Acer Liquid S2 im Test: Dicker Brummer mit Ambitionen

Andreas Floemer 2

Acer hat im Zuge der IFA 2013 sein Smartphone-Flaggschiff Liquid S2 vorgestellt. Es handelt sich um eines der ersten Telefone des taiwanischen Herstellers, das man in puncto Ausstattung – das Liquid S2 verfügt über ein Snapdragon 800-SoC, 2 GB RAM und eine 13 MP-Kamera mit Ringblitz und 4K-Videoaufnahme – im High End-Segment verorten kann. Mit seinem riesigen 6 Zoll in der Diagonale messenden Full HD-Display gehört es ohne Zweifel zu der Kategorie der Phablets. Ob das Acer Liquid S2 überzeugen kann, klären wir in unserem Testbericht.

Acer Liquid S2 im Test: Dicker Brummer mit Ambitionen

Acer ist in Deutschland am ehesten für seine Notebooks bekannt, die es in nahezu allen Preisklassen gibt. Auf dem Android-Sektor tritt der Hersteller seit Jahren mit Tablets unterschiedlicher Couleur in den Vordergrund. Dass das taiwanische Unternehmen aber auch schon seit Jahren Smartphones baut, dürften hierzulande weniger präsent sein. Dies ist nicht weiter verwunderlich, schließlich bietet Acer in den deutschsprachigen Ländern nur wenige Produkte dieser Gerätekategorie an, und wenn, dann eher Geräte der Einsteiger- sowie Mittelklasse. Mit dem Acer Liquid S2 ändert sich das nun, wir haben in den vergangenen Wochen einen intensiveren Blick auf das High End-Gerät riskiert.

Acer Liquid S2 im Video

Bevor wir uns ans Eingemachte begeben, hier noch einmal unser Hands-On-Video von der IFA 2013, das einen guten ersten Eindruck vom Gerät vermittelt. Am Ende des Testberichts zeigen wir noch je ein Vergleichsvideo mit dem HTC One (M7) und dem LG G2.


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Optik, Haptik und Verarbeitung des Acer Liquid S2

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Wie bereits erwähnt, handelt es sich beim Acer Liquid S2 um ein Phablet mit einem Full HD-Display und einer Bilddiagonale von 6 Zoll. Damit spielt es in der Liga von HTC One Max (Test), Samsung Galaxy Note 3 (Test) und Sony Xperia Z Ultra (Test) mit, allerdings ist Acers Phablet mit seiner Dicke von 8,9 Millimetern im Vergleich zum One Max mit 10,3 Millimetern noch vergleichsweise schlank. Was das Gewicht angeht, kann es hingegen wohl oder übel den Titel des derzeit schwersten 6 Zoll-Geräts verliehen bekommen, denn das Liquid S2 wiegt stattliche 231 Gramm. Das One Max bringt im Vergleich 217 Gramm auf die Waage und selbst das größere Sony Xperia Z Ultra (Test) wiegt mit 212 Gramm deutlich weniger. Kurzum: Wir haben es mit einem Koloss von einem Smartphone zu tun.

Gerät Display- Diagonale Abmessungen Gewicht
Acer Liquid S2 6 Zoll 166 x 86 x 8,9  mm 231 Gramm
Sony Xperia Z Ultra 6,4 Zoll 179 x 92 x 6,5 mm 212 Gramm
HTC One Max 5,9 Zoll 164,5 x 82,5 x 10,29 mm 217 Gramm
Samsung Galaxy Note 3 5,7 Zoll 151,2 x 79,2 x 8,3 mm 168 Gramm

Das Gerät wirkt in seiner klassischen Barrenform optisch zwar nicht bieder, aber auch nicht außergewöhnlich. Auf der Vorderseite findet man unterhalb des Displays drei kapazitive Tasten: Beim linken handelt es sich um den Zurück-Button, mittig befindet sich ein kreisrunder Home-Button, der in seiner Form mit dem rückseitigen Ringblitz harmoniert. Auf der rechten Seite schließlich liegt der Multitasking-Button, der noch weitere Funktionen beherbergt. Dazu aber später mehr.

