Statt den Look der Apple AirPods zu kopieren oder das hundertste True-Wireless-Modell mit Silikonaufsätzen zu präsentieren, schlägt Samsung mit den Galaxy Buds Live neue Design-Wege ein. GIGA-Audioexperte Stefan hat die kabellosen In-Ear-Kopfhörer mit Noise Cancelling getestet und wundert sich, warum die Dinger nicht „Samsung Beans“ heißen.

Samsung Galaxy Buds Live (SM-R180) im Test: Fazit

Samsungs mutiger Versuch, das Thema True-Wireless-Kopfhörer neu zu denken, verdient allen Respekt. Die bohnenförmigen Galaxy Buds Live sind für so manchen Nutzer jetzt schon ein wahr gewordener Traum. Aber eben nur, wenn es passt – im wahrsten Sinne des Wortes. In meinen Ohren übertreffen die Samsung Galaxy Buds Live hinsichtlich Klang, Tragekomfort und Akkulaufzeit die meisten Konkurrenzmodelle – unter anderem auch die beliebten Apple AirPods (2. Gen.). Damit sich noch mehr Menschen an Samsungs neuartigen Konzept erfreuen können, müsste das Gehäusedesign der Galaxy Buds Live (Technische Daten) aber flexibler anpassbar sein und die hochempfindliche Touch-Bedienung überdacht werden.

Vorteile:

  • Sitzen locker-leicht, aber dennoch sicher in den Ohrmuscheln
  • Kompakte Bauweise (sowohl die Buds als auch das Etui)
  • angenehm abgestimmter Klang
  • vergleichsweise gut als Headset zum Telefonieren geeignet

Nachteile:

  • Sitz und Klang sind extrem von der Form der Ohrmuscheln des Nutzers abhängig
  • Touch-Bedienung zu empfindlich
  • Kein Multipoint Bluetooth
Samsung Galaxy Buds Live

Samsung Galaxy Buds Live

Samsung Galaxy Buds Live im Test: Wertung

  • Klang: 8/10
  • Tragekomfort: 9/10
  • Hardware, Design & Funktionen: 6/10
  • Akku: 8/10

Gesamt: 7.8 / 10

Klang: gelungen und unaufdringlich

Der Klang ist voll und kräftig im Bassbereich. Die Mitten und Höhen ergänzen die unteren Oktaven zu einem insgesamt stimmigen und warmen Klangcharakter. Durchaus ein Sound zum entspannten Hören nebenbei – für den audiophilen, konzentrierten Musikgenuss fehlt es allerdings an Brillanz und Feinzeichnung. Der Equalizer in der dazugehörigen Smartphone-App („Galaxy Buds“ für Android und iOS) hat mir in der Voreinstellung „Weich“ am besten gefallen. Das erinnert klanglich an Vintage-Wohnzimmer-Lautsprecher mit einem unaufdringlich-samtigen Flair. All das gilt freilich nur bei gutem Sitz in den Ohren – ansonsten wird's nur noch blechern und dünn.

Tragekomfort: Kaum zu spüren, außer man hat Schmerzen

„Glück muss man haben.“ – so lautete der Titel einer (längst vergessenen?) TV-Show. Ich empfehle den Verantwortlichen bei Samsung, genau das als Slogan auf die Packung der Galaxy Buds Live zu drucken. Dann wüsste man schon dem Kauf, dass so ziemlich alles zwischen dem perfekten Erlebnis und einer herben Enttäuschung drin ist. Es kommt in besonderem Maß darauf an, wie die Ohren des Nutzers geformt sind. Ich habe dieses Glück: Die Galaxy Buds Live sitzen auf Anhieb richtig – nichts drückt oder zwickt, selbst heftiges Kopfschütteln wirft die Gehäuse nicht aus ihrer Position. Einfach in die Ohrmuscheln legen, leicht eindrehen, mit dem Smartphone verbinden und los geht's.

Ihr vorgesehener Platz in der Ohrmuschel ist zwischen der Bogenwulst (Anthelix) und der Erhebung vor dem Eingang des äußeren Gehörgangs (Tragus). Ist dieser Bereich außergewöhnlich geformt (zu klein, zu groß) – dann klappt's einfach nicht. Damit die Galaxy Buds Live sicher halten und auch nach Stunden keine schmerzenden Druckstellen verursachen, sollte man möglichst „durchschnittliche“ Ohren haben. Es gehören zwar kleine Silikon-Ringe in verschiedenen Größen zum Lieferumfang, mit denen man den Sitz ein wenig anpassen kann – im Wesentlichen gilt aber: Was nicht passt, wird nicht passend gemacht. Hat man das „falsche“ Ohr, hat man Pech.

