Samsung Galaxy Tab S4 im Test: Ein Android-Tablet auf Identitätssuche

Kaan Gürayer 1

Multimedia-Tablet, digitaler Notizblock und Laptop: Mit dem Galaxy Tab S4 will Samsung die sprichwörtliche „Eierlegende Wollmilchsau“ schaffen. Ob der ambitionierte Versuch gelingt,  klären wir im Test zum Galaxy Tab S4. 

Samsung Galaxy Tab S4 im Hands-On-Video

Samsung Galaxy Tab S4 und Tab A im Hands-On.

„Android-Tablets sind tot“ – so lautet die landläufige Meinung. Die meisten Hersteller haben sich entweder komplett aus dem Geschäft verabschiedet oder bieten nur noch günstige Einsteiger- und Mittelklasse-Tablets an. Und Selbst Google, immerhin Entwickler des mobilen Betriebssystems, scheint die Kategorie mittlerweile aufgegeben zu haben und bastelt fleißig an Chrome OS als Alternative. Ein Hersteller glaubt aber weiterhin an den Erfolg von Android-Tablets: Samsung. Mit dem Galaxy Tab S4 haben die Südkoreaner Anfang August ihr neuestes High-End-Modell vorgestellt, das wir mehrere Wochen ausführlich unter die Lupe nehmen konnten.

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Samsung Galaxy Tab S4: Ein Traum aus Glas und Metall

Bei Design und Verarbeitungsqualität geht Samsung keine Kompromisse ein. Vorder- und Rückseite des Galaxy Tab S4 bestehen aus Glas und werden von einem Metallrahmen eingefasst. Im Vergleich zum Vorgänger fallen die geschrumpften Displayränder an der Front auf. Das dürfte vor allem der Tatsache geschuldet sein, dass das Tab S4 auf einen klassischen Fingerabdrucksensor verzichtet. Stattdessen setzt Samsung auf eine Entsperrung via Gesichts- und Iris-Scanner. Das funktionierte im Test in der Regel auch gut, wenngleich wir uns trotzdem einen klassischen Fingerabdrucksensor gewünscht hätten.

In der Hand hinterlässt das Samsung-Tablet einen hochwertigen Eindruck. Von den Tasten-Druckpunkten über die Lautsprecher-Ausfräsungen bis hin zu leichten Abrundung des Alu-Rahmens: Alles beim Galaxy Tab S4 ist exzellent verarbeitet. Gut ausbalanciert ist das Tablet ohnehin. Einziger Wermutstropfen: Die Glasrückseite zieht Fingerabdrücke magisch an. Wer den Anblick von Fettfinger-Spuren partout nicht ertragen kann, sollte ein Mikrofaser-Tuch stets griffbereit haben.

Einen näheren Blick auf das Design des Tab S4 findet ihr hier:

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Galaxy Tab S4 in Bildern: So schön ist Samsungs Produktiv-Tablet.

Samsung Galaxy Tab S4: Multimedia-Meister

Auf eine Displaydiagonale von 10,5 Zoll kommt das Galaxy Tab S4 – ein sattes Plus von 0,8 Zoll gegenüber dem Tab S3. Auch beim Bildverhältnis geht der Nachfolger eigene Wege und setzt auf das 16:10-Format. Das bringt Vor- und Nachteile: Wer gerne Filme und Videos schaut, ist mit dem „klassischen“ Bildformat besser bedient. Zum produktiven Arbeiten eignet sich hingegen das 4:3-Format des Vorgängers besser, das einem traditionellen Notizblock gleichkommt.

Wenig überraschend: Das Super-AMOLED-Display im Galaxy Tab S4 ist in jeder Hinsicht überragend. Mit 2.560 x 1.600 zeigt es Inhalte gestochen scharf an, die Schwarzwerte lassen jeden LC-Bildschirm vor Neid erblassen und Farben leuchten wie ein bunter Regenbogen. Auch die Helligkeit überzeugt durch die Bank. Hier zeigt sich einmal mehr Samsungs Expertise in Sachen Displaytechnik.

