OnePlus 7 Pro im Test: Die Kraft der 90 Her(t)zen

Frank Ritter

Es ist groß, es ist schnell und nun endlich durchgetestet: Das OnePlus 7 Pro macht einiges anders als die Vorgänger. Aber geht das Konzept auf? Lest es in unserem Testbericht.

OnePlus 7 Pro im Hands-On: Das Ultra-Premium-Smartphone.

OnePlus 7 Pro: Anders als die Vorgänger

Die Größe des OnePlus 7 Pro ist beachtlich. Das Telefon ist nicht nur das flächen- und gewichtsmäßig größte, das OnePlus je auf den Markt gebracht hat, auch im Vergleich mit den Flaggschiffen anderer Hersteller hinterlässt es einen tiefen Fußabdruck im Torf. 200 Gramm macht schon einen ordentlichen Kaventsmann aus, auch wenn das OP7 Pro nicht ganz auf dem Niveau der Sony-Ultrapremiumklasse liegt.

Das ist auch schon der erste Pferdefuß: Die Größe muss man mögen oder zumindest ertragen können. Für jemanden, der sein Telefon zuverlässig einhändig bedienen will und der keine allzu große Wölbung in der Hosentasche haben möchte, ist das OnePus 7 Pro nichts, da gibt es kein Vertun. Also, Verfechter der Smartphone-Kompaktklasse, ihr könnt hier eigentlich aufhören zu lesen. Vielleicht kann ich euch aber auch überzeugen, denn trotz anfänglicher Skepsis konnte ich mich schnell mit der Üppigkeit des OnePlus 7 Pro arrangieren. Warum? Weil deren Vorteile die Nachteile überwiegen.

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Highlight Nummer 1: Das Display

Der größte Vorteil ist das gigantisch-große, aber auch gigantisch-geile Display. Herrschaftszeiten, dieses Display. OnePlus nennt das Panel Fluid OLED, und das ist natürlich Marketingquatsch. Eigentlich handelt es sich aber um ein AMOLED-Panel aus der Fertigung von Samsungs Displayabteilung. Dieses hat es in sich, denn es hat nicht nur keine Kerbe und kein Loch (Halleluja!), es ist auch auf dem Stand der Technik und kann in Sachen Schärfe, Helligkeit, Kontrast und Farbintensität mit dem Galaxy S10 und dem iPhone XR mithalten. Das OnePlus 7 Pro besitzt eine hohe Bildwiederholfrequenz von 90 Hz. Das bedeutet, dass das OnePlus 7 Pro 90 Einzelbilder in der Sekunde wiedergibt. Diesen Unterschied merkt man. Zur Einordnung: Fast alle Smartphones haben 60 Hz. Noch – denn die 120-Hz-Geräte scharren schon mit den Hufen.

Kleiner Exkurs: Ich habe in den letzten Jahren, sowohl in Artikeln und Videos auf GIGA.DE, als auch in direkten Gesprächen mit Vertretern der großen Handyhersteller oft postuliert, dass das Knacken der 60-Hz-Grenze für mich der nächste und essentielle Technologiesprung im Handy-Markt ist und das jetzt doch bitte mal endlich passieren darf. Auch wenn einige weniger verbreitete Handys und das iPad Pro bereits Displays mit 90 oder 120 Hz besitzen, hat die Technik noch keine Breitenwirkung erlangt. Das ist schade, aber ändert sich jetzt hoffentlich. Ich bin jedenfalls ein dankbarer Abnehmer für diesen Technologiesprung.

Um den Vorteil von 90 Hz zu erkennen, muss man das OnePlus 7 Pro nur kurz benutzen. Animationen im Betriebssystem haben eine erhöhte „Flüssigkeit“, selbst im Vergleich zu anderen gut ausgestatteten Geräten wie dem Samsung Galaxy S10 oder dem Huawei P30 Pro. Das liegt nicht nur daran, dass 50 % mehr Zwischenbilder berechnet werden, sondern auch an dem verringerten Input Lag. Soll heißen: Eine Eingabe auf dem Bildschirm, zum Beispiel ein Fingerstreich, wird unmittelbarer umgesetzt, also mit einigen Millisekunden weniger Verzögerung. Das merkt man.