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Oberhalb des großen Screens befinden sich außer der Frontkamera und den üblichen Sensoren ein Lautsprecher, der sichelförmig abgehoben und rot unterlegt ist – zumindest beim uns vorliegenden roten Modell.

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Das runde Kunststoff-Element erweckt übrigens keinen allzu vertrauenswürdigen Eindruck, Sieht man es sich näher an, so erkennt man rasch, dass es nur festgeklebt wurde und sich sich unter Umständen lösen könnte. Wo wir bei vertrauenserweckend sind: Das komplette Gehäuse inklusive aller Buttons besteht aus robust wirkendem Polycarbonat.

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Die Verarbeitung des Geräts kann als ordentlich bezeichnet werden, wobei die Spaltmaße zwischen Display und Gehäuse schmaler hätten sein sollen – hier könnte sich Staub und anderer Unrat aus der Tasche ansammeln.

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Die nicht abnehmbare Rückseite unseres Testgeräts ist in mattem Rot gehalten, eine rein schwarze Version wird auch angeboten. Material und Oberfläche wirken recht ordentlich, dank der Mattierung fühlt es sich in der Hand angenehm an. Nichtsdestotrotz müssen wir betonen, dass das S2 enorm groß ist und sich kaum mit einer Hand bedienen lässt. Nicht einmal das Display kann man einhändig aktivieren, denn der Hersteller hat den Power-Button unpraktischer Weise auf die Oberseite gelegt – ebenso ist hier die Kopfhörerbuchse untergebracht. Lautsprecherwippe, SIM- wie microSD-Karten-Slot und microUSB-Anschluss befinden sich auf der rechten Gehäuseseite. Linksseitig sind zwei Lautsprecher angebracht. Auf der Unterseite liegt lediglich eine Reihe kleiner Löcher, hinter denen ein Mikrofon verbaut ist. Rückseitig befinden sich zentral auf der Oberseite die 13 MP-Hauptkamera mitsamt ihre Ringblitzes sowie das Acer-Logo und eine Dolby Digital Plus-Plakette.

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Zusammenfassend: Das Liquid S2 ist groß, schwer und lässt sich nur mit zwei Händen zufriedenstellend bedienen. Es ist solide verarbeitet, aber mit wenig Kreativität entworfen worden.

Das Display des Acer Liquid S2

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Auch wenn das Geräte-Design nicht unbedingt jedermanns Geschmack sein dürfte, weiß das sechs Zoll in der Diagonale messende Full HD-Display mit seiner Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln und einer daraus resultierenden Pixeldichte von 368 ppi durchaus zu überzeugen. Sowohl Bildschärfe als auch Kontrast und Schwarzwerte des IPS-Panels können als gut bis sehr gut bezeichnet werden. Die Farben wirken naturgetreu und brillant, aber nicht überzeichnet.

Auch die Blickwinkelstabilität kann sich IPS-typisch sehen lassen, wobei Inhalte bei sehr spitzen Betrachtungswinkeln etwas dunkler werden. Es ist keine Schleierbildung festzustellen – generell sind die Inhalte auch bei schrägem Einsichtswinkel immer noch sehr gut zu erkennen. Etwas Kritik muss sich das Display des Liquid S2 dennoch gefallen lassen, denn der Screen neigt dazu leicht zu spiegeln. Gerade bei Sonneneinstrahlung wird so die Nutzung etwas beeinträchtigt.

