E-Books: Nook gegen Kindle und E-Reader-Software für Mac und iPhone

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Kurz nach der Frankfurter Buchmesse ist Bewegung in den E-Book-Markt geraten. Barnes & Noble stellt mit Nook einen eigenen Reader vor, der mit zwei Bildschirmen punkten will: E-Ink sowie Touchscreen in iPhone-Größe. Amazon reagiert mit einer Preissenkung für den Kindle und kündigt seine Kindle-Software für den Mac an – damit lassen sich die elektronischen Bücher des Internet-Händlers auch auf dem heimischen Rechner lesen.

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Barnes & Nobles: Nook

Barnes & Nobles ist bisher mit einer eigenen Reader-Software auf dem iPhone vertreten, inzwischen hat der amerikanische Buchhändler sein eigenes Gerät angekündigt: Am 30.

November 2009 soll der Nook in den USA auf den Markt kommen, die größte Besonderheit des Readers sind zwei Displays: E-Ink verbraucht so gut wie keinen Strom, ist aber derzeit zu akzeptablen Preisen nur mit Graustufen zu haben. Eine Touch-Bedienung ist auch für E-Ink-Displays möglich, geht aber zu Lasten des Kontrastes. Sony bringt mit dem Sony Touch am 28. Oktober ein solches Gerät für 299 Euro nach Deutschland.

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B&N löst das Problem mit einem 3,5 Zoll-Touchdisplay unterhalb des 6 Zoll E-Ink-Bildschirms. So können Anwender mit einer Coverflow-artigen Darstellung die eigene Bibliothek und den virtuellen Buchladen durchblättern. Einstellungen lassen sich ebenfalls vornehmen, darüber hinaus gehende Möglichkeiten wie Integration von Videos und Bildern zu Büchern stellt Barnes & Nobles hingegen nicht vor – dabei könnte das Nook gerade hier punkten. Eine Akku-Laufzeit gibt der Hersteller ebenfalls nicht an, das 3,5 Zoll-Display dürfte allerdings für eine im Vergleich zu reinen E-Ink-Readern deutlich kürzere Laufzeit sorgen – sofern man es nicht abschalten kann. Das Seitenumblättern kann man hingegen auch mit zwei Tasten an der Gehäuseoberfläche erledigen.

Wie den Kindle füttert man den Nook ebenfalls über Funk: 3G und WLAN sind mit an Bord, eine „Flatrate“ über AT&T ist im Preis inbegriffen. Zusätzlich dient USB 2.0 zur Datenübertragung. Zwei Gigabyte Speicher und ein microSD-Kartenslot sorgen dafür, dass das Lesefutter nicht so schnell ausgeht. Ein Leichtgewicht ist das Nook nicht, mit 317 Gramm ist etwas schwerer als das Kindle.

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Besonders Willkommen dürfte hingegen eine andere „Idee“ von Barnes & Noble sein: Bücher lassen sich auch verleihen, was das bisherige äußerst restriktive DRM etwas auflöst und einem der großen Kritikpunkte am elektronischen Buch entgegentritt. Die meisten Titel soll man 14 Tage lang verleihen dürfen, dabei sind die Ausleiher nicht auf den Nook-Reader angewiesen: iPhone, Blackberry, Mac und Windows will der größte Buchhändler in den USA ebenfalls unterstützen.

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Im Gegensatz zu Amazon sind die passenden Apps für iPhone und iPod touch auch im deutschen Store erhältlich. Insgesamt zeigt sich der „klassische“ Buchhändler sehr viel freundlicher als der Online-Händler, die kostenlose App B&N eReader lässt sich nicht nur hier nutzen, die Bibliothek enthält bereits englischsprachige Bücher, zum Beispiel „Dracula“ aber auch das Merriam-Webster`s Pocket Dictionary. Leseproben lassen sich – falls vorhanden – ebenfalls problemlos laden, der Erwerb von Büchern ist hingegen nur mit amerikanischer Rechnungsadresse möglich.

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Das Buchangebot weiß zu beeindrucken, B&N wirbt mit über einer Million verfügbarer Titel, Bestseller will man wie Amazon für 10 Dollar und damit unter „Einkaufspreis“ anbieten. An Formaten beherrscht der Reader EPUB (mit und ohne DRM) sowie PDF den Bildschirmschoner füttert man mit JPEG, GIF, PNG und BMP-Bildformaten. MP3s gibt der E-Reader ebenfalls wieder, neben dem Kopfhöreranschluss finden Klänge über einen eingebauten Monolautsprecher den Weg ans Ohr.

Der Preis ist eine klare Kampfansage an Amazon: 259 US-Dollar soll das Gerät kosten, Amazon hat prompt mit einer Preissenkung reagiert und die „internationale Version“ seines Readers von 279 ebenfalls auf 259 Dollar gesenkt, gleichzeitig hat der Händler die reine US-Version aus dem Angebot verbannt.

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Amazon breitet sich aus

Amerikanische iPhone-Besitzer können schon seit geraumer Zeit ihren Kindle in die Jackentasche stecken, deutsche Anwender haben derzeit (noch) das Nachsehen – obwohl Amazon den Kindle inzwischen auch offiziell in Deutschland anbietet. Auch ein amerikanischer Account hilft derzeit nicht unbedingt weiter, die bisher geladenen Bücher des Autors dieser Zeilen sind auf wundersame Weise wieder verschwunden und auf der mobilen Amazon-Seite prangt ein Hinweis, dass nur US-Bürger Kindle-Bücher einkaufen dürfen.

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Dabei hätten wir so gerne die neue Notizfunktion ausprobiert, mit der man Text im E-Book selektieren und eine „Randnotiz“ anfertigen kann.

Aber Amazon arbeitet an noch mehr Software, für Windows hat das Unternehmen sie bereits zum Windows 7-Start offiziell angekündigt, aber auch für den Mac soll sie laut Fastcompany kommen, einen Tag später hat Amazon dann die Mac-Version auch offiziell bestätigt.

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Was der Kindle-Reader für PC und Mac dann tatsächlich kann, außer E-Books am Bildschirm zu lesen, ist derzeit noch unklar. Manch einer wünscht sich zum Beispiel sicherlich eine Suchfunktion. Noch mehr im Dunkeln liegt, ob Amazon die Programmierschnittstelle freigeben wird. Bisher schließt Amazon das Kindle-Universum ab – schließlich soll der Reader der „iPod des Lesens“ sein, wie der CEO Jeff Bezos 2007 verkündet hat.

Teaser-Bild: davef3138, „Hackensack, MN“. Some rights reserved. Flickr Kindle-Bild: TheCreativePenn, „Reading the International Kindle in the hammock, MN“. Some rights reserved. Flickr E-Reader-Vergleich-Bild: kandinski, „Mis ebooks, o „sólo falta el Sony Reader“. Some rights reserved. Flickr

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