Selbst die nicht unperformanten Smartphones Galaxy S10 und OnePlus 6T wirken nach der Nutzung des OnePlus 7 Pro schon in kleinsten Animationen wie dem Öffnen der Benachrichtigungsleiste oder des App-Drawers plötzlich so ruckelig wie nie zuvor. Ich kann also mit Fug und Recht sagen, dass mich das OnePlus 7 Pro für andere Geräte „verdorben“ hat. Schade ist, dass die 90 Hz in einigen Apps nicht aktiv sind und dass das OnePlus 7 noch keine variable Bildwiederholfrequenz besitzt – ersteres kann man per ADB-Hackerei nachrüsten, letzteres soll mit einem Update geliefert werden.

Freilich, 90 Hz sind keine 120 Hz, es ist also noch Luft nach oben. Die immerhin-höher-als-normal-Bildwiederholrate, gepaart mit OLED-Vorteilen, der HDR+-Unterstützung, der hohen Auflösung und Pixeldichte und dem völligen Verzicht auf Notches, Löcher oder vergleichbare Spaßbremsen machen aus diesem Bildschirm den besten, den man derzeit auf einem Smartphone bekommen kann. Das allerdings trotz der unnötigen und dank ihrer Reflexionen störenden „Edges“. Wir haben es ja jetzt alle auch mal gesehen, dieser blödsinnige Trend darf dann gern endlich mal verschwinden, liebe Smartphone-Industrie – flache Displays regeln!

Highlight Nummer 2: Der Fingerabdrucksensor

Mit dem Huawei Mate 20 Pro, dem OnePlus 6T und dem Galaxy S10 hatte ich drei Geräte für mindestens einen Monat benutzt, die allesamt über einen ins Display integrierten Fingerabdrucksensor verfügen. So richtig begeistern konnte mich dieses Feature bis jetzt nicht, unabhängig davon, ob er optisch (Mate 20 Pro, OnePlus 6T) oder auf Ultraschallbasis (Galaxy S10) funktionierte. Bei allen Geräten hatte ich mit zu langen Wartezeiten zu kämpfen und mit zu häufigen Fehlversuchen, dank denen ich den Finger ein zweites oder drittes Mal auflegen musste, nur um das Gerät in die schmeißen zu wollen, WEIL MEIN VERDAMMTER DAUMEN IMMER NOCH NICHT RICHTIG ERKANNT WURDE. Ich wünschte mir klassische, Hardware-basierte Sensoren zurück, denn die waren schon vor Jahren deutlich schneller und zuverlässiger.

Das OnePlus 7 Pro ist nun allerdings das erste Gerät, bei dem ich das Gefühl habe, dass die Technologie erwachsen ist. Mein Finger wird binnen Sekundenbruchteilen erkannt, auch wenn er nicht exakt auf dem Leuchteding positioniert ist (die Fläche zum Erkennen wurde vergrößert). Solange meine Haut nicht feucht ist, gibt es praktisch keine Fehlversuche. Kurzum: Der Sensor stellt sich mir nicht in den Weg – und das hat mich nach meinen Erfahrungen mit anderen Handys wirklich überrascht.

