The Surge 2 im Test: Level-Design der Meisterklasse

Alexander Gehlsdorf

Wer die Souls-Spiele von From Software bereits im Schlaf durchspielen kann und dringend Nachschub benötigt, sollte The Surge 2 nicht ignorieren. Wir erklären, warum sich Genre-Fans das neueste Werk des deutschen Entwicklerteams Deck13 ansehen sollten.

2017 hat Deck13 bereits mit The Surge ein solides Soulslike-Spiel im Science Fiction-Szenario abgeliefert, auch wenn es noch mit einigen Ecken und Kanten zu kämpfen hatte. Jetzt hat das Studio einen zweiten Anlauf gestartet und diverse Schwachen das Vorgängers ausgebügelt.

Dabei ist das Studio Gott sei Dank nicht die Falle getappt, den Nachfolger auf Teufel komm raus mit neuen und möglicherweise überflüssigen Features zu verwässern. Stattdessen wurden die Stärken des Originals konsequent weiter ausgebaut, um die einzigartige Identität der Reihe noch stärker herauszuarbeiten.

Hals- und Beinbruch

Wenn es um Soulslike-Spiele geht, ist ein Aspekt entscheidender als jeder andere: Das Kampfsystem. Und tatsächlich können Genre-Fans in dieser Hinsicht unbesorgt sein, denn Deck13 hat die gelungenen Gefechte des Vorgängers noch weiter verbessert.

Gleich geblieben ist das Grundprinzip, dass ihr gezielt Körperteile anvisieren könnt, was unterschiedliche Vor- und Nachteile hat. Einerseits lassen sich auf diese Weise ungepanzerte Partien des Gegners angreifen, um den Kampf auf diese Weise kurz und schmerzlos zu beenden. Andererseits könnt ihr euch aber auch dafür entscheiden, deutlich robustere Körperteile ins Visier zu nehmen, was mit entsprechendem Loot und Blaupausen belohnt wird.

The Surge 2 folgt dem Prinzip What You See Is What You Get: Schwingt euer Gegenüber eine besonders imposante Waffe, die euch noch in eurem persönlichen Arsenal fehlt? Dann konzentriert eure Angriffe auf den rechten beziehungsweise linken Arm des Gegners, damit dieser eben jene fallen lässt. Das gleiche Prinzip gilt auch für Rüstungsteile: Wer konsequent etwa den Oberkörper oder die Beine eines bestimmten Gegnertyps attackiert, hat bereits nach kurzer Zeit die nötigen Ressourcen beisammen, um das entsprechende Rüstungsteil selbst zu craften.

Wer einmal eine soeben erbeutete Waffe ausprobieren will, kann zudem in The Surge 2 der eigenen Neugier freien Lauf lassen. Während es im Vorgänger noch ein Spezialisierungs-Feature gab und Waffen eines bestimmten Typs mit wiederholter Benutzung effektiver wurden, hat Deck13 dieses Feature im aktuellen Teil wieder begraben. Gut so! Denn während die Spezialisierung auf eine bestimmte Waffengattung auf den Papier eine tolle Idee ist, führte sie in der Praxis doch nur dazu, dass nur die wenigsten Spieler die nötige Motivation hatten, auch einmal eine andere Waffe auszuprobieren.

Neben dem gewohnte Soulslike-Zusammenspiel aus Angriff, Block, Ausweichen und Ausdauer-Management, müsst ihr in The Surge 2 darüber hinaus eure Batterien im Blick behalten. Diese laden sich durch erfolgreiche Treffer im Kampf auf und lassen sich anschließend für allerhand Fähigkeiten einsetzen, etwa besonders starke Kampfmanöver oder Heilung. Dass sich die Batterien mit der Zeit entladen, wirkt dabei auf den ersten Blick wie ein Manko, führt in der Praxis aber dazu, dass ihr stets dazu ermutigt werden, eure Fähigkeiten auch wirklich einzusetzen, bevor euch die Energie wieder verloren geht. Auf der anderen Seite belohnt The Surge 2 auf diese Weise auch einen flotten und aggressiven Spielstil, da dies die schnellste Möglichkeit ist, leere Batterien erneut aufzuladen.

Dass The Surge 2 von Dark Souls inspiriert wurde, ist kein Geheimnis. Trotzdem hat das Spiel seine ganz eigene Identität entwickeln können:

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Hin und wieder zurück

Eine der größten Stärken von The Surge 2 ist das Level-Design. Jede Person, die Dark Souls gespielt hat, wird sich an den legendären Moment erinnern, an dem der eigene Charakter das erste Mal zum Firelink Shrine zurückkehrt. Der Moment in dem klar wird, dass das Spiel keine linerale Abfolge von Leveln ist, sondern eine in sich geschlossene und zusammenhängende Welt. Genau diese Tugend hat sich The Surge 2 ganz groß auf die Fahne geschrieben.

