Blood & Truth im Test: Action-Kino zum Selberballern

Markus Grundmann

Blood & Truth ist ein mit viel Aufwand cineastisch inszeniertes Schießbudenfest, exklusiv für PSVR erschienen und wie nur wenige Titel auf Sonys VR-System angepasst. Ob das Gameplay auch langfristig überzeugen kann, klären wir im Test. Aber schon mal vorweg: Blood & Truth ist definitiv ein Grund, mal wieder die guten alten Move-Controller aus dem Schrank zu kramen.

Die Move-Controller, lange waren sie nicht mehr in Gebrauch. In meinem Fall lagen sie leider nicht hübsch aufgeräumt in einer Schublade, sondern zusammen mit dutzenden Kabeln, eingeknotet und verstaubt in einer Pappschachtel.

Aber es hat sich gelohnt, sie zu befreien, denn Blood & Truth sollte dringend mit diesen schon etwas in die Jahre gekommenen Eingabegeräten gespielt werden. Zwar funktioniert das Spiel grundsätzlich auch mit dem Dualshock-Controller, teilweise ist es damit sogar geringfügig leichter. Dafür nimmst du dir aber einen Haufen von der Immersion, die Blood & Truth bietet.

Blood & Truth – Launch Trailer | PS VR.

Aber allem Anfang wohnt ein Zauber inne, also der Reihe nach: Blood & Truth stammt von Sonys London-Studio und basiert lose auf The London Heist, einer kurzen Tech-Demo, die zum Start der PSVR-Brille auf der PSVR-Worlds-Compilation erschien. Du schlüpfst in die Rolle von Ryan Marks, einem ehemaligen Elitesoldaten, der aber gleichzeitig einer Familie angehört, die in der britischen Hauptstadt lange Zeit sehr erfolgreich ein nicht ganz lupenreines Unternehmen geleitet hat.

Der Familienpatriarch ist jetzt gestorben und ein konkurrierender Gangsterboss sieht deshalb die Gelegenheit, den Laden einfach zu übernehmen. „Seht es als eine Art Fusion“, sagt er in einer einleitenden Szene, meint damit aber die Übernahme des Syndikats durch schiere Waffengewalt.

Zuschauen und abknallen

Blood & Truth besteht aus mehreren Elementen, die sich im Verlauf des Spiels mehr oder minder abwechseln. Ein Verhör, bei dem du offenbar nach den Geschehnissen des Spiels von einem Geheimagent interviewt wirst. Hier kannst du nur zuhören. Daneben erzählen diverse Szenen die Geschichte der Familie Marks, wie sie versucht, sich gegen die feindliche Übernahme zu wehren und entsprechende Pläne besprechen.

Und schließlich kommen die unvermeidlichen Action-Szenen und die sind schließlich auch genau, was du willst. Du bewegst dich in selbigen allerdings nicht frei, sondern immer nur von Ort zu Ort, häufig kannst du noch nach links oder rechts ausweichen.

Das heißt aber: Wirklich frei bewegen kannst du dich nicht, jeder mögliche Punkt, an dem du dich befinden kannst, ist vorherbestimmt. Deshalb fühlt sich Blood & Truth schon so ein bisschen an wie eine Schießbude, kaschiert das aber glänzend mit seiner tollen Inszenierung. Immer, wenn es eintönig werden könnte, wechselt das Spiel in die nächste Szene – teilweise bist du dabei auch auf Fahrzeugen unterwegs, wodurch das Spiel tatsächlich endgültig zu einem Rail-Shooter gerät.

Selbstredend fühlst du dich dabei wie ein Superheld: Während deine Gegner reihenweise umkippen, läufst du durch den Kugelhagel und brauchst nicht mal ein Pflaster. Aber das ist okay, du bist schließlich ein Action-Held und warst mal Elitesoldat oder so. Ach, egal, Begründungen für solche Übermacht braucht eigentlich kein Mensch, Hauptsache es kracht.

Sehr gelungen ist die Implementierung der Move-Controller-Steuerung selbst bei Kleinigkeiten wie dem Nachladen der Waffe. Du drückst eben nicht einfach einen Knopf, sondern greifst zu einem Magazin an deiner Brust und musst es tatsächlich einigermaßen präzise in deine Knarre stecken. Das fühlt sich am Anfang noch etwas hakelig an, gelingt aber nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ziemlich problemlos und ohne hinzusehent – was dann wiederum zur Immersion beiträgt, weil sich das nämlich furchtbar cool anfühlt.

Einfach mal schnell nachladen, während du noch ballerst, ohne auch nur zu sehen, was du da machst. Gleiches gilt übrigens für das Ziehen der Waffen. Ein MG steckst du eher an dein Halfter am Rücken, eine Pistole an die Hüften, aber du musst sie immer von da holen und sie auch wieder da hinstecken.

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Ebenfalls nett: Die Move-Controller werden nicht nur zum Schießen eingesetzt. Immer wieder musst du auch Werkzeuge benutzen, also beispielsweise ein Schloss knacken oder ein Kabel durchschneiden. Oder du bringst im Hauptquartier einen neuen Schalldämpfer an deiner Knarre an und besprühst sie anschließend in deiner Lieblingsfarbe – all das funktioniert per Move-Controller. Und noch einmal: Es wäre eine Schande, das mit dem Dualshock zu machen, dafür ist das Spiel spürbar einfach nicht gemacht, wenn es diese Möglichkeit auch bietet.

Die Grenzen der Technik

Aber klar, die PSVR ist nicht gerade das High-End-Gerät unter den VR-Headsets auf dem Markt, die Move-Controller sind es schon gar nicht. Gerade beim Nachladen der Shotgun, kam es immer wieder zu Problemen, die Waffe sprang dann schon mal wild durch den virtuellen Raum. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass Blood & Truth so ziemlich das Beste ist, was sich in Sachen Performance aus der PSVR herausholen lässt. Es sieht wirklich gut aus und bleibt stets flüssig, was auch deshalb wichtig ist, damit dir hinter dem Headset nicht übel wird. Und Motion Sickness hat sich zumindest in meinem Fall nie eingestellt.

Blood & Truth fühlt sich letztlich wirklich an wie ein spielbarer Action-Film, mit einer durchaus interessanten Story und einem simplen, dafür aber sehr immersiven Gameplay. Mit fünf bis sechs Stunden ein langer Action-Film, wenn auch ein relativ kurzes Spiel. Dennoch: Ich kam nicht umhin, immer ein bisschen in mich hineingrinsen zu müssen, wenn ich zu meinem Magazin gegriffen habe, um die Waffe nachzuladen. Und wenn du Action magst, bin ich sicher, es wird dir auch so gehen.

Wird dir gefallen, wenn …
du auf eine simple, aber gute Geschichte stehst und gerne ein bisschen herumballerst ohne dabei allzu viel nachzudenken.

Wird dir nicht gefallen, wenn …
du spielerischen Tiefgang erwartest und Titel mit unter 30 Stunden Spielzeit erst gar nicht anrührst.

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