s nicht geben und damit auch keinen Touchscreen-Mac – so jüngst Apple-Firmenchef Tim Cook in einem Interview. Doch ist diese Aussage überhaupt glaubhaft?

Der Touchscreen-Mac: Brauchen wir eine Symbiose von iOS und macOS?
Bildquelle: Apple (Produktbilder und Screenshots) und GIGA (Bearbeitung).

Tim Cook spricht sich aktuell klar gegen eine Verwässerung der beiden Betriebssysteme aus. Das iPad (iOS) und der Mac seien beide großartig in dem was sie können, ein herbeigeredeter Zusammenschluss würde am Ende nur unschöne Kompromisse für den Kunden bedeuten. Auch Apple-Designchef Jony Ive war und ist kein Freund von Touchscreens für den Mac, spricht gar von einer „Belastung“ im Sinne einer möglichen Gewichtszunahme durch Touchscreens für die MacBooks. Meint: Wer einen Hybriden aus Mac und iPad will, der geht derzeit und auch in Zukunft leer aus. Doch können wir diese Dementi den Apple-Oberen überhaupt abnehmen?

Apples Nebelkerzen: Stylus, Phablets und Surface-Kopien

Es wäre nicht das erste Mal, dass Apple seine Politik überdenkt und still und leise genau das Gegenteil vorbereitet. Die Beispiele dürften wir alle noch kennen:

2007 zur Einführung des iPhones machte sich Steve Jobs noch über den Stylus diverser Smartphones lustig und verbannte diesen ins Kuriosen-Kabinett der Technikgeschichte. 2015 hingegen holte Tim Cook den Stift in Form des Apple Pencils von dort wieder hervor und versprach eine Revolution in der Bedienung des iPad. 2010 erteilte Steve Jobs abermals eine Abfuhr, dieses Mal an extragroße Smartphones. Niemand will doch ernsthaft diese Monster in der Hosentasche, die man nicht oder so eben grade mit der Hand noch umfassen kann. Auch hier irrte er, denn die Plus-Modelle des iPhones mit 5,5-Zoll-Display entpuppten sich ab 2014 dann als wahre Bestseller. 2012 war es wiederum Tim Cook, der die Microsoft Surface-Tablets mit angehängten Tastaturen mit Hohn bedachte und als konfuses Produkt bezeichnete. Wohl so „konfus“, dass er selbst drei Jahre später das Konzept für das iPad Pro übernahm und das Apple Smart Keyboard dem verdutzten Publikum vorstellte.

Überhaupt, gegenwärtig gewinnt man den Eindruck, Apple renne den Trends nur noch hinterher. So kam beispielsweise auch die Apple Watch erst viel später auf den Markt, da gab es schon zahlreiche Smartwatches von der Konkurrenz. Randlose Smartphones? Die gab es selbstverständlich auch schon vor dem iPhone X.

Ergo: Hält uns Apple nur hin, mit diesen scheinbaren Richtigstellungen in der Presse, ist ein Touchscreen-Mac(Book) daher wirklich so unwahrscheinlich?

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Kommt der Touchscreen-Mac?

Meine bescheidene Einschätzung: Natürlich arbeitet man in Cupertino im dunklen Kämmerlein an solchen Produkten. Nur ist eine Veröffentlichung zum derzeitigen Zeitpunkt nicht sinnvoll. Sei es, weil das Produkt noch nicht ausgreift ist oder weil der Markt derzeit noch nicht laut genug danach schreit. Apple wird einen Touchscreen-Mac erst dann vorstellen, wenn ein solches Gerät tatsächlich „besser“ ist – sprich, einen Vorteil für den Kunden und am Ende auch für Apple verspricht. Ursächlich dafür ist der konsequente Anspruch Apples.

Der Apple Pencil ist eben nicht nur ein einfacher Stylus, sondern erhält erst durch die Software-Unterstützung einen echten unterscheidbaren Mehrwert für den Nutzer. Größere Smartphones konnte man auch erst dann von Apple kaufen, als das iOS solche Displays sinnvoll unterstützte (Funktion zur Einhandbedienung, Homescreen im Querformat, App-Unterstützung etc.). Die Tastatur für das iPad Pro erreichte die Kunden erst … STOPP! Hier muss meine Argumentation pausieren, denn Apples Smart Keyboard ist in der Tat nur eine Kopie des Microsoft Surface. Sorry Apple, wahr ist was wahr ist.

Die These: iOS und macOS müssen gar nicht verschmelzen

Dennoch: Ein Touchscreen-Mac wird eines Tages kommen, gleichwohl erst, wenn Apple den perfekten Zeitpunkt und die perfekte Form findet. Solange kann der Hersteller auch ehrlich dementieren, denn etwaige Touch-Prototypen widersprechen dem aktuellen Marktangebot nicht unbedingt, sind es doch noch lange keine serienreifen Produkte.

Zum Abschluss noch ein „verrückter“, dennoch folgerichtiger Gedanke von mir. Für einen Touchscreen-Mac müssen iOS und macOS mitnichten verschmelzen. Basis für meine Überlegung ist die schon oftmals kolportierte macOS-Version für die Apple-A-Chips. Vorausgesetzt diese existiert, wäre es doch denkbar, diese auf eine Art iPad zu portieren. Der Nutzer könnte dann, je nach Anwendungsfall, entweder das Gerät mit iOS als iPad verwenden, oder aber mit macOS und angeschlossener Tastatur als MacBook. Die Daten befinden sich für beide Systeme auf einem Flash-Speicher, der für beide Systeme auch gleichermaßen zugängig ist (Stichpunkt: direkter Datenaustausch). Ein derartiges System verbindet alle Vorteile in einem Gerät – einen Kompromiss müssen die Anwender nicht eingehen. iOS und macOS müssen also nicht verschmelzen, den Touchscreen-Mac gibt’s dennoch. Klingt zu verrückt? Nun ja, immerhin stammt die These von einem Typen der sich einst vor über 23 Jahren eine Macintosh Performa 630 DOS Compatible gekauft hatte – einen Mac mit eingebautem PC und Dual-Boot für Mac OS und Windows 3.1 ;-).

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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