Highlight Nummer 3: Stereo-Lautsprecher

Bei teuren Smartphones mittlerweile gang und gäbe, sind die Stereo-Speaker im OnePlus 7 Pro trotzdem herausstellenswert. Denn sie klingen nicht nur ziemlich gut (sieht man von leichten Verzerrungen bei sehr hoher Lautstärke ab), es ist überhaupt das erste Mal, dass OnePlus diese aus meiner Sicht im Alltag wichtige Technologie verbaut. Das Feature wurde nicht nur einfach drangeklatscht, damit auf dem Specsheet ein Haken dran ist, sondern auch Liebe zum Detail bewiesen. Die meisten halten ihr Smartphone im Landscape-Modus so, dass die Unterseite nach rechts schaut. Weil der untere Speaker auf die andere Seite des USB-Ports gewechselt ist, verdeckt der Handballen nicht mehr den Speaker. Gut gelöst.

Highlight Nummer 4: Das Design

Und damit sind wir auch schon beim im Produktdesign. Das ist OnePlus wieder einmal größtenteils gelungen. So schillert beispielsweise die angeraute Rückseite in einem hübschen Farbverlauf. Hübsch, aber fragil: Ein aus Glas gefertigtes Gerät neigt dank Material, Größe und der abgerundeten seitlichen Ränder sowieso zum Aus-der-Hand-Flutschen. Soll heißen: Eine Hülle ist fast schon Pflicht für Käufer OnePlus 7 Pro. Dankenswerterweise legt OnePlus ein durchsichtiges Case bei. Das ist zwar von, äh, wobbelig-preisbewusster Qualität, lässt aber immerhin noch einen Blick aufs schöne Schillern zu. Ein Problem ist dabei natürlich, dass das ohnehin schon große Gerät noch einmal zulegt.

Verarbeitungstechnisch gibt es nichts zu beanstanden, das Gerät hat sich anderswo auch als außerordentlich robust erwiesen. Selbst das ausfahrbare Modul für die Frontkamera macht keinen Ärger. Ich habe im Testzeitraum durchaus bemerkt, dass sich dort Staub sammelt, dieser ließ sich jedoch leicht abwischen.

Highlight Nummer 5: Die Leistung

Das OnePlus 7 liefert gute Benchmark-Ergebnisse, die in der Oberklasse 2019 in jeder Hinsicht konkurrenzfähig sind. So weit, so wenig überraschend. Viel wichtiger, weil alltagsrelevanter, ist aber die wahrgenommene Leistung, und hier brilliert OnePlus, weil Hardware-Komponenten und Software optimal zusammenspielen: Vom pfeilschnell entsperrenden Fingerabdrucksensor über das Display mit, wie bereits geschildert, mehr Bildern pro Sekunde und verringerter Eingabeverzögerung, über die bloatfreie Software, die nah an Stock-Android angelehnt ist, bis hin zum extrem schnellen UFS-3.0-Speicher, der Ein- und Ausgabe-Operationen beschleunigt – all diese Aspekte tragen zu einer Nutzererfahrung bei, die man sonst nirgendwo findet.

Soll heißen: Das OnePlus 7 Pro kann es in Sachen Speed mit jedem anderen Android-Smartphone aufnehmen und muss sich auch hinter den 2018er-iPhones nicht verstecken. Ein kleiner Kritikpunkt: Wi-Fi 6 wird nicht unterstützt, sodass das Gerät in der Zukunft nicht vom neuen WLAN-Standard profitieren wird. Bis dieser ausgereizt werden kann und im Alltag einen Vorteil bringt, werden für die meisten Nutzer zwar noch einige Jahre vergehen, blöd ist es aber trotzdem.

Highlight Nummer 6: OnePlus bleibt OnePlus und Brautkleid bleibt Brautkleid

OnePlus-Geräte haben teils seit Beginn, teils zumindest seit einigen Gerätegenerationen Eigenschaften, die diese mit simplen Methoden effektiv verbessern und das ist auch beim 7 Pro so. Da ist zum einen der Mute-Switch, ein seitlicher Schieberegler, mit dem man sein Gerät schnell zwischen Klingeltönen, Vibration und Stummschaltung wechseln lassen kann. Der ist auch beim OP7 dabei, betätigt sich allerdings versehentlich gelegentlich selbst – die drei „Zustände“ scheinen sich etwas zu leicht zu verschieben, was gelegentlich nervt.