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Wer nun fürchtet, dass die Soundqualitäten nicht ganz mit dem exzellenten Display im Galaxy Tab S4 mithalten können, darf getrost aufatmen. Auf gleich vier Lautsprecher kann das Samsung-Tablet verweisen, die (gehalten im Querformat) jeweils rechts und links am Gerät angebracht sind und einen richtig guten Klang erzeugen. Dazu dürfte auch die Zertifizierung durch AKG ihr kleines Scherflein beigetragen haben, auf die Samsung nicht nur auf der Rückseite des Tab S4 stolz verweist. Überraschend kommt das nicht: 2016 wurden die österreichischen Sound-Experten von Samsung aufgekauft.

Kurzum: Auch beim Sound gibt sich das Galaxy Tab S4 keine Blöße. Selbst bei höheren Lautstärken ist die Klangausgabe jederzeit klar und deutlich – ein Manko, das beim Vorgänger noch für Punktabzüge gesorgt hat. Eine echte Bassmaschine ist das Samsung-Tablet aber dennoch nicht. Dafür bietet das nur 7,1 mm dünne Gehäuse keinen ausreichenden Resonanzkörper.

Samsung Galaxy Tab S4 im Test: Ordentlich Leistung

Für ordentlich Leistung unter der Haube sorgt der Snapdragon 835. Der Qualcomm-Chip besitzt acht Kerne und bietet eine maximale Taktfrequenz von 2,3 GHz. Unterstützt wird der Prozessor von 4 GB RAM. Wer mit den trockenen Zahlen nichts anfangen kann: Das Galaxy Tab S4 ist schnell, sehr schnell! Selbst extremstes Multitasking und aufwändige 3D-Spiele steckt Samsungs neuestes Premium-Tablet locker weg. Zwar hätte Samsung gerne auch den aktuelleren Snapdragon 845 verbauen dürfen – dass im Galaxy Tab S4 aber ein Vorjahres-Prozessor steckt, stört im Alltag an keiner Stelle. Die Performance des Samsung-Tablets überzeugt.

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Samsung Galaxy Tab S4 im Test: Software mit Mehrwert – und bekannten Problemen

Softwareseitig läuft auf dem Galaxy Tab S4 Android 8.1 Oreo. Das neue Android Pie war zum Release noch nicht verfügbar. Ein Update auf Android 9 dürfte Samsung dem Tablet noch mit Sicherheit spendieren, einen konkreten Zeitplan hat der Hersteller aber noch nicht kommuniziert.

Wie bei allen Android-Smartphones- und Tablets verwendet Samsung auch beim Galaxy Tab S4 nicht Stock-Android, sondern setzt auf eine eigene Benutzeroberfläche. Die sogenannte Samsung Experience wertet Android um viele zusätzliche Features und Funktionen auf. Unter anderem lässt sich die Reihenfolge der Navigationstasten ändern, Bildschirmmodus und Farbbalance lassen sich anpassen, auf dem Homescreen und im App-Drawer gibt es praktische Sortierungsfunktionen und ein sicherer Ordner kann auf Wunsch sensible Dokumente beherbergen. Das bringt dem Nutzer einen echten Mehrwert, manchmal können einen die vielen Zusatzfunktionen aber auch erschlagen – vor allem in den ersten Tagen, wenn einem Samsungs überaus „hilfsbereiter“ Einrichtungs-Assistent unentwegt auf jedes noch so kleine Feature hinweist.

Abseits der eigenen Software hat natürlich auch das Galaxy Tab S4 mit dem bekannten Problem zu kämpfen, das Android-Tablets bereits seit den Anfangstagen begleitet: Tablet-Apps. Die Anzahl an verfügbaren Tablet-Apps ist noch immer sehr überschaubar und nicht mal ansatzweise mit dem Angebot zu vergleichen, das es auf dem iPad gibt. Im Vergleich zur Apple-Plattform sind Android-Tablet-Apps noch immer unausgereift und funktionsarm – wenn es überhaupt angepasste Tablet-App gibt.