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Die Kamera im Acer Liquid S2

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Acer hat seinem Liquid S2 eine für diese Klasse fast schon obligatorische 13 MP-Kamera verbaut. Die Taiwaner legen aber noch einen drauf: Die Kamera ist dazu in der Lage, Videos in 4K-Auflösung aufzunehmen. Überdies lassen sich Panorama-Fotos sich mit einer Größe von bis zu 27 MP schießen. Ferner wurden vier LED-Lampen in Ringform um die Kameralinse herum gebaut und sollen Objekte auf diese Weise besser ausleuchten.

Auf dem Papier klingt dies alles überzeugend, in der Praxis wiederum macht die Kamera jedoch eine eher durchwachsene Figur. So ist die Bildqualität durchweg mittelmäßig – sowohl bei ausreichend Tageslicht als auch bei widrigen Lichtbedingungen hat die Kamera ihre Schwächen. Die Resultate bei normalem Tageslicht wirken je nach Lichteinfall wenig kontrast- und detailreich – teils wie von einem leichten Schleier verdeckt – wenngleich sich gegen die Farbtreue wenig einwenden lässt. Bei Dunkelheit hingegen sind die Ergebnisse im Mittel noch schlechter: Auf Lowlight-Fotos ist grundsätzlich starkes Bildrauschen mit Artfefaktbildung zu erkennen – insbesondere bei Aufnahmen mit mehren schwachen Lichtquellen. Bei wenigen Lichtquellen mit ausreichend Helligkeit kommen aber teils ansehnliche Resultate zustande. Ebenso gemischte Gefühle hinterlässt der Makromodus, der im Grunde gut funktioniert, sodass Objekte aus nächster Nähe fotografiert werden können, jedoch fehlt es teils an Schärfe. Die 2 MP-Frontkamera ist für Videotelefonie und für Selfies ausreichend.

Hier einige Beispielfotos der Kamera des Acer Liquid S2:

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Der Ringblitz sieht er ob seiner Form schick aus, das war es dann aber leider auch. Leider fehlt ihm die notwendige Helligkeit, um wirklich glänzen zu können. Aber seien wir mal ehrlich: Wann benutzt man schon einen LED-Blitz am Smartphone, mal abgesehen vom Einsatzzweck „Taschenlampe“?

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Die Videofunktion des Liquid S2 ist brauchbar. Die Bildqualität der 4K-Videos mit einer Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixeln ist in der Tat knackig-scharf, der Autofokus der Kamera funktioniert recht schnell und passt sich entsprechend den Objekten vor der Linse an, zudem wird Tap-To-Focus unterstützt, sodass man per Tap bestimmte Objekte unmittelbar scharfstellen kann. Ein Problem gibt es aber, welches sich gerade bei extrem hochauflösenden Videos bemerkbar macht: Der Kamera fehlt ein Hardware-basierter Bildstabilisator. Acer setzt lediglich auf eine Software-Lösung, die zitternde Hände oder leichtes Wackeln kaum verzeiht. Videos in voller 4K-Auflösung können übrigens maximal 5 Minuten lang sein, was wenig überrascht, da allein kurze Clips von einer Minute bereits rund 500 MB Speicher auffressen.

Die Kamera-App des Acer Liquid S2 hat eine Menge zu bieten, auch die Nutzeroberfläche weiß zu gefallen. Positiv fällt auf, dass die notwendigsten Einstellungen wie Auslöser, Zoom, Schnellzugriff auf die Galerie, Button zum Wechsel zwischen Haupt- und Frontkamera sowie ein kleiner Regler zum Wechsel zwischen Kamera und Video-Funktion allesamt auf der obersten Nutzer-Ebene liegen. Ein kleiner, recht unscheinbar wirkender Pfeil bringt den Nutzer zu weiteren Einstellungen. Tippt man auf diesen, so öffnet sich ein Ring, auf dem Buttons zu weiteren Einstellungsmöglichkeiten abgelegt sind. Sowohl Weißabgleich, Szenen-Modi wie Makro, Landschaft, Portrait, Effekt-Filter, Erfassungsmodi und die Kameraauflösung können hier ausgewählt werden. Überdies besteht die Option, zwischen Breitbild- und Normalmodus – also 16:9- und 4:3-Format – zu wechseln. Als Standard ist 16:9 eingestellt, in diesem Format lassen sich die vollen 13 MP indes nicht ausnutzen – man kann maximal mit 10 MP fotografieren, was aber im Grunde auch vollends ausreicht.

