Wer ist eigentlich Tom Alby?

mmagis

Frank Blome, der Kopf hinter „Merlin„, hat sich als nächsten Gesprächspartner Tom Alby gewünscht: Alby hat sich als Fachbuchautor einen Namen gemacht, träumt aber insgeheim von einem großen Roman, mit dem er auch außerhalb des Mac-Bereichs zu Ruhm und Ehre gelangt. Er berichtet von seinem ersten Mac und einer langen Hardware-Leidensgeschichte.

alby
macmagazin.de: Erzählen Sie uns vom Startton Ihres ersten Macs.
Tom Alby: Das war schon der Startton, den wir von den heutigen Macs kennen: Mein erster Mac war das PowerBook 5300, dessen Tastatur ich heute noch vermisse.

Allein der Klang der Tastatur war etwas Besonderes. Ich konnte mir kein Farbdisplay leisten und so hatte ich tatsächlich viele Jahre mit einem Graustufendisplay gearbeitet. Aber das PowerBook hat mich fast durchs ganze Studium gebracht. Wegen der kleinen Festplatte war ein ZIP-Laufwerk noch ein Muss, kaum vorstellbar, wieviel Geld man damals für so etwas ausgegeben hat. Denke ich an die Maße des PowerBooks zurück, dann würde ich mir wünschen, dass Apple wieder kleinere Geräte baut, die einfacher zu transportieren sind.

macmagazin.de: Was geht in Ihnen beim Kauf eines neuen Macs vor? Ist das ein Erlebnis oder nur der Erwerb eines Konsumgutes?
Alby: Es ist immer noch ein Erlebnis, wenngleich nicht mehr so besonders wie noch vor ein paar Jahren. Mittlerweile bin ich auch über das Stadium hinaus, zu glauben, dass mir ein neuer Mac hilft, meinen Schreibtisch schneller leer zu bekommen. Ich habe mir dieses Jahr ein MacBook gekauft (kurz bevor es von Apple zum MacBook Pro umgetauft wurde) und was ich wirklich an diesem Gerät mag, ist, dass ich ausnahmsweise (schnell auf Holz klopf) keine Probleme damit habe. Es funktioniert einfach und vielleicht liegt es daran, dass ich den Kauf nicht so zelebriert habe wie früher.

macmagazin.de: Verraten Sie uns Ihre drei Top- und eine Flop-Applikation.
Alby: Das wechselt natürlich, aber momentan sind meine Lieblingsapplikationen Chrome (schnell), Dropbox (hat mich beim letzten Buch gerettet) und Terminal beziehungsweise das UNIX unter der Oberfläche (weil ich darin viele Skripte laufen lasse). Damit gewinne ich sicherlich den Exotenpreis. Vor kurzem habe ich aber einen LiveScribe-Stift angeschafft und es könnte sein, dass die dazugehörige Applikation durch dieses neue Gadget auch in die Kategorie „Top“ kommt.

Ich mag nicht: Excel, Word und PowerPoint, muss es aber nutzen. Gerade PowerPoint ist bei mir ständig offen, weil ich im Job und als Dozent alles in PowerPoint vorbereite. Keynote ist keine Alternative in einem Windows dominierten Umfeld. Meine Unzufriedenheit mit den MS Produkten hängt nicht damit zusammen, dass ich Microsoft nicht mögen würde, sondern eher damit, dass diese Applikationen auf dem Mac im Vergleich zu den Windows-Versionen eher behäbig sind. Und es nervt tierisch, dass mit dem Mac erstellte Präsentationen heute immer noch nicht komplett zu den Windows-Dateien kompatibel sind, was es mir sehr schwer zu belegen macht, dass der einzige Mac unter zig Windows-Kisten keine Probleme verursacht.