Da sind die optional zuschaltbaren Gesten, die man auf den ausgeschalteten Screen ausführen kann um seine Musik zu steuern oder die Kamera-LED als Taschenlampe einzuschalten. Da ist der clevere Launcher, der nativ Icon Packs unterstützt und sogar schon welche davon mitbringt, das „shelf“, eine Zentrale auf dem Homescreen ganz links, mit dem man sich beispielsweise die Position und ein Foto des geparkten Autos schnell einspeichern oder Bonuskarten-Barcodes einspeichern kann.

Coole Features, die man nutzen kann, aber nicht muss. OnePlus weiß ziemlich genau, welche Features die Fans wünschen und welche ihnen einen Mehrwert bringen, ballert sie aber nicht mit blödsinnigen Optimierungen oder Sinnlos-Features zu (fühl dich angesprochen, Prä-Note-10-Bixby-Button-Samsung). Der Anspruch, Feature- und App-Bloat zu minimieren, Zusatz-Apps deinstallierbar zu machen – das zeichnet OnePlus aus und ist eine wahre Wohltat, verglichen mit anderen Vertretern aus der Branche.

Und damit wären wir am Ende der Lobeshymne aufs OnePlus 7 Pro. Kommen wir zu den Mittelmäßigkeiten und Unterwältigungen. Natürlich muss man auch die Mittelmäßigkeiten in einem High-End-Handy als Nachteile betrachten.

Midlight Nummer 1: Die Kamera

Man findet heute keinen Smartphone-Hersteller mehr, der sich nicht bei der Vorstellung neuer Geräte dessen rühmt, im Kamera-Bereich aufgerüstet zu haben und hervorragende Ergebnisse abzuliefern. Das macht auch Sinn, denn die Kamera ist nicht nur eine der zum Verkaufserfolg eines Smartphones wichtigsten Funktionen, sondern auch der Bereich, in dem das Innovationstempo in den vergangenen Jahren am höchsten gewesen ist.

So wirbt auch OnePlus mit seiner Kamera im 7 Pro und zum Teil ist das auch gelungen. Neben der ausfahrbaren Frontkamera sitzen gleich drei Kameralinsen, lies: Module, auf der Rückseite. Neben einem ausgewachsenen 48-MP-Sensor als Hauptkamera gibt es eine 8-MP-Kamera mit 3× Zoom und eine Ultraweitwinkel-Linse mit 16 MP. Haupt- und Zoom-Linse sind optisch stabilisiert.

Im Testzeitraum zeigte das OnePlus 7 Pro solide Ergebnisse. Hier muss fairerweise erwähnt werden, dass insbesondere mit dem Huawei P30 Pro (In Teilen auch das Mate 20 Pro), den Galaxy-S10- bzw. Note-10-Geräten, den jüngsten iPhones sowie den Pixel-Geräten der dritten Generation neue Benchmarks in Sachen Smartphone-Fotografie gesetzt wurden. An diesen muss sich das OnePlus 7 Pro messen. Und reicht zumeist nicht ganz heran.

Die unter optimalen Lichtbedingungen geschossenen Bilder sind … gut. Dank HDR-Algorithmus und Optimierungen für per AI erkannte Szenen, zum Beispiel Rasen oder Himmel, werden diese entsprechend angepasst, also Kontrast und Farbsättigung erhöht. Allgemein sind die Bilder kontrastreich, in Bildsektionen mit Schatten werden damit gelegentlich Details „verschluckt“. Die Bilder sehen also nicht unbedingt realistisch aus, aber das will heute ehrlicherweise auch fast niemand mehr.

