Amazon Kindle: Buchhändler bringt Tablet mit kastriertem Android

Frank Ritter 1

Nachdem wir uns langsam etwas vom Messestress erholt haben, nutzen wir die Gunst der Stunde. Eine wichtige Nachricht vom Wochenende soll auch bei uns nicht untergehen: Das erste Amazon-Tablet wurde von Techcrunch-Redakteur MG Siegler ausführlich unter die Lupe genommen. Erkenntnis: Das 7-Zoll-Gerät besitzt zwar einen Android-Unterbau, hat aber nicht mehr viel mit Motorola XOOM, Samsung Galaxy Tab und Co. gemein.

Amazon Kindle: Buchhändler bringt Tablet mit kastriertem Android

Amazons Tablet-Familie schwirrt nun schon seit Monaten durch die Gerüchteküche. Dass es kommen würde, lag auf der Hand — dafür spechen die Tatsachen, dass Amazon seinen App Store für Android gelauncht hat und dass der Konkurrent Barnes & Noble mit dem ähnlich konzipierten Nook Color einen großen Erfolg verbuchen konnte.

Nun also steht der Release des Amazon Tablets mit dem etwas verwirrenden Namen „Amazon Kindle“ bevor. MG Siegler von TechCrunch hat das Gerät von einer nicht näher genannten Quelle zur Verfügung gestellt bekommen, durfte es genau betrachten und selbst in die Hand nehmen. Laut TechCrunch wird es im November — also rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft — erscheinen. Das 7 Zoll-Gerät soll in seinem Formfaktor an das Blackberry PlayBook erinnern. Die Rückseite ist gummiartig und soll somit einen guten Griff in der Hand. Es besitzt einen kapazitiven Touchscreen, der aber nur zwei Fingereingaben gleichzeitig verarbeiten kann.

Derzeit wird zwar noch an der Software gearbeitet, aber einige Fakten sind bereits bekannt: Amazon hat einen Fork von Android erstellt, offenbar von einer Version vor Android 2.2 „Froyo“. Auch in Zukunft wird auf der Amazon-Android-Basis weiterentwickelt, es wird also kein Gingerbread- oder Honeycomb-Update geben.

Das Design des Amazon Kindle Tablets orientiert sich am Corporate Design von Amazon. Die Farben Schwarz, Dunkelblau und Orange dominieren, der Look des Betriebssystems hat nichts mit einem Standard-Android gemein. Der Homescreen ist eine Art Karussell für alle auf dem Gerät vorhandenen Mediendateien, das an den iTunes-Cover Flow erinnert. Alle Medien können auch in einer Art Dock als Favoriten festgepinnt werden, die allerdings nur im Portrait-Modus angezeigt wird. Eine Benachrichtigungszeile am oberen Rand zeigt die Uhrzeit und den Füllstand des Akkus. Alle Amazon-Services sind eng mit der Software verdrahtet: Der Cloud Player spielt Musik, der Kindle Bookstore versorgt das Tablet mit Lesestoff, der Amazon Instant Player kann Videos wiedergeben, der Amazon Appstore liefert App-Nachschub. Google bleibt als Suchanbieter erhalten, ein weiterer Suchdienst für die lokalen Medien und Produkte im Amazon Appstore ist vorhanden. Der Tab-fähige Browser soll auf WebKit basieren, außerdem wird wohl die Newsreader-App Pulse News enthalten sein.

Zur Hardware ist nicht viel bekannt. Die erste Version des Amazon Kindle wird nur per WLAN Verbindung mit dem Internet aufnehmen können. Außerdem vermutet MG Siegler, dass nur eine Single Core-CPU im Tablet steckt. Nicht gesichert, aber wahrscheinlich ist, dass das Tablet nur mit 6 GB internem Speicher ausgestattet ist. Es sind keine Kameras vorhanden. Lautsprecher sind am oberen Ende des Screens (im Portrait-Modus gahalten) angebracht.

Da das Amazon Kindle, zumindest in der 7-Zoll-Version, am unteren Rand des gängigen Tablet-Leistungsspektrums liegen wird, ist ein niedriger Preis wahrscheinlich — zumal Amazon auch darauf spekulieren dürfte, dass die Hardware durch gesteigerte Medienverkäufe quersubventioniert wird. Entsprechend ist der Preis von 250 US-Dollar nicht unrealistisch, den Siegler angibt. Ob und wann das Tablet auch außerhalb der USA auf den Markt kommt, ist noch ungewiss.

Interessant für das Gros der Android-Fans dürfte das Amazon-Tablet wohl sein, wenn es sich als gut hackbar erweist — auch der Nook Color bekam kurz nach seinem Release Root, einen Port von Honeycomb und CyanogenMod 7 spendiert und wurde somit zu einem der beliebtesten verfügbaren Android-Tablets.

Ein weiteres Kindle-Tablet mit 10-Zoll-Screen und vermutlich einer Dual Core-CPU wird im Jahr 2012 folgen.

Ist das Amazon-Tablet für euch interessant oder wollt ihr lieber ein „richtiges“ Tablet? Wir freuen uns auf eure Meinung im Kommentarbereich.

TechCrunch: Amazon’s Kindle Tablet Is Very Real. I’ve Seen It, Played With It.

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