macmagazin.de: Welches Feature sollten Ihr nächster Mac, Ihr nächster iPod oder Ihr nächstes iPhone unbedingt haben?
Alby: Das iPhone braucht dringend eine längere Akku-Laufzeit, Multitasking, einen schnelleren Prozessor sowie mehr Speicher. Mein nächster Mac sollte kleiner sein, unempfindlicher, eine viel längere Akku-Laufzeit haben, ein internes UMTS-Modem, weiter auseinander liegende USB-Buchsen und ein entspiegeltes Display. Spürbar schneller soll er natürlich auch sein, ich hasse es zu warten. Aber ich habe bei all diesen Punkten keine große Hoffnung bei Apple.

macmagazin.de: Welches aktuelle Tagesereignis hat Sie in letzter Zeit besonders bewegt?
Alby: Ich verfolge zur Zeit sehr intensiv die Berichterstattung über die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen und die Untätigkeit bewegt mich, im negativen Sinne. Das gleiche gilt für die immer übler werdenden Beschneidungen unserer Privatsphäre durch den Staat, obwohl bereits erwiesen ist, dass sich damit kein potentieller Straftäter aufhalten lässt.

macmagazin.de: Frank Blome hat Sie als nächsten Gesprächspartner genannt und uns verraten, dass Sie einmal ein „Bilderbuch-Macianer“ waren, inzwischen aber durch viele Erfahrungen kritischer sind. Was waren das für Erfahrungen und was sehen Sie heute anders als früher?
Alby: Ich hatte ständig Probleme mit Apple-Produkten. Mein vorheriger Rechner, ein MacBook Pro, war schon bei der Lieferung defekt, danach hatte ich mehrmals das Superdrive ausgetauscht bekommen, außerdem das obere Case, das Logic Board usw. Ohne den Hardwareschutz von Gravis wäre ich verloren gewesen. Das war bei dem vorherigen Rechner, einem iBook, auch nicht anders, und das Pismo davor war mehr in der Apple-Werkstatt als sonstwo. Das war auch der Grund für mein Mac-bezogenes Blog macophilia.de. Ich schreibe nicht mehr viel dort, aber Auslöser war auch ein Schadensfall. Ich war außerdem enttäuscht von Apple selbst, die Kommunikation mit Apple war nicht immer einfach und eher „kalt“. Es kann einfach nicht sein, dass Apple erst dann reagiert, wenn genug Käufer ein Problem haben.

Ich glaube, dass Apple immer noch einen Schritt weiter als Microsoft ist, wenn es darum geht, den Rechner und sein Betriebssystem dem Benutzer nicht in den Weg zu stellen. Technologie soll uns helfen, nicht ein Selbstzweck sein. Davon sind aber alle, auch Apple, noch meilenweit entfernt, auch wenn anderes versprochen wird. Das ärgert mich.

macmagazin.de: Als Fachbuchautor widmen Sie sich vor allem dem mobilen Web und dem Web 2.0. Es gibt Stimmen, die den Marktanteil Android basierter Telefone in nicht allzu ferner Zukunft vor Apples iPhone sehen. Wie ist Ihre persönliche Meinung zu den beiden Konkurrenten, die so ähnlich aufgestellt sind wie einst Apple und Microsoft? Wird sich die Geschichte wiederholen?
Alby: Apple konnte gar nicht ohne Microsoft überleben, das vergessen die Macianer gerne mal, und Microsoft hat gutes Geld mit MS-Applikationen für den Mac verdient. Apple könnte dagegen ohne Google überleben, es ist eher die Frage, ob Apple trotz Google überlebt. Ich glaube, dass die Google-Dominanz irgendwann ein negatives Momentum erfahren wird Spätestens dann, wenn große Regierungen auf der Welt verstehen, dass Google mehr Macht hat als sie, allein durch den Besitz und die Aufbereitung von Informationen. Existiere ich noch, wenn ich nicht bei Google gefunden werde? Aber zurück zu den Handys: Ich glaube, dass die Google-Handys der Wendepunkt für Google werden könnten, nicht weil die Handys schlecht wären, sondern weil die Benutzer dann langsam registrieren, wie abhängig sie doch von Google geworden sind.