Hier zwei uneditierte Testvideos vom Acer Liquid S2, optional anschaubar in 4K:


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Die Software im Acer Liquid S2

Während Google kurz davor ist, bereits Android 4.4.3 zu veröffentlichen und viele aktuelle Smartphones der Oberklasse auf Android 4.4.2 KitKat laufen, dümpelt das Acer Liquid S2 immer noch auf Version 4.2.2 Jelly Bean herum. Für ein Smartphone, das im High End-Bereich mitspielen möchte, enttäuschend. Informationen zu einem möglichen Update auf eine aktuellere Version gibt es zurzeit nicht.

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Dem Liquid S2 wurde eine Float UI genannte Nutzeroberfläche übergestülpt, deren Zusatzfunktionen sich in erster Linie auf dem Home- und Lockscreen auswirken. Zum einen lassen sich auf dem Sperrbildschirm Widgets verschiedener Art ablegen. Im Grunde nichts Neues und Basis-Bestandteil von Android, allerdings hat Acer zusätzlich Shortcuts von Apps auf diese Ebene gelegt, sodass man beispielsweise rascher Telefonfunktion, Kamera, Messenger oder andere Anwendungen öffnen kann. Die Lockscreen-Apps lassen sich in den Einstellungen selbstredend beliebig anpassen, so wie auch das Hintergrundbild.

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Zum Öffnen eines App-Shortcuts auf dem Lockscreen muss man seinen Finger auf das entsprechende Icon legen und nach rechts wischen. Zum Entriegeln des Screens geht man ähnlich vor, nur ohne eine der Apps auszuwählen. Die Entriegelungsanimation erinnert dabei mit ihren vertikalen Lamellen ein wenig an Sonys UI. Der Start der Apps mittels Wischgeste ist anfangs mit ein wenig Übung verbunden, sobald man den Kniff aber verinnerlicht hat, geht es aber reibungslos vonstatten. Etwas kurios ist indes, dass man zwei Optionen besitzt, die Kamera vom Lockscreen aus zu starten (hier hätte man dem Samsung Galaxy S5 eine abgeben können), denn Acer hat die Standardwischgeste, die Google dafür vorgesehen hat, ebenso in der Firmware gelassen – somit kann man entweder von rechts nach links oder von links nach rechts wischen, um die Kamera zu aktivieren.

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Auf dem Homescreen liefert Acer ein beinahe „cleanes“ Android 4.2.2-Design, allerdings mit ein paar Tweaks und teils nützlichen Spielereien garniert. Die Icons sind zum Großteil an Stock-Android angelehnt, wobei das Kamera-Icon absolut aus der Art schlägt und mit seinem Kunstleder-artigen Rahmen und Nähten an Apples skeuomorphische Prä-iOS-7-Zeit erinnert, dabei jedoch alles andere als gelungen wirkt.

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Die Namensgebung der Nutzeroberfläche – Float UI – kommt nicht von ungefähr, denn Acer hat seiner Software eine Option verpasst, mit denen man diverse Anwendungen in kleinen Fenstern auf dem Homescreen ablegen kann. Zur Übersicht dieser Apps gelangt man mit einem Langdruck auf den Multitasking-Button. Hier stehen nun Kamera, Google Maps, eine Notiz-App, Stoppuhr und weitere Anwendungen bereit. Diese lassen sich beliebig auf dem Homescreen arrangieren und bei Bedarf wieder schließen. Angesichts des enorm großen Screens keine schlechte Idee – ob viele Nutzer angesichts der Ausrichtung von Android auf Vollbild-Apps von der Funktion Gebrauch machen, bleibt aber abzuwarten. Ferner hat Acer in der Floating-App-Übersicht Shortcuts zu weiteren Apps abgelegt, die der Nutzer nach eigenen Vorstellungen belegen kann. In die Riege diese Mini-Apps gehört außerdem der sogenannte Float Caller – hierbei handelt es sich um die Option die Telefon-App bei Gesprächen zu reduzieren, sodass sie nicht den kompletten Bildschirm einnimmt.

