Wolfenstein Youngblood im Test: Doppelt hält nicht immer besser

Alexander Gehlsdorf 8

Wolfenstein bekommt endlich einen Koop-Modus! Eigentlich klasse, denn dadurch macht der Shooter ja gleich doppelt so viel Spaß, oder? Einerseits schon, andererseits verzichtet Wolfenstein Youngblood dafür auf eine der größten Stärken der Serie.

Wolfenstein Youngblood im Test: Doppelt hält nicht immer besser

20 Jahre sind vergangen, seit B.J. Blazkowicz die USA von den Nazis befreit hat und sich mit seiner Frau Anya endlich dem friedlichen Familienleben widmen konnte. Inzwischen ist er ein alter Mann geworden, doch das Regime in Europa wütet noch immer. Trotzdem hat B.J. dem Kampf gegen die Germanen noch nicht beendet und bildet seine beiden Zwillingstöchter Jess und Soph zu Nazi-Jägern aus.

Im Jahr 1980 jedoch verschwindet BJ plötzlich aus heiterem Himmel. Dennoch gelingt es den jungen Frauen die Spur ihres Vaters nach Paris zu verfolgen, allen voran dank der Hilfe von Abby Walker. Die Tochter von Grace Walker feierte bereits in Wolfensten 2: The New Colossus ihren ersten Auftritt als Säugling. Also fix einen FBI-Helikopter geklaut und auf geht’s in die Stadt der Liebe!

Wolfenstein: Youngblood - Launch Trailer.

Auch Solisten spielen Koop

Was sehr schnell klar wird: Jess und Soph sind ein fantastisches Duo und es macht bereits eine Menge Spaß, die beiden lediglich in Zwischensequenzen miteinander interagieren zu sehen. Denn trotz ihrer langjährigen Ausbildung zu Nazi-Jägern, sind sie doch schließlich einfach nur zwei rotzige aber sympathische Teenager, die bei ihrem ersten Zug an einer Zigarette heftig husten müssen und sich ununterbrochen Zitate ihrer Lieblingsbuchreihe um die Ohren hauen. Ach ja, und wirklich Nazis getötet haben sie natürlich auch noch nie.

Dass die beiden Schwestern unzertrennlich sind und obendrein noch eine Menge lernen müssen, spiegelt Wolfenstein Youngblood auch genauso im Gameplay wieder. Einerseits bist du mit Jess beziehungsweise Soph nie allein unterwegs, stattdessen ist das gesamte Spiel komplett auf Koop ausgelegt. Das ist super! Andererseits dreht sich in Youngblood alles um Erfahrungspunkte und Levelaufstiege. Und darüber darf man durchaus geteilter Meinung sein.

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Die Koop-Pflicht betrifft auch Einzelspieler, denn wer auf menschliche Hilfe verzichten will, bekommt trotzdem eine KI-Begleitung zur Seite gestellt. Die funktioniert auch in der Tat ganz ordentlich, wirft also in den richtigen Momenten lebensrettende Buffs zu, teilt im akzeptablem Maße Schaden aus und steht (fast) nie in der eigenen Schusslinie. Wer genau drauf achtet merkt natürlich, dass die KI an allen Ecken und Enden schummelt, sich also beispielsweise hinter deinem Rücken von A nach B teleportiert, ein Problem ist das allerdings nicht. Schließlich wird so ein Reibungsloser Spielablauf garantiert, statt dass Solisten immer wieder ihre KI-Begleitung an die Hand nehmen müssen, damit diese den Levelausgang findet.

Level und Levelaufstiege

Erinnert du dich noch an das Ende von Wolfenstein 2: The New Colossus? Nein, nicht die Begegnung mit Hitler auf der Venus, sondern die optionalen Nebenmissionen, die du in der U-Boot-Zentrale auswählen konntest? So ungefähr spielt sich Wolfenstein Youngblood.

Statt nacheinander lineare Levels abzuarbeiten, wählst du deine Mission auf einer Übersichtskarte aus. Von einem zentralen Unterschlupf in den Katakomben von Paris geben dir eine Handvoll Widerstandskämpfer diverse Aufträge, die dich jeweils in eines von vier Stadtteilen von Paris führen. Dazu gehören auch Story-Missionen, von denen es insgesamt nur sechs gibt. Damit du diese nicht in einem Rutsch durchspielst, ist jede Mission an eine Levelvoraussetzung gebunden. Diese musst du nicht zwingend erfüllen, wer sich jedoch mit Level 8 an einer Level 21 Mission versucht, wird voraussichtlich nicht lange überleben.

