Warum das iPad plötzlich wieder ein Verkaufsschlager ist

Sebastian Trepesch 3

Tablets sind out? Denkste! Das iPad erlebt aktuell einen überraschenden Aufwärtstrend. Was steckt dahinter?

Eigentlich geht es mit den Tablets bergab. Smartphones mit großen Bildschirmen machen größere, aber nicht unbedingt besser ausgestattete Tablets überflüssig. Bei Apple ist die iPad-Sparte seit 2013 nicht mehr gewachsen. 

Bis vor kurzem.

Als CEO Tim Cook Mitte dieser Woche die Geschäftszahlen bekanntgab, sorgte das iPad für eine kleine Überraschung: es geht wieder bergauf, und zwar deutlich: 15 Prozent mehr Geräte verkaufte das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahresquartal. Die Gründe hierfür dürften sein:

1. Aufgeräumt: Die iPads 2017

Im ersten Halbjahr hat Apple ordentlich aufgeräumt: Drei neue Modelle hat das Unternehmen veröffentlicht, zwei aus dem Programm genommen. Die Aufgabenverteilung ist potentiellen Kunden nun klar:

  • Das „normale“ iPad ist das iPhone SE unter den Tablets, sprich: Es bietet ein kleineres Display, weniger Leistung, weniger Spezialfunktionen, aber ist doch irgendwie brauchbar und für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis erhältlich. Wer im Zug einen Film schauen und auf dem Sofa surfen möchte, dem reicht das.
  • Das iPad Pro dagegen kostet und bietet deutlich mehr – es ist ein Arbeitsgerät und Unterhaltungsprodukt der Oberklasse.

2. Leistungsschub für das iPad Pro

Mit dem Update des iPad Pro hat Apple das Interesse wieder auf die Tablets gelenkt: Der neue Prozessor hob das Tablet (wieder) auf mobiles Spitzenniveau, das 120-Hz-Display beeindruckt, die Kamera ebenfalls. Bei dem Modell mit 10,5 Zoll Bildschirmdiagonale verkleinerte Apple die mittlerweile fast schon unzeitgemäß großen Ränder. Ein Erzeugnis mit Einserzeugnis, war das Fazit unseres iPad-Tests 2017.

iPad Pro 10,5 von 2017 im Test.

Kein Wunder, dass sich viele Interessenten fanden und finden. So dürften die Neuvorstellungen schon einen kleinen Anteil an den guten Zahlen der Apple-Statistik haben: Zwei Wochen Verkauf des Gerätes spielten in das vorgestellte Geschäftsquartal ein.

3. iOS mit Tablet-Fokus

Außerdem bewies Apple mit der Vorschau auf iOS 11, dass die Tablets noch wichtig sind: Zahlreiche Neuerungen sind lediglich für das iPad bestimmt und verbessern neue sowie bisherige Produkte ab Herbst 2017. Essentielle Neuerungen:

  • Drag & Drop,
  • Multitasking,
  • Dock-Leiste,
  • neues Kontrollzentrum:
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Kontrollzentrum von iPhone und iPad in iOS anpassen, so gehts

4. Preisfrage Erfolg

Der deutlich größere Anteil am Erfolg dürfte auf die Preisgestaltung zurückfallen: Schlicht und einfach dadurch, dass es die iPads zur Zeit recht günstig gibt, verkaufen sie sich gut. Einerseits ist da das neue günstige iPad von 2017 zu nennen, das für einen Preis von 399 Euro UVP erhältlich ist – mit brauchbaren 32 GB Speicher.

Vor allem aber dürfte der Preisverfall der älteren Modelle iPad Air 2 und 9,7“ iPad Pro seinen Beitrag geleistet haben – für die Auslaufmodelle gab und gibt es gute Schnäppchen:

Ein günstiger Preis – das freut natürlich den Kunden. Für Apple selbst ist es aber ein zweischneidiges Schwert: Das Unternehmen verkauft zwar mehr Geräte, der Gewinn pro Stück fällt aber geringer aus. So drücken die Quartalszahlen deutlich aus, dass Apple gerade durch die günstigen Produkte punkten konnte: Zwar verkaufte der Hersteller im Vergleich zum Vorjahresquartal stolze 15 Prozent mehr iPads, der Gewinn stieg aber nur um zwei Prozent.

Dauerhafter Verkaufsschlager? Abwarten

Die iPads sind zwar aktuell ein überraschender Verkaufsschlager, so richtig beweisen konnten sie sich aber noch nicht: Der Zugewinn ist vergleichsweise unbedeutend, schaut man sich die Verkäufe jedes Jahr vor Weihnachten an. Sie lagen in den letzten Jahren immer höher als jetzt. Entscheidend wird sein, wie viele iPads das Unternehmen Ende des Jahres verkaufen kann.

Geht es mit dem iPad dauerhaft bergauf? Nun, die Existenzberechtigung von Tablets kann alle zwei Jahre aufs neue gestellt werden. Die nächste Durststrecke kommt bestimmt, schon alleine deshalb, weil sich iPad-Nutzer nicht alle zwei Jahre ein neues Gerät kaufen. Die Grundlagen für den aktuellen Erfolg – siehe oben – lassen aber darauf schließen, dass es mit dem iPad in den nächsten Monaten eher noch weiter nach oben als nach unten gehen wird. 

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