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Dies ist aber noch nicht alles an Besonderheiten, die Acer seinem Liquid S2 verabreicht hat. Wie beispielsweise in Samsungs Galaxy Note-Reihe lassen sich per „Live Screen“-Funktion erstellte Screenshots beschriften und anderweitig bearbeiten sowie an Dritte weiterversenden.

Abgesehen von diesen Software-Features hat Acer noch eine Reihe an eigenen Anwendungen und Diensten beigefügt, deren Nutzung selbstredend optional ist. So findet man im App-Drawer neben der Live Screen-App auch Acer Print, AcerCloud, eine eigene Foto-Galerie, eine Video-App sowie einen Musik-Player und eine App zur Dokumenten-Verwaltung.  Angesichts dessen, dass in Android standardmäßig Galerie-App, Musik-Player und weitere Anwendungen wie YouTube vorinstalliert sind, findet man nun allerhand Dopplungen vor, die den Nutzer verwirren könnten. Aus unserer Sicht wäre sinnvoller, auf Services zu setzen, die für Smartphones aller Hersteller gleichermaßen nutzbar sind.

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Radio-Freunde können frohlocken, denn Acer hat in seinem Liquid S2 ein FM-Radio verbaut – anders als etwa Samsung in seinen jüngsten Modellen. So kann man unterwegs seinen Lieblingssendern lauschen, vorausgesetzt es ist ein als Antenne fungierender Kopfhörer angeschlossen.

Zusammengefasst ist die Software des Liquid S2 nicht mehr auf dem Stand der Zeit, läuft aber stabil und zuverlässig. Einige der von Acer integrierten Funktionen mögen sinnvoll sein, die zusätzlichen Apps halten wir allerdings für vergebene Liebesmüh – vor allem der eigene Cloud-Service sowie Video- und Musik-Apps erwecken den Eindruck von „Me-Too-Produkten“, die nur Speicher auf dem Gerät belegen. Zudem gibt es mittlerweile viele Cloud-Services, die plattformübergreifend funktionieren und sich einen guten Ruf erarbeitet haben – allen voran Google Drive und Dropbox.


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Hardware und Performance des Acer Liquid S2

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Für ein 2013er High End-Modell besitzt das Acer Liquid S2 standesgemäß einen Snapdragon 800-Prozessor (Modellnummer MSM8974), der auf 2,2 GHz getaktet ist. Unterstützt wird dieses SoC, das beispielsweise auch im Sony Xperia Z1 (Test) und – als „Higher Binned“-Version mit höheren Taktraten für CPU und GPU – im Samsung Galaxy Note 3 (Test) und LG G2 (Test) seine Dienste verrichtet, von einer Adreno 330-GPU und 2 GB RAM. Mittlerweile ist diese Kombination nicht mehr die schnellste Lösung auf dem Markt, die Leistungsunterschiede zum Snapdragon 800 mit 2,3 GHz und dem aktuell potentesten SoC Snapdragon 801, sind jedoch nicht groß. Der Snapdragon 800 mit 2,2 GHz ist für alle erdenklichen Aufgaben ausreichend – selbst grafikintensive Games stellen kein Problem dar. Im Alltagsgebrauch macht sich die potente Kombination auch positiv bemerkbar. Hier ruckelt nichts; weder beim Wechsel von Homescreen zu Homescreen, noch beim Öffnen des App-Drawers oder dem Starten einer App sind störende Denkpausen oder gar Ruckler zu erkennen. Auch der Druck auf den Multitasking-Button oder beim Öffnen von Google Now sind die Animationen so flüssig, wie sie sein sollen.