Herangezoomt werden Schwächen im Detail sichtbar, die sich, je nach Situation in Bildrauschen oder „Vermatschung“ durch zu aggressive Rauschbeseitigung manifestiert. Google und Huawei sind hier algorithmisch deutlich weiter und verstehen es besser, relevante Bildinformationen aus verschiedenen Aufnahmen zusammenzukomponieren. Das zeigt sich dann auch im Bereich der Nachtfotografie, die zwar ungezoomt okay Ergebnisse produziert, aber weder im HDR- noch im speziellen Nachtmodus eine Aufhellung auf dem Niveau von Google oder Huawei hinbekommt.

Die Ultraweitwinkel-Kamera ist eine willkommene Ergänzung, die allerdings aus uns nicht nachvollziehbaren Gründen nicht für Videos genutzt werden kann. Hier hat mich die Qualität anfangs nicht überzeugt, nach diversen Updates ist sie deutlich besser geworden und ein echter Gewinn in manchen Situationen.

Allgemein scheint das Gerät mit Personen Probleme zu haben. Schnelle Bewegungen werden oft mit Verzerrungen dargestellt, Farben von Gesichtern wirken manchmal unnatürlich, so als ob die fotografierte Person gerade einen zweiwöchigen Strandurlaub absolviert hätte. Die Frontkamera macht wiederum ziemlich gute Bilder.

Die Videofunktion ist robust. Bild- und Tonqualität sind nicht herausragend, aber in Ordnung. Positiv vermerkt werden kann, dass das OnePlus 7 Pro auch 4K-Aufnahmen mit 60 FPS aufnehmen kann, ein Feature, auf das man beispielsweise im Huawei P30 Pro (Test) immer noch verzichten muss.

Wir weisen darauf hin, dass wir im Testzeitraum bereits fünf Updates erhalten haben, die die Kamera-Performance deutlich geändert und auch verbessert haben, hier kann man also noch mehr erwarten. Enthusiasten mit Frickelfaible können zudem Ports der Google-Kamera ausprobieren, bereits in den vergangenen Jahren konnten bei den Vorgängern erheblich bessere Bilder zaubern.

Halten wir fest: Das OnePlus 7 Pro weist die beste Kamera-Leistung aller OnePlus-Smartphones bislang auf. An Huawei und Google kommt das OnePlus 7 Pro noch nicht heran, dafür muss nach meiner Einschätzung insbesondere im Processing nachgelegt werden.

Midlight Nummer 2: Die Akkuleistung

Höhere Bildwiederholrate, höhere Auflösung, höhere Maximalhelligkeit: Ein Display wie dieses saugt am Akku wie ein Kleinkind an der Milchflasche. Das wirkt sich aus. Während frühere OnePlus-Handys mit ihren FHD+-Schirmen sehr effizient waren, ist das OnePlus 7 Pro „nur noch“ okay. Zum Vergleich: Mit einem OnePlus 6 habe ich an einem regulären Arbeitstag vor dem Zubettgehen noch etwa 40 % Akku übrig, beim OnePlus 7 Pro sind es nur noch etwa 15 %. Kann je nach Nutzungsart variieren, ich bin eher ein Powernutzer. An Tagen mit geringer Nutzung war zum Schluss auch mal 35 % drin, das ist aber kein Kunststück mit einer Screen-On-Time von etwa einer Stunde.

Dass der Akku nur so dahin schmilzt ist ärgerlich, insbesondere wenn die Tage länger und heller sind: Die pralle Sonne im Sommer bewirkt, dass das Display vom OnePlus 7 Pro entsprechend hell geschaltet werden muss und mehr Energie verbraucht. Wenn man dann am Abend noch ein Stündchen länger im Biergarten sitzt, kann das böse Erwachen irgendwann kommen. Der kluge Kopf sorgt vor und tankt zwischenzeitlich Energie nach. Mit der verbesserten WarpCharge-Technologie geht das ziemlich flott vonstatten: Von 0 auf 25 % dauert es mit dem mitgelieferten 30-W-Ladegerät gut 10 Minuten, in 30 Minuten schafft man gar 62 %, in ziemlich genau einer Stunde ist das Gerät komplett geladen, wenn es währenddessen nicht benutzt wird. Sehr schade ist, dass das Gerät nicht kabellos geladen werden kann.