macmagazin.de: Mit Dorothea Kraus haben Sie vor rund zehn Jahren an der UNI eine Untersuchung zu „Klassikern auf CD-ROM“ durchgeführt. Die Medienbranche befindet sich im Umbruch, zumindest in Deutschland ist das E-Book aber noch eine Nische. Wird sich das ändern oder bleibt das „Land der Hardcover“ eine Bücherinsel im digitalen Meer? Wie weit ist die „Umgewöhnungsphase“ bereits fortgeschritten?
Alby: Es wird kein Entweder-Oder geben. Beides wird existieren, wenngleich ich mir ernsthaft Sorgen um die Tageszeitungen mache. Die Schönheit eines gut produzierten Buches wird ein Kindle nicht erreichen können, ich möchte einen Thomas Mann im guten Einband, nicht auf dem Kindle lesen. Aber IT-Literatur mit einer Halbwertzeit von wenigen Monaten kann ich mir auch gerne auf den Kindle laden, gebraucht ist ein Apache 1.3x-Buch eh nix mehr wert.

Die Frage ist doch eher, wieviel wir bereit sind, für guten Journalismus zu zahlen. Und da befürchte ich, dass die Mehrheit eben nicht bereit ist, soviel zu bezahlen wie die „alte“ Generation, die mit den Zeitungen groß geworden ist. Wir werden da wahrscheinlich sehr heftige Zeiten sehen, und wenn ich mir ansehe, wieviel man momentan für einen guten Text bezahlt, dann mache ich mir noch mehr Sorgen. Wir reden hier über einen Zeit-Horizont von 10 Jahren, bis dahin muss nicht nur ein neues Finanzierungsmodell gefunden, sondern auch umgesetzt sein.

macmagazin.de: Sie haben einmal vorausgesagt, dass sich die – damals erst wenige Monate junge – DVD als Nachfolgemedium zur CD nicht durchsetzen und Verlage eher auf den Internetvertrieb setzen würden. Hat sich ihre Vorhersage mit BluRay nun noch erfüllt, nur etwas später?
Alby: Die Aussage, dass sich die DVD nicht durchsetzen würde, war natürlich weniger auf Filme bezogen, sondern lediglich auf die DVD als Träger für Literatur. Und ich sehe auch immer noch nicht, dass sich so etwas durchsetzen wird, eher das eBook wie der Kindle, auf dem ich die Wunschliteratur sofort bekommen kann. Allerdings fehlen hier noch spezielle Funktionen wie die Möglichkeit, sofort eine Konkordanz zu erstellen. Und – wie oben gesagt – wird das nicht für jedes Buch gelten. Die Verkäufe meiner Bücher über das Internet reichen bei weitem nicht an die Hardcopy-Verkäufe ran, und das trotz eines Internet-affinen Themas (oder gerade deswegen?). Ich habe mit dem Verlag nie über eine CD- oder DVD-Version gesprochen, wer sollte so etwas auch lesen? Literatur auf CD oder DVD ist nur etwas für Literaturwissenschaftler, die entweder Texte bearbeiten müssen, die es im Gutenberg-Projekt noch nicht gibt, oder die nicht wissen, was sie mit dem Gutenberg-Projekt anfangen können.

macmagazin.de: Seit einiger Zeit nennen Sie den E-Book-Reader von Amazon ihr Eigen, wie sind Ihre Erfahrungen und haben Sie als CCC-Mitglied nicht Angst vor dem „Großen Bruder Amazon“, der Bücher löschen kann?
Alby: Ich bin sehr zufrieden mit dem Gerät: Es ist schon ein großer Unterschied, ob man mehrere Bücher auf eine Reise mitschleppen muss oder eben nur den Kindle. Es ist klasse, morgens die Zeitung auf dem Gerät zu haben, egal wo auf der Welt ich mich gerade befinde, und dann Artikel auch noch „ausschneiden“ zu können. Das Clipping von Artikeln oder Textstellen vereinfacht meine Arbeit immens, denn bisher hatte ich meistens für jedes von mir geschriebene Buch einige Ordner an Material während der Recherche gesammelt. Meine Kritikpunkte sind lediglich das Handling, es liegt einfach nicht gut in der Hand, wenn man längere Zeit liest, und der lahme Prozessor ist ätzend. Es wäre auch noch klasse, wenn man Clippings via Mail verschicken könnte, aber das macht der Roaming-Deal von Amazon wohl nicht mit.

