Amazon Fire HD 10 (9. Gen.) im Test: Lohnt das Android-Tablet für 150 Euro?

Robert Schanze

Amazon hat das Amazon Fire HD 10 (2019) in der 9. Generation veröffentlicht. Wir verraten euch, ob sich das das 150-Euro-Tablet im Vergleich zu den Vorgängern lohnt.

Im Test: Das Amazon Fire HD 10 (2019, 9. Gen)

Pro:

  • Verhältnismäßig günstiger Preis.
  • Lohnt sich vor allem für diejenigen, die bereits Amazon-Dienste nutzen.
  • Bild-in-Bild-Modus für Apps wie Netflix und Prime Video (Hintergrundwiedergabe).
  • Google Play Store lässt sich nachinstallieren.
  • Nova-Launcher lässt sich installieren, um Benutzeroberfläche zu ändern.
  • Breiter Display-Rahmen ist praktisch für Kinder-Hände.
  • Achtkern-Prozessor und 2 GB RAM

Contra:

  • Viele Amazon-Apps, die man nicht unbedingt nutzt (Bloatware).
  • APK-Dateien zu installieren ist umständlich gestaltet und zu viele Info-Meldungen suggerieren, man sei ein schlechter Mensch.
  • Automatische Helligkeit regelte bei uns etwas zu dunkel. Lässt sich aber deaktivieren.
  • Die von oben nach unten wischbare Statusleiste wird recht schmal angezeigt (wie auf einem Smartphone) und nutzt nicht die volle Bildschirmbreite.
  • Recht breiter Display-Rahmen für das Jahr 2019.

Neutral:

  • microSD-Karten lassen sich bei Speichermangel nicht als internen Speicher formatieren, aber viele Apps lassen sich auf die microSD-Karte verschieben.
  • Alexa integriert

Kurzfazit:

Für Nutzer von Amazon-Diensten oder für Eltern mit Kindern ist das Fire HD 10 (2019) ein gutes und günstiges Tablet. Das komplette Fazit lest ihr weiter unten.

Fire HD 10 (9. Gen) bei Amazon*

1. Für wen ist das Amazon Fire HD 10 (2019, 9. Gen) gedacht?

  • Das Tablet ist für Unterhaltung, Filme, Serien, eBooks, Hörbücher, Lieder, Surfen und Amazon-Dienste gedacht statt für Produktivität.
  • Auch für Kinder eignet sich dieses Tablet, weil man neben Amazon Prime auch Netflix, YouTube oder Kinder-Spiele installieren kann. So aktiviert ihr die Kindersicherung.

Die Benutzeroberfläche ist gewöhnungsbedürftig, wenn man noch nie ein Amazon-Tablet genutzt hat. Aber das lässt sich ändern, wie wir euch weiter unten zeigen.

2. Und was hat sich zum Vorgänger Fire HD 10 (7. Gen) verbessert?

Der Vorgänger des Amazon Fire HD 10 (2019, 9. Gen.) ist das Amazon Fire HD 10 (2017, 7. Gen.). Hier seht ihr die Verbesserungen:

  1. Neue Betriebssystem-Basis: Als Betriebssystem wird Fire OS 7.3.1.0 verwendet, das auf Android 9.0 basiert. Dadurch erhaltet ihr auch die Funktion des Bild-in-Bild-Modus.
  2. Bild-in-Bild-Modus: Da im Fire-Tablet der 9. Generation Android 9.0 Pie als Basis dienst, lassen sich Apps wie Netflix, Prime Video oder Twitch auch in einem kleinen Fenster weiter schauen, während man beispielsweise im Internet surft. Tippt dazu bei laufendem Video einfach auf den Home-Button oder wechselt zu einer anderen App. In der offiziellen YouTube-App funktionierte die Bild-in-Bild-Wiedergabe aber nicht. Es funktioniert allerdings mit der alternativen App „YouTube.com“ aus dem Amazon Appstore.
  3. Besserer Ladeanschluss: Als Ladeanschluss gibt es USB 2.0 mit Typ C. Das heißt, ihr müsst nicht mehr darauf achten, wie herum ihr das Kabel einsteckt.
  4. Mehr Akkulaufzeit: Sie soll sich von 10 auf 12 Stunden bei gemischtem Betrieb verbessert haben. In unserem Test hielt das Tablet mindestens 10 Stunden durch.
  5. Schnellerer Prozessor: Statt einem Quadcore-Prozessor hat Amazon hier eine CPU mit 8 Kernen verbaut. Der Takt ist von 1,8 auf 2,0 GHz angestiegen. Im Test konnten wir im Vergleich zum Vorgänger allerdings keine nennenswerten Leistungsunterschiede feststellen.
  6. Mehr externer Speicher: Das Fire HD 10 (2019) unterstützt microSD-Karten bis 512 GB. Beim Vorgänger waren das „nur“ 256 GB.
  7. Kameras: Die Frontkamera löst nun wie die Rückkamera mit 2 Megapixeln auf. Das Fire HD 10 aus dem Jahr 2017 nutzte hier noch die kleine VGA-Auflösung.

3. Was sind die „Spezialangebote“ bei den Preisen?

Das Amazon Fire HD 10 wird in 4 Varianten verkauft: Mit 32 GB, mit 64 GB und dann noch jeweils mit oder ohne „Spezialangeboten“. Das ist Werbung, die auf dem Sperrbildschirm angezeigt wird. Wen das nicht stört, kann die Variante mit Spezialangeboten wählen, um das jeweilige Tablet-Modell 15 Euro günstiger zu bekommen.

4. Kann man WhatsApp auf dem Tablet installieren?

Ja. Das geht einfach, wenn ihr den Google Play Store installiert habt (zeigen wir unten). Standardmäßig fehlt aber der Google Play Store und dann geht das Ganze so, wie hier in unserer Anleitung für Fire-HD-Tablets erklärt.

5. Welche Apps gibt es im Amazon Appstore?

Der Amazon Appstore genügt für grundlegende Aufgaben, allerdings fehlen unter Umständen Apps, die ihr von Android-Smartphones kennt. Das liegt daran, weil der Google Play Store standardmäßig nicht auf Amazon-Tablets installiert ist.

Hier seht ihr eine Übersicht, welche Apps man in welchen Appstores findet:

App Amazon Appstore Google Play Store
WhatsApp X
Instagram
Facebook Messenger
Netflix
Amazon ✔ (vorinstalliert)
Amazon Prime ✔ (vorinstalliert)
Wish X
YouTube ✔ (Nur inoffizielle Apps)
YouTube Music ✔ (Nur inoffizielle Apps)
Tiktok
Spotify
eBay X
eBay Kleinanzeigen X
Google Maps X
Chrome X
Firefox X
VLC Media Player
Fehlende Apps könnt ihr manuell über APK-Dateien installieren oder ihr installiert euch den Google Play Store, wie wir im Folgenden zeigen.

6. Lässt sich der Google Play Store installieren?

Ja, allerdings verliert ihr dann die Garantie. Amazon sieht es nicht gerne, wenn Konkurrenz-Appstores auf ihren Geräten installiert werden und nennt das dann „unsachgemäßen Gebrauch“. In unserer Anleitung seht ihr trotzdem, wie man den Google Play Store auf Amazon-Fire-Tablets installiert.

7. Lassen sich vorinstallierte Apps deinstallieren?

Kommt drauf an: Vorinstallierte Apps wie Amazon Alexa, Amazon GameCircle, Amazon Kindle, Amazon Photos, Audible, FreeTime, Kalender, Kindle Shop, Silk-Browser und Spezialangebote lassen sich standardmäßig nicht über die Einstellungen deinstallieren.

Ab und an gibt es im Forum von xda-developers.com Anleitungen, wie man nicht benötigte Apps (Bloatware) auf Fire-HD-Tablets deinstalliert. Allerdings muss man dabei auf die installierte Betriebssystem-Version achten. Andernfalls kann man das Tablet zerstören. Auch sollte man wissen, was die Begriffe Root,  Softbrick und Hardbrick bedeuten.