Kommen wir zu den Dingen, die mir am OnePlus 7 Pro nicht gefallen haben.

Lowlight 1: Das Edge-Display

Oben schon erwähnt, trotzdem noch einmal: Die seitlichen Displayränder nerven in der Bedienung, die Reflexionen stören mich beim Draufschauen und lassen die Display-Touchscreen-Einheit beim Herunterfallen mit höherer Wahrscheinlichkeit kaputtgehen, wenn man kein Case nutzt.

Lowlight 2: Größe

Das Gerät ist groß und das bedeutet: Mit einhändiger Bedienung ist in der Regel Essig. Gewöhn dich daran, du bekommst immerhin ein tolles, großes Display dafür. Oder such dir ein anderes Handy.

Kein Low Light mehr: Ghost Touches

Am Anfang hatte das Gerät unter Ghost Touches zu leiden. Es wurden Phantomberührungen ausgelöst, manchmal wurden Wischbewegungen auch nicht registriert. Diese Problem ist Vergangenheit, es tritt seit einigen Updates nicht mehr auf. Ich dachte, ich nehme das mal auf, falls ihr das damals gelesen und deswegen vom Kauf Abstand genommen habt. Manchmal lassen sich Probleme eben doch mit Software fixen. Obligatorischer Verweis auf Dieselfahrzeuge gewisser Firmen hier denken.

Features, die fehlen

  • Der neueste WLAN-Standard Wi-Fi 6 kommt ohne kryptische Zahlen-Buchstaben-Kombinationen aus. Leider kommt das OnePlus 7 Pro aber auch ohne Wi-Fi 6 aus. Das ist schade, weil die Hardware das eigentlich hergeben würde. Ist das ein alltagsrelevantes Problem? Nö. Aber spätestens wenn du dir einen Wi-Fi-6-fähigen Router gekauft hast, wird es dich ärgern.
  • Zertifizierter Wasserschutz: Ja, das OnePlus ist wasserdicht, die Firma spart sich aber die durchaus kostenintensive Zertifizierung und übernimmt damit keine Verantwortung für das Funktionieren des Gerätes nach einer unfreiwilligen Dusche. Ein Nachteil, vor allem in psychologischer Hinsicht.
  • Speichererweiterung: OnePlus-Smartphones hatten noch nie einen Slot für microSD-Karten und das ändert sich auch mit diesem Modell nicht. Dank 128 GB Speicher in der Basisversion, mit Optionen nach oben, sollte das für die meisten Nutzer aber keinen Nachteil darstellen.
  • VoLTE/VoWifi: War bei den Vorgängern immer problematisch. Das OnePlus 7 Pro unterstützt nun in Deutschland endlich O2 und Telekom nativ mit Telefonie über die Datenverbindung, bei Vodafone muss man immer noch herumbasteln – und selbst dann bleibt’s wackelig. Es nervt, bitte bekommt das endlich in den Griff, OnePlus.
  • Klinkenbuchse: Die fehlt. Schade, denn sie hätte bestimmt noch irgendwo Platz gefunden. Doppelt schwer wiegt, dass OnePlus keinen Adapter für den USB-C-Anschluss mehr beilegt. Klar, kabellose Kopfhörer übernehmen mittlerweile den Markt, aber von einem „Pro“-Modell darf man das schon erwarten.
  • Benachrichtigungs-LED: Auch die fehlt. Habe ich festgestellt, als ich einen Artikel über das OnePlus 7 Pro las. Mir selbst wäre es nicht aufgefallen, weil mir das Inaktivitätsdisplay reicht. Hierbei werden Benachrichtungen auch auf dem ausgeschalteten Display angezeigt, bei Eingenag, wenn man das Gerät anhebt oder berührt.

