Super Mario Maker 2 im Test: Hier bist du der Endboss

Victor Redman

Am 28. Juni 2019 erscheint Super Mario Maker 2 für Nintendo Switch. Im Test erfährst du, was der Level-Editor im Mario-Kosmos so alles kann.

Mario, bist du nicht langsam zu alt für diesen Scheiß? Das Tal, das sich vor mir auftut, ist jedenfalls ein Super-Albtraum:

Fleischfressende Pflanzen, soweit das Auge reicht. Ein ganzes Meer der gierig schnappenden Killer gilt es zu überwinden. Über ihnen schweben Blöcke, die das möglich machen könnten. Aber die Abstände sind groß, das Risiko größer. Ein Fehlsprung genügt, um den Super-Klempner in den sicheren Tod hüpfen zu lassen.Und das ist längst nicht die letzte Herausforderung, die in diesem Level wartet: Schafft Mario es über das Meer der Fangzähne, landet er zwangsläufig auf einem schmalen Vorsprung, wo ein überdimensionierter Bully auf ihn wartet. Dahinter: Ein scheinbar endloser Abgrund, über dem geflügelte Koopas bedrohlich auf- und ab schweben.

Klingt unschaffbar? Ist es auch. So ziemlich jedenfalls. Natürlich probiere ich trotzdem. Als Mario zum dreizehnten Mal ein Leben einbüßt, höre ich auf Mitzuzählen. Macht nur aggressiv. Aber auch das ständige, unaufhörliche, scheinbar unvermeidbare Scheitern frustriert. Schließlich bin ich kurz davor, den Pro Controller in die Ecke zu werfen.

Welcher Depp hat sich bloß dieses kranke Level ausgedacht? Okay, okay, ich gebe es zu: Das war ich selbst. Beim Bauen in Super Mario Maker 2 schießt man gern mal übers Ziel hinaus.

So kündigte Nintendo Super Mario Maker 2 an.

Super Mario Maker 2 - Ankündigungstrailer.

Super Mario: DIY

Für alle, die die letzten Jahre unter einem Stein verbracht und den ersten Teil verpasst haben: Super Mario Maker ist ein Level-Editor im Mario-Kosmos. Wer als Kind mit Lego oder Playmobil gespielt hat, ist mit dem Konzept bestens vertraut. Super Mario Maker gehörte mit Abstand zu den erfolgreichsten Titeln auf der Wii U. Klar, dass von Anfang an auch über eine Version für die Nintendo Switch spekuliert wurde. Statt dem erwarteten Port gibt’s nun sogar eine vollwertige Fortsetzung: Am 28. Juni 2019 erscheint Super Mario Maker 2.

Wie fast alle guten Sequels funktioniert auch der zweite Teil von Super Mario Maker nach dem Prinzip: Größer, weiter, mehr. Mehr Mario geht nicht. Von klassischer NES-Pixelgrafik bis hin zu modernen 3D-Welten werden alle Geschmäcker bedient – und das vollumfänglich. Während der erste Teil der Maker-Reihe noch einige Einschränkungen hatte, macht Nintendo die Werkzeugkiste diesmal ganz weit auf. Nahezu alles, was es jemals in einem Mario-Spiel zu sehen gab, lässt sich hier nachbauen, umbauen oder abbauen.

Zu viel des Guten – nur auf den ersten Blick

Diese Fülle an Inhalten wirkt zunächst ziemlich erschlagend. Die Bildschirmränder sind auf allen Seiten gepflastert mit Icons, Buttons und Menüs. Hinter vielen von denen verbergen sich wiederum weitere Optionen und Unter-Menüs. Auf den ersten Blick fühlte ich mich an eine Kiddie-Version von Photoshop erinnert – und war ähnlich verzweifelt.

Zum Glück lässt Nintendo überforderte Mario-Macher nicht allein mit den endlosen Möglichkeiten. Mindestens ebenso umfangreich wie der Level-Editor fällt nämlich auch der Tutorial-Teil des Spiels aus. In zahlreichen Lektionen erklären das Mädchen Nina und die Taube Yamamura jede Nuance des Level-Designs. Warum diese wichtige Aufgabe ausgerechnet einem Mädchen mit einer Taube zufällt, weiß ich auch nicht – Japan halt. Die Nebengespräche der beiden nehmen allerdings nie zu viel Raum ein; die Lehrer-Rolle erfüllen sie durchaus gut.

