Code Vein: Blutdurstig zwischen Dark Souls und God Eater

Franziska Behner

Irgendwo zwischen Dark Souls und God Eater reiht sich das bockschwere Rollenspiel Code Vein von Bandai Namco ein und bringt frischen Wind in das Souls-Genre. Dabei vermischt es Rollenspiel-Elemente mit harten Kämpfen und einer blutigen Story. Wie uns das gefallen hat, könnt ihr hier nachlesen.

Kaum habe ich Code Vein gestartet, brüllt es mir regelrecht „God Eater!!!!“ entgegen, denn die Einflüsse des Anime-Gemetzels sind klar erkennbar. Kein Wunder, schließlich sind die Macher des God-Eater-Franchises an Code Vein von Bandai Namco beteiligt. Die Parallelen positiver Natur sind bereits im Charakter-Editor erkennbar. Hier kann ich wirklich alles ändern: Von der Farbe meiner Extensions bis hin zum Muster meines optionalen Gürtels.

Vampire brauchen Blut zum Überleben

Gefühlte drei Stunden später steht meine Kämpferin in den Startlöchern und die Reise beginnt. Als Wiedergänger, einer Art Sonnenlicht resistenter Vampir, dürstet es meiner Protagonistin nach Blut. Eine Ressource, die in der zerstörten Welt kaum noch zu finden ist. Wenn ihr jetzt denkt, es funktioniert so einfach wie in anderen Spielen – beispielsweise Vampyr – habt ihr euch geirrt. Die herrlich mit Blut gefüllten Menschen stehen leider nicht auf der Tageskarte. Dafür aber eine Art magische Pflanze, die Blutstropfen produzieren kann. Allerdings gibt es davon nicht besonders viele …

Die Geschichte von Code Vein wird hauptsächlich über die vertonten Zwischensequenzen erzählt, die deutlich nachvollziehbarer sind als in vielen Souls-Titeln. Wie auch schon in God Eater hat es der Hauptfigur allerdings dauerhaft die Sprache verschlagen. Aber sei es drum: Ich muss mich auf den Weg machen und eine Lösung suchen, damit Mensch und Wiedergänger ohne Kampf zusammenleben können. Also ziehe ich mit neuen Bekannten los und bestreite meine ersten Kämpfe.

Langsam und bedacht zuschlagen

Obwohl die Welt von Code Vein verhältnismäßig linear verläuft, finde ich immer wieder Abzweigungen, die mich zu Schatzkisten und versteckten Gegnern führen, die mir ganz schön einheizen. Souls-Erfahrene werden die ersten Stunden kaum mit der Wimper zucken, Neulinge des Genres haben hingegen ein wenig zu knabbern. Vor allem wenn ihr wie ich gerade aus einer längeren Session Monster Hunter Iceborne kommt, fühlt sich Code Vein verdammt langsam an.

Was für Dark Souls und Co. völlig normal und angemessen ist, bedeutete für mich eine Umgewöhnung. Da die ersten (Zwischen-)Gegner sich allerdings recht einfach besiegen ließen, haben sich meine Hände schnell an die bedachten Schläge gewöhnt. Gut so, denn der Schwierigkeitsgrad zieht mit der Zeit ordentlich an und hat mich immer wieder zu Boden geworfen. Hier heißt es nicht gedankenlos zuschlagen, sondern die Bewegungen der Gegner beobachten und kontern.

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Dafür stehen angehenden Vampiren verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Es gibt eine hohe Anzahl an Waffen und verschiedene Charakterklassen, die in Code Vein als Blutcodes bezeichnet werden. Außerdem darf ich mit Buffs und speziellen Attacken spielen, solange ich einen vollen Ichor-Balken habe. Doch diese Ressource ist schnell aufgebraucht und sollte nur gut durchdacht eingesetzt werden. Man erhält sie lediglich durch den Blood Veil, eine Art blutsaugenden Angriff auf Feinde.

(Zu) gute KI-Helfer

Das Besondere am Kampfsystem in Code Vein sind gleich zwei Dinge, die miteinander verknüpft sind und viel Variation in das Spiel bringen. Zum einen ist das die Ausrüstung, die unter dem Begriff Blutschleier zusammengefasst werden kann. Welche Blood Veil ich damit einsetze und wie ich dabei den meisten Gewinn mache, hängt vom eigenen Spielstil und der Ausrüstung ab. Dazu kommt der Blutcode, der das Moveset ebenfalls ändern wird. Ihr könnt euren Blutcode jederzeit wechseln und beispielsweise vom flinken Jäger zu einem Schwert schwingenden Tank werden oder komplett auf Magie setzen, ohne in den Nahkampf zu gehen.

Wie gut kennst du dich aus?

Dadurch ergeben sich auch immer wieder neue Koop-Angriffe mit dem KI-Begleiter, der in einer Online-Session auch von einem echten Spieler übernommen werden kann. Obwohl es diesen Online-Multiplayer gibt, steht ein Couch-Koop-Modus nicht zur Verfügung. Dabei wäre das Begleiter-System prädestiniert dafür, um an einem Nachmittag einfach mal bei einem Freund mit hineinzuspringen.

Glücklicherweise sind die computergesteuerten Partner ziemlich hilfreich und nur selten strohdoof. Vor allem für Anfänger des Genres eine echte Hilfe! Jeder von ihnen hat sein eigenes Moveset und es gibt immer jemanden, der den eigenen Spielstil perfekt unterstützt. Gerade für Souls-erfahrene Spieler könnte dieses Feature zu viel sein, denn die Kämpfe sind dadurch stellenweise verhältnismäßig einfach.

Inzwischen gibt es auch schon eine Demo.

Code Vein - The Revenants Demo Trailer.

Schöne Monster in einer tristen Welt

Ihr habt es sicher schon gemerkt – das Kampfsystem in Code Vein ist umfangreich. Auf dem Papier klingt das alles ziemlich schwierig, geht beim Spielen aber überraschend leicht von der Hand. Blutschleier, Blood Veil, Blutcode und KI-Partner ergeben nach und nach eine Symbiose, die den Monstern ziemlich einheizen. Da bin ich auch direkt beim Stichwort: Kreaturen in Code Vein. Ob menschenähnlich oder bis in den Himmel ragend: Sie sind alle interessant anzusehen und im Spielverlauf je nach Genre-Erfahrung teilweise eine anspruchsvolle Herausforderung. Im Gegensatz zu der trüben und tristen Umgebung sind sie echte Augenweiden zwischen kaputten Häusern, dem Untergrund und in leergefegten Straßen.

Mein Fazit

Ach Code Vein – bei unserem ersten Treffen habe ich dich mit deinen niedlichen Kulleraugen und dem Vampir-Thema ordentlich unterschätzt. Die Kämpfe sind stellenweise recht einfach - bis mich eine bösartige Kreatur dann doch wieder auf den Boden der Tatsachen geworfen hat.  Mit dem passenden KI-Begleiter ging das dann schon leichter. Manchmal sogar so sehr, dass ich fast nur noch zugesehen habe. Fast!

Obwohl sich das Gameplay selbst nicht allzu stark von Genre-Kollegen unterscheidet, empfinde ich das Zusammenspiel aus Blutschleier, Blutcode und Co. als erfrischend. Vor allem, weil sich dadurch so viele Möglichkeiten bieten, die ich bei Nichtgefallen einfach wieder ändern kann.

Obwohl eine zerstörte Stadt gut zum Szenario passt, hätte ich mir für das Rollenspiel mit Anime-Einschlag ein bisschen mehr optische Abwechslung gewünscht. Mit dem Vampir-Thema schmeißt uns Bandai Namco doch in eine Fantasy-Welt – wieso ist sie dann nicht so erfrischend wie das Thema selbst?

Wird euch gefallen, wenn … ihr ein Fan von Souls-Spielen seit und nach frischem Wind sucht.

Wird euch nicht gefallen, wenn … ihr ein klassisches Rollenspiel mit umfangreichem Skill-Baum sucht, das einfach zu schaffen ist.

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