Wir empfehlen insbesondere für Anfänger nicht, die vorinstallierten Apps zu entfernen. Eine sichere Variante ist, den Nova-Launcher zu installieren, der störende Apps ausblenden kann.

8. Kann man die Benutzeroberfläche durch die bekannte Android-Oberfläche von Smartphones ersetzen?

Ja. Am besten installiert ihr euch dazu den Nova-Launcher – entweder über die Webseite APKMirror als APK-Datei, oder ihr installiert zunächst den Google Play Store und sucht dort die Nova-Launcher-App. Wenn ihr die App startet, seht ihr die gewohnte Android-Oberfläche, die an Stock-Android erinnert.

Allerdings stellt das Fire-Tablet jedes Mal die vorinstallierte Ansicht wieder her, wenn ihr auf den Home-Button tippt. Das kann man aber verhindern, indem man die App Launcher Hijack V4 installiert. Sie kann festlegen, dass immer die Nova-Launcher-App ausgeführt wird, wenn ihr den Home-Button drückt. Bei unserem Versuch bekamen wir aber die Fehlermeldung „Accessibility Service Disabled“. Laut eines Kommentars auf der Entwickler-Seite kann man das Problem lösen. Hierfür ist aber weiteres Knowhow im Umgang mit ADB nötig. Alternativ muss man sonst immer auf die Nova-Launcher-App tippen, wenn wieder die originale Benutzeroberfläche des Fire-Tablets angezeigt wird.

9. Amazon Fire HD 10: Wie sehen die technischen Daten im Vergleich zum Vorgänger aus (9. vs. 7. Generation)?

Amazon Fire HD 10 (9. Gen.) Vorgänger-Modell (7. Gen.)
- Display -
10,1 Zoll (Full-HD)
1920 x 1200 Pixel
224 ppi Pixeldichte
10,1 Zoll (Full-HD)
1920 x 1200 Pixel
224 ppi Pixeldichte
- Prozessor -
Octacore mit 2,0 GHz
(Genaue Verteilung nicht genannt)
Mediathek Quadcore
2x 1,8 GHz + 2x 1,4 GHz
- Arbeitsspeicher -
2 GB  2 GB
- Interner Speicher -
32/64 GB
(6,6 GB durch Betriebssystem belegt)
 32/64 GB
(6,6 GB durch Betriebssystem belegt)
- microSD-Slot -
 ja  – max. 512 GB
(lässt sich nicht als interner Speicher formatieren)
  ja  – max. 256 GB
(lässt sich nicht als interner Speicher formatieren)
- Kameras -
Vorne: 2 MP
Hinten: 2 MP und 720p-Aufnahme
Vorne: 640 x 480 Pixel
Hinten: 2 MP
- Betriebssystem -
Fire OS 7.3.1.0
(Android 9.0 Pie)
(Android 7.0 Nougat)
- Akku -
bis zu 12 Stunden (gemischte Nutzung)
in ca. 4 Stunden aufgeladen (mit beigelegtem Netzteil)
bis zu 10 Stunden (gemischte Nutzung)
in ca. 5 Stunden aufgeladen (mit beigelegtem Netzteil)
- Konnektivität -
WLAN-ac (2,4 und 5 GHz)
Bluetooth
USB 2.0 (Typ-C-Anschluss)
3.5mm-Kopfhörer-Anschluss
Mikrofon integriert
KEIN GPS / KEINE SIM-Karten / KEIN 4G
WLAN-ac (2,4 und 5 GHz)
Bluetooth
USB 2.0 (Mikro-USB-Anschluss)
3.5mm-Kopfhörer-Anschluss
Mikrofon integriert
KEIN GPS / KEINE SIM-Karten / KEIN 4G
- Farben -
Schwarz, Dunkelblau, Weiß  Schwarz, Blau
- Maße & Gewicht -
262 mm x 159 mm x 9,8 mm
504 g
262 mm x 159 mm x 9,8 mm
500 g
- Preis (in Euro) -
149,99: 32 GB + Spezialangebote
164,99: 32 GB ohne Spezialangebote
189,99: 64 GB + Spezialangebote
204,99: 64 GB ohne Spezialangebote
149,99: 32 GB + Spezialangebote
164,99: 32 GB ohne Spezialangebote
189,99: 64 GB + Spezialangebote
204,99: 64 GB ohne Spezialangebote

