GRID im Test: Der Feind in meinem Heck

Olaf Bleich

Schrammen, Blechschäden und durchdrehende Reifen: Mit GRID geben die Rennspielexperten von Codemasters Vollgas und bringen das Fahrgefühl des über zehn Jahre alten Klassikers Race Driver: Grid ins Jahr 2019. Schafft es die Neuinterpretation durch den Spielspaß-TÜV?

Keine Zeit zu Lesen? Wir sagen euch, ob GRID eure Reifen zum qualmen bringen würde:

GRID wird euch gefallen, wenn ihr auf der Autobahn gerne auf der Überholspur unterwegs seid und nichts gegen Lackschäden habt.
GRID wird euch nicht gefallen, wenn ihr von einem Rennspiel vor allem eine offene Spielwelt und umfangreiche Multiplayer-Modi erwartet.

Die Sonne steht tief über dem Stadtkurs von San Francisco. An der Startlinie heulen die Motoren der Autos auf. Der Start erfolgt und ich trete das Gaspedal meines Muscle-Cars durch. Ich fahre meinem Vordermann dicht auf und schon vor der ersten Kurve setzt es die ersten saftigen Rempler der Konkurrenz in die Seite meines Fahrzeugs.
Kein Problem! Zahle ich es den Verkehrssündern einfach mit barer Münze heim. Nach einigen Zusammenstößen knarzt es durch den Boxenfunk: „Du hast dir gerade keine Freunde gemacht!“ Und das soll ich auch sogleich spüren. Mit GRID fährt Entwickler Codemasters im Windschatten des 2008 veröffentlichten Race Driver: GRID und verspricht vor allem eins: ungezügelten Fahrspaß und beinharte Positionskämpfe. Denn hier schlagen Computer-Piloten effektiv zurück und schickten mich in den unzähligen Rennen mehr als ein Mal mit einem saftigen Schubser ins Kiesbett. Und das sieht dann in etwa so aus (+ tolle Musik):
GRID: Get Your Heart Racing.

Für jeden etwas

Das Wichtigste vorweg: GRID bietet Fahrspaß für jeden Anspruch. Dank vielfältiger Einstellungsmöglichkeiten mäandert das Spielerlebnis nämlich zwischen flottem Arcade-Racer und kniffeliger Simulation. Gerade die Regenrennen sind hier ein Indiz für die Spieltiefe, die auch in GRID steckt. Im Standard-Schwierigkeitsgrad ist der Regen eher ein grafischer Gag und beeinflusst nur leicht Bremswege und Lenkung. Auf den höheren Stufen dagegen werden nasse Straßen zur Rutschbahn.

Das Fahrgefühl ist der Star in GRID. Und so werdet ihr euch dank der direkten Steuerung und dem guten Feedback sofort zurecht finden. Die Kursauswahl gestaltet sich mit 92 Strecken bei einem Dutzend Locations durchaus umfangreich, auch wenn Codemasters hier natürlich Variationen der verschiedenen Kurse hineinmogelt. Trotzdem: Strecken-Layout und Vielfalt haben es in sich.

Gleiches gilt im übrigen für die Gegner-KI. Zum einen leisten sich die Computer-Piloten gelegentliche Fahrfehler und kommen etwa von der Strecke ab und bauen Unfälle. Auch der berüchtigte „Gummibandeffekt“ hält sich in diesem Fall in Grenzen. Als extrem spaßig entpuppt sich das Widersacher-System. Rammt ihr einen Fahrer zu oft oder agiert ihm gegenüber zu aggressiv, wird er zu eurem Kontrahenten. Das bedeutet: Bei der nächsten Gelegenheit attackiert er euch ebenfalls.

Das wiederum sorgt für spannende Momente und gerade im Kampf um die Führungsplätze für ungeheure Intensität. Frust kommt aufgrund der weiterhin integrierten Rückspul-Funktion nur selten auf. Stattdessen macht das Gegnerverhalten die Computer-Piloten geradezu menschlich und verleiht ihnen Charakter.

Keine Open-World, aber ordentlicher Umfang

Im Gegensatz zu anderen aktuellen Rennspielen wie Forza Horizon 3 zeigt sich GRID als Quasi-Remake von Codemasters Rennspielliebling in Sachen Optionsfülle geradezu klassisch. Hier erwartet dich also keine offene Spielwelt wie in Need for Speed: Heat oder The Crew 2, stattdessen besteht die Karriere aus einer Vielzahl an Cups unterteilt in die Klassen Tourenwagen, Stock Cars, Tuner, GT, Fernando Alonsos Formula J und Einladungsveranstaltungen. Jede Klasse besitzt als Finale noch einmal einen World-Series-Cup, den ihr aber erst durch das Abschließen aller vorheriger Events der jeweilige Klasse freischaltet.

Mit satten 104 Events, die auch noch aus gleich mehreren Wettbewerben bestehen, ist also für einen guten Umfang gesorgt. Als Motivation dient in diesem Fall zum einen das Perfektionieren der eigenen Fahrkünste, zum anderen aber auch der Ausbau des eigenen Fuhrparks. Natürlich variieren Autos nicht nur in ihrer Leistung, sondern auch in ihren Fahreigenschaften. Bereits bei den Muscle Cars der Stock-Car-Serie stellte ich fest, dass ich mit dem schweren Chevrolet Camaro SSX Concept nicht zurechtkam und stieg  auf den wendigeren Ford Mustang Mach 1 Modified um. Die Auswahl an verschiedenen Fahrzeugen – von Minis und Open-Wheelern bis zum Truck – überzeugt, auch wenn sich andere Rennspiele mehr Verrücktheiten leisten.

Der Multiplayer-Modus war zum Testzeitpunkt leider nur selten testbar, lief aber in den wenigen Sessions, in denen ich Spieler finden konnte, stets flüssig. Hier geht Codemasters auf Nummer sicher und bietet freie Events sowie private Sessions an. Das wirkt auf den ersten Blick etwas wenig. Ich hoffe, hier fügt man in den kommenden Monaten noch weitere Optionen wie Herausforderungen oder Ligen hinzu.

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Mein Test-Fazit zu GRID

Spiel starten, den virtuellen Gang einlegen und Spaß haben: GRID verbindet eine zeitgemäße Technik mit flotter Freude am Fahren und gelungenem Renngefühl. Dass das Spiel auf eine offene Welt, komplexe Karrieren oder andere Modeerscheinungen verzichtet, fühlt sich ungewohnt frisch und unverbraucht an. GRID konzentriert sich stattdessen stark auf das Geschehen auf der Strecke und fährt damit goldrichtig. GRID erscheint am 11. Oktober 2019 für PS4, Xbox One und PC.

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