MediEvil im Test: Sympathisch angestaubter Klappermann

Olaf Bleich

Böse Zauberer, ein tollpatschiger Held und zweite Chancen: Die PS4-Neuauflage MediEvil versprüht den Charme des 1998 veröffentlichten Originals. Wieso das aber auch Probleme mit sich bringt, erfahrt ihr im Test des kultigen Geschicklichkeitsspiels.

In der Geschichte der Video- und Computerspiele gibt es immer wieder Zeiten, in denen bestimmte Genres ganz besonders boomen. Mit der Weiterentwicklung der Gaming-Hardware Mitte der Neunziger schafften auch Geschicklichkeitsspiele und Jump’n’Runs den Sprung ins 3D-Zeitalter. Donkey Kong 64, Crash Bandicoot und natürlich Super Mario 64 gehören zu deren prominentesten Vertretern.

MediEvil - Der Story Trailer zum Remake.

Playstation-Besitzer wie ich erinnern sich noch mit Wohlwollen an den Hüpf-Klassiker MediEvil zurück. Das 1998 von SCE Cambridge Studio entwickelte Spiel erlangte seiner Zeit Kultstatus und erfährt am 25. Oktober 2019 eine Neuauflage – natürlich exklusiv für die Playstation 4. Und zumindest in einer Sache enttäuscht mich das Remake nicht: der Humor und der Charme des Originals bleiben erhalten und funktionieren auch 21 Jahre nach Erscheinen noch ausgezeichnet.

Auch im Jahr 2019 noch einfach liebenswert

MediEvil wurde seiner Zeit durch Tim Burtons Nightmare Before Christmas und Capcoms Ghosts ’n Goblins inspiriert. Ihr kontrolliert Sir Daniel Fortesque – oder besser gesagt das, was von ihm übrig blieb. Vor 100 Jahren kämpfte der wackere Ritter nämlich gegen die Armeen des bösen Zauberers Zarok und fiel in der Schlacht. Wieso das wichtig ist? In Erzählungen feiern ihn die Dorfbewohner als Helden. In Wirklichkeit aber ging Sir Dan schon in den ersten Minuten des Kampfes drauf.

Zu Beginn des Spiels kehrt Zarok zurück und beschwört Monster, Zombies und auch Sir Dan mit einem Fluch herauf. Der tollpatschige Ritter erhält also eine zweite Chance und muss nicht nur Zarok stoppen, sondern seinen Ruf bei den Geistern im Saal der Helden wieder herstellen. MediEvil glänzt auch in der Neuauflage mit seinem herrlich schrägen Humor und dem trottelig-liebenswerten Helden. Wer Sir Dan mit seinem viel zu kleinen Kopf, den großen Glubschern und dem hampeligen Gang nicht liebt, hat schlicht kein Herz.

In Ehren ergraut

Die Neuauflage hält sich zwar grundsätzlich an den Grafikstil, erweitert den 21 Jahre alten Klassiker aber natürlich um zusätzliche Details und Funktionen. Beispielsweise dreht ihr nun die Kamera und erfreut euch an deutlich detailreicheren Levels mitsamt hübscher Hintergründe. Trotzdem: MediEvil sieht für ein Spiel des Jahres 2019 allerhöchstens „ordentlich“ aus und so fallen immer wieder kleinere Grafikfehler oder die etwas holprigen Animationen auf.

Bilderstrecke starten(10 Bilder)
Diese 9 PS1-Klassiker sollten definitiv eine Remastered-Version bekommen

Im Spiel arbeitet ihr euch durch eine lineare Abfolge von mehr als zwanzig Levels. MediEvil lässt bei der Wahl der Schauplätze kein Grusel-Klischee aus und so erforscht ihr Friedhöfe, verwunschene Bauernhöfe oder dunkle Wälder. Wie viele Vertreter dieser Zeit vermischt auch MediEvil Geschicklichkeitspassagen mit kleineren Rätseln und Kämpfen. Das Spiel ist gerade in den höheren Stufen durchaus fordernd und das liegt nicht zuletzt an der weiterhin zu unpräzisen Steuerung und dem ungenügenden Treffer-Feedback.

Deutlich besser gefällt da das Leveldesign. In MediEvil löst ihr kleinere Aufgaben, sammelt Runen oder schaltet durch das Füllen des Helden-Kelches neue Waffen und Fähigkeiten frei. Boss-Kämpfe wie etwa zu Beginn gegen einen fliegenden Glas-Dämon runden das Abenteuer ab. Vergleichen mit aktuellen 3D-Abenteuer hält MediEvil zweifellos nicht mehr stand. Dafür mangelt es einfach an Präzision und auch die Technik erweist sich – gerade für eine Neuauflage – als nicht aufwendig genug, um Titeln wie Super Mario Odyssey oder auch Yooka Laylee die Stirn zu bieten.

Mein Test-Fazit zu MediEvil

Ganz taufrisch ist auch die Neuauflage zweifellos nicht. Gerade die Kämpfe sind weiterhin einen Hauch zu wild und die Übersicht leidet unter teils verqueren Perspektivwechseln. Und wenn ich den Nostalgie-Charme mal beiseite schiebe, dann ist MediEvil ein launiges, aber sicherlich nicht herausragendes Geschicklichkeitsspiel. Kurzum: PlayStation-Fans der ersten Stunde dürfen einen Trip in die Vergangenheit wagen, alle anderen sollten sich überlegen, ob sie bei der aktuellen Konkurrenz nicht besser aufgehoben sind.

Wird dir gefallen, wenn ihr ein Herz für die erste Playstation mitbringt und noch einmal in der Zeit zurückreisen möchtet.

Wird dir nicht gefallen, wenn ihr Hochglanz-Optik und ein perfektes Kampfsystem erwartet.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

* Werbung