Statt Bonfire setzt The Surge 2 wie schon der Vorgänger auf MedBays, in dem ihr eure Ausrüstung verbessern könnt und im Level aufsteigt. Das besondere ist jedoch, das fast alle Gebiete im Spiel mit nur einem einzigen MedBay auskommen. Ermöglicht wird das durch ein durchdachtes System aus freischaltbaren Abkürzungen, die euch schnell zum letzten MedBay zurückkehren lassen, ohne die bereits gemeisterten Area erneut räumen zu müssen.

So findet ihr etwa im Gebiet Port Nixon nach kurzer Zeit das vermeintlich erste MedBay, vom welchem aus nur ein einziger Weg weiterführt – statt jedoch im weiteren Verlauf ein zweites MedBay freizuschalten, werdet ihr immer wieder kunstvoll zum ursprünglichen Speicherpunkt zurückgeleitet. Mit der Zeit stehen rund um das MedBay eine ganze Reihe möglicher Wege offen, sodass jeder Punkt des Areals binnen kürzester Zeit erreicht werden kann und letztendlich sogar der Bosskampf des Gebiet nur wenige Schritte vom MedBay entfernt ist. Diese Art des Level-Designs ist meisterhaft und braucht sich auch vor den Vorbildern von From Software nicht verstecken!

Auch das World Design hat sich gegenüber dem Vorgänger verbessert. Während die Umgebungen von The Surge noch von grau-braunen Texturen dominiert waren, bietet The Surge 2 deutlich mehr Abwechslung, etwa mit dem grün bewachsenen Parkgelände Gideons Rock. Ein wirklich hübsches Spiel ist The Surge 2 dadurch allerdings nicht, im Gegenteil. Ab und an sieht das Spiel so aus, als wäre es ursprünglich für die PS3 oder Xbox 360 erschienen. Das ist zwar schade, aber andererseits auch ein gutes Beispiel dafür, dass gut designte Spiele nicht auf top-aktuelle Hochglanz-Grafik angewiesen sind, um Spaß zu machen.

Allein aber niemals einsam

Ein weiteres Feature, dass sich The Surge 2 von Dark Souls abgeguckt und sinnvoll umgesetzt hat, sind die Online-Funktionen. Natürlich seid ihr prinzipiell allein unterwegs, dennoch können andere Spieler überall in der Welt Graffitis hinterlassen, um beispielsweise auf versteckte Gegenstände aufmerksam zu machen oder vor besonders gefährlichen Gegnern und Fallen zu warnen. Soweit, so Dark Souls.

Neu sind unter anderem Revenge Enemies. Diese können an Orten erscheinen, an denen andere Spieler besiegt wurden. Rächt ihr jenen Spieler, indem ihr den Revenge Enemy zur Strecke bringt, werdet ihr mit besonders vielen Materialien belohnt. Mein Highlight ist jedoch das Banner-System: Erkundungsfreudige Spieler können in entlegenen und schwer zu erreichenden Ecken der Spielwelt ihr eigenes Banner platzieren, das fortan für eine Stunde auch für alle anderen Online-Spieler sichtbar ist. Je weniger Abenteurer jenes Banner jedoch im Laufe der kommenden Stunde finden, desto mehr Erfahrungspunkte gibt es zur Belohnung. Andersherum werden natürlich jene Spieler, die über die gut versteckten Banner anderer Online-Kollegen stoßen, ebenfalls mit Erfahrungspunkten belohnt.

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Auf diese Weise bleibt das Erkunden der Spielwelt auch dann spannend, wenn an gut versteckten Ort doch keine Kiste mit Loot wartet, beziehungsweise diese schon längst von euch geleert wurde.

Mein Test-Fazit zu The Surge 2

The Surge 2 hat mich ernsthaft überrascht – auf absolut positive Art und Weise. Dass Deck13 solide Soulslike-Spiele entwickeln kann, war ja bereits bekannt, vor allem aber in puncto Level-Design bewegt sich die deutsche Produktion nahezu auf Augenhöhe mit den japanischen Meistern von From Software. Das gelungene Zusammenspiel aus Kampfsystem und Gear-Upgrades funktioniert noch immer genauso gut wie im Vorgänger und motiviert durch Detailverbesserungen im aktuellen Serienteil sogar noch mehr. Da stört es auch kaum, dass das Spiel sowohl erzählerisch als auch technisch weit hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt.

Wird dir gefallen, wenn du ein Soulslike mit motivierenden Kämpfen und tollem Level-Design suchst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du in Spielen stets auf topaktuelle Grafik wert legst.

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