Amazon Fire HD 10 (2019) im Test: Fazit

 

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
  • Display: 3/5
  • Performance: 4/5
  • Software: 3/5
  • Konnektivität und Speicher: 3/5
  • Akku und Alltag: 5/5

Ich habe selbst seit 2,5 Jahren privat das Amazon Fire HD 8 (6. Gen) aus dem Jahr 2016, das allerdings ruckelt, wenn man zu viele Apps nebenher nutzt. Das Fire HD 10 (9. Gen) bleibt hier schnell und zeigt flüssige Animationen. Das liegt vor allem daran, weil es mehr Arbeitsspeicher und auch einen schnelleren Prozessor hat. Nach unserer Einrichtung und den nötigen App-Installationen (siehe unten), sind im Betrieb durchschnittlich 1,3 von den 2 GB RAM belegt.

Die automatische Helligkeit regelte für meinen Geschmack immer etwas zu dunkel. Man kann sie aber in den Einstellungen deaktivieren und sie manuell einstellen. Die Kameras sind mit jeweils 2 Megapixel nichts Besonderes, genügen aber für Schnappschüsse.

Der Google Play Store lässt sich (mit Garantieverlust) nachträglich installieren, genauso wie WhatsApp. Standardmäßig sind auf dem Tablet alle Amazon-Dienste als App vorinstalliert, die man leider auch nicht ohne tieferes Root-Wissen entfernen kann. Wer die Benutzeroberfläche nicht mag, kann mit einigen Einschränkungen auch den Nova-Launcher nutzen, wodurch das Tablet eine klassische Android-Benutzeroberfläche bekommt und sich auch die vorinstallierten Apps ausblenden lassen.

Das Amazon Fire HD 10 (9. Gen) aus dem Jahr 2019 ist sehr gut geeignet, um im Internet zu surfen, Videos zu streamen, Hörbücher und Lieder anzuhören oder eBooks zu lesen. Ich kann das Tablet auch für Kinder empfehlen. Nicht zu anspruchsvolle Spiele laufen einwandfrei und den relativ breiten Rahmen des Tablets können kleine Kinderhände gut festhalten.

Fire HD 10 (2019, 9. Gen) bei Amazon*

Wer viel mit dem Tablet über das Internet streamt, benötigt nicht viel Speicherplatz. Wer allerdings Filme und Serien herunterlädt oder seine Musik- und Foto-Alben auf das Tablet kopiert, sollte über eine externe microSD-Karte nachdenken. Diese können leider nicht – wie mittlerweile unter Android üblich – als interner Speicher formatiert werden, allerdings können sich installierte Apps in der Regel auf die SD-Karte verschieben lassen.

Die Variante mit 32 GB sollte für die meisten genügen. Wer noch die „Spezialangebote“ dulden kann, zahlt rund 150 Euro – ein Preis, der in Ordnung ist. würde mehr als doppelt so viel kosten. Ein Upgrade vom Vorgängermodell Amazon Fire HD 10 (2017, 7. Gen) lohnt in unseren Augen nicht. Wer aber ein Tablet hat, das noch älter ist oder gar kein Tablet hat, der kann gerne zugreifen. Wer auf einfachem Wege eine Stock-Android-Oberfläche nutzen möchte, greift lieber zu einem Android-Tablet, das nicht von Amazon kommt. Im Lieferumfang findet ihr das Tablet, ein USB-2.0-Kabel (Typ C), ein 9-Watt-Ladegerät und eine Kurznleitung.

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