Dass sich der Acer-Bolide nicht nur bei den wenig rechenintensiven Aktionen von seiner Schokoladenseite zeigt, sondern auch bei ressourcenlastigen Games, verwundert kaum. Games wie CSR Racing, Real [link id=2470163]Racing 3, Riptide GP 2 und auch Table Top Racing laufen selbst bei höchster Detailstufe flüssig und ohne Ruckler. Vor allem in Kombination mit dem riesigen Display dürfte das Liquid S2 für Heavy-Gamer keine allzu schlechte Wahl sein. Bei Beanspruchung von GPU und CPU bemerkt man durchaus eine gewisse Wärmeentwicklung, allerdings bleibt diese noch vollends im verschmerzbaren Bereich.

Benchmark Acer Liquid S2 LG G2 Samsung Galaxy Note 3
Antutu 4.0.1 Total  31246 35043 35456
Antutu UX (Multitask/Dalvik)  5580/3559 6882/3649 6845/3609
Antutu CPU (integer/float)  2984/3320 3260/3494 3268/3945
Antutu RAM (Operation/Speed) 1328/1870 1477/2649 1558/2424
Antutu GPU (2D/3D) 1622/8972 1615/9440 1634/9712
Antutu IO (Storage/Database)  1352/660 1912/665 1776/685
CF-Bench 1.3 Overall  32592 33240 32863
CF-Bench Java  30311 30954 29590
CF-Bench Native  36015 36669 37774
GFXBench
(T-Rex HD Offscreen)
 1285 Frames 22,9 fps (v 3.0.10) 1221 Frames
22 fps (v 2.7)
1458 Frames
26 fps (v 2.7)
GFXBench 2.7
(2.5 Egypt HD Offscreen)
 – 6381 Frames
56 fps
7297 Frames
65 fps

Auch wenn Benchmarks wenig über die eigentliche Alltagsleistung aussagen, haben wir zum Zweck der Vergleichbarkeit dennoch einige Tools wie AnTuTu und GFXBench auf dem Liquid S2 laufen lassen. Im direkten Vergleich mit Geräten ähnlicher Ausstattung zeigt sich hier, dass  Acers Oberklasse-Modell tendenziell den Kürzeren zieht – sowohl im AnTuTu als auch im CFBench und GFX-Benchmark liegen die beiden Mitbewerber ein Stück weit vor dem Liquid S2. Hier muss allerdings bemerkt werden, dass die Unterschiede teilweise marginal sind, lediglich in der AnTuTu-Gesamtwertung zieht die Konkurrenz davon. Wie erwähnt sollte man diese Werte mit Vorsicht genießen, denn das Gros der im Play Store verfügbaren Anwendungen reizen das Potenzial der Geräte ohnehin nicht aus, zudem ist durchaus möglich, dass der ein oder andere Hersteller einen „Benchmark-Booster“ integriert hat, um in Benchmarks überproportional gute Ergebnisse zu erzeugen.

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Fazit: Wenn es um Leistung geht, ist man beim Acer Liquid S2 bis auf Weiteres sehr gut versorgt. Selbst für leistungshungrige Games reicht die Performance des Geräts vollkommen aus, und das wird auch in absehbarer Zeit so bleiben.