Nach ein paar Minuten des Ausprobierens habe ich die Grundfunktionen des Level-Editors dann auch gecheckt: Bausteine – also Bodenplatten, Boxen, Plattformen oder auch Gegner – werden entlang des oberen Bildschirmrands angezeigt. Per Suchfunktion lassen sich zu jedem Bauteil schier endlose Alternativen finden. Am linken Bildschirmrand lassen sich Grafik-Stil, Zeitlimit und andere Einstellungen bestimmen und rechts warten Funktionstasten zum Löschen, Editieren oder Abspeichern des Gebauten auf ihren Einsatz. Das zu wissen, reicht völlig aus, um sich an die ersten eigenen Levels zu machen. Alles Weitere ergibt sich von hier aus wie selbstverständlich:

„In die Box will ich ’nen Pilz haben. Kann ich den da einfach reinziehen? Ha, das hat funktioniert! Moment… Ob ich da auch ’n Koopa reinpacken kann? Ohhhh, das wird den Mario nicht freuen!“

Super Mario Maker 2 macht dich zu Marios Endboss

Die immer neuen Kombinationsmöglichkeiten der verschiedenen Bausteine sorgen für immer neue, immer verrücktere Ideen. Je länger ich Super Mario Maker 2 spiele, desto mehr wächst mein Respekt vor den Designern der bekannten Mario-Spiele. Was die für eine Selbstbeherrschung haben müssen! Hätte ich an ihrer Stelle diesen Baukasten zur Verfügung gehabt, ich hätte wohl ein Höllental nach dem anderen für Mario und die Gamer programmiert.

Erfahre mehr über die unzähligen Möglichkeiten in Super Mario Maker 2

Ständig frage ich mich: Geht dieses, geht jenes? Kann ich das so bauen? Kann ich am Ende noch eine Armee aus übergroßen Gegnern oben drauf setzen? In Super Mario Maker 2 lautet die Antwort auf all diese Fragen: Ja. Schaffbar sind solche Level für Normalsterbliche nicht mehr. Sie zu entwerfen macht trotzdem Bock. Marios ultimativer Endboss ist nicht länger Bowser – jetzt bist du es.

Natürlich bringt auch Super Mario Maker 2 wieder eine Online-Funktion mit. Die macht es möglich, Gamer aus aller Welt mit den eigenen Kreationen zu foltern und gleichzeitig die von ihnen erstellen Level auszutesten. Schon im ersten Teil der Reihe entwickelte die Fan-kreierten Inhalte sich schnell zum Herzstück des Spiels. Wer noch kein Nintendo Switch Online-Mitglied ist, erhält hier nochmal einen ganz ordentlichen Anreiz.

Außerdem hat Super Mario Maker 2 auch noch einen überraschend ausführlichen Story-Modus im Gepäck. Der hat zwar keine nennenswerte Geschichte zu bieten – das Schloss von Peach wird zerstört und Mario muss diverse Challenges meistern, um es wieder aufzubauen – demonstriert aber umso besser die Möglichkeiten des Maker-Baukastens.

Viele der Level, die Mario im Verlauf der Reise meistern muss, sehen erstmal ganz normal aus – sie halten aber immer kniffligere Aufgaben bereit. Die Zeitlimits werden knapper, die Sprünge waghalsiger, die Sonder-Bedingungen strenger. Ein härteres Mario-Game gab es in der westlichen Hemisphäre wohl nie.

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Falls du den ersten Teil von Super Mario Maker nachholen möchtest, dann solltest du diese Level unbedingt ausprobieren.

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Diese 5 Level aus Super Mario Maker MUSST du spielen!

Fazit & Zusammenfassung

Fest steht: Super Mario Maker 2 ist kein Spiel für jedermann. Wahrscheinlich ist es nicht mal ein Spiel für jeden Mario-Fan. Der Story-Modus und das Austesten neuer Level-Konstruktionen machen unglaublich Spaß; mit klassischem Mario-Gameplay haben sie aber eher wenig zu tun. Wer einfach nur eine weitere Runde mit Mario hüpfen und rennen will, ist hier einfach an der falschen Adresse.

Wer sich aber dafür interessiert, „wie die Wurst gemacht wird“, der kann mit Super Mario Maker 2 hunderte Stunden verbringen, ohne es überhaupt zu merken. Hier von einem Level-Editor zu sprechen ist die Untertreibung des Spielejahres. Super Mario Maker 2 ist eher sowas wie ein Weltenbauer. Die Möglichkeiten sind schier endlos – und damit auch das Potenzial für den Spielspaß.

Super Mario Maker 2 wird dir gefallen, wenn du früher mit Lego gespielt hast, Minecraft und Co. magst oder gern eigene Spiele austüftelst.

Super Mario Maker 2 wird dir nicht gefallen, wenn du in einem Mario-Spiel einfach nur hüpfen, rennen und Münzen sammeln willst.

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