Das automatische Löschen von Büchern wird hoffentlich nie wieder vorkommen, Amazon hatte sich danach auch entschuldigen müssen. Natürlich ist es beunruhigend, dass Amazon alles weiß, was ich lese, wie lange ich es lese und so weiter. In diesem Fall war mir der Komfort aber wichtiger als diese Bedenken. Ich habe ja noch die Möglichkeit, woanders Bücher zu kaufen, zum Beispiel in einem richtigen Bücherladen, in dem die Buchhändler auch noch wissen, wer „1984“ geschrieben hat. Den Komfort über die Privatsphäre zu setzen, das ist bei anderen Facetten des Datenschutzes natürlich kritischer, so würde ich niemals eine Payback-Karte benutzen oder ansonsten irgendwelche Kundenkarten rumschleppen. Ich sehe bei dem Amazon-System eher eine ganz andere Gefahr, nämlich, dass ich von Amazon in eine Schublade geworfen wurde, in der mir nur ganz bestimmte Bücher vorgeschlagen werden, die ich meistens eh schon kenne. Ich habe die besten Bücherempfehlungen aber in Gesprächen bekommen, zum Beispiel vor einiger Zeit das Buch „Längengrad“, was ich sehr interessant fand, ansonsten aber niemals gefunden hätte. Ich habe etwas Bedenken, dass mich Amazon zu einem Fachidioten macht.

macmagazin.de: Welche drei Bücher haben Sie zuletzt gelesen – und auf „welchem Gerät“?
Alby: „Web Analytics. An hour a day.“ von Avinash Kaushik auf dem Kindle, „The Back of the Napkin“ von Dan Roam als Hardcover und momentan lese ich Frank Blomes Merlin-Buch, auch als Hard Cover.

macmagazin.de: Haben Sie einen Lebenstraum?
Alby: Ich habe viele Träume und ich bin dankbar, dass ich schon einige davon verwirklichen durfte. Ein Traum ist, dass ich nach all den Fachbüchern endlich mal meinen Roman fertig schreibe und es damit auf eine Bestsellerliste abseits des Fachbuchs schaffe. Aber es würde mir auch schon reichen, wenn er so gut wird, wie ich es mir vorstelle. Letztlich schreibe ich ihn für mich, weil er raus muss, denn die Idee dazu ist schon sehr alt und quält mich innerlich. Es kamen halt nur ein paar Sachbücher dazwischen. Daneben habe ich noch eine Idee für ein Kinderbuch, die auch schon im Kopf fertig ist und nur noch realisiert werden muss.

Ich habe außerdem viele Ideen, die ich gerne verwirklichen möchte, es fehlt nur die Zeit. Ich hoffe, dass auf meinem Grabstein nicht stehen wird: „Er konnte gut mit einem Mac umgehen“. Sondern dass ich etwas geschaffen habe, was auch anderen Menschen geholfen hat.

macmagazin.de: Kommen Sie noch zum Schlagzeugspielen?
Alby: Leider viel zu selten, aber ich bin auch wieder auf der Suche nach einer Band … Wer also was weiß in Hamburg und Umgebung, ich liebe Jazz, bin aber auch für andere Musikstile offen.

macmagazin.de: Wer soll der nächste Gesprächspartner der Reihe „Leute am Mac“ sein? Warum?
Alby: Ich schlage Peter Sanner vor, der mit kinkon.de eine Plattform für ein sicheren Internet-Zugang für Kinder ins Leben gerufen hat. Auch ein begeisterter Mac-Benutzer.

Weitere Themen

* gesponsorter Link