Hat Apple recht? Sind Computer nur was für alte Säcke?

Sven Kaulfuss 3

Und, hat das iPad Pro bei euch mittlerweile den Mac ersetzt? Nicht? Apple hat dafür eine einfache Erklärung: Ihr seid zu „old school“, ihr alten Säcke! Nehmt euch lieber ein Beispiel an bebrillten Halbwüchsigen, die wissen heute nicht mal was ein Computer ist.

Hat Apple recht? Sind Computer nur was für alte Säcke?
Bildquelle: iStock (Ljupco).

Glaubt man der aktuellen Werbewelt Apples, dann haben Jugendliche heutzutage das Wort „Computer“ aus ihrem Sprachschatz schon getilgt. Nutzen allerdings einen solchen in der Form des iPad Pro für ihre alltäglichen Arbeiten, ebenso für Spaß und Vergnügen. Das iPad als Tausendsassa unter den Gadgets und Nachfahre aller Gerätschaften die unter dem Gattungsbegriff „Computer“ firmieren – in erster Linie natürlich der Notebooks und (noch so ein „Old-School-Begriff“) Laptops. Erliegt Apple hier der eigenen Vorstellung und verkennt die Realität, kennen Kinder heutzutage tatsächlich keine Computer mehr und akzeptieren vielmehr Tablets als ihre eigentlichen Rechenknechte? Zwei Jahre sind vergangen, seit Apple uns mit dem iPad Pro eine solche Welt und deren Vorzüge propagierte. Behielten die Oberen aus Cupertino recht mit ihrer Prophezeiung?

Apples neuester Werbespot fragt rhetorisch: „Was ist ein Computer?“ Die Erkenntnis: Auch ein iPad Pro, nur weiß die Jugend mit dem Wort „Computer“ nichts mehr anzufangen.

Apple: Was ist ein Computer?

Private Einblicke: Was nutzen heutige Fünfzehnjährige?

Für die erhellende Antwort reicht ein Blick in die eigene Patchworkfamilie, denn die beiden jugendlichen Aspiranten im eigenen Hause entsprechen mit ihren 15 Jahren ungefähr dem Werbebilde Apples. Susi und Strolch (Namen aus datenschutzrechtliche Gründen geändert) kennen natürlich sehr wohl Computer – einerseits als Begrifflichkeit, andererseits aus dem Schulunterricht und dem privaten Umfeld.

Um präzise zu sein leben wir (meine Partnerin und meine Wenigkeit) den beiden Jungspunden dies seit Jahren vor, immerhin verdient der alte Sack (also ich) sein Geld ja damit, dass er Wörter in einen solchen Computer reinhaut und auch Mama erledigt ihre Geschäfte privat und beruflich mithilfe eines solchen. Da verwunderte es nicht, dass Susi und Strolch schon in jungen Jahren unbedingt auch so einen Computer haben wollten – Kinder wollen halt immer gerne imitieren. Am Ende bekamen die Quälgeister dann schlussendlich Netbooks – was für ein Reinfall, kann ich euch sagen. Denn jetzt hatten Susi und Strolch zwar ihre Computer, konnten damit am Ende aber wenig anfangen. Windows als verbuggtes Abenteuerspiel taugt nicht viel. Auch fehlte es an der notwendigen Einsicht und am Interesse sich mit der Technik als solches zu beschäftigen. Nicht lange und das Experiment „Computer“ war alsbald beendet. Da holten sich die beiden Spezialisten lieber zwischendurch noch eine PSP vom Taschengeld und die Netbooks verstaubten langsam in der Ecke und gerieten in Vergessenheit.

Einige Zeit später dann der zweite Anlauf in Richtung Informationstechnik, denn mittlerweile hatten Tablets den Netbooks den Rang abgelaufen. Auch war das Sparschein dank der umsichtigen Verwandtschaft prall gefüllt und bereit für eine Neuanschaffung geschlachtet zu werden. Jetzt wurden tatsächlich iPads gekauft, im Gegensatz zu den Netbooks bis heute ein voller Erfolg. Klassisches Computerwissen ist nicht nötig, der App Store und die Anwendungen sind meist selbsterklärend. Vor allem Spiele und YouTube-Filme haben es den beiden Teenagern angetan und wenn es unbedingt sein muss, dann kann man damit sogar Hausaufgaben erledigen. Es stimmt: Für Susi und Strolch ist das iPad der Computer schlechthin – bis jetzt.

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Aus iPad Pro wird iPad X – die Zukunft des Apple Tablets!

Dank iPad und Co: Der Computer tritt erst später ins Leben

Denn spätestens mit dem Eintritt in die Berufswelt und der Vorbereitung darauf wird sich dies wieder ändern, dann werden auch klassische Computer und vor allem klassische Anwendungsprogramme Einzug halten, die es so – auch auf dem iPad Pro – noch nicht gibt. Und darin liegt die Erkenntnis: Ein iPad (egal ob Pro oder nicht) kann im privaten Umfeld einen Computer ersetzen, im beruflichen Umfeld aber nach wie vor nur bedingt. Dies erkenne ich auch an mir selbst. Über Jahre sah ich für mich keinen Einsatzzweck für ein iPad, war ich doch beruflich, als auch privat mit meinem MacBook zufrieden. Aus einer Kauflaune heraus erwarb ich dann dieses Jahr tatsächlich mein erstes, privates iPad. Nur zögerlich nutzte ich es in den Abendstunden, doch mehr und mehr blieb mein MacBook zu diesen Zeiten ausgeschaltet. Jetzt hat das Tablet das Notebook in der privaten Nutzung so gut wie verdrängt und ich mache den harten Schnitt: Mac = Arbeit, iPad = Privatvergnügen.

Apples Werbeaussage mag etwas beschönigend sein, dennoch liegt darin ein Fünkchen Wahrheit. Der erste Computer, den unsere Kinder persönlichen kennen und vor allen lieben lernen, ist heute oftmals tatsächlich das Tablet beziehungsweise das Smartphone. Dies bedeutet aber nicht, dass klassische Computersysteme gänzlich aus ihren Leben verschwinden. Sie treten nur etwas später in die Sphäre der Sprösslinge ein.

Was ist ein Computer? Am Ende: Ansichtssache, und vor allem nicht nur was für alte Säcke, sondern auch für diejenigen, die selber später erwachsen werden.

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