Kindle Touch (Deutschland): E-Book-Reader von Amazon im Test

Sebastian Trepesch 13

Kindle Touch ist der E-Book-Reader von Amazon, den es seit wenigen Tagen in einer deutschsprachigen Ausführung gibt. Was hält ein exzessiver iPad-Nutzer von dem elektronischen Lesegerät? Sebastian hat den Test gemacht.

Kindle Touch (Deutschland): E-Book-Reader von Amazon im Test

Ich sitze den ganzen Tag vor dem iMac, iPad und MacBook Pro. Da möchte ich nicht auch noch die Zeitung auf einem LCD-Display lesen. Doch unterwegs schleppt man schnell ein Kilo Papier durch die Weltgeschichte. „Kindle“ könnte eine Lösung sein.

Kindle Touch - Hands On.

Für das Hands-On-Video habe ich mir Holger, einen Kindle-Nutzer, vor die Kamera geholt. (Kleiner Hinweis zum Film noch: Die Änderung der Schriftgröße zeigt den Fall bei E-Books, nicht bei PDFs).

Technik: Wi-Fi und 3G inklusive

Nach dem Kindle gibt es nun auch den Kindle touch in einer deutschsprachigen Ausführung. Der Bildschirm ist sechs Zoll (15 Zentimeter) groß, vier Gigabyte Speicher sind integriert. Neben einer WiFi-Ausführung () gibt es eine Mobilfunkanbindung (3G) für den Download von Büchern (). SIM-Karte und Vertrag sind nicht notwendig, Amazon übernimmt die Kosten – allerdings nur für den Download von Büchern, nicht für das Surfen im Internet. Das gilt laut Hersteller „überall“. 3G-Netz ist natürlich Voraussetzung.

Die Akkulaufzeit beträgt ohne Wi-Fi oder 3G laut Hersteller zwei Monate – der E-Ink-Technologie sei Dank. Strom wird nur beim Umblättern benötigt.

Erster Eindruck

Ein einfaches flaches Pappschächtelchen verschickt Amazon. Darin liegt ein Kabel, und der Kindle Touch. Sehr umweltfreundlich, und endlich eine Verpackung, die man sich sofort ins Altpapier werfen traut.

Erster Eindruck vom Kindle Touch: Klein, leicht, schlicht und schick ist er. Zumindest für mich, der ich das iPad gewöhnt bin. Im späteren Vergleich mit dem Kindle (ohne „Touch“) wird klar: Es geht noch kleiner, dünner und leichter.

Er fühlt sich gut an, besonders die Rückseite ist sehr angenehm beschichtet: Griffig und nicht so kalt (beziehungsweise heiß…) wie das iPad.

Großes Lob an Amazon für das Einrichten: Wer den Kindle für sich über sein eigenes Amazon-Konto bestellt, muss nichts mehr machen – das Gerät ist von vornherein mit dem Account verknüpft, und die 3G-Verbindung läuft. Klar, das Passwort des eigenen Wi-Fi-Netzes muss man noch eingeben, sofern benötigt.

Touch-Steuerung: Sinnvoll, aber nicht sehr zackig

Außer dem Einschaltknopf auf der Unterseite des Gerätes hat der Kindle Touch nur eine weitere Taste: den Homebutton. Wie bei dem iPad gelangt man damit auf die „Startseite“, die bei dem Amazon-Reader die Auflistung der gespeicherten Bücher ist.

Alles weitere geschieht über das Touch-Display. Bei Texteingabefeldern, zum Beispiel bei der Suche oder bei Notizen, erscheint eine Tastatur. Die Anzeige erfolgt aufgrund der E-Ink-Technik träge. Allerdings muss man nicht auf die Rückmeldung der Tinte warten, sondern kann schnell tippen.

Sogar Multitouch-Gesten sind möglich. Durch Spreizen der Finger kann man zum Beispiel die Schriftart vergrößern. Die Steuerung eines iPad liegt dennoch auf einem viel, viel höherem Niveau.

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Bücher lesen auf dem Kindle Touch

Ja, es geht auch in der Sonne: Während ich auf dem iPad draußen fast nur mein Spiegelbild sehe, kann ich auf dem Kindle bequem ein Buch lesen.

„Lesen wie auf echtem Papier“, wirbt Amazon. Wer ganz genau hinsieht, kann durchaus ein paar Pixel erkennen (Foto rechts nur mit iPhone 4S und Makroaufsatz olloclip fotografiert, daher kommt die Unschärfe). Generell ist das Bild aber sehr klar. Der Kontrast ist bei den meisten Büchern allerdings höher.

Das Umblättern erfolgt durch einen Fingertipp oder Wisch auf dem Display. Nur links ist ein schmaler Streifen, um zurückzublättern, und oben, um das Menü aufzurufen.

Für Tablet-Nutzer keine Selbstverständlichkeit: Im Dunkeln braucht man einen Lampe, denn das Display leuchtet nicht. Dafür ermüdet es aber nicht wie ein TFT-Display die Augen.

Weitere Funktionen: Schwer zu nutzen

Der Spaß hört erst bei den weiteren Funktionen wie Lesezeichen oder Notizen auf. Die Bedienung und Menüführung ist alles andere als intuitiv. Entweder habe ich mich wirklich dumm angestellt, oder die Software ist wirklich nicht durchdacht: Um zu einem Lesezeichen oder einer Notiz zu gehen, muss ich erst ins Clipboard wechseln, mir dort die Positionsnummer merken (klicken oder kopieren geht nicht), dann das Buch aufrufen, dort in das Menü gehen, „Gehe zu“ aufrufen und die Positionsnummer eingeben. Umständlicher geht es nun wirklich nicht.

Browser und Audioplayer bezeichnet Amazon von vornherein als „Beta-Funktion“. Schwarz/weißes Internet mit der Trägheit von E-Ink macht keinen Spaß, dafür ist ein E-Book-Reader nun mal nicht geeignet.

Das Einkaufen von E-Books stellt auf dem Kindle Touch kein Problem dar. Sehr löblich, dass Amazon sogar eine Stornierung direkt nach dem Kauf erlaubt. Einkäufe auf dem Rechner werden automatisch und zügig auf den Reader geladen.

Kindle Touch im Test: Fazit

Der Kindle Touch ist trotz Browser oder mp3-Unterstützung kein Tablet, sondern ein E-Book-Reader. Das Lesen ist angenehm, und über das Amazon-Konto laden die Bücher automatisch – sehr komfortabel. Dank Touch-Display sind Klicks und die Texteingabe bei Suche, Notizen und im E-Book-Shop vernünftig durchführbar. Die Hauptfunktionen sind gut, Bücherfreunde können sich über den Kindle Touch in Deutschland freuen.

Für alles weitere, darunter leider auch das Aufrufen von Notizen oder Lesen von PDFs, ist das Gerät nur bedingt geeignet. Ein großes Manko ist zudem die fehlende Unterstützung des verbreiteten ePub-Formats.

Vorteile
+ augenfreundlich
+ lange Akkulaufzeit
+ Texteingabe über Touch-Display
+ schnelle Synchronisation
+ keine Computeranbindung notwendig

Nachteile
– Bedienung teilweise schlecht gelöst
– ePub-Format wird nicht unterstützt

Weitere Informationen

Ein Vergleich Kindle versus Kindle touch folgt in einigen Tagen auf GIGA.

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