Was nicht passt wird passend gemacht (Limited Edition Blu-ray)

Was nicht passt wird passend gemacht (Limited Edition Blu-ray)

Hardware, Design und Funktionen: Early Adopter müsste man sein

Vom aktiven Noise Cancelling (ANC) der Samsung Galaxy Buds Live sollte man lieber nichts nicht allzu viel erwarten: In der Berliner U8 wird das Bahngerumpel allenfalls in den allertiefsten Frequenzen ein wenig abgeschwächt – der restliche Lärm dringt voll durch. Hier fehlt es schlichtweg an passiver Dämmung, da die Galaxy Buds Live recht luftdurchlässig in der Ohrmuschel liegen. Der Vergleich mit den WF-1000XM3 zeigt, welchen Unterschied das macht: Die Sony-Kopfhörer blenden Umgebungslärm effektiv aus und sorgen für Ruhe. Dafür dringen ihre Silikon-Passtücke aber auch in den Ohrkanal ein, was manche Menschen als äußerst unangenehm empfinden.

Die Akkulaufzeit mit einer Ladung (geladen wird per USB-C) beträgt gute 6 Stunden (mit ANC) und kann auf bis zu 8 Stunden (ohne ANC) ausgeweitet werden. Wireless Charging sowie schnelles Aufladen (5 Minuten für ca. 1 Stunde Nutzung) werden auch unterstützt – insgesamt können die Samsung Galaxy Buds Live in Sachen Batterie voll überzeugen.

Anker PowerCore 10000mAh Wireless Powerbank

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Großes Lob muss man Samsungs Entwicklerteam für die kompakte Bauweise und das frische Design der Galaxy Buds Live aussprechen. Die Ohrhörer fallen beim Tragen kaum auf, da sie flach in den Ohrmuscheln anliegen. Zudem eifern die In-Ears aus Südkorea nicht dem ikonischen AirPods-Look nach, da keine Stiele/Stängel aus den Ohren herausragen – falls man auf Distinktion oder Understatement Wert legt, gehören die Galaxy Buds Live in die engere Wahl. Wo Huawei und OnePlus erschreckend einfallslos sind und Cupertino eiskalt kopieren, traut sich Samsung wenigstens was und liefert einen gelungenen Gegenentwurf zum True-Wireless-Einheitsbrei (auf Wunsch in Weiß, Schwarz oder Bronze). Auch eine Erwähnung wert: Das gut verarbeitete Transportcase gehört zu den kleinsten Vertretern seiner Gattung und erinnert in ihrer Form an eine Schatulle für Verlobungsringe.

Die Touch-Bedienung ist einerseits nahe liegend (aus Platzgründen), andererseits aber auch nervig (Ups! Musik pausiert). Aktuell bietet die App in der Konfiguration nur ein komplettes Sperren der Berührungssteuerung an – ich hoffe, dass hier die Option „1× Tippen sperren“ per Update nachgeliefert wird. Denn jede kleine Berührung (Einsetzen oder Zurechtrücken der Buds) wird als „Pause“ oder „Play“ interpretiert. Vielleicht sollte Samsung in dem Punkt zukünftig nachbessern. Mögliches Vorbild: Die Apple AirPods Pro reagieren beispielsweise nicht einfach auf Berührung, sondern erst auf leichten Druck.

Samsung Galaxy Buds Live

Samsung Galaxy Buds Live

Beim Telefonieren (Headset-Funktion) wird man erstaunlich klar und mit wenig Umgebungslärm wahrgenommen. Das ist bemerkenswert, denn die meisten True-Wireless-Kopfhörer schneiden hier bescheiden ab. So gehören die Samsung Galaxy Buds Live in dieser Kategorie mit zu den Besten und können mit den Apple AirPods Pro mithalten.

Sportler sollten sich den Kauf gut überlegen, denn die Buds Live vertragen sich laut Herstellerangaben nicht mit Wasser (Schweiß). Zu guter Letzt wäre Multipoint Bluetooth (mehrere verbundene Geräte) für den schnellen Wechsel schön gewesen. So muss man etwa beim Wechsel zwischen Handy und Tablet erst für einige Sekunden beide Buds berühren, um ein erneutes Verbinden zu erzwingen (Pairing Mode).

Samsung ist mit den Galaxy Buds Live ein außergewöhnliches Produkt gelungen, das aber in Sachen Features und Bedienung noch etwas Feinschliff gut gestanden hätte. Zudem wäre ein einprägsamerer Name (wie wäre es mit GALAXY BEANS?) auch nicht verkehrt gewesen. Für Early-Adopter (mit den richtigen Ohren) ist das aber nicht relevant: Sie dürfen die Buds Live schon jetzt als die langersehnten „AirPods-Killer“ feiern, die alles anders und – auf ihre Weise – auch besser machen.

Noch mehr Kaufberatung auf GIGA:

Wertung

7.8/10
“True-Wireless-Kopfhörer, neu gedacht. Die bohnenförmigen Samsung Galaxy Buds Live tragen sich angenehm und klingen gut – passen aber nicht unbedingt in jede Ohrmuschel.”
Stefan Bubeck
Stefan Bubeck, GIGA-Experte für Consumer Electronics, insbesondere Audio.

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