Test-Fazit zum OnePlus 7 Pro

Frühere OnePlus-Smartphones waren der restlichen Industrie punktuell in manchen Bereichen voraus: Preis-Leistungs-Verhältnis, Ladegeschwindigkeit und Softwarequalität. In anderen Bereichen hatte man stets das Nachsehen gegenüber den Top-Geräten der Konkurrenz: Kamera, fehlende Stereo-Lautsprecher, Displays. Mittlerweile verschwimmen diese Gewissheiten: OnePlus ist mit seinen Flaggschiffen deutlich teurer als früher, die Konkurrenten haben OnePlus in ehemaligen Kernkompetenzen eingeholt oder übertrumpft.

Und trotzdem muss man OnePlus loben, denn mit dem OnePlus 7 Pro beschreitet die Firma technologisch neue Wege – hier ist insbesondere das Display zu nennen – und lässt trotzdem im Gesamtkonzept einen klaren Fokus abseits von reinem „Feature-Fucking“ erkennen: „Innovationen“, die außer der Werbung und Marketing-Abteilung niemand braucht, lässt man weg, was zählt ist das, was mir als Nutzer den Alltag verbessert. Das Gerät ist vor allem ein Testament der Ingenieurskunst und dem Willen, den Nutzern entgegen zu kommen.

Natürlich ist nicht alles perfekt am OnePlus 7 Pro. Das Fehlen von kabellosem Laden, einer IP-Zertifizierung, erweiterbarem Speicher und des Klinkenanschlusses mögen manchem Nutzer wehtun und stellen Argumente gegen das OnePlus 7 Pro dar. Und auch die Größe des Gerätes ist nichts für jeden. Das ändert aber nichts daran, dass das OnePlus 7 Pro für mich ein hervorragendes Gesamtpaket ist, das alle essentiellen Bedürfnisse erfüllt. Nur im Kamerabereich hat OnePlus noch Nachholbedarf, insbesondere im Bereich der Software-Nachbearbeitung und Bild(re)konstruktion.

Persönliches Fazit in einem Satz: So viel Spaß wie mit dem OP7Pro hatte ich schon lange nicht mehr mit einem Handy. Ist das für jeden den Aufpreis gegenüber dem OnePlus 7, 6T oder anderen Preisbrechern wie den jetzt auch nach Deutschland kommenden Xiaomi-Flaggschiffen wert? Schwierig. Angesichts der immer rapideren Preisverfälle und der starken Konkurrenzsituation im Feld der Smartphone-Mittel- bis Oberklasse würden wir das Gerät nicht zum Kauf im Vollpreis empfehlen. Wer ein Auge auf das Telefon wirft, sollte nach guten Deals Ausschau halten.

OnePlus 7 Pro im Test: Bewertung

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
    Schön, wenn man große Handys mag. Gut verarbeitet, aber nutzlose „Edges“.
  • Display: 5/5
    Scharf, hell, farbintensiv, kein Notch und 90 Hz. Toll!
  • Kameras: 4/5
    Vier Linsen, die alle ihren Zweck erfüllen. Gute Videofunktion. Nachholbedarf bei Software.
  • Software: 5/5
    Kein Bloat, nützliche Features. Daumen hoch für OxygenOS.
  • Performance: 5/5
    Chip, Speicher, Software, 90 Hz – optimal abgestimmt.
  • Telefonie, Konnektivität und Audio: 4/5
    Guter Stereo-Sound, aber kein Wi-Fi 6, immer noch VoLTE-/VoWifi-Probleme in Deutschland.
  • Speicher: 4/5
    Viel Speicher in der Basisversion, aber kein microSD.
  • Akku und Alltag: 3/5
    Endlich ein funktionierender Fingerabdruck-Sensor im Display. Aber: Akkulaufzeit mittelmäßig, kein Qi-Charging und Gerät recht klobig.

Gesamt: 85 %

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