Kindle Fire: Amazon zahlt drauf

Frank Ritter 1

Die Marktforscher von iSuppli haben, wie bei allen wichtigen Gadgets, kurz nach Erscheinen auch das Amazon-Tablet Kindle Fire unter die Lupe genommen und errechnet, wieviel Geld für die Herstellung eines Gerätes erforderlich ist. Ergebnis: Das Kindle Fire kostet in der Produktion etwa 10 Dollar mehr als der eigentliche Verkaufspreis. Warum ist das so? Und kann das gutgehen?

Kindle Fire: Amazon zahlt drauf

Da staunten wohl die meisten Techblogger Bauklötze, als am Amazon am vergangenen Mittwoch den Preis für das Amazon-Tablet „Kindle Fire“ bekanntgab. Wurde zuvor von einem Preis zwischen 250 und 300 US-Dollar ausgegangen, gab Amazon-Cheff Jeff Bezos schließlich bekannt, dass das Tablet nur 199 Dollar kosten soll. Da drängt sich natürlich die Frage auf, wie groß der Gewinn ist, den Amazon mit dem Kindle Fire macht. Die überraschende Antwort: Es gibt keinen Gewinn.

isuppli kindle fire

Laut den Berechnungen von iSuppli kosten alleine die Komponenten des Gerätes 191,65 US-Dollar. Zusammen mit der Fertigung kommt man auf einen Gesamtpreis von 209,63 Dollar. Natürlich sind solche von Dritten nachgerechneten Zahlen stets mit Vorsicht zu genießen, aber eine grobe Richtung geben sie schon vor. Dazu kommen noch Kosten für Hardware- und Software-Entwicklung, Qualitätssicherung, Werbung, Auslieferung, Support und Garantieleistungen, und, und, und. Auf dem ersten Blick sieht das nach einem gigantischen Verlustgeschäft aus.

Aber wie funktioniert es, dass Amazon das Tablet so preisgünstig anbieten kann? Das Zauberwort lautet Quersubventionierung, ein Konzept, dass bekannt ist aus vielen Industrien. Ein „Träger“-Artikel wird unter Produktionskosten zum Kauf angeboten, während man bestimmte Artikel zum Betrieb dieses Geräts kontinuierlich nachkaufen kann oder sogar muss. Man denke dabei an Tintenstrahldrucker: Billige Drucker, aber teure Tinte, die man bereits nach kurzer Zeit nachfüllen muss.

Amazon kalkuliert also den Preis für den Medienträger, das Kindle Fire, bewusst sehr niedrig, um eine möglichst weite Verbreitung der Hardware zu sichern. Der Konzern setzt zur Refinanzierung darauf, dass Kindle Fire-Besitzer im Mittel mehr Medien kaufen, also Apps, eBooks, Musik, und so weiter. Mit dem Gewinn daraus sollen die höheren Produktionskosten kompensiert werden. In Anbetracht der Tatsache, dass Amazon in allen Bereichen liefern kann, erscheint das gar nicht mal so unwahrscheinlich.

Falls das Kindle Fire je in unseren Landen erscheinen sollte -- wäre das 200-Euro-Tablet für euch eine Kaufoption? Was würdet ihr mit dem Gerät machen? Eure Meinung in die Kommentare.

iSuppli-Pressemitteilung [via Tabletcommunity, Preisliste via Netbooknews]

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