Amazon wirft den Fehdehandschuh: Was der Verkaufsstopp für Chromecast und Apple TV bedeutet

Jan Schneidereit 22

Amazon hat angekündigt, ab dem 29. Oktober die Streaming-Devices von Google, Apple und weiteren Herstellern aus seinem Sortiment zu verbannen. In einer E-Mail informiert Amazon seine Marketplace-Verkäufer, dass ab sofort keine neuen Chromecasts und Apple TV mehr eingestellt werden können. Bestehende Angebote werden zudem am 29. Oktober automatisch entfernt.

Amazon wirft den Fehdehandschuh: Was der Verkaufsstopp für Chromecast und Apple TV bedeutet

Diese Meldung klang für uns in der Redaktion zunächst abstrus, wir ließen uns ihre Richtigkeit aber im Gespräch mit Vertretern von Google und Amazon verifizieren. Als Begründung für diesen drastischen Schritt gibt Amazon an, zukünftig nur noch Geräte in sein Sortiment aufnehmen zu wollen, die mit Amazons eigenem Dienst Prime Instant Video kompatibel sind. So solle vermieden werden, dass bei Amazon-Kunden Verwirrung über den Funktionsumfang von Videostreaming-Geräten entstehe. Media-Sticks oder Konsolen, auf denen Prime Instant Video verfügbar ist, sind demnach nicht von dem Verkaufsverbot betroffen. So werden Sony PlayStation, Microsoft Xbox oder Streamingboxen von Roku weiterhin erhältlich sein.

Sorge um das Wohl der Kunden?

Doch stellt eine mögliche „Verwirrung“ der Kunden wirklich Amazons wahren Beweggrund dar? Definitiv nicht. Zum einen wäre es für Amazon ein Leichtes, Prime Instant Video und seine anderen Mediastreaming-Apps wie Amazon Music und Audible ohne größeren technischen und finanziellen Aufwand auch für andere Plattformen zur Verfügung zu stellen. Über das frei zugängliche Google Cast-SDK beispielsweise können Entwickler ihre Apps unkompliziert für eine Übertragung auf den Chromecast fit machen – wenn denn der Wille dazu vorhanden ist.

Zum anderen bietet Amazon mit der gerade vorgestellten neuen Version des Fire TV sowie dem Fire TV Stick Geräte an, mit denen der Konzern Kunden an sein eigenes Ökosystem binden will. Der Verleih von kostenpflichtigen Filmen und Serien, der Verkauf von Musik oder auch In-App-Käufe in Games bescheren Amazon hohe Umsätze und binden Kunden zudem an das Unternehmen. Gelingt es, die Konkurrenz aus Mountain View und Cupertino zu verbannen, greifen mehr Kunden automatisch auf Amazons Geräte und Dienste zurück – so offenbar der Gedanke hinter dem Embargo.

Amazon ist ein wichtiger Vertriebskanal für Technikprodukte und im wachsenden Ausmaß für digitalen Content; seiner Marktmacht ist sich der Versandriese durchaus bewusst. Hinter dieser fadenscheinscheinigen Begründung zur Herausnahme der Konkurrenzprodukte steckt also der Versuch, die Konkurrenz zu schwächen und das eigene Ökosystem zu pushen.

Wird sich diese Maßnahme auszahlen? Zwar ist Amazon nicht der einzige Versandhändler im Internet; Chromecasts und Apple TVs lassen sich auch anderswo kaufen. Doch vermiest es Kunden unter Umständen ihr Einkaufserlebnis, wenn sie statt einer „Sammelbestellung“ nun bei verschiedenen Händlern ordern müssen – gerade im nahenden Vorweihnachtsgeschäft ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Ob sie sich dann für Amazon oder ein anderes Versandhaus entscheiden, wird sich zeigen müssen. Zudem erscheint es bedenklich, wenn ein Beinahe-Monopolist wie Amazon seine Marktmacht ausnutzt und den Verkauf bestimmter Waren unterbindet. Zwar wird diese Maßnahme für Google und Apple nicht den finanziellen Ruin einleiten, kleinere Anbieter und Marketplace-Verkäufer werden den Verkaufsstopp aber mit Sicherheit zu spüren bekommen.

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Quelle: Bloomberg Business

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