Konnektivität und Speicher

Im Liquid S2 sind 16 GB an internem Flash-Speicher verbaut worden, von denen dem Nutzer bei Inbetriebnahme rund 11 GB zur freien Verfügung stehen – die Differenz wird vom System in Anspruch genommen. Wem die 11 GB nicht genügen, hat die Option, den Speicher mittels microSD-Karte um bis zu 128 GB zu erweitern. Eine Speicheraufrüstung ist insbesondere Multimedia-affinen Nutzern auch anzuraten, insbesondere wenn man gerne seine komplette Musikbibliothek, Filme oder andere Daten mit sich herumträgt und unabhängig von Streaming-Diensten sein möchte. Nimmt man seine Videos ausschließlich in 4K-Auflösung auf, so ist es ebenfalls nicht verkehrt, etwas Zusatzspeicher in petto zu haben.

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Was die weitere Ausstattung betrifft, so hat das Acer Liquid S2 dank des funktionsmächtigen Snapdragon 800 unter anderem WLAN mit allen aktuellen Standards, inklusive dem schnellen 802.11 ac sowie Bluetooth 4.0, GLONASS und GPS integriert. Letzteres ortet rasch die eigene Position, mit zugeschaltetem WLAN geht die Ortung erwartungsgemäß noch schneller vonstatten. Ferner unterstützt das Smartphone USB-on-the-Go, um Daten per USB-Stick auf das Smartphone zu schaufeln, auch NFC ist vorhanden. Im mobilen Netz kann das Liquid S2 mit Cat4-LTE auf den Frequenzen 800, 1.800 und 2.600 MHz funken, theoretisch sind so Downloadraten bis 150 MBit/s möglich. Wer mit dem Gedanken spielt, sich das Liquid S2 zuzulegen, sollte sich im Klaren sein, dass er/sie möglicherweise eine neue SIM-Karte benötigt, denn das Phablet nimmt nur nano-SIM-Karten auf. Dies mag angesichts der Gerätegröße irritieren, wir gehen allerdings davon aus, dass dieser neue SIM-Standard Größe im Laufe des Jahres zum de-facto-Standard wird und man über Kurz oder Lang sowieso nicht um die micro-SIM herumkommt.

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Telefonie und Audio

Das Liquid S2 sieht aufgrund seiner Größe etwas seltsam aus – insbesondere, wenn man es zum Telefonieren ans Ohr hält. Die Telefoniequalität geht allerdings vollkommen in Ordnung, sowohl auf Sender- wie Empfängerseite, auch Verbindungsabbrüche waren nicht zu beobachten. Eine Freisprech-Option ist zwar vorhanden, die verbauten seitlichen Lautsprecher halten aber leider nicht, was das Dolby-Siegel verspricht: Zum Freisprechen sind sie nur in verhältnismäßig ruhiger Umgebung zu gebrauchen.

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Entsprechend ist das Liquid S2 nicht beispielsweise mit einem HTC One zu vergleichen. Die Position der Speaker ist zwar positiv hervorzuheben, allerdings will kein wirklich satter Stereosound aufkommen. Man hat den Eindruck, als sei der rechte Lautsprecher ein wenig lauter als die Öffnung auf der linken Seite. Außerdem tragen die Dolby Digital Plus-Soundmodifikationen nicht unbedingt zur Verbesserung des Sounds bei. Mit angeschlossenen Kopfhörern gibt es hingegen nichts zu bemängeln.

Akku

Acer hat seinem Liquid S2 einen stattlichen 3.300 mAh-Akku verpasst, der vor allem in Kombination mit dem recht energiesparenden Snapdragon 800-SoC problemlos mehr als einen Tag Energie liefern sollte. Dies ist auch der Fall, allerdings kann das Gerät nicht mit anderen „Akkuwundern“ wie dem LG G2 oder dem Galaxy Note 3 mithalten. Während diese Geräte je nach Intensität der Nutzung gern mal zwei Tage mit einer Akkuladung auskommen können, muss das Liquid S2 am Abend des ersten Tages oder spätestens mittags am Folgetag an die Steckdose. Bei rechenintensiven Spielen oder Dauervideoberieselung sollte man Sorge dafür tragen, dass man eine Steckdose oder ein Akkupack griffbereit hat, denn dann ist es durchaus möglich, dass der Energiespeicher nach ein paar Stunden extensiver Nutzung zur Neige geht. Was die Standby-Zeit anbelangt, so hält der Akku bei Nichtbenutzung des Geräts locker drei Tage. Sprich: Die Lebensdauer pro Akkuladung ist beim Liquid S2 extrem abhängig von der Displayaktivität. Je mehr „Screen-on-time“, desto schneller muss nachgetankt werden.

