Streaming-Dienste kosten in verschiedenen Ländern unterschiedlich viel. Nutzer in der Türkei oder Brasilien bezahlen zum Beispiel für ein Spotify-Abo im Monat weniger als Musikfreunde in Deutschland. Kann man einen Account im Ausland per VPN buchen, um den günstigen Preis zu erhalten?

 
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Mit dem richtigen VPN kann man sich eine IP-Adresse aus dem Ausland zuweisen lassen und von Deutschland aus vorgeben, dass man sich zum Beispiel in der Türkei oder Brasilien befindet. Könnte man auf diesem Weg einen günstigen Streaming-Account buchen? Wäre das überhaupt erlaubt?

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Spotify günstiger per VPN

Ganz so einfach funktioniert es nicht. Man kann also nicht einfach einen beliebigen VPN-Dienst aufrufen, sich eine IP-Adresse aus dem Ausland zuweisen lassen und die Abo-Seite des gewünschten Dienstes aufrufen, um das gewünschte Abonnement zu buchen. Oft wird neben der IP-Adresse auch eine Kreditkarte oder Postadresse in dem jeweiligen Land benötigt, zum Beispiel für ein türkisches Konto. Da man üblicherweise mit einem Wohnsitz in Deutschland aber keine gültige Adresse in Indien, Türkei oder Argentinien angeben kann, müsste man eine Fake-Adresse angeben, zum Beispiel von einem Hotel. Das ist aber nicht erlaubt und könnte rechtliche Probleme mit sich führen.

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Spotify per VPN im Ausland günstiger buchen

Im Fall von Spotify gestaltet sich die Account-Buchung in Brasilien etwas einfacher. Online gibt es einen „Spotify Premium Index“, der aktuelle Abo-Preise für einen Premium-Account in verschiedenen Ländern der Welt anzeigt. Während das kostenpflichtige Abo in Deutschland zum Beispiel 9,99 Euro im Monat kostet, bezahlt man in Brasilien etwas weniger als 5 US-Dollar (ca. 5 Euro) im Monat. Das Premium-Abo kostet dort also nur die Hälfte.

Um keine Kreditkartendaten bei der Account-Erstellung anzugeben, kann man sich für den brasilianischen Account Spotify-Guthaben online bestellen (Quelle: Mydealz.de). Es sollten mindestens Karten für einen Gesamtzeitraum von 18 Monaten bestellt werden, damit man einen Familien-Account buchen kann. Deutsche Guthabenkarten lassen sich für Accounts im Ausland nicht einlösen.

Mit dem Guthaben ausgestattet, nutzt man einen VPN-Dienst mit brasilianischer IP-Adresse, etwa Tunnelbear oder NordVPN. Damit alles sauber funktioniert, sollte man zuvor alle Cookies und den Cache im Browser löschen. Anschließend kann man mit der brasilianischen IP das Web-Angebot von Spotify aufrufen und sich mit einem bestehenden Account bei Spotify einloggen. In den Profileinstellungen wählt man „Brasilien“ als neues Land aus. Danach kann man über „Einlösen“ das gebuchte Spotify-Guthaben einlösen. Im Abschnitt „Belege“ kann man überprüfen, ob die Gutscheine angenommen wurden.

Anschließend lässt sich das Abo unter „Verfügbare Abos“ „Ändern oder kündigen“. Hier kann man einen Spotify-Premium-Family-Account auswählen, über den mehrere Nutzer gleichzeitig Zugriff auf das Musik-Streaming-Abo erhalten können.

Danach kann man das Land wieder auf Deutschland ändern. Jetzt lässt sich im Account Paypal als Zahlungsmethode einstellen, damit eine gültige Bezahloption aktiviert ist. Das Abo wurde für den ausgewählten Zeitraum bereits mit dem Spotify-Guthaben bezahlt, es wird also vorerst nichts vom PayPal-Account abgezogen. Jetzt kann man sich von Spotify abmelden, die Webseite des Streaming-Dienstes wieder aufrufen und „Spotify Premium kündigen“ im Abschnitt „Verfügbare Abos“ auswählen. Danach kann man Spotify für 1 Jahr lang für den günstigen Preis mit einem normalen deutschen Konto im Familien-Abo nutzen. Danach muss man die oben genannten Schritte erneut durchgehen, um das Abo zu verlängern.

Spotify-Abo per VPN abschließen: Darf man das?

Gesetzlich ist es nicht verboten, einen Dienst per VPN mit einer IP günstiger im Ausland zu buchen. Es könnten allerdings die Spotify-Nutzungsbedingungen im Weg stehen. So heißt es in Punkt 1:

Alter und Zugangsvoraussetzungen: Um die Spotify-Dienste nach diesen Allgemeinen Nutzungsbedingungen nutzen und auf Inhalte zugreifen zu können, müssen Sie in Deutschland ansässig sein. Sie sichern außerdem zu, dass alle Angaben, die Sie im Rahmen der Registrierung an Spotify übermitteln, wahr, richtig und vollständig sind und Sie verpflichten sich, dies zu jedem Zeitpunkt sicherzustellen.

Eine Buchung über ein VPN könnte gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen. Es könnte also passieren, dass euer Account durch den Anbieter gesperrt wird und ihr gar nicht mehr auf den Musik-Streaming-Dienst zugreifen könnt. Bislang sind aber keine Nutzerberichte bekannt, nach denen ein Konto durch so eine Buchung gesperrt wurde.

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