NBA 2K20: Alte Stärke auf dem Platz, alte Schwächen daneben

Jens-Magnus Krause

Exzellente Grafik und realistisches Gameplay auf der einen, krasses Grinding und omnipräsente Mikrotransaktionen auf der anderen Seite: das zeichnete den Vorgänger der Basketball-Simulation aus. Macht NBA 2K20 alles besser? Das checkt der Test für dich.

Auf der einen Seite gibt es Fehler, die man kein zweites Mal macht. Gerade auch in Videospielen. Und auf der anderen Seite gibt es Entwickler Visual Concepts und NBA 2K20. Hagelte es für den Vorgänger aufgrund von stetig präsenter Mikrotransaktionen-Werbung bereits massenhaft Kritik, setzt man jetzt noch einen drauf.

Auch in der Nachbarschaft wird gedribbelt und geworfen.

NBA 2K20 - Die nächste Nachbarschaft.

Zum Beispiel im Mein-Team-Modus, in dem du dir mit virtuellen Sammelkarten immer bessere Basketballspieler in deine Mannschaft holst. Denn dieses Mal bestimmt nicht nur der vom Glück abhängige Inhalt deiner Kartenpackungen über den Erhalt besserer Spieler. Nein, jetzt entscheiden auch ein virtuelles Glücksrad oder gar Spielautomaten über manche deiner Belohnungen. Das ist einfach nur frech und die Fans haben sich bereits vor der Veröffentlichung des Titels auf Steam darüber massiv beschwert.

Spieler-Erstellung bis ins kleinste Detail

Natürlich musst du wissen, dass du an keiner Stelle echtes Geld ausgeben musst. Wenn du aber möchtest, kannst du für umgerechnet 45 Euro deinen Charakter sofort von Level 65 auf 85 heben. Alle anderen merken aber immerhin, dass man im Vergleich zum Vorgänger jetzt ohne zu zahlen insgesamt deutlich schneller auf ein hohes Level kommt – der Entwickler hat das Grinden zurückgefahren.

Deine Karriere startet damit, dass du dir einen virtuellen Basketballspieler erstellst. Du kannst ihm dank einer App dein Gesicht verpassen und seine Fähigkeitenpunkte erstmals völlig frei auf Säulen (Korbleger, 3-Punkte-Würfe, Rebounds und so weiter) verteilen. Und direkt im Anschluss auf dem Parkett testen.

Das alles fühlt sich schlüssig an, weil du genau den Spieler erstellen und verbessern kannst, der deinem Vorbild am nächsten kommt. Wer es genau nimmt, kann seinem Spieler auch Animationen bekannter Stars zuweisen. So zu dribbeln wie Superstar Steph Curry ist dann nur noch reine Formsache.

Ein Story-Modus mit Licht und Schatten

Die eigentliche Karriere startet dann mit einem Story-Modus. Was dieser wirklich gut macht: er ist abwechslungsreich. Du startest in einem College-Team, nimmst am NBA Draft Combine, dem Event für talentierte College-Spieler, teil und beweist dich dort in Mini-Spielchen wie Gewichtheben oder Treffgenauigkeit. Danach winkt der NBA Draft. Auf deinem Weg verbesserst du stetig das Können deines Spielers und triffst bekannte Persönlichkeiten wie LeBron James oder Sneaker-Designer Jerry Lorenzo.

So das Gameplay von NBA 2K20 aus.

NBA 2K20 - Next is Now (Gameplay Trailer).

Was der Modus schlecht macht: es gibt nichts, was du nicht schon aus anderen Sportspielen kennst. Ja, du entscheidest dich für einen Sponsor oder wählst nach Fragen deines Beraters zwischen Antwortmöglichkeiten aus, die deinen Karriereweg jedoch nie entscheidend beeinflussen. Dazu kommt eine zu gewollte Handlung, die dich nie fesselt. Hier ist der Humor schlichtweg nicht lustig, dort ist das Drama zu klischeehaft. Nach ungefähr sechs Stunden siehst du den Abspann und dann beginnt deine erste NBA-Saison.

Neben dem Mein-Karriere- und dem Mein-Team-Modus kannst du dich natürlich auch wieder als General Manager um ein NBA-Franchise kümmern. Heißeste Neuerung: die neuen Aktionspunkte. Von denen hast du pro Tag nur eine begrenzte Anzahl zur Verfügung. Du musst also entscheiden, ob es gerade wichtiger ist, mit einem Spieler zu verhandeln oder das anstehende Match selber zu spielen.

Das Beste, was das Spiel zu bieten hat

NBA 2K20 ist immer dann überzeugend, wenn es tatsächlich um Basketball geht. Und das beginnt schon bei authentischen TV-Einblendungen, realistischen Lichteffekten in den voll besetzten Original-Spielstätten und den lautstarken Reaktionen des Publikums. Ich kann es nur bestätigen: Es fühlt sich wie ein Besuch eines NBA-Spiels in den USA an.

Auch spielerisch ist NBA 2K20 nach wie vor das Maß aller Dinge. Pässe, Dribblings, Dunkings und Rebounds gehen leicht von der Hand. Einsteiger lernen im interaktiven Tutorial alle Feinheiten, Profis fällt die veränderte Sprint-Funktion auf. Denn beim Sprinten verlierst du deutlich schneller an Ausdauer, ein gezielter und taktisch kluger Einsatz von Sprints bereichert den Spielablauf und steigert die Dramatik.

Außerdem steuern sich große, schwere Spieler nun schwerfälliger im Vergleich zu den Kleineren und die KI-Mitspieler agieren in der Offensive und Defensive selbstständiger, reißen also Lücken in die Verteidigung oder stopfen sie gekonnt.

Fazit

NBA 2K20 ist optisch, spielerisch, atmosphärisch und vom Umfang her eine vollumfängliche Meisterleistung. Die Entwickler haben viele Problemzonen des Vorgängers sinnvoll verbessert oder ganz erneuert. Das trifft auf das Gameplay und viele Spielmodi zu. Das Fundament bröckelt jedoch aufgrund der Schwächen des Karriere-Modus, der Steigerung der Glückskomponenten im Mein-Team-Modus und der stetig präsenten Mikrotransaktionen.

Wird dir gefallen, wenn du ein Basketballfan bist oder Sportspiel-Simulationen im Allgemeinen gut findest.

Wird dir nicht gefallen, wenn du ein Arcade-Spiel wie „NBA Street“ oder „NBA Jam“ geliebt hast.

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