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Um die Akkulaufzeit zu erhöhen, besteht softwareseitig die Option, eine Energiespar-Einstellung zu aktivieren. Ferner lassen sich energiehungrige Apps auf eine schwarze Liste setzen, sodass diese im Standby-Modus kurzerhand deaktiviert werden. Durch diese Einstellungen mag sich vielleicht die Akkulaufzeit verlängern, die Funktionalität des Phablets wird durch Deaktivierung von Hintergrunddiensten jedoch geschmälert.

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Es hat den Anschein als könnte Acer noch eine Menge mehr aus dem Gerät herausholen, würde der Hersteller die Firmware optimieren. Denn wir haben im Laufe des Tests beobachten können, dass das Android-System permanent mehr Energie verbraucht als es bei anderen Geräten der Fall ist. Der Akkuverbrauch durch das OS lag stets zwischen 30 und über 40 Prozent, was bei anderen Geräten nicht die Regel ist.

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Kurz zusammengefasst: Die Akkulaufzeit haut uns nicht vom Hocker. Vom verbauten 3.300 mAh-Akku haben wir uns mehr versprochen, man darf aber nicht außer Acht lassen, dass das Sechs-Zoll-Display einen gesunden Energieappetit an den Tag legt.


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Fazit

Acer hat mit dem Liquid S2 erstmals ein High End-Phablet abgeliefert. Es besitzt einige positive Eigenschaften: ein großartiges Display und genügend Performance, um auch anspruchsvolle Games mühelos zu meistern. Auch zum Konsumieren von Filmen unterwegs eignet sich das Phablet – Kopfhörer vorausgesetzt – bestens. Wer aber darauf wert legt sein Mobilgerät auch zum Fotografieren zu nutzen, sollte besser einem anderen Smartphone greifen, denn hier besteht noch Nachholbedarf. Zwar sind die Resultate nicht unterirdisch, jedoch kann die Kamera nicht mit denen der aktuellen Mitbewerber mithalten.

Ferner sind Größe und Gewicht des Acer-Phablets, im negativen Sinne, eine Wucht. Das Device ist extrem groß und schwer – fernab jeder Hosentaschentauglichkeit. In der täglichen Nutzung ist es zudem recht unhandlich – von der Möglichkeit der Einhandbedienung kann man sich getrost verabschieden, auch wenn das bei vielen Phablets mittlerweile die Regel ist.

Nichtsdestotrotz: Das Liquid S2 zeigt Ambitionen des Herstellers, in den Oberklasse-Markt vorzudringen. Um sich gegen die Mitbewerber durchzusetzen, muss Acer aber noch an vielen Ecken nachlegen. Wir warten mit Spannung auf den Nachfolger.

Fazit zum Acer Liquid S2

Unsere Wertung

  • Display: 5/5
  • Verarbeitung, Haptik und Design: 3/5
  • Kamera: 3/5
  • Software: 3/5
  • Performance: 5/5
  • Telefonie und Audio: 3/5
  • Konnektivität und Speicher: 5/5
  • Akku und Alltagstauglichkeit: 3/5

Gesamt: 3,8/5

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Pro

  • Hervorragendes, großes Display
  • Top-Performance
  • 4K-Videoaufnahme

Contra

  • Schwer und unhandlich
  • Kamera nur Mittelmaß
  • Veraltete Android-Version


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Vergleichsvideos

Acer Liquid S2 vs. HTC One (M7)

Acer Liquid S2 vs. LG G2

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