Diablo Immortal: Eine Enttäuschung, aber trotzdem ein logischer Schritt

Alexander Gehlsdorf 7

Es muss nicht lange um den heißen Brei herumgeredet werden: Die Ankündigung von Diablo Immortal war eine große Enttäuschung. Ein Desaster muss das Spiel deswegen aber nicht werden.

Das hat es in dieser Form noch nicht gegeben: Auf der Bühne der BlizzCon stehen drei Entwickler-Veteranen die gerade ein neues Diablo-Spiel angekündigt haben und werden von ihrem Publikum ausgebuht. Auslöser war die Frage eines Fans, ob das soeben vorgestellte Mobile-Spiel Diablo Immortal eines Tages auch auf dem PC erscheinen wird. Eine Frage, die Wyatt Cheng, der Lead Designer von Diablo Immortal, verneinen musste.

Die Reaktion des Publikums offenbart einen wichtigen Aspekt der aktuellen Kontroverse rund um Diablo Immortal, der gern vereinfacht wird. Die Spieler sind nicht sauer, dass Blizzard ein Mobile-Spiel entwickelt. Sie sind sauer, dass Blizzard kein PC-Spiel entwickelt.

Der Weg zur Enttäuschung

November 2016: Das Diablo 3-Addon Reaper of Souls ist zwei Jahre zuvor erschienen, die regelmäßigen Seasons halten die Spieler bei Laune doch die Fans wollen mehr. Eine zweite Erweiterung zum Beispiel, Hauptsache mehr Diablo. Statt eines sechsten Story-Akts wurde dann aber nur der Totenbeschwörer als neue Klasse auf der BlizzCon vorgestellt. Zwar ist der bis heute eine tolle Ergänzung, dennoch hatten sich die geduldigen Diablo-Fans mehr erhofft.

2017 glänzte Diablo gänzlich mit Abwesenheit auf der BlizzCon. Hatte der Entwickler die ehemals riesige Marke etwa gänzlich hinter sich gelassen? Nein, das konnte es nicht sein. Die große Ankündigung war nur noch nicht bereit. 2018 wird es definitiv den großen Reveal geben, auf den aller gewartet haben. Diablo 4! Oder ein zweites Addon für Diablo 3. Oder wenigstens eine HD-Neuauflage von Diablo 2.

Diablo Immportal: Gameplay Trailer.

Bereits Mitte Oktober hat Blizzard einen offenen Brief verfasst, in dem die Fans gebeten wurden, ihre Erwartungen zu senken. So arbeiten mehrere Teams an verschiedenen Projekten, allerdings sei noch nicht der Zeitpunkt gekommen, über diese zu sprechen. Dennoch soll es auf der BlizzCon 2018 einige Neuigkeiten zu Diabo geben.

Eigentlich hätte das den Hype-Train etwas bremsen sollen, dennoch blieben die Erwartungen optimistisch hoch. Schließlich wurde Neuigkeiten zu Diablo versprochen. Und dass Diablo 4 nicht gezeigt wird, war in dem Statement auch nirgendwo zu lesen.

Dramaturgie 101

Die Eröffnung der BlizzCon 2018 verlief weitestgehend unaufgeregt, mit einigen kleinen Highlights zwischendurch. Der HD-Neuauflage Warcraft 3: Reforged etwa. Blizzard hat seine alteingesessene PC-Community offenbar also noch nicht vergessen. Das macht Hoffnung auf die bevorstehende Diablo-Ankündigung!

Dann der Höhepunkt der Eröffnung, der finale Slot, die größte News des Tages: Der Bildschrim ist mit nur einem Wort gefüllt: Diablo. Darauf hatten die Fans gewartet, gleich folgt die erhoffte Ankündigung. Ist es wirklich Diablo 4? Ein Addon für Diablo 3? Oder wenigstens Diablo 2 HD? Wenigstens eines der drei Spiele muss es schließlich sein. Auf jeden Fall steht etwas wirklich großes bevor, andernfalls hätte Blizzard die Ankündigung ja kaum ans Ende der Eröffnungszeremonie gestellt, oder?

Was anschließend passierte, hat mittlerweile jeder mitbekommen. Die Enttäuschung stand den meisten Spielern noch ins Gesicht geschrieben, während die Zeremonie endete und die Besucher sprachlos zurück ließ. Der perfekte Zeitpunkt also das Smartphone zu zücken und im Internet Dampf abzulassen.

Was lief hier schief? Dass die Ankündigung eines Mobile-Spiels auf der BlizzCon, also vor den Augen einer eingeschworenen PC-Community, nicht nur auf Wohlwollen stoßen würde, hätte Blizzard schließlich erwarteten müssen. Allerdings hätte sich Blizzard den gesamten Hate auch ersparen können. Wie genau das geht, hat Bethesda auf der E3 2018 vorgemacht.