Viel zu oft muss sich der Nutzer mit reinen Smartphone-Apps zufrieden geben, die sich nur hochkant verwenden lassen und das größere Platzangebot eines Tablet-Bildschirms nicht sinnvoll ausnutzen. Daran trägt Samsung natürlich keine Schuld, trotzdem wirkt das Galaxy Tab S4 dadurch im Alltag oft wie ein riesiges Smartphone denn ein Tablet.

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Samsung Galaxy Tab S4 im Test: Unausgereifter DeX-Modus

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die andere: DeX. Neben der bekannten Android-Oberfläche hat Samsung auf dem Galaxy Tab S4 auch seinen PC-Modus namens DeX installiert. Mit nur einem Klick über einen Toggle in der Benachrichtigsleiste öffnet sich DeX – und damit eine ganz neue Welt. Im DeX-Modus verhält sich das Android-OS wie ein klassisches Desktop-Betriebssystem à la Windows oder macOS. Die Apps werden zum Beispiel in Fenstern geöffnet und lassen sich frei auf dem Homescreen platzieren und in ihrer Größe verändern. Hinzu kommt eine Taskleiste, in der alle geöffneten Anwendungen abgelegt werden. Das erinnert erneut an Microsofts Windows-Universum.

Dank des integrierten Maus- und Tastatur-Supports können sogar Peripherie-Geräte angeschlossen und mit dem Galaxy Tab S4 im DeX-Modus wie an einem regulären PC gearbeitet werden – zumindest in der Theorie. In der Praxis wirkt der PC-Modus noch an vielen Stellen unausgereift und DeX hat mit einige Inkonsistenzen zu kämpfen. Für alles, was über leichte Office-Arbeiten hinausgeht, empfiehlt sich weiterhin ein traditioneller Computer.

Trotz aller Kritik: Der DeX-Modus ist innovativ und zeigt unserer Meinung auch den richtigen Weg in die Zukunft, in der Tablets auf Tastendruck von reinen Konsum-Maschinen zu produktiven Arbeits-Tools werden. Noch fehlt es dem PC-Modus aber an Feinschliff. Hier muss Samsung noch einiges an Entwicklungsarbeit leisten – oder direkt auf Chrome OS umsatteln, das ebenfalls mit großen Schritten in diese Richtung marschiert.

Samsung Galaxy Tab S4 im Test: Der S Pen

Fürs produktive Arbeiten hat Samsung dem Galaxy Tab S4 auch den S Pen beigelegt. Der Stylus zaubert aus dem Tablet im Handumdrehen einen digitalen Notizblock oder ein Grafik-Tablet. Über 4.096 Druckstufen verfügt der S Pen insgesamt. Im Alltag hat das Schreiben und Zeichnen mit dem Stylus gut funktioniert, auch wenn der S Pen in Sachen Latenz und natürlichem Schreibgefühl nicht ganz mit dem großen Vorbild Apple Pencil mithalten kann. Dafür ist der S Pen allerdings bereits im Lieferumfang enthalten, während man bei Apple mindestens 99 Euro für den iPad-Stylus auf den Tisch blättern muss.

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Weiterer Pluspunkt: Samsung hat sich viele Zusatzfeatures einfallen lassen, um den S Pen sinnvoll mit dem Galaxy Tab S4 zu verbinden. Notizen lassen sich zum Beispiel auch bei ausgeschaltetem Display auf dem Samsung-Tablet festhalten und über ein jederzeit verfügbares Hover-Menü („Air Command“) können Textabschnitte übersetzt werden, lassen sich Screenshot-Notizen anfertigen und vieles mehr. Gut gemacht, Samsung!