Dementsprechend wirst du einen Großteil der Zeit mit Nebenmissionen verbringen, um dein Level für die Hauptmissionen entsprechend zu erhöhen. Der Spagat, ein höheres Gegnerlevel auch nachvollziehbar zu gestalten, gelingt jedoch nur mittelmäßig. Einerseits ist es klar, dass besonders starke Gegner wie Panzerhunde oder Zerstörer auch ein entsprechend hohes Level besitzen. Allerdings begegnen dir auch auf Level 20 noch Standard-Soldaten, die deutlich mehr aushalten sind als ihre Level 5-Kollegen, obwohl sie sich optisch kaum unterscheiden.

Das knackige Shooter-Feeling der Wolfenstein-Reihe, also dass etwa ein gegnerische Soldat nach einer Ladung Schrot befriedigend aus den Latschen kippt, stellt sich leider nur dann ein, wenn Jess und Soph auch das entsprechende Level besitzen. Häufig jedoch fühlen sich besonders starke Gegner wie Zerstörer eher wie bullet sponges an, die minutenlangem Dauerfeuer widerstehen können. Das kann durchaus nerven.

Nervig können auch die Verschnaufpausen in den Katakomben ausfallen. Zumindest wären hier ein paar mehr Komfort-Features durchaus wünschenswert gewesen. Einerseits bietet die Basis alles was du brauchst, um dich auf den nächsten Einsatz vorzubereiten, also etwa Munition, Rüstung und Gesundheit. Andererseits musst du eine große Runde durch den Unterschlupf laufen, um all diese Items einzusammeln. Wieso regenerieren sich bei einer Rückkehr in den sicheren Unterschlupf nicht einfach alle Werte und Ressourcen selbstständig?

Trotz derartiger Zeitfüller, dürften die wenigsten Spieler länger als acht Stunden benötigen, bis der Abspann läuft. Allerdings ist Wolfenstein Youngblood an dieser Stelle noch nicht vorbei. Einerseits warten auch nach den Hauptmissionen noch eine ganze Reihe sekundärer Aufträge, andererseits lädt das Spiel darüberhinaus mit täglichen und wöchentlichen Quests dazu ein, immer mal wieder vorbeizuschauen und entspannt mit Paris zu entnazifizieren.

Der Fokus von Wolfenstein Youngblood ist klar: Das Spiel will ganz im Stil eines Anthem oder The Division den Spielern die Möglichkeit geben, hin und wieder am Abend für ein paar Stunden zu ballern und gemeinsam Erfolge zu feiern. Während die Handlung noch zu den größten Stärken von The New Order und The New Colossus gehörte, nimmt sie in Youngblood eher die Form von Meilensteinen ein, die neue Waffen und Skills freischaltet. Aber schließlich ist Youngblood ja auch kein Wolfenstein 3, sondern lediglich ein Spin Off.

Wolfenstein Youngblood kostenlos spielen dank Buddy Pass

Falls du Wolfenstein Youngblood unbedingt mit einem guten Freund oder einer Freundin spielen willst, diese Person jedoch das Spiel nicht besitzt, dann hab ich gute Neuigkeiten für dich: Die Deluxe Edition enthält den sogenannten Buddy Pass, der es ermöglicht einen Freund oder eine Freundin ins Spiel einzuladen. Diese Person kann dann den Koop-Modus komplett kostenlos durchspielen. Sollte das Spiel im Anschluss gekauft werden, dann kann die Person auch alle Speicherstände übernehmen und muss nicht bei null anfangen.

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Die Deluxe Edition des Spiels kostet 39,99 Euro, also zehn Euro mehr als die Standard-Version. Neben dem Buddy Pass enthält diese noch ein paar kosmetische Goodies, der Buddy Pass ist aber ohne Frage das Highlight und ein Feature, das in Koop-Spielen gern Schule machen darf!

Mein Fazit zu Wolfenstein Youngblood

Wolfenstein Youngblood reduziert die größte Stärke der Serie, die Handlung, auf ein Minimum und stellt stattdessen Wiederspielwert in den Fokus. So schicken dich die zahlreichen Missionen immer wieder in bekannte Gebiete, um dich dort mit stärkeren Gegner und neuen Missionszielen zu konfrontieren. Für ein bisschen Adrenalin zwischendurch ist das vollkommen in Ordnung und macht insbesondere im Koop eine ganze Menge Spaß.

Wer die Reihe allerdings in erster Linie aufgrund er Handlung spielt, wartet lieber auf Wolfenstein 3. Dank des Buddy Passes lohnt sich aber dennoch auch für Skeptiker ein Blick in Wolfenstein Youngblood, denn trotz der eher dünnen Geschichte können die beiden Zwillinge Jess und Soph in Sachen Charisma locker mit ihrem Vater mithalten.

Wird dir gefallen, wenn du Wolfenstein schon immer einmal im Koop genießen wolltest.

Wird dir nicht gefallen, wenn Erfahrungspunkte für dich in Shootern nichts zu suchen haben.

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