Seit Jahr und Tag wartet die PC- und Konsolen-Community auf The Elder Scrolls 6. Das ist auch in Arbeit, zu sehen gibt es dazu jedoch nichts. Trotzdem hat Bethesda in diesem Sommer die Katze aus dem Sack gelassen und offiziell verkündet, dass The Elder Scrolls 6 in Arbeit sei. Überrascht hat das niemanden und dass das Spiel noch lange von der Fertigstellung entfernt ist, dürfte den meisten auch klar gewesen sein. Mehr als ein kurzer Teaser, um die Sache offiziell zu machen, war nicht nötig.

The Elder Scrolls: Blades - Gameplay.

Oh, aber dann war da ja noch etwas. The Elder Scrolls: Blades – Der Mobile-Ableger, auf den niemand wirklich gewartet hat und den ein Großteil der bisherigen Community ignorieren wird, wurde auch angekündigt. Gestört hat das kaum jemanden. Schließlich war die große Ankündigung der Pressekonferenz The Elder Scrolls 6. Blades hingegen ist eine kleine Alternative, um die Wartezeit zu überbrücken.

Nach genau dem gleichen Motto hätte auch auch Blizzard Diablo: Immortal schonend beibringen können. Headliner: Diablo 4! Bis zum Release dauert es zwar noch etwas, bis dahin ist zur Überbrückung aber noch eine Mobile-Alternative in Arbeit. Statt mit Hate wäre das Internet gefüllt mit Vorfreude, während Diablo: Immortal von den Core-Gamern als Fußnote weitestgehend ignoriert worden wäre. Selbst die Verschieben von Warcraft 3: Reforged in den finalen Slot hätte bereits eine große Auswirkung gehabt, schließlich hat Blizzard mit dieser Ankündigung bewiesen, dass ihnen die PC-Spieler noch immer am Herz liegen.

Kenne dein Publikum

ich habe es eingangs schon erwähnt. Das Problem ist nicht, dass Diablo: Immortal ein Mobile-Spiel ist. Das Problem ist, dass es kein PC-Spiel ist. Zugegeben, die Vorstellung Diablo auch unterwegs auf dem Handy spielen zu können, ist verlockend. Es jedoch ausschließlich so spielen zu können lässt Serien-Veteranen, die sich seit den 90ern ganze Nächte mit Diablo am PC um die Ohren gehauen haben, sauer aufstoßen.

Ein Teaser zu Diablo 4 oder einem anderen PC-Projekt hätte das wie gesagt entschärfen können, schließlich betonte Wyatt Cheng mehrfach, dass eine ganze Reihe Diablo-Projekte in Arbeit seien. Und obwohl Blizzard viele langjährige Fans mit der Ankündigung enttäuscht hat, ist das Konzept eines Mobile-Spiels ein absolut sinnvoller Schritt.

Mehrere Kritiker haben Blizzard vorgeworfen, Gamer nicht mehr zu verstehen. In Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall: Obwohl PC-Core-Gamer die Mehrheit der BlizzCon-Besucher darstellen, sind sie global betrachtet in der Minderheit. Finanziell dominieren Mobile-Spiele den Markt, das kann sich jeder selbst ausrechnen, bevor ich dreimal „Pokémon GO“ gesagt habe.

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So viel Geld gibt die Welt für Pokémon GO aus .

Mit Hearthstone – eine ähnlich kontroverse Ankündigung („Warum entwickelt ausgerechnet Blizzard ein Kartenspiel für Casual-Gamer?!“), aus der letztendlich ein Welterfolg wurde – konnte Blizzard bereits gute Erfahrungen im Mobile-Markt sammeln, insbesondere im asiatischen Raum, wo Mobile eine wesentlich größere Rolle spielt als im Westen.

Dementsprechend nahe liegend ist es, dass Blizzard für Diablo: Immortal erneut mit NetEase zusammen arbeitet, die seit 2008 dafür verantwortlich sind, Blizzards Spiele auf den chinesischen Markt zu bringen und somit den Höchststand von 12 Millionen WoW-Abonnenten im Jahr 2010 überhaupt möglich machten. Zum Vergleich: Hearthstone hat mittlerweile mehr als 100 Millionen(!) registrierte Spieler. Dass auch Diablo: Immortal diese Zahl eines Tages irgendwann erreichen könnte, ist nicht undenkbar.

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Global betrachtet macht Blizzard mit Diablo: Immortal also alles richtig. Das Studio orientiert sich an weltweiten Trends, lotet neue Zielgruppen und internationale Märkten aus und entwickelt das perfekte Spiel, um diese Lücken zu füllen. Das ist Blizzards gutes Recht und in jeder Hinsicht absolut nachvollziehbar.

Nur eines darf Blizzard dabei nicht vergessen: Die langjährigen Diablo-Fans, denen sie ihren heutigen Erfolg überhaupt erst verdanken. Denn genau diese kamen auf der BlizzCon 2018 zu kurz.

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