Einzig das 16:10-Bildformat stört etwas beim Schreiben und Kritzeln. Hier würden wir das 4:3-Format des Vorgängers, das einem echten Notizblock am nächsten kommt, deutlich bevorzugen. Zudem verfügt Android noch lange nicht über das Repertoire an Zeichen- und Grafik-Apps wie das iPad mit iOS.

Samsung Galaxy Tab S4 im Test: Kein Akkuwunder, aber solide Werte

Dem Galaxy Tab S4 hat Samsung einen 7.300 mAh starken Akku verpasst. Vor allem bei Tablets lassen sich Akkulaufzeiten aber nur schwer objektiv beurteilen. Im Gegensatz zu Smartphones sind die Geräte nicht im gefühlten Dauereinsatz, sondern werden in der Regel nur stellenweise verwendet und dann wieder weggelegt. Heißt: Die Akkulaufzeit hängt stark von der individuellen Nutzung ab, die sich von Besitzer zu Besitzer unterscheidet. In unserem Alltagsszenario, das aus gelegentlichem Surfen, YouTube, Social Media und dergleichen bestand, hielt das Galaxy Tab S4 zwei bis drei Tage ohne den Gang zur Steckdose aus. Ein ordentlicher Wert, aber auch kein Akkuwunder. Erfreulich waren immerhin die exzellenten Standby-Zeiten. Und: Dank Schnelllade-Technik ist der Akku auch zügig wieder aufgeladen.

Samsung Galaxy Tab S4 im Test: Fazit

Der Test des Galaxy Tab S4 hat uns etwas ratlos zurückgelassen. Welche Zielgruppe will Samsung mit seinem neuesten Premium-Tablet ansprechen? Als reines Multimedia-Tablet zum Filmegucken oder Couch-Surfen ist der Stylus-Support unnötig, während der Einsatz als digitaler Notiz- und Grafikblock vom fehlenden 4:3-Format und dem spärlichen App-Angebot eingeschränkt wird. Und wer in der Uni viel mitschreiben muss, greift dann doch lieber zu einem „echten“ Laptop mit Windows oder macOS, als zum Galaxy Tab S4 mit DeX und Keyboard-Cover.

Das Tab S4 scheint in einer Identitätskrise zu stecken und nicht so recht zu wissen, was es eigentlich sein will. Es kann von allem ein bisschen, aber nichts so richtig. Für eine UVP von 699 Euro ist das aber nicht genug. Wer nicht auf den Preis achten muss und unbedingt das aktuell beste Android-Tablet möchte, kann zum Tab S4 greifen. Alle anderen sollten sich überlegen, ob nicht auch der noch immer hervorragende Vorgänger Galaxy Tab S3 in Frage kommt oder das ebenfalls neue, aber deutlich günstigere Galaxy Tab A 10.5.

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Samsung Galaxy Tab S4 im Test: Bewertung

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 5/5
  • Display: 5/5
  • Kameras: 4/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 4/5
  • Konnektivität und Speicher: 4/5
  • Akku und Alltag: 4/5

Samsung Galaxy Tab S4: Technische Daten im Überblick

Bildschirm 10,5 Zoll, 2.560 x 1.600 Pixel, Super-AMOLED
Prozessor Octa Core, Qualcomm Snapdragon 835 mit maximal 2,35 GHz
Arbeitsspeicher 4 GB
Datenspeicher  64 GB (erweiterbar)
Kameras Hinten: 13 MP (Autofokus), vorne: 8,0 MP
Akku 7.300 mAh, Fast Charging
Abmessungen  249,3 x 164,3 x 7,1 mm Millimeter
Gewicht 482 Gramm (WLAN), 483 Gramm (LTE)
Anschluss USB 3.1 (Typ-C), POGO-Pins
Sonstiges Integrierte DeX-Station, Stylus-Support, vier AKG-Lautsprecher mit Dolby Atmos, Iris- und Gesichstscanner
Software Android 8.1 Oreo

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