Concrete Genie im Test: Was wäre, wenn eure Kunst das Leben erhellt?

Franziska Behner

Euer Leben könnte etwas Farbe gebrauchen? Dann ist Concrete Genie genau das Richtige für euch. Lasst euch von dem PlayStation exklusiven Titel in eine andere Welt verzaubern und erlebt die Geschichte eines Jungen, der in einer Welt voller Dunkelheit, Tristesse und Mobbing leben muss, bis er auf farbenfrohe Magie trifft.

Die kleine Hafenstadt Denska ist schmutzig, grau und verlassen. Ein Ort, den die meisten Menschen meiden. Der Bitten seiner Mutter zum Trotz, begibt sich der junge Künstler Ash trotzdem oft an die Promenade und lässt seiner kreativen Ader freien Lauf. In seinem Notizheft sammelt er zahlreiche Bilder der Stadt, von lustigen Monstern und allem, was ihm so einfällt. Es ist sein kleiner Schatz – der von Straßenrüpeln geklaut und in Einzelteile zerrissen wird, während sie sich über ihn lustig machen. Sie sperren Ash in die Bahn, die zum alten Leuchtturm fährt, in dem es angeblich spuken soll. Gruselig? Von wegen!

Anstatt böser Geister trifft der junge Künstler dort auf Luna, eine zum Leben erwachte Gestalt aus seiner Fantasie. Mit Lunas Hilfe und einem magischen Pinsel kann Ash seine Kunstwerke nun wahrhaftig erschaffen. Das probiert der Teenager natürlich direkt aus und spendiert den Wänden des Leuchtturms, die in den letzten Jahren trist und grau wurden, etwas Farbe. Dazu schlagt ihr die Überreste von Ashs Notizbuch auf und sucht euch eines der vorgefertigten Motive aus. Mithilfe des PlayStation 4-Controllers und dem Lagesinn führt ihr den Pinsel über die Wand. Je nachdem, wie ihr ihn bewegt, wird das ausgewählte Designobjekt an die Wand gebracht.

Ziel ist es, eine erloschene Lichterkette wieder zu erhellen. Jedes einzelne Lämpchen fängt wieder an zu leuchten, wenn ihr darunter eine von Ashs strahlenden Kunstwerken setzt. Wählt zum Beispiel eine Wiese aus oder knallig rote Blumen. Mögt ihr es lieber nautisch, können auch Unterwasserwelten gezaubert werden. Am Anfang ist die Auswahl noch stark eingeschränkt, doch im Laufe des Spiels stoßt ihr immer wieder auf einzelne Seiten aus seinem Notizbuch, die durch die ganze Stadt geweht wurden. Mit jedem Blatt Papier gibt es ein neues Element zum Zeichnen.

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Malt euch eure Freunde einfach selbst

Zurück in Denska ist die Aufgabe für Ash klar: Er will die Stadt mithilfe seines magischen Pinsels von der Dunkelheit befreien. Damit das genauso klappt wie am Leuchtturm, müssen alle Lichterketten leuchten. Doch an manchen Stellen sind die Wände mit einem violett leuchtenden Substanz überzogen, gegen die auch Ash nicht ankommt. Zum Glück ist der Teenager nicht allein, denn mithilfe seiner Fantasie kann er sich hilfreiche Freunde einfach zeichnen. Die so genannten Dschinns erscheinen in verschiedenen Abschnitten der Welt und bieten euch die Möglichkeit, selbst etwas kreativ zu werden. Ihr sucht euch im Notizbuch eine Grundform für den Dschinn aus und spendiert ihm einen individuellen Look mit Accessoires aus dem Sammelwerk von Ash. Je mehr Seiten ihr findet, desto mehr Auswahl gibt es bei der Gestaltung. Dabei liegt es an euch, die einzelnen Elemente größer, kleiner oder verdreht zu zeichnen, ehe der Dschinn zum Leben erwacht. Auch dafür nutzt ihr wieder den Controller und bewegt ihn vor euch hin und her.

Die freundlichen Monster können sich nur über die Wände bewegen und haben wie ein Tamagochi gewisse Bedürfnisse. Für den kleinen Hunger zwischendurch hätten sie gern einen gemalten Apfel – den sie dann genüsslich verspeisen. Manchmal wünschen sie sich auch eine bestimmte Kunst um sich herum: Sonnen, Blumen oder sogar ein riesiger Baum mit einem Feuer daneben. Stellt ihr eure neuen Freunde zufrieden, versorgen sie euren Pinsel mit Superfarbe. Mit dieser wertvollen Ressource lassen sich auch die mit violetter Substanz beklebten Wände übermalen. Schritt für Schritt kommt Ash so seinem Ziel näher, Denksa wieder zum Leben zu erwecken.

Da Concrete Genie sich hauptsächlich auf das Erschaffen von Kunstwerken konzentriert, sind die anderen Gameplay-Aspekte eher seicht. Kämpfe gibt es zunächst nicht – trefft ihr auf eure Mobber, so wird Ash anfangs einfach nur in eine Mülltonne gestopft. Später kann und muss er mehr gegen sie ausrichten – das ist jedoch nicht besonders schwer. Weglaufen ist vor allem am Anfang meist die beste Strategie. Da Ash sehr gut klettern kann, werdet ihr immer wieder neue Wege finden. Solltet ihr an einer Sackgasse ankommen, begebt euch am besten in die Nähe eines Dschinns – sie haben spezielle Fähigkeiten, die euch beim Weiterkommen helfen. So öffnen sie euch Tore, indem sie beispielsweise Gegenstände zerstören, die ihr selbst nicht bewegen könnt.

Mein Fazit:

Concrete Genie hat mir in den ersten Minuten, vor allem während des Tutorials, den letzten Nerv geraubt. Mit dem Controller den auf dem Bildschirm markierten Punkt treffen war mir nahezu unmöglich. Doch gerade, als ich genug hatte, durfte ich ein richtiges Bild malen. Und das ist zum Glück viel einfacher, als gedacht. Da die Bilder bereits vorgegeben sind und ich nur noch die Richtung und dem Umfang mit meiner Bewegung steuere, hat das Bemalen der Wände wahnsinnig viel Freude bereitet. Ich liebe es, dass alle Kunstwerke lebendig sind! Das Feuer flackert, die Schmetterlinke fliegen umher und das Wasser schwankt.

Zunächst hatte ich Sorge, dass mich Concrete Genie ähnlich wie Sea of Solitude psychisch stark mitnehmen würde und eine ähnlich dramatische Stimmung hervorruft. Doch durch die strahlenden Bilder und stetige Erfolgserlebnisse hatte ich einfach großen Spaß, die tote Stadt wieder lebendig zu machen. Obwohl das Stimmungsbild mit der Zeit umschlägt, behält das Spiel seinen Charme. Concrete Genie ist einfach ein Kunstwerk!

Werdet ihr mögen, wenn ihr euch künstlerisch ausleben und liebevolle Monster wie ein Tamagochi umsorgen wollt.

Werdet ihr nicht mögen, wenn ihr exakte Steuerung und knifflige Kämpfe in einem Spiel erwartet, wo die Kunst nur